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Grundsätze der Dressur und Reitkunst.

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James Fillis
James Fillis
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JAMES FILLIS.

Grundsätze der Dressur und Reitkunst.

Vierte verbesserte Auflage von Gustav Goebel, Reitlehrer.

Mit dem Bilde des Verfassers und 70 Abbildungen auf 36 Tafeln.

Stuttgart 1918. Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer).

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Aus dem Französischen.

Alle Rechte für die deutsche Ausgabe vorbehalten.

Carl Hammer Hofbuchdruckerei, Stuttgart.

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Vorwort.

Ich will hier keine wissenschaftlichen Leitsätze aufstellen. Meine Anmaßung geht nicht so hoch hinaus! Ich bin ein einfacher Reitersmann, der mit dem Pferde fast fünfzig Jahre beschäftigt ist, der es kennt. liebt und sich für befähigt hält, darüber zu sprechen.

Ich war acht Jahre alt, als man mich zum ersten Male auf ein Pferd setzte; meine unscheinbare Person wurde zwar nicht besonders hochgeschätzt, aber sobald ein Pferd Widerstand leistete oder sich gar widersetzte, riefen alle miteinander: „Setz den kleinen Burschen hinauf!“ Und man setzte ihn hinauf, den kleinen Burschen, und vorwärts ging's! Mit den Hacken, der Reitgerte und der Bahnpeitsche! Der Bursche hielt sich, wenn er konnte, und so gut, wie er konnte, oder er fiel herunter, um sofort wieder in den Sattel gehoben zu werden.

Solcher Art waren meine ersten Versuche in der Reitkunst, und so habe ich schon von Kindheit an damit begonnen, den ersten Grundsatz der Reitkunst „Schwung nach vorwärts“ zu befolgen, welcher mir später so lieb und wert geworden ist.

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Bei dieser zweifellos etwas rohen, aber merkwürdig vorteilhaften Anleitung habe ich Selbstvertrauen, sicheren Sitz und — möge mir erlaubt sein, es auszusprechen — die Unerschrockenheit, d. h. diejenige Dreistigkeit gewonnen, dem Widerstände meines Pferdes nachdrücklich, aber vernünftig entgegenzutreten. Später erst ist die aus den Erfahrungen gewonnene Arbeit hinzugekommen, mit all den Versuchen, welche sie mit sich bringt: die Nachforschungen, das Herumtappen, die Irrtümer, die nur langsam sich verbessern liessen, die nur schwer wieder zu beseitigenden Fehler, die nutzlosen oder erfolgreichen Anstrengungen, die guten und schlechten Ratschläge, welche man sich in seiner Ratlosigkeit selbst erteilen muss. Alles das sind lange, schwierige Perioden, wobei viele mutlos werden. Und doch ist es eine nützliche Leibes- und Geistestätigkeit, welche die Glieder geschmeidig macht, die Kaltblütigkeit erhält in den tausenderlei unvorhergesehenen täglichen Zwischenfällen, die den Sitz befestigt, und welche schliesslich, ohne etwa schon den „Reitertakt“ zu verleihen, den Reiter dahin führt, sein Pferd zu „fühlen“.

Von da ab fing ich an zu versuchen, mir Rechenschaft über das Geschehene abzulegen, mir zu vergegenwärtigen, was ich denn eigentlich tat. Von da ab datiert mein eifrigeres Studium, das Streben nach grösserer Gründlichkeit und nach oft gewagten Schluss-

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folgerungen, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit mir mehr oder minder schnell durch die Praxis gezeigt wurde.

Dann erhielt ich geregelten Unterricht und durch ihn Methode, welche die Erfahrungen sichtet, diese in Beziehung zu einander bringt und die leitenden Gesichtspunkte heraushebt.

Seitdem tappte ich nicht mehr im Dunkeln. Alles wurde klar, fasslich und natürlich. Man entrollte vor mir ein Gesamtbild von den Wechselwirkungen zwischen Reiter und Pferd, welches mir ermöglichte, alles zu ordnen, zu zergliedern und zu begreifen. Es bedurfte jetzt nur noch des Fleisses. Hatte ich aber einmal mit dem Verstände die Methode erfasst, dann handelte es sich nur noch darum, dieselbe auf Hand und Schenkel zu übertragen, d. h. die Wechselwirkung dieser zum Ausdruck zu bringen. Dem widmete ich beharrlich alle meine Anstrengungen. Alle Halbheit vermeidend, befleissigte ich mich gespannterer Aufmerksamkeit durch ganz besondere Beobachtung aller Geringfügigkeiten und einer feiner durchgeführten Behandlung der praktischen Arbeit, um bei mir diejenige Feinheit des Erkennens aller beabsichtigten Bewegungen und Andeutungen des Pferdes auszubilden, welche erlaubt, augenblicklich, aber massvoll mit Wirkung gegen Wirkung einzugreifen.

Man nennt das „Reitertakt“.

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Endlich konnte ich selbständig urteilen und arbeiten; ich beherrschte meine Kunst. Ich konnte über meine Methode selbst die Kritik machen, und ich tat es. Ich sichtete noch einmal alles, unterwarf alles einer Probe in der Reitbahn, putzte aus, veränderte, fügte Neues hinzu.

So erreichte ich es, immer in den Bahnen der alten Meister bleibend, mir eine eigene Methode zu errichten, welche nichts anderes war, als die Weiterentwicklung, als die Vervollkommnung der von den Schöpfern französischer Reitkunst aufgestellten und angewandten Grundsätze. Ohne diese berühmten Lehrmeister wären alle meine Anstrengungen vergeblich geblieben. Wenn ich dem Wissensschatze, welchen jene aufgehäuft haben, ein Teilchen Wahrheit hinzufügen konnte, so bin ich doch, immer ungebunden in meinem eigenen kritischen Urteil, den Lehren jener treu geblieben. Sind sie es doch, denen die Ehre gebührt.

Das grundlegende Prinzip, welches sich aus diesem der Öffentlichkeit unterbreiteten Werke ergibt, besteht darin, das Gleichgewicht und die Leichtigkeit, d. h. die Durchlässigkeit des Pferdes in der Vorwärtsbewegung zu erzeugen, sowie die Triebkraft zu fördern, um durch die geringste Anstrengung die energischsten Wirkungen zu erzielen.

Gleichgewicht durch Aufrichtung des im Genick,

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nicht am Widerrist gebogenen Halses, ferner der durch Unterschieben der Sprunggelenke unter den Schwerpunkt hervorgerufene Schwung und schliesslich die Durchlässigkeit infolge der Maultätigkeit: darin besteht meine ganze Reitkunst.

Wenn man das weiss, weiss man alles und doch auch nichts. Man weiss alles, weil man diese Grundsätze überall wiederfindet. Man weiss nichts, weil dabei immer noch übrig bleibt, diese Grundsätze auf die Praxis zu übertragen.

Die Praxis kann ich durch dieses Buch nicht lehren, die Methode aber will ich zu erklären suchen.

Vielleicht würde ich niemals die Dreistigkeit gehabt haben, dies zu versuchen, wenn mich nicht einer meiner Schüler, welcher durch meine gelegentlich der Zwischenfälle während der Dressur-Lektionen gegebenen Erklärungen, sowie auch durch die stets hervortretende Einheitlichkeit der Methode frappiert war, lebhaft zugeredet hätte, diese Veröffentlichung zu unternehmen.

„Aber,“ sagte ich ihm, „ich bin nur ein Mann der Praxis; eine solche Aufgabe erschreckt mich; wie aber, wenn ich durch fehlerhafte oder unklare Erklärung die Stärke der Grundsätze abschwächen würde, die doch die Wahrheit selbst sind?“

„Fürchten Sie nichts,“ antwortete er mir, „keine Theorie, keine Bewegungslehren! Genug andere haben das Pferd zergliedert und seine Bewegungsart klar-

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gelegt. Anstatt über diese Dinge zu verhandeln, geben Sie uns nur eine einfache Erzählung von dem, was Sie tun mit Beginn des Tages, an welchem Sie ein Vollblutpferd kaufen, bis zu dem Augenblick, da Sie nach beendeter Dressur dasselbe den Reitern oder den Reiterinnen übergeben, welche Ihre Kundschaft bilden.“

Das ist der Ratschlag, aus welchem dieses Buch hervorgegangen ist. Das ist der ganze Plan, welchen ich mir vorgelegt habe.

Möge man mich beurteilen, aber erst dann nachdem man dieses Buch mit derjenigen Aufmerksamkeit gelesen hat, welche ein Werk verdient, in dem sich fünfzig Jahre der ernstesten Studien und der andauerndsten Arbeit widerspiegeln.

Ich vertraue der Nachsicht der öffentlichen Meinung und einer gerechten Kritik.

James Fillis.

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Vorworte

zur ersten deutschen Auflage.

Karlsbad, den 7. April 1894.

Ich halte das Fillissche Werk für eines der besten und bedeutsamsten der gesamten hippologischen Literatur: Scharf durchdacht, gegründet auf vollendete technische Fertigkeit und umfassende Kenntnis des Pferdes, bringt es — alle Gebiete der Reiterei umfassend — die Grundsätze der wahren Kunst zu klarer Darstellung.

Ebenso lehrreich für den Schulreiter, als nützlich für den Rennreiter, kann man das Werk besonders allen denjenigen zum Studium empfehlen, welchen die Ausübung der Campagne-Reiterei pflicht- und berufsmässig obliegt.

von Krosigk,

General der Kavallerie und Inspekteur der 1. Kavallerie-Inspektion.

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Berlin, im März 1894.

Ich empfehle dieses ausgezeichnete, einzig in seiner Art dastehende Werk dem fleissigen Studium aller Kameraden in der Armee aufs wärmste; sie werden darin für jeden einzelnen Fall alle diejenigen Schenkel-, Zügel-, Gesäss- und Gewichts-Hilfen beschrieben finden, welche sie — zweifellos — empirisch-praktisch schon immer in Anwendung gebracht, aber noch niemals mit solcher Deutlichkeit schwarz auf weiss ausgedrückt gefunden haben.

Mein volles Interesse hat das Buch besonders deshalb gefunden, weil das feine Reitergefühl dieses Meisters seiner Kunst theoretisch so vollkommen zum Ausdruck gelangt, dass der aufmerksame Leser alles das gewissermassen mitfühlt, was der Autor beschreibt.

von Rosenberg,

General der Kavallerie und Inspekteur der 2. Kavallerie-Inspektion.

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ERSTER TEIL.

Pferd und Reiter.

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I. Das Pferd.

Ich dressiere nur Vollblutpferde, aber ich bin weit entfernt davon, zu behaupten, dass nicht auch Dreiviertelblut- und Halbblutpferde gute Reitpferde abgeben sollten. Ich will damit nur sagen, dass ich Vollblutpferden den Vorzug gebe.

Ich suche nicht nach grossen Pferden; solche von 1 m 56 bis 1 m 58 gefallen mir am besten; sagen wir, um nicht engherzig zu erscheinen, von 1 m 55 bis 1 m 60 Stockmass.

Was die Auswahl des Pferdes betrifft, so muss man zunächst das Gesamtbild betrachten und sich dazu einige Meter vom Tiere entfernt aufstellen. Wenn der erste Eindruck gut ist, dann besichtige ich die Einzelheiten und bin dazu geneigt, über etwaige kleine Mängel hinwegzusehen. Wenn aber, im Gegenteil, dieser allgemeine, erste Eindruck nicht günstig ausfällt, dann prüfe ich genau und bin viel weniger geneigt, den Mängeln Konzessionen zu machen. Vollendetes existiert nicht. Bei dieser ersten Gesamtprüfung, muss man besonders die Art und Weise beachten, wie das Pferd sich seiner Gliedmassen im Schritt, Trab und Galopp, an der Hand und unter dem Reiter bedient.

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Manches Pferd, welches im Stillstand den Begriffen von einem regelmässigen Gebäude zwar wenig entspricht, wird dennoch oft harmonisch, flott und geschickt erscheinen, sobald man es in Gang setzt. Ein anderes Pferd hingegen, welches im Stillstand beinahe vollkommen erscheint, ist oft schwerfällig und ungeschickt in seinen Bewegungen. Ich ziehe das erstere vor, weil es von dem, „was es hat“, guten Gebrauch machen wird.

Niedlicher Kopf, langer und feiner Hals, hoher Widerrist, Rücken und Nierenpartie kurz und breit, lange Kruppe, lange und schräge Schultern, die Nierenpartie gut verbunden mit der letzten Rippe, Hinterschenkel und Hosen bis zum Sprunggelenk lang, Röhrbein kurz; das Gleiche gilt von der Vorhand: langer Vorarm,[1] kurzes Röhrbein, das Fesselbein lieber ein wenig zu lang als zu kurz; das alles sind die Eigenschaften, der äusseren Erscheinung, welche ich suche, welche sich aber sehr selten bei ein und demselben Tiere zusammenfinden.

Ich weise unbedingt ein Pferd mit steilen Fesseln zurück; denn diesem fehlt die Schnellkraft, der Gang ist schleppend und fehlerhaft.

Ich achte sorgfältig darauf, dass die Huftrachten nicht zusammengezogen sind. Um zu vermeiden, dass sich dieser Fehler etwa später noch herausbildet, lasse ich meine Pferde nicht beschlagen, solange sie auf


  1. Man suche sich ein Pferd, welches „niedrig über dem Boden steht“. Ein Pferd wird niedrig über dem Boden stehen, wenn die Linien vom Widerrist bis zur Schulterbugspitze und von hier bis zur Vorderhufspitze gleich lang sind; die langen Beine eines hoch über dem Boden stehenden Pferdes werden immer ungeschickt und für Fehler empfänglich sein. ↩︎

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weichem Boden arbeiten. Sie treten dann mit ausgedehntem Huf auf, wodurch wieder eine besondere Spreizung der Trachten bewirkt wird.

Ich lasse immer mit verlängerten, halbmondförmigen Eisen beschlagen und zwar so, dass die Eisenenden in die Hufsohle eingelassen sind. Hierdurch erreiche ich, dass weder Hufzwang noch Hufkrankheiten entstehen.

Kurz, es ist mit dem Pferde so, wie mit dem Menschen. Wenn man die ganze physische Vollkommenheit besässe, hat man doch noch nichts; man muss dazu auch die nötigen moralischen Eigenschaften aufzuweisen haben.

Die erste moralische Eigenschaft für ein Pferd ist, frei und ungebunden zu sein und Gehlust zu haben. Ich empfehle über alles ein „feuriges“ Pferd; denn ganz im Gegensatz zu dem, was man glauben sollte, ist es weder nervös reizbar, noch ungeduldig oder scheu. Ich komme später darauf noch zurück und will mich hier nur darauf beschränken, festzustellen, dass ein selbst nur mittelmässig gebautes Pferd ausgezeichnet ist, wenn es nur die erste moralische Eigenschaft, die Gehlust, besitzt. Hingegen taugt ein Pferd, obschon es schön zum Malen wäre, zu nichts, wenn es dieser Eigenschaft beraubt wäre.

Ich beginne die Unterweisung des Pferdes immer schon dann, wenn es noch jung ist, d. h. zweijährig, höchstens dreijährig. Ich kaufe die Pferde, wenn irgend möglich, gegen September. Da die Pferde im Frühjahr geboren werden, so sind sie um diese Zeit zweieinhalbjährig.

Der Grund, weswegen ich jungen Pferden den

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Vorzug gebe, ist der, dass diese fast noch nie im Training waren oder doch erst sehr wenig, und dass sie infolgedessen gut erhalten sind.

Es ist übrigens leicht, sie zu erwerben; denn unter den Vollblutpferden, welche etwas Aussicht auf Erfolg im Wettrennen haben, findet sich doch eine grosse Anzahl Nieten, welche aber nichtsdestoweniger ausgezeichnete Schul- und Dienstpferde werden können. Übrigens findet man aus noch vielen anderen Ursachen eine grosse Auswahl unter Vollblutpferden dieses Alters.

Ich kaufe niemals Stuten. Mein Beweggrund hierfür ist, dass sie oft zu kitzlig sind und bei Sporengebrauch sogar urinieren.

Ich habe meine Hengste immer der Kastration unterworfen, und zwar aus mehrfachen Gründen. Zunächst hat ein Hengst die üble Angewohnheit, sich auf alle Pferde zu stürzen, die ihm begegnen; was für den Reiter nicht gerade angenehm ist. Sodann bäumt sich ein Hengst mit der grössten Leichtigkeit. Ausserdem sind viele Pferde, welche ich zureite, für Damen bestimmt, und man muss niemals einer Dame erlauben, Pferde zu besteigen, die derartige Widersetzlichkeiten zeigen.

Arabische und Trakehner Hengste haben diese Fehler im allgemeinen nicht. Sie leben neben einander mit Stuten, ohne dass sie besonders diesem Umstände jemals Aufmerksamkeit schenkten.

Beim Vollbluthengst endlich verfettet sich mit den Jahren besonders die Vorhand. Während die Vorhand massiger, schwerfälliger wird, schwindet die Hinterhand, die Kruppe bleibt schmal, die Hinterbacken bleiben spitz, was bei Reitpferden ein Fehler

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ist; diese sollen im Gegenteil eine gut entwickelte Hinterhand und eine leichte Vorhand haben.[1]

Übrigens weiss jedermann, dass der Wallach einen viel gelasseneren Charakter hat, als der Hengst.

Zur Kastration schicke ich meine Hengste, nachdem die grösste Hitze vorüber ist, nach der Tierarzneischule zu Alfort, wo sie 14 Tage bleiben. Nachher bringe ich sie aufs Land in die frische Luft, in eine Anstalt, wo ihnen all diejenige Sorgfalt zu teil wird, welche ihnen unentbehrlich ist; dort lasse ich sie 3½ Monate.

Während dieser ersten vier Monate vermeide ich, ihnen auch nur die Last eines Sattels auf den Rücken zu legen. Nach Verlauf dieser Zeit beginne ich indes ihre Ausbildung, aber so vorsichtig als möglich.

Wenn sie Schritt, Trab und Galopp gehen können, mit Leichtigkeit Kehrt, einige Tritte rückwärts und seitwärts machen können, wenn ich endlich erreicht habe, dass sie am Zügel stehen, gehe ich mit ihnen hinaus, und dann währt es nur einige Tage, bis sie sich sehr bequem draussen reiten lassen. Ich bilde sie also zuerst nur zum Spazierenreiten aus, mache sie mithin zu dem, was der Engländer „Hacks“ nennt.

Während der nun folgenden zwei oder drei Monate befestige ich draussen, was sie in der Reitbahn gelernt haben, um meinen Pferden leichte, gefällige und natürliche Gänge beizubringen.

Also vom September bis Ende Dezember nichts als Pflege und Ruhe; vom Januar bis März Dressur in der Reitbahn; vom April bis Juni im Freien Be-


  1. Vollbluthengste, welche überhaupt Anlage zu Fettansatz haben, und welche in den Gestüten ausschliesslich zum Decken dienen, behalten ihre äussere Form bei. ↩︎

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festigung dessen, was sie in den vorhergehenden Monaten gelernt haben.

Im Juli schicke ich meine Pferde aufs Land; ich lasse ihnen völlige Freiheit in der Koppel und füttere dabei Hafer. Das ist für sie der Ferienmonat.

Im August nehme ich im Freien die Arbeit wieder auf und beginne, da die Pferde Ruhe gehabt und Kräfte gesammelt haben, mit der höheren Reitkunst. Da meine Pferde widerstandsfähig, schon wendig und gut im Gleichgewicht sind, so machen sie reissende Fortschritte, und gewöhnlich beende ich schon gegen Ende Dezember ihre Ausbildung als Schulpferde; oft 2 Monate früher oder später, je nach den Schwierigkeiten, denen ich begegne, je nach der mehr oder minder vollkommenen Leistung, zu welcher ich sie bestimmt habe. Ich gebe ihnen dann aufs neue eine 14-tägige Ruhe und lasse sie demnächst, wenn möglich, Jagd gehen.

Erst nach all diesen schwierigen Proben betrachte ich ihre Ausbildung als völlig beendet.

Dann habe ich aber auch tatsächlich in ein und demselben Tier ein ausgezeichnetes Promenadenpferd für den Frühling und Sommer, ein widerstandsfähiges Jagdpferd für den Herbst und ein Schulpferd, welches im Winter mit Annehmlichkeit zu reiten ist.

II. Die Nahrung des Pferdes.

Ich füttere mein Pferd reichlich und gebe ihm besonders viel Hafer: 12 Liter täglich. Das macht die Pferde energisch, was sie nach meiner Ansicht nie zu viel sein können.

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Morgens gebe ich wenig Hafer, um den Magen des Tieres nicht zu überladen; abends hingegen füttere ich stark, weil es im Zustand der Ruhe ist. Nicht gestört, frisst das Pferd langsam und kaut das Futter besser, welches ihm infolgedessen auch besser bekommt.

Ich verabreiche 12 Liter Hafer in folgender Weise: 2 Liter morgens, 4 mittags und 6 abends. Der Morgenhafer wird mindestens 2 Stunden vor der Arbeit gegeben, damit hierzu der Magen fast leer ist. Zu demselben Zweck gebrauche ich die Vorsicht, das Pferd hoch zu binden, dass es nicht seine Streu fressen kann.

Eine halbe Stunde nach der Arbeit lasse ich Heu geben, etwa 1/4 Bund pro Pferd[1]; mittags lässt man das Pferd saufen (ungefähr 3/4 Eimer voll Wasser) und gibt ihm seinen Hafer. Um 4 Uhr erhält jedes Pferd zur Streu ein Bund Stroh, und um 5 Uhr 1/4 Bund Heu.[2] Schliesslich lässt man um 7 Uhr sein Pferd aufs neue tränken (dieselbe Menge wie mittags) und gibt die Hafer-Abendration. Zweimal in der Woche ersetze ich die letztere Ration durch Kleienmasch.

III. Das Begriffsvermögen des Pferdes.

Die Schwierigkeit beim Zureiten des Pferdes ist die, demselben begreiflich zu machen, was man von ihm verlangt und was man von ihm erwartet.

Diese Schwierigkeit ist gross, weil das Pferd im Gegensatz zu dem, was viele glauben, nur ein sehr beschränktes Begriffsvermögen hat.


  1. Etwa 5 Pfund. ↩︎

  2. Desgleichen. ↩︎

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Die einzige Fähigkeit, welche es in hohem Grade besitzt, ist das gute Gedächtnis. Es ist ausschliesslich dieses, an welches man sich wenden und welches man ausbilden muss.

Das Pferd ist für Anhänglichkeit gar nicht empfänglich. Es hat nur Gewohnheiten. Aber diese Gewohnheiten nimmt es leicht an, sogar zu leicht und hält daran übermässig fest. Dies ist ein Punkt, den man wohl beachten muss.

In dieser Hinsicht habe ich tausenderlei Erfahrungen gemacht.

Einer meiner Freunde hatte ein Pferd, welches zu ihm herankam, wenn er es rief, wieherte, wenn er in den Stall trat und dergleichen mehr. Er war überzeugt, dass dieses Pferd ihm ganz besonders zugetan sei, und dass es einginge, wenn er es verlassen würde.

Nachdem ich mir die Gewohnheiten desselben haarklein hatte mitteilen lassen, bat ich ihn, mir das Pferd anzuvertrauen und brachte es, ohne irgend etwas in seinen Gewohnheiten zu ändern, zu mir. Vom anderen Tage ab liess ich das Pferd zur gewöhnlichen Zeit arbeiten, belohnte es nach altem Brauch mit Mohrrüben und reichte ihm selbst, indem ich die Stimme seines Herrn nachahmte, sein Futter zu einer Zeit, zu welcher es dasselbe zu empfangen gewöhnt war.

Am folgenden Tage nahm ich wieder meine eigene Stimme an, und trotzdem noch nicht 48 Stunden verstrichen waren, liess mir das Pferd dieselben Liebkosungen zu teil werden, wie seinem Herrn und bemerkte nicht einmal, dass es ein anderer geworden.

Nach der Morgenlektion verabreiche ich selbst meinen Pferden eine grosse Ration Mohrrüben. So-

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bald ich in den Stall trete und meine Stimme erhebe — alle wiehern! — Und wenn zufällig ein Fremder zugegen ist, verfehlt dieser niemals zu sagen: „Wie Ihre Pferde Sie wiedererkennen, wie müssen die Sie lieben!“ Das ist ein Irrtum. Würde statt meiner ein anderer zu derselben Stunde die Mohrrüben austeilen, so würden die Pferde nicht einmal bemerken, dass ich nicht gekommen bin. Der Beweis dafür ist, dass die Pferde mir nicht die allergeringste Aufmerksamkeit schenkten, wenn ich einige Minuten, nachdem sie die Mohrrüben verzehrt hatten, eingetreten war.

Ich könnte für diejenigen, welche ihre Pferde selbst füttern oder reiten, noch hundert andere Beispiele anführen. Übrigens darf man sich über diese Tatsache nicht beklagen; denn wenn es anders wäre, würden die Pferde immer nur dem einen Herrn gehorchen und nur dem einen gehorchen wollen.

IV. Der Einfluss des menschlichen Blickes auf das Pferd.

Im Gegensatz zu zahlreichen Behauptungen habe ich die feste Überzeugung, dass der Blick des Menschen nicht den geringsten Einfluss auf das Pferd ausübt.

Es ist gleich, ob der Blick hart, wütend, sanft oder wohlwollend ist, das Pferd schenkt ihm keine Aufmerksamkeit. Ich habe in dieser Beziehung zahlreiche Versuche bei jungen und alten Pferden vorgenommen; deshalb kann ich es bestätigen, dass das Pferd vollständig gleichgültig bleibt, wenn die Augen oder Gesichtsmuskeln des Reiters sich allein bewegen

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und derselbe dabei keine anderen Bewegungen, sei es mit dem Körper oder den Armen, macht.

Ich habe wohl hundertmal Wut in meinen Blick, ein Lächeln auf meine Lippen zu legen versucht. Das Ergebnis blieb gleich Null! Schneidet den Pferden die abscheulichsten Grimassen, streckt ihnen die Zunge heraus, keines von ihnen wird durch das geringste Anzeichen verraten, dass dies auf sie irgendwelchen Einfluss ausgeübt hätte. Ganz anders ist es, wenn man die unbedeutendste Bewegung mit dem Körper oder gar mit den Armen macht.

V. Einfluss der menschlichen Stimme auf das Pferd.

Die menschliche Stimme hat einen grossen Einfluss auf das Pferd; selbstverständlich ist es aber allein die Betonung, welche sich seinem Gedächtnis einprägt. Sagt man ihm die zartesten Schmeichelworte in lautem und scharfen Ton, so wird es Furcht haben, sagt man ihm hingegen mit sanfter Stimme die schrecklichsten Drohworte, so wird es vollständige Gemütsruhe bewahren.

Bei der Dressur in der Freiheit ist aber die Stimme das kostbarste Hilfsmittel.

So z. B. sagt man, um dem in der Freiheit dressierten Pferde zu lehren, den Schritt, Trab oder Galopp anzuschlagen: „Schritt!“ mit verhältnismässig leiser Stimme, „Trab!“ indem man die Stimme etwas erhebt und „Galopp!“ in befehlendem Ton. Würde man „Galopp!“ mit weicher Stimme sagen, bliebe das Pferd im Schritt, und umgekehrt, wenn man „Schritt!“

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mit kräftiger Stimme sagen würde, so fiele das Pferd unmittelbar in Galopp.

Die Stimme ist auch sehr nützlich, wenn man das Pferd bestiegen hat.

Wenn es hinten ausschlägt, sich bäumt oder sich irgendwie widersetzt, strafe ich es mit der Peitsche oder dem Sporn und verwarne es gleichzeitig in scharfem Ton. So wird mein Pferd in kurzer Zeit aufmerksam auf meine Stimme, und wenn es einen Fehler macht, oder sich zu widersetzen sucht, genügt es oft, die Stimme so zu erheben, dass es sich der vorausgegangenen Züchtigung erinnert und gehorsamer wird. Indem ich auf diese Weise fortfahre, erspare ich dem Pferde neue Züchtigungen.

Die Stimme soll nicht nur zum strafenden Vorwurf dienen, sondern auch dazu, das Pferd zu ermutigen und zuversichtlich zu machen. In diesem Falle wird es nützlich sein, das Pferd gleichzeitig mit der Hand zu streicheln.

Der Gebrauch der Stimme ist um so nützlicher, als man sich ihrer unter allen Umständen bedienen und sie ganz nach Wahl rauh oder weich gestalten kann, während man nicht immer die freie Verfügung über Hände und Schenkel hat.

Nehmen Sie einmal an, Sie ritten ein hitziges, ungeduldiges, selbst heftiges Pferd und befänden sich zwischen mehreren Wagen. Wenn das Pferd erschrickt, scheu wird und Sie nicht sogleich ausweichen können, so sind es weder die Zügel noch Schenkel, welche es beruhigen werden. Dieses wird nur durch die Stimme geschehen, wenn man das Pferd daran gewöhnt und es Vertrauen dazu gewonnen hat.

Der Gebrauch der Stimme ist mir oft eine grosse

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Hilfe gewesen und hat mich mehr als einmal aus schwieriger Lage befreit.

Ich liebe feurige Pferde und gebrauche kaum andere. Ich mache sie so fromm, dass Damen sie reiten können, jedoch niemals, bevor ich mich überzeugt habe, dass sie sich durch meine Stimme beruhigen lassen. Deshalb bin ich auch immer so glücklich gewesen, Unfälle zu vermeiden.

VI. Die Liebkosungen.

Liebkosungen, wie man sie im nachstehenden öfters kennen lernen wird, sind Hilfsmittel, welche man nicht vernachlässigen darf. Abwechselnd mit Strafen legen sie den Grund zur Erziehung des Pferdes. Sie machen das Pferd zuversichtlich, bringen es in ganz anderer Weise in Übereinstimmung mit seinem Reiter, als durch sonstige energische Einwirkungen.

Alle Pferde, selbst die empfindlichsten, nehmen Liebkosungen auf dem Halse gern an. Dort also hat der Reiter sie anzubringen. Er soll sie ganz dreist, ziemlich kräftig, aber ohne Härte ausführen, und Abwechslung hineinlegen, um die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erregen; er soll dabei aber ebenso eine zu leichte Berührung vermeiden, da diese nur dazu führen würde, das Pferd zu kitzeln.

Die Liebkosung muss aber bei der Dressur immer zur richtigen Zeit eintreten; sie muss dem Nachgeben des Pferdes unmittelbar folgen, wie dem Ungehorsam die Strafe. Sobald die Nachgiebigkeit erreicht ist, streichle man das Pferd und gönne ihm Ruhe,

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ohne ihm für den Augenblick Weiteres abzuverlangen. Das ist eine wirkliche Belohnung. Diese Praxis erleichtert die Dressur sehr.

Um einen vollständigen Erfolg zu erzielen, muss die Liebkosung von der Stimme begleitet sein. Beide zusammen erzeugen den höchsten Grad der Beruhigung, welchen man erreichen kann. In den meisten Fällen ist der Erfolg ein entscheidender.

VII. Die Strafen.

Wie vorstehend gesagt, beruht die Erziehung des Pferdes ausschliesslich auf den beiden verschiedenen Behandlungsarten seitens des Reiters: Auf Liebkosungen und Strafen.

Beide müssen unter allen Umständen rechtzeitig angewandt werden; aber ganz besonders ist dies bei der Strafe notwendig.

Vor allem empfehle ich dem Reiter, welcher ein schwieriges Pferd hat, sich niemals zu einem Zornesausbruch hinreissen zu lassen. Ist die Strafe verdient, so ist sie so stark zu erteilen, dass sie wohl dem Zorne gleichen kann, aber niemals das beabsichtigte Mass überschreitet. Im ganzen muss man die Pferde wie die Kinder behandeln. Jedermann weiss, dass es nichts Schlechteres gibt, als ein Kind im Zorne zu strafen. Das Pferd versteht nie, von welchem Gefühl man beherrscht wird; es erinnert sich nur des Schmerzes, welchen es empfunden hat, und des Widerstandes, unter welchem derselbe ihm zugefügt ist. Der Scharfsinn des Pferdes kann die Überein-

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stimmung zwischen einer von ihm gemachten tadelnswerten Bewegung und dem dafür erhaltenen Schlage verstehen, geht aber darüber nie hinaus.

Dies ist der Grund, weshalb die Strafe ihre ganze Wirksamkeit verliert und zu einer Gedächtnisverwirrung bei dem Pferde wird, wenn sie nicht in demselben Augenblick zur Anwendung kommt, in welchem der Fehler begangen wird. Die Strafe soll dem Fehler ebenso schnell folgen, wie die Liebkosung der Nachgiebigkeit. Wenn z. B. die Pferde hinten ausschlagen und die Strafe genau in dem Moment erfolgt, wenn die Kruppe noch hoch ist, wird das Pferd sich dessen erinnern, dass gerade diese Bewegung ihm den schmerzhaften Schlag zugezogen hat. Wenn hingegen die Züchtigung erst dann erfolgt, wenn die Beine die Erde wieder erreicht haben, so wird das Pferd die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Handlungen nicht mehr begreifen; es wird vielmehr durch ein abermaliges Hintenausschlagen sich desjenigen zu entledigen suchen, der ihm Böses zugefügt hat.

Ich habe gesagt, dass jeder vom Pferde beabsichtigte, erwogene Fehler bestraft werden muss; aber ich zögere nicht, hinzuzufügen, dass es besser sein würde, ihn unbestraft zu lassen, als zu spät zu strafen. Beide Verfahren sind schlecht, aber von zwei Übeln muss man das kleinere wählen.

Es kommt auch darauf an, aufmerksam zu unterscheiden, welcher Grund das Pferd veranlasst hat, einen Fehler oder eine Widersetzlichkeit zu begehen, damit man sich darüber Rechenschaft geben kann, ob derselbe einem schlechten Charakter oder dem Schmerzgefühl entsprungen ist. Also wohl gemerkt, wenn das

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Pferd hinten ausschlägt, weil es in der Niere oder den Sprunggelenken Schmerz empfindet, ist die Strafe nicht gerechtfertigt; in diesem Falle muss man dem Pferd die äusserste Erleichterung gewähren. Wenn hingegen das Hintenausschlagen eine wirkliche Widersetzlichkeit oder böse Angewohnheit ist, was ziemlich oft vorkommt, so muss man dasselbe strengstens bestrafen im Augenblick, wo es geschieht, und einer Wiederholung möglichst durch energisches Aufrichten von Hals und Kopf vorbeugen, um die Hinterhand mehr zu belasten.

VIII. Die Zäumung der Pferde.

In betreff der Unterlegtrense habe ich nichts Besonderes zu sagen; sie muss ein wenig dick sein, um sanfter zu wirken, und muss hinter das Kandaren-Gebiss gelegt werden, so dass sie von dem Kandaren-Mundstücke und den Mundwinkeln gleich weit entfernt ist.

Von grosser Wichtigkeit hingegen ist die Wahl der Kandare, ebenso die Art, wie man sie in das Pferdemaul legt; dies ist es, was man Zäumung nennt.

Es ist unmöglich, auf den ersten Blick hin zu entscheiden, mit welchem Gebiss und in welcher Weise man ein neues Pferd am besten zäumt.

Baucher versichert, dass er unterschiedslos bei allen Pferden ein und dasselbe Gebiss anwandte: es ist dies die notwendige Folge der ihm persönlich eigenen Theorie, dass alle Pferde ein und dasselbe Maul haben. Ich werde dieser Behauptung in einem anderen Teil dieses Werkes entgegentreten.

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Hier werde ich mich damit begnügen, zu erklären, dass es keinen noch so unerfahrenen Reiter gibt, welcher nicht bestätigen wird, dass ein und dasselbe Pferd mit einem Gebiss sich besser hergibt, als mit einem anderen; dass dasselbe Pferd, welches sich bei leichter Zäumung gut benimmt, bei einem etwas scharfen Gebiss widersetzlich wird, das ist erwiesen und allen bekannt. Die Erfahrung und das Ausprobieren allein werden dasjenige Gebiss finden lassen, welches dem Pferde am meisten zusagt. Aber es gibt immerhin einige allgemeine Regeln, nach denen man sich erfahrungsmässig zu richten hat.

Man kann dieselben folgendermassen zusammenfassen: Bei Beginn der Dressur ist es notwendig, dass das Mundstück der Kandare starke Balken, eine massig hohe Zungenfertigkeit und kurze Anzüge hat, kurzum das hat, was man ein leichtes Gebiss nennt. Seine Breite soll im Verhältnis zu derjenigen des Pferdemauls stehen; wenn das Gebiss zu schmal ist, werden die Lippen zu beiden Seiten von den Scherbäumen zusammengedrückt; wenn es zu breit ist, wird das Pferd es von einer Seite zur anderen schieben, sei es, um damit zu spielen, oder um sich eine Erleichterung zu verschaffen, so dass nur ein Teil des Mundstücks auf der einen Kinnlade ruht, hingegen der andere Teil darüber hinausragt und dafür auf die andere Kinnlade der Anfang der Zungenfreiheit zu liegen kommt. Aus dieser Lage des Gebisses ergibt sich eine auffällige Ungleichheit der Wirkung, welche man mit der Zügelfaust hervorbringt und wodurch das Pferd fast immer den Kopf querstellt.

Bei einer gut angepassten Kandare müssen die Balken des Mundstücks auf jeder Seite einige Milli-

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meter überstehen, damit die Scheren die Lippen nicht berühren. Die Balken müssen ferner an beiden Seiten gleichmässig auf den Kinnladen ruhen, in gleicher Entfernung von den Hakenzähnen und von den Mundwinkeln, d. h. ein wenig niedriger, als die Unterlegtrense. Ich werde weiter unten angeben, wo einige Ausnahmen von dieser Regel eintreten. Das untere Ende der Scherbäume schiebt, indem es durch die Zügelwirkung nach rückwärts gezogen wird, das obere Ende der Scheren nach vorwärts und bewirkt dadurch den Druck der Balken auf die Kinnladen. Gleichzeitig tritt die Kinnkette in Wirkung, die den Druck der Balken auf die Kinnladen verstärkt. Je kürzer die Kinnkette ist, umso unmittelbarer und stärker ist dieser Druck; folglich muss die Spannung der Kinnkette der Empfindlichkeit der Kinnladen angepasst werden, auf welche man ja einwirken will.

Den Grad dieser Empfindlichkeit erkennt man nicht, wenn man sich einem vollständig unbekannten Pferde gegenüber befindet. In diesem Falle empfehle ich, zu Anfang immer so zu verfahren, als ob die Empfindlichkeit gross wäre und deshalb die Kinnkette immer recht lang einzuhaken; es ist immer noch Zeit, sie zu verkürzen.

Hingegen lässt es sich nicht genau bestimmen, wenn man mit einer kurzen Kinnkette anfängt, ob es später noch angebracht ist, dieselbe zu verlängern; denn die Einwirkung, welche auf sehr empfindliche Kinnladen durch eine kurze Kinnkette ausgeübt wird, veranlasst ein Schmerzgefühl, welches auch dann noch anhält, wenn dieselbe nunmehr verlängert wird. Wenn man indes mit einer sehr langen Kinnkette beginnt und diese allmählich bis zu dem beabsichtigten Grade

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verkürzt, so vermeidet man, die Kinnladen schmerzhaft, das Pferd stumpf zu machen und seinen Widerstand hervorzurufen; und was noch mehr sagt: man gewinnt Zeit. In der Tat hat man den Grad der Empfindlichkeit des Pferdemaules nicht gefunden, wenn man im Anfang der Arbeit die Kinnladen schmerzhaft gemacht oder selbst nur entzündet hat durch einen der Empfindlichkeit nicht angepassten Druck. Gerade das Gegenteil ist der Fall; hat man diesen Druck übertrieben, so wird man ganz falsch urteilen und sich von vornherein auf falschem Wege befinden. Die Quetschung oder auch selbst nur die einfache Entzündung der Laden verschwinden nicht sogleich nach beendeter Arbeit und Entfernung des Gebisses; sie halten auch noch am nächsten Tage oder noch länger an. Das Pferd wird mithin zur nächsten Lektion mit verschwollenen, schmerzhaften und folglich verdorbenen Kinnladen erscheinen. Der Reiter wird mit denjenigen Wirkungen rechnen, welche er auf das Pferdemaul ausübt, ohne zu wissen, dass dasselbe krank ist; er wird das Übel vergrössern; er wird sich immer mehr und mehr in der richtigen Schätzung des Maules und dessen gesundem und natürlichem Zustande irren; kurz, er wird, ohne sich dessen bewusst zu sein, das gerade Gegenteil von dem tun, was notwendig ist.

Deshalb bedarf es zu Anfang der Dressur einer sehr langen Kinnkette; sonst ist es tatsächlich sogar besser, gar keine zu haben.

Die Kenntnis des Maules eines uns bis dahin unbekannten Pferdes ist eine ebenso wichtige, als schwierige Sache. Um das herauszufühlen, ohne das Maul zu verderben, muss man allmählich vorgehen, anfangs

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sehr vorsichtig sein und den Druck auf die Laden nur ganz langsam verstärken und zwar nur bis zu dem Punkt, wo derselbe dem Pferde fühlbar wird. Dieser Punkt ist bei jedem Tier verschieden. Wenn das Pferd dem leichten Druck eines mit einer Kinnkette nicht versehenen Gebisses nachgibt, wozu soll man sich dann einer solchen bedienen?

Wozu ein stärkeres Mittel suchen? Es ist noch immer an der Zeit, später darauf zurückzugreifen.

Ich habe Pferde vollständig durchgeritten, ohne ihnen jemals, weder in der Reitbahn noch draussen, eine Kinnkette angelegt zu haben. Dieselbe muss allerdings, an einem Scherbaumhaken eingehakt, mitgenommen werden, damit man sie im Notfalle unverzüglich gebrauchen kann. Aber ich erkläre es für eine allgemeine Regel, dass man nur dazu greifen soll, wenn sich die Notwendigkeit bemerkbar macht.

Ist man aber gezwungen, die Kinnkette zu gebrauchen, so bemerke ich, dass man sich derselben nur mit der grössten Vorsicht bedienen darf, d. h. ihr nur die unumgänglich nötige Spannung geben soll. Das Maximum der Einwirkungen des Gebisses, welches man durch das Anziehen der Kinnkette zu erlangen wünscht, darf nur gerade so viel betragen, dass der Unterkiefer mit den Anzügen (Scherbäumen) einen halben rechten Winkel bildet.

Ebenso wie die Spannung der Kinnkette dem Empfindlichkeitsgrade der Laden angepasst sein muss, muss auch der höchste Grad des Druckes, welchen der Zügelanzug auf den Kiefer ausübt, dem Widerstände entsprechen, welchem er begegnet. Wenn dieser Widerstand gering ist, bedarf es auch nur einer leichten Anstrengung, um ihn zu beseitigen; es wird dies um

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so leichter sein, je höher hinauf sich die Wirkung des Gebisses auf der Kinnlade fühlbar macht. Wenn hingegen der Widerstand gross ist, bedarf es auch einer energischeren Anstrengung, um ihn zu überwinden, und diese Kraft wird um so stärker sein, je tiefer sich der Druck auf der Kinnlade geltend macht. Deshalb muss man das Gebiss, ohne zu weit von der normalen Lage in der Mitte zwischen Hakenzähnen und Mundwinkeln abzugehen, höher oder niedriger legen, je nachdem der Unterkiefer auf einen leichten oder kräftigeren Anzug nachgibt. Mit anderen Worten: Je weicher das Pferdemaul ist, um so höher, je härter es hingegen ist, um so tiefer lege ich das Gebiss.

Keinesfalls indes dürfen die Balken des Mundstückes die Mundwinkel oder die Hakenzähne auch nur leise berühren.

Aus allen diesen Erläuterungen ergibt sich die wesentliche Vorschrift, dass die passendste Zäumung für ein uns unbekanntes Pferd bezüglich der Kinnkettenlänge und der hohen, mittleren oder niedrigen Lage des Gebisses nur durch die Erfahrung gefunden werden kann und dass man, um diese Erfahrung zu machen, mit den leichtesten Einwirkungen beginnen und dieselben allmählich, je nach der sich fühlbar machenden Notwendigkeit, verstärken muss.

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IX. Der Martingal oder Sprungzügel.

Der Martingal verhindert das Pferd, die Nase hoch zu nehmen, am Schlagen mit dem Kopf, und dient dem Reiter dazu, sein Pferd besser zu lenken. Gute Dressur macht den Martingal überflüssig. Auch rate ich nur zum Gebrauch desselben, wenn man nicht Zeit genug hat oder nicht genug Verständnis besitzt, um ein Pferd zu dressieren. Man wird ihn also auch gebrauchen können, wenn man sofort erkennt, dass das Pferd, sei es auf dem Spazierritt oder auf der Jagd, mit dem Kopf schlägt oder sich als Sterngucker zeigt.

Es gibt drei Arten Martingale: derjenige, welcher vermittelst des Nasenriemens mit dem Kopfstück verbunden ist, den Jagdmartingal und den schlaufzügelartigen festen Martingal.

Der einzige, welchen ich empfehle, ist der Nasenriemen-Martingal, weil er, seine Wirkung nur auf das Nasenbein ausübend, keinerlei Einfluss auf das Maul hat; sodann weil er, nicht in Verbindung mit der Hand des Reiters stehend, demselben ungefährlich ist. Er muss so lang eingeschnallt sein, dass das Pferd den Kopf hoch tragen kann, ohne demselben so viel Freiheit zu gewähren, dass die Nase die wagerechte Linie erreichen kann; denn in diesem Falle würde das Gebiss gleichzeitig mit dem Kopfe von unten nach oben gezogen und so jede Einwirkung auf das Maul verlieren. Wenn der Martingal zu kurz ist, wird das Pferd in seinen Bewegungen und Gängen behindert; er kann

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alsdann gefährlich werden, besonders wenn das Pferd vorn nicht frei vorwärts geht; denn in dieser Stellung wird es sich überzäumen, um der Einwirkung des Martingals zu entgehen.

Der Jagdmartingal teilt sich vor der Brust des Pferdes in zwei Enden mit Ringen, durch welche die Zügel der Unterlegtrense gehen.[1] Er stellt so das bessere Einvernehmen zwischen der Hand des Reiters und dem Pferdemaul gleichzeitig her. Dieser Martingal kann dem guten Reiter grosse Dienste leisten, ist aber für andere, seiner scharfen Wirkung wegen, besonders gefährlich.

Der sprungzügelartige feste Martingal, an die Ringe der Unterlegtrense geschnallt, gibt nicht nach und ist immer gefährlich, besonders wenn das Pferd zurückweicht; denn in diesem Falle wirkt der Martingal unwillkürlich weiter. Wenn dann das Pferd zu steigen versucht, oder sich gar bäumt, wozu es notwendigerweise neigt, um sich von der Hand loszumachen, so bringt es der Martingal leicht zum Überschlagen.

X. Der Sattel.

Ich rate nicht zum Gebrauch eines neuen Sattels; er befriedigt selten.

Das neue Leder ist hart und steif; man sitzt infolgedessen schlecht darauf. Besser ist, man probiert einige gebrauchte Sättel, unter welchen man schliesslich immer einen findet, der zusagt.


  1. Bisweilen zieht man wohl die Kandarenzügel durch diese Ringe; nichts ist gefährlicher! ↩︎

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Der Sattel muss wagerecht sein; wenn er vorn zu hoch wäre, würde der Reiter nach hinten geworfen werden; hingegen würde er vornüberfallen, wenn der Sattel hinten zu hoch wäre.

Ich bin auch der Meinung, dass der Sattel nur sehr wenig gepolstert sein darf, damit der Reiter seinem Pferde möglichst nahe bleibt.

Die Sattelklappen müssen mehr oder weniger lang sein, je nach der Länge der Oberschenkel des Reiters. Wenn sie zu kurz sind, würde sich der Reiter die Waden wund machen, wenn zu lang, würde er die Flanken des Pferdes mit den Unterschenkeln nicht gut fühlen können.

Der Reiter kann je nach Wahl glatte oder gepolsterte Sattelklappen benutzen; das ist Sache der Gewohnheit und des sicheren Sitzes.

Ich glaube der erste gewesen zu sein, der einen Sattel ohne Bauschen zur Dressur und zur hohen Schule gebraucht hat.

Ich beginne immer damit, meine Schüler auf französischen Sätteln reiten zu lassen, welche ich den englischen, überzogenen Sätteln vorziehe.

Auf dem französischen Sattel ist man wie eingeschachtelt; man fühlt sich darin weder behindert, noch braucht man Furcht zu haben.

Erst wenn sich der Anfänger auf französischem Sattel sicher fühlt, wird man ihn auf den mit Hirschleder überzogenen englischen Sattel setzen; erst wenn er traben, galoppieren und nach Belieben wenden kann, ohne hin und her zu gleiten, wird man ihn auf einen englischen, nicht überzogenen Sattel setzen dürfen.

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XI. Die Bügel.

Ich erlaube dem Schüler niemals, sich der Steigbügel zu bedienen, bevor er nicht eine vorzügliche Haltung in allen Gangarten hat.

Sehen wir die alten Lehrer an; ich spreche nicht nur von denjenigen der französischen Schule. Niemals würden sie den Gebrauch der Bügel erlaubt haben, bevor nicht der Schüler gut fest und geschmeidig im Sattel war. Man muss auch zugeben, dass die Reiter zu jener Zeit eine ganz andere Haltung hatten, als in unseren Tagen. Jetzt ist an Stelle der Geschmeidigkeit, des sichtlichen Wohlbehagens, der gefälligen äusseren Erscheinung — die Steifheit getreten. Und dies kommt daher, weil der Schüler von vornherein schlechte Gewohnheiten angenommen hat; sei es, weil er unvollkommen verstanden hatte oder schlecht unterrichtet war.

Übrigens hat nicht nur der vorzeitige, sondern auch der übertriebene Gebrauch der Bügel noch andere unangenehme Folgen.

Ich behaupte nämlich, dass die Mehrzahl der gefährlichen Stürze von dem Missbrauch der Bügel herrührt.

Nehmen wir ein Beispiel. Das Pferd des Herrn X. geht mit ihm im Walde von St. Germain durch; er setzte sich fest in den Sattel; es gelingt ihm endlich, sein Pferd anzuhalten und im Trab seine verlorenen Bügel wiederzunehmen; in diesem Augenblicke reisst unglücklicherweise ein Bügelriemen, Herr X. fällt

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kopfüber und ist tot. Nun frage ich jeden Reitersmann: „Wie kann man auf den Kopf fallen, bloss weil ein Bügelriemen reisst?“ Das kann doch augenscheinlich nur deshalb geschehen, weil Sie in den Bügeln stehen und folglich nicht mehr im Sattel sitzen. Sonst würden Sie ohne Zweifel wohl rutschen, selbst herunterfallen, aber Ihr Sturz würde in diesem Falle dadurch gemildert werden, dass Sie Knieschluss gehabt hätten. Ich gehe noch weiter und sage, dass der Reiter, welcher nicht viel auf seine Bügel rechnet, beinahe niemals abfallen wird, wenn zufällig einmal ein Bügelriemen reisst.

Ein anderes Beispiel. Mr. Z. in Toulouse kommt zu Pferde aus seinem Stall; sein Pferd fällt im Schritt hin, und siehe da, der Unglückliche wird kopfüber nach vorn geschleudert und ist auf der Stelle tot. In der Tat müsste man nichts von der Reitkunst verstehen, wenn man nicht begreifen kann, dass er nicht mit einer solchen Gewalt weiter geschleudert worden wäre, wenn er im Sattel gesessen hätte.

Ich beeile mich hinzuzufügen, dass ich diese beiden Unfälle, welche noch frisch in aller Gedächtnis sind, nicht in Erinnerung bringe, weil etwa die Lust zur Kritik mich beseelt, sondern nur um die bösen Folgen des Missbrauchs der Bügel begreiflich zu machen und in der Hoffnung, dass meine bescheidenen Ratschläge Unfälle dieser Art seltener machen werden.

In dem Bügel stehend, befindet man sich, sozusagen, auf einem Sprungbrett, bei welchem gewisse heftige Bewegungen genügen, um wie durch eine Schleudermaschine vornüber geworfen zu werden, und dann ist es immer der Kopf, welcher den ersten Stoss auszuhalten hat.

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Selbst wenn das Pferd bockt, werden Sie selten aus dem Sattel kommen, wenn Sie sich fest hinsetzen und die ganze Last Ihres Körpers auf dem Gesäss ruhen lassen. Das Schlimmste, was Ihnen dann überhaupt geschehen kann, ist, dass Sie an der Schulter hinunterrollen, und in diesem Falle wird der Sturz durchaus nicht gefährlich sein.

Wenn Sie hingegen in den Bügeln stehen, gibt es nichts Leichteres für das Pferd, als Sie über die Ohren zu werfen. In dieser Stellung ist der Körper naturgemäss vornübergeneigt, was ein Hauptfehler ist. Aber noch mehr, das Pferd kann nach Belieben gar gewaltig bocken, da es keine Last auf seinen Nieren hat.

In den Bügeln stehend, befindet man sich fast in der Lage eines Gymnastikers, welcher auf den Händen eines Kameraden steht, der eben im Begriff ist, ihm den nötigen Schwung zu geben, um einen Saltomortale zu vollführen. Damit er recht weit geworfen wird, muss er den Körper und die Beine anspannen. Biegt er seine Knie, wird er unvermeidlich auf die alte Stelle zurückfallen. Die Bügel spielen die Rolle der Hände desjenigen der beiden Gymnastiker, welcher dem anderen den Schwung geben soll. Wenn man die Knie biegt, wird man sitzend in den Sattel zurückfallen.

Es ist übrigens zu bemerken, dass der Schüler die Bügel nicht festhalten lernt, wenn man ihm den Gebrauch derselben schon erlaubt, bevor seine Schenkel gut gestreckt sind und fest anliegen. Er macht dann alle möglichen Verdrehungen, um sie nicht zu verlieren; und in diesem Falle sind es nicht nur die Schenkel, sondern auch der Körper und die ganze Gestalt, welche sich zusammenziehen. Besonders nehmen Hals und Schultern eine ganz charakteristische Steifheit an.

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Sehr selten gelangt der Schüler dahin, diese Fehler abzulegen, trotz aller Sorgfalt, welche man später auf deren Bekämpfung verwenden mag; denn wenn die schlechte Haltung erst einmal angenommen ist, ist es sehr schwer und fast unmöglich, sie wieder zu beseitigen.

XII. Die Peitsche.

Ich bediene mich der Peitsche nur bei der Arbeit zu Fuss, um das Pferd zu lehren, vorwärts zu gehen und um später dem Sporn zu gehorchen. Bin ich erst zu Pferde, entsage ich ihr. Den wahren Reitern die Schenkel und Hände, den unkundigen die Peitsche!

XIII. Die Sporen.

Ich lege nur eine Art Sporen an, den Kastensporn; denn das ist neben dem Anschlagsporn der einzige, der fest an seinem Platz bleibt; man ist daher sicher über die Wirkung im Gebrauch. Alle anderen verschieben sich oben oder unten und kommen dadurch aus der Lage, welche sie einnehmen sollen, so dass man niemals sicher ist, das Pferd genau an der beabsichtigten Stelle zu treffen.

Man soll sich zunächst der stumpfen Sporen bedienen, so lange als sie ausreichen, soll diese dann durch sehr mild wirkende ersetzen und deren Schärfe nur insoweit erhöhen, als die Notwendigkeit dazu sich fühlbar macht; z. B. dann, wenn das Pferd den Sporn-

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stich nicht beachtet oder, wie man sagt, unempfindlich auf den Schenkel bleibt.

Es ist ziemlich schwer, im voraus die Länge der Sporen zu bestimmen. Wenn der Reiter kurze Beine hat, muss der Spornschaft selbst kurz sein, da in diesem Falle seine Hacken sich ohnedies immer in der Nähe der Flanken befindet. Wenn hingegen der Reiter lange Beine hat und folglich die Hacken heraufziehen muss, um die Flanken seines Pferdes zu treffen, muss er lange Spornschäfte tragen, so dass er nicht veranlasst wird, den Schenkel mehr zu verkürzen, als irgend nötig ist.

XIV. Der Sitz des Reiters.

Allgemeine Regel: Jedermann kann gut und fest zu Pferde sitzen. Wenn man mich hingegen fragt: „Kann jedermann ein schöner und eleganter Reiter werden?“ — so antworte ich ohne Zögern: „Nein!“ —

Derjenige Schüler, welcher unter Leitung eines guten Lehrmeisters angefangen, gewissenhaft gearbeitet und sich dem unterworfen hat, einige Monate ohne Bügel zu traben, welchen man ferner heftige, zuweilen schwierige, ohne deswegen gefährliche Pferde hat reiten lassen, wird gezwungenermassen dahin gelangen, gut und fest zu Pferde zu sitzen.

Er wird den Kopf frei und zwanglos tragen, so dass er ihn fortwährend unbehindert nach allen Seiten hin bewegen kann; er wird ihn in gewöhnlichen Gangarten und beim Sprunge hoch tragen, aber in den schnellen Gangarten ein wenig nach vorn neigen, das Kinn leicht angezogen, so dass es sich dem oberen

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Teil des Brustbeins nähert. Sein Blick muss überall hin und niemals auf irgend einen festen Punkt gerichtet sein, so dass er alle ihn umgebenden Gegenstände erfasst. Dadurch wird der Reiter mit allen etwa entgegentretenden Verlegenheiten und Hindernissen rechnen können.

Der Hals muss frei von jedem Zwang, die Schulter möglichst heruntergedrückt sein; auch muss der Reiter vermeiden, sie in die Höhe zu ziehen, wie es leider nur zu oft geschieht.

Die Oberarme müssen senkrecht herabfallen und sich leicht an den Körper anlehnen. Auch muss der Reiter die grösste Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Ellbogen nahe am Körper zu halten, er darf sie unter keinen Umständen absperren. Nur unter dieser Bedingung kann die Hand leicht bleiben; gerade die Leichtigkeit der Hand ist ihm aber unumgänglich notwendig, um sein Pferd sicher zu führen, und um demselben mit den Zügeln keinen Ruck ins Maul zu geben. Wenn die Ellbogen sicher am Körper ruhen, so erübrigt nur noch, das Hin- und Herschlenkern der Unterarme zu vermeiden, was sehr leicht vorkommt.

Der gut sitzende Reiter muss die Ellbogen etwa in Höhe der Hüften halten, die sich gegenüber stehenden Hände mit den Fingern nach innen. Auf die Gefahr hin, die Ellbogen abzusperren und so die direkte Verbindung mit dem Pferdemaul zu verlieren, darf der Reiter die Handgelenke niemals zuviel abrunden.

Die Einwirkung auf das Pferdemaul soll nur durch Annehmen und Nachgeben der Finger der Zügelfaust hervorgebracht werden. Macht man grosse Bewegungen mit der ganzen Hand, dann hält man eben die Hände nicht richtig; denn wenn sie richtig gestellt

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wären, würde schon eine geringe Bewegung der Hand und Finger genügen, um die nötige Einwirkung hervorzubringen.

Der Reiter soll seinen Körper aufrecht halten, ohne jemals Steifheit hineinzulegen.[1] Niemals darf er das Kreuz hohl machen, wodurch Steifheit hervorgerufen würde, die man immer vermeiden soll. Das Kreuz darf eher leicht nach hinten heraustreten, um seine ganze Geschmeidigkeit zu bewahren. Ich sage, das Kreuz! — nicht die Schulter! — Wohl verstanden. Die Brust muss ohne Zwang gerade gehalten und niemals herausgedrückt werden; die Beckenmuskeln müssen ohne Anspannung sein, das einzige Mittel, um sich behaglich zu fühlen.

Der ganze Oberkörper muss auf dem Gesäss, als seinem einzigen Stützpunkte, ruhen. Die Beine müssen gut ausgestreckt herunterhängen, die Ober-Schenkel flach, die Knie fest anliegen und die Fussspitzen eher etwas nach aussen, als nach innen gedreht sein, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, sich der leicht wirkenden Wade zu bedienen, bevor man den Sporn wirken lässt.

Wenn die Fussspitze zu sehr nach innen gedreht ist, entfernen sich notwendigerweise die Waden und folglich kann man sich der Sporen nur stossweise bedienen.

Die Knie, welche gewissermassen einen festen Stützpunkt bilden, müssen den Unterschenkeln, welche natürlich herunterhängen und nicht fortwährend die Flanken zusammendrücken sollen, eine sehr grosse


  1. Die Geschmeidigkeit sichert ihm völlige Unabhängigkeit der Hülfen. Steifigkeit eines Körperteils hat ein Zusammenziehen der Muskeln des ganzen Körpers zur Folge, und das macht die ganze Reitkunst unmöglich. ↩︎

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Beweglichkeit lassen. Damit der Reiter sich behaglich fühlt, muss er danach streben, unabhängig von Faust und Schenkeln, gut stillzusitzen, welch letztere nur auf Augenblicke und im Bedarfsfalle benutzt werden dürfen. Dadurch, dass man dem Schüler immer sagt: „Schenkel heran!“ gibt man ihm das Ansehen, als ob er auf dem Pferde angeklammert wäre. Man hält sich übrigens durch das Gleichgewicht und nicht durch Kraftaufwand auf dem Sattel. Wenn man eine Hilfe mit dem Schenkel gibt, so muss sie durch einen vom Knie bis zum Hacken fortschreitenden Druck ausgeführt werden. Tritt an der Stelle über dem Knie Ermüdung ein, so ist das schon eine Folge von Steifigkeit und ein Anzeichen schlechten Sitzes.[1] Nichtsdestoweniger wird man angeklammert erscheinen, wenn die Oberschenkel nicht genügend gestreckt und die Knie folglich zu hoch gezogen sind. Die zu sehr gestreckten Oberschenkel bewirken wieder allemal eine andere Unbequemlichkeit; denn in diesem Falle ruht der Reiter nicht auf seinem Gesäss, sondern auf dem vorderen Teil der Oberschenkel. Es ist wahr, dass dieser Sitz ein festerer ist, da die Beine in ihrer ganzen Länge das Pferd umfassen. Es wird auch ratsam sein, diesen Sitz im Attacken-Galopp einzunehmen; aber nur im Moment des Zusammenstosses mit dem Feinde, um zu verhindern, durch den Anprall aus dem Sattel gehoben zu werden. Es muss auch noch hinzugefügt werden, dass es seine Schwierigkeiten hat, in diesem Sitz mit dem Pferde eins zu bleiben, wenn es plötzlich aus dem Galopp in den Trab fällt. Alles in allem ist


  1. Ermüdung in Armen, Händen und Oberschenkeln zeugen von einem schlechten Reiter. Ermüdung im Unterschenkel lässt den guten Reiter erkennen. ↩︎

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also zu einem guten Sitz erforderlich, dass der Reiter so im Sattel sitzt, wie auf einem Stuhl. Wenn man sich der Bügel bedient, muss die Fussspitze höher sein, als der Hacken. Ohne den Bügel aber muss der Fuss natürlich herunterhängen, und folglich sich die Fussspitze niedriger als der Hacken befinden.

Man wird beobachten, dass es ohne Bügel unmöglich ist, die Fussspitze nach oben gerichtet zu halten, ohne die Beinmuskeln und somit den Oberschenkel anzuspannen; Anspannung bedingt Steifheit.[1] Die Länge der Bügel muss den Schenkeln des Reiters angepasst sein. Das sonst wohl übliche Armmass ist nur annähernd richtig; jedoch stelle ich dessen Nützlichkeit nicht in Abrede. Aber erst im Sattel, verfehle man niemals, die Bügellänge richtig zu stellen. Dazu muss man den Bügel freigeben und das Bein gerade herunterhängen lassen. Der Bügelriemen wird die richtige Länge haben, wenn der zur Aufnahme des Riemens dienende Bügelschlitz bis eben unter das Knöchelgelenk reicht. Man empfiehlt gewöhnlich, den Fuss mit der inneren Bügelstange in Berührung bleiben zu lassen. Was mich betrifft, so halte ich den Fuss inmitten des Bügels, von jeder der beiden Bügelstangen gleich weit entfernt.

Da man das Knöchelgelenk oft nach allen Richtungen hin verdreht, bekommt dieses eine grosse Geschmeidigkeit und man erreicht auf diese Weise, den


  1. In Deutschland lehrt man das Reiten ohne Bügel so, dass die Fussspitze höher als der Hacken ist. Der dadurch veranlasste Sitz ist es, welcher bei den deutschen Reitern die Steifheit hervorruft, welche sie kennzeichnet; ich weiss wohl, dass die Deutschen von Natur steif sind; aber lassen Sie einen Franzosen nach dieser Vorschrift reiten, so wird er auch nicht anders als steif sein können. ↩︎

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Bügel mit Leichtigkeit loszulassen und wiedernehmen zu können.[1]

Um gut im Sattel zu sitzen und zu erscheinen, bedarf es übrigens einer gewissen Anzahl guter körperlicher Eigenschaften; denn es ist augenscheinlich, dass ein dicker, kleiner Mensch zu einem guten Reiter weniger geeignet ist, als ein ziemlich grosser und schlanker Mann.

Ich sage mit Absicht „ziemlich gross“; denn es ist ein sehr verbreiteter Irrtum, zu glauben, dass man gross sein muss, um gut reiten zu können. Je grösser der Reiter ist, desto mehr Schwierigkeiten begegnet er. Je länger der Oberkörper ist, desto leichter kommt er aus dem Sattel, weil der Schwerpunkt höher gelegen ist, und desto schwieriger ist es, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Das ist aber der kleinste Nachteil. Die langen Beine schmiegen sich den Flanken schlechter an, als Beine von mittlerer Länge, weil erstere die Flanken überragen, so dass der Reiter, um sich der Sporen zu bedienen, gezwungen ist, die Knie zu biegen und die Beine hochzuziehen. Dies ist hässlich und beeinträchtigt den sicheren Sitz. Ich gebe nichtsdestoweniger zu, dass es jedermann mit Fleiss dahin bringen kann, sehr sicher im Sattel zu sein.[2]


  1. Ich reite im Freien immer mit um ein Loch kürzeren Bügeln, als in der Reitbahn. Ich erziele dadurch einen besseren Stützpunkt in allen lebhaften Gängen, zumal im englischen Trab. In der Reitbahn dagegen bedarf man eines gestreckteren Schenkels, um das Pferd besser umfassen zu können. Desgleichen ist es notwendig, vollständig auf seinem Gesäss zu bleiben, um die Bewegungen des Pferdes besser fühlen zu können. Weiss man doch, dass das Gefühl im Sattel sehr selten zu finden ist und dass es dazu einer anhaltenden Unterweisung bedarf. ↩︎

  2. Ich sprach soeben von der deutschen Steifheit und ↩︎

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Das Wohlbehagen, die Sicherheit und das Vertrauen des Reiters hängen gewöhnlich von dem ersten Unterricht ab, welchen er erhalten hat; wie schon erwähnt, erlangt man nur unter der Bedingung einen guten Sitz, dass man lange Zeit ohne Bügel getrabt hat.

Anfänger dürfen nur Pferde mit weichen Gängen und sanftem Charakter reiten. Man kann nicht vorsichtig genug sein, um dem Neuling Vertrauen einzuflössen. Das Vertrauen, welches er während des ersten Unterrichts gewinnt, gibt ihm allein die Ungezwungenheit, welche ihm später die völlige Loslassung erlaubt. So lange der Reiter Steifheit in seine Bewegungen legt, wird man wohl sagen, dass er zu Pferde sitzt, aber nicht, dass er reitet.[1]

man kann dem Engländer im allgemeinen denselben Vorwurf machen. Die Völker germanischen Ursprungs haben den Ruf, die besten Reiter zu sein und man muss in der Tat zugeben, dass sie es sind. Aber dieses Talent verdanken sie einzig und allein ihrer Ausdauer und ihrer Beharrlichkeit bei der Arbeit. Die lateinischen Völker von mittlerem Wuchs sind durch ihre Geschmeidigkeit, durch ihre Beweglichkeit mehr dazu geeignet, sich mit dem Pferde in Einklang zu bringen und, wenn sie eines anhaltenden Fleisses fähig wären, würden sie unzweifelhaft die besten Reiter der Welt sein. Aber sie begnügen sich zu leicht mit mässigen Resultaten. Selbstverständlich ist diese Bemerkung nur im allgemeinen richtig; denn es gibt ausgezeichnete und schlechte Reiter in allen Ländern.


  1. Steifheit der Arme, Schenkel und des Körpers verhindert jedes feine Gefühl. Wie könnten auch die zusammengezogenen oder nur steif gemachten Gliedmassen ein Gefühl dafür haben, was im Pferde vorgeht, während sie vollauf damit beschäftigt sind, bloss den Körper im Sattel zu erhalten? Erst wenn sie schmiegsam geworden sind und wenn sich der Oberkörper durch sein Gleichgewicht allein im Sitz erhält, erst dann werden die Gliedmassen diejenige Freiheit der Empfindung haben, welche ihnen früher noch abging. Die Schmiegsamkeit der Gliedmassen und ein guter Sitz sind doch die ersten Bedingungen für das feine Reiter-Gefühl. ↩︎

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„Auf dem Sattel festgeklemmt sein“ heisst noch nicht reiten. Dieser fehlerhafte Sitz verschwindet in dem Masse, wie der Schüler Vertrauen fasst. Man wird richtig verstehen, dass ich von dem Vertrauen sprechen will, welches er aus seiner Sicherheit schöpft; denn es steht fest, dass man sehr tapfer sein kann und einem doch das Vertrauen fehlt, sobald man sich im Sattel befindet.

Man muss für den ersten Unterricht leichte Pferde wählen, eher schmale als breite; besonders, wenn man es mit jungen Leuten oder Männern mit kurzen Beinen zu tun hat. Ein zu grosses Spreizen der Beine könnte ernste Nachteile im Gefolge haben; es ermüdet die Leisten, ohne dem Schüler Nutzen zu bringen, und ich habe Verrenkungen der Hüften erlebt, die nur auf diesen Missbrauch zurückzuführen waren. Später, wenn der Reiter mit diesen gymnastischen Vorübungen vertraut ist, wird es anders sein. Nach und nach wird er ohne physische Schmerzen dahin gelangen, jedes Pferd zu reiten, gleichgültig wie es gebaut ist.

Ich bin nicht der Ansicht, dass Anfänger sich aller vier Zügel bedienen sollen; ein einfacher Trensenzaum, von dessen beiden Zügeln man einen in jeder Hand halten lässt, erscheint mir vorteilhafter. Wenn man von vornherein den Gebrauch eines Zaumes mit vier Zügeln gestattet, liegt die grosse Wahrscheinlichkeit vor, dass der Körper des Reiters den Bewegungen der Hände folgt; denn anfangs sind es nicht nur die Hände allein, sondern auch die Arme, welche der Reiter beinahe unfehlbar bald nach rechts, bald nach links verschieben wird. Mit dem einfachen Zügel ist jedoch dieser Nachteil vermieden, indem jede plötzliche Wirkung sich besser ausgleicht. Man erinnere sich, dass

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es leichter ist, dem Schüler gleich anfangs eine gute Haltung beizubringen, als später eine mangelhafte zu verbessern.

Kurz zusammengefasst ist das vornehmlichste Erfordernis der feste Sitz, und dieser ergibt sich nur aus einer guten Haltung und aus der Praxis. Ich füge noch hinzu, dass der Reiter gleichzeitig nicht etwa unvorsichtige Tollkühnheit, sondern Vertrauen zu sich selbst besitzen muss, welches ihm seine ganze Kaltblütigkeit erhält und ihm die freie und vollständige Anwendung der Hilfen und der bisher erworbenen Kenntnisse gestattet.

Indes ist es nicht notwendig, ein sehr erfahrener Stallmeister zu sein, um gut reiten zu können. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Reiter, der theoretisch sehr bedeutend, in der Praxis aber ungeschickt ist und einem anderen, der, ohne sich auf gelehrte Auslegungen einzulassen, nichtsdestoweniger imstande ist, alle Pferde, die überhaupt dazu tauglich sind, zu reiten, so gebe ich dem letzteren den Vorzug.

Der reine Theoretiker kommt fast immer dahin, die Pferde, welche er zu dressieren vermeint, stätig zu machen. Er besitzt zwar tatsächlich den festen Willen, dem Pferde eine bestimmte Bewegung abzuverlangen, aber aus Mangel an Praxis ist sein blosser Wille nicht ausreichend und erlaubt ihm nicht durchzudringen, wenn das Pferd ihm offenen Widerstand leistet.

Nichts ist schlechter, als Widersetzlichkeiten hervorzurufen, wenn man nicht die Entschlossenheit besitzt, diese bis zum äussersten zu bekämpfen und ihrer Herr zu werden.

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XV. Der Sitz der Reiterin.

Die Reiterin soll, abgesehen von den Beinen, genau so zu Pferde sitzen, wie der Reiter.[1]

Die Schultern und die ganze Haltung des Oberkörpers sollen parallel zu den Pferdeohren sein. Das ist aber nicht möglich, wenn nicht auch die Hüften eine entsprechende Stellung einnehmen. Also die Stellung der Hüften ist es, von welcher die ganze Haltung der Reiterin abhängt. Indem beide Beine sich auf der linken Seite befinden,[2] umfasst das rechte


  1. Seit einiger Zeit ist die Rede von Damen, welche im Spreizsitz reiten. Abgesehen davon, dass die Reiterin auf diese Art jede weibliche Anmut verliert, gibt es auch kaum etwas, was unpraktischer wäre. Was fehlt den Reitern im allgemeinen? Der sichere Sitz. Der Sitz wird den Damen noch mehr fehlen, welche doch einen runderen und viel energieloseren Schenkel haben, als der Mann. Es erscheint mir recht überflüssig, sich des längeren darüber auszulassen. Pferde, die gewöhnlich keine Höflinge sind, werden denjenigen Damen, welche dieser neuen Art der Reiterei huldigen, so oft Unfälle bereiten, dass sie nicht säumen werden, darauf zu verzichten. ↩︎

  2. Ein anderer Einfall: Man hat vorgeschlagen, die Reiterin auf der rechten Seite sitzen zu lassen. Englische und besonders amerikanische Zeitschriften haben vielfach das Unzuträgliche erörtert, was für junge Mädchen aus dem ständigen Sitz auf ein und derselben Seite entstehen könnte. Man hat behauptet, es könne das Rückgrat dadurch aus seiner Lage kommen. Da ich nur aus der Praxis urteile, kann ich nicht sagen, was daraus für Kinder entstünde, welche man im Alter von fünf oder sechs Jahren zu Pferde setzen würde. Ich habe aber oft Reitunterricht mit jungen Mädchen von zwölf oder dreizehn Jahren angefangen und versichere hoch und teuer, dass für diese eine Verkrümmung des Rückgrats niemals zu befürchten ist.

    Ich weiss wohl, dass in England und Amerika die erste ↩︎

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Bein die Gabel, und liegt höher und weiter nach vorn, als das linke; dieses wieder lehnt sich leicht mit dem über dem Knie befindlichen Teil des Beines an die linke Gabel. Der Fuss ruht im Bügel.

Aus dieser Lage der Beine ergibt sich, dass die Reiterin eine ganz erklärliche Neigung dazu hat, fast das ganze Körpergewicht nach der rechten Seite hin zu verlegen, während die linke fast nichts zu tragen hat, und hieraus folgt wieder, dass die linke Hüfte gegen die rechte zurücktritt, was vermieden werden muss.

Das Körpergewicht muss auf beiden Seiten des Pferdes gleichmässig verteilt sein, und ich wiederhole hier für die Reiterinnen, was ich für die Reiter sagte: sie müssen auf ihrem Sattel genau so sitzen, wie auf einem Stuhl; die Hüften und Schultern parallel den Pferdeohren. Dies ist nicht nur ein Erfordernis der Korrektheit, sondern auch ein Haupterfordernis für die Sicherheit.

Unterweisung im Reiten an junge Mädchen den Kutschern oder Stallburschen überlassen ist. Wie gross auch das Verdienst dieser sein mag, es kann ihnen doch begegnen, einen schlechten Ratschlag zu erteilen, nicht zu erkennen, was geschehen muss, um einen Fehler zu verbessern oder selbst, um einen solchen beim Schüler nicht einreissen zu lassen. Begegnet das doch selbst vielen Lehrern der Reitkunst, welche Theorie und Praxis studiert haben und doch erst nach langer Unterweisung dahin gelangen, kleine Fehler, welche mit der Zeit schlimmer werden, abzustellen.

Ich halte dafür, dass bei einem guten Lehrer die nach links gesetzte Reiterin an Anmut und Geschmeidigkeit nur gewinnen kann und weit entfernt ist, ihren Wuchs zu schädigen.

Fahren wir doch fort, die Reiterin nur auf ein und derselben Seite reiten zu lassen und zwar auf der linken! Sonst müsste man ihr ja die Peitsche in die linke Hand geben, welche doch weniger bestimmt und geschickt ist; das wäre eine grobe Unzuträglichkeit, da gerade die Peitsche den fehlenden Schenkel ersetzen soll.

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Selten wird eine Reiterin nach links aus dem Sattel geworfen; denn auf dieser Seite findet sie Halt an der Gabel und im Notfall am Bügel. Die ganze Gefahr, heruntergeworfen zu werden, liegt rechts und ist um so mehr vorhanden, wenn die linke Schulter gegen die rechte zurücksteht.

Es ist doch tatsächlich erklärlich, dass der Oberkörper aus seiner Stellung kommt und mit Gewalt nach rechts geworfen wird, wenn Pferd und Reiterin uneins werden oder wenn das Pferd einen Seitensprung von rechts nach links macht.

Dies ist aber nur von geringer Bedeutung und wird schnell wieder gut zu machen sein, wenn beide Schultern so gehalten werden, wie wir es oben auseinandergesetzt haben. Beim Gegenteil aber, wenn die Schultern querstehen (d. h. die linke zurückgezogen), ist das ohnehin schon schlechte Gleichgewicht vollständig aufgehoben und folglich die Gefahr zum Sturz nach rechts vorhanden: hiergegen muss man gesichert sein, weil er gefährlich werden kann; in diesem Falle nämlich fällt die Reiterin unfehlbar auf den Kopf, vorausgesetzt, dass sie von Gabel und Bügel freikommt. Wenn aber beim Fallen der Fuss im Bügel und das Reitkleid an der Gabel hängen bleiben, so kann die Reiterin geschleift werden, ohne imstande zu sein, sich frei zu machen.

Das, was der Reiterin die Sicherheit gibt, verleiht ihr gleichzeitig die elegante Haltung; sie braucht mithin nicht zu besorgen, die eine etwa der anderen opfern zu müssen. Es ist erforderlich: 1. dass die Knie so dicht wie möglich beieinander sind; indem das rechte die Gabel fest umfasst und energisch von vorn nach hinten gezogen wird, soll hingegen das linke Knie, mit dem Fuss im Bügel als Stützpunkt, sich von hinten

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nach vorn ebenso kräftig vorschieben; 2. dass die linke Schulter nach vorn getragen wird und der Körper leicht beweglich sei, um seine volle Grazie zu behalten.

Wenn das Pferd Schritt geht, wobei der Körper beständig auf dem Sattel ruht, würde die Haltung der Reiterin schon schlecht und ungraziös erscheinen, wenn die linke Schulter zurückbliebe.

Im englischen Trab ist das noch viel schlimmer. Wenn die linke Schulter beim Erheben des Körpers die Vorwärtsbewegung lebhaft mitmacht und ebenso lebhaft zurückschnellt, wenn die Reiterin wieder in den Sattel zurückfällt, so entsteht hierdurch schon die wenig anmutige Bewegung, welche man „korkenzieherartig“ nennen könnte.

Wenn die Reiterin im Schritt gut sitzt und ihr Körpergewicht gleichmässig nach beiden Seiten richtig auf dem Sattel verteilt ist, so bleiben auch im Trab die Hüften und folglich auch die Schultern in ihrer gefälligen Haltung.

Der englische Trab soll sich von selbst entwickeln. Der Oberkörper soll sich nicht etwa durch irgendeinen Kraftaufwand erheben, sondern durch die Bewegung des Pferdes heben lassen, während der zwanglos im Bügel ruhende Fuss, der Knöchel und die Knie nur Scharnierdienste verrichten. Das geringste Zusammenziehen, der kleinste Kraftaufwand in den Knöcheln, Knien oder im Kreuz geben der Reiterin ein steifes, unvorteilhaftes Aussehen und machen das Reiten ermüdend.

Wenn die Reiterin sich diesen Regeln anpasst, wird sie immer nur ein Tempo in der Luft und ein Tempo im Sattel markieren; anderenfalls fällt sie zu früh in den Sattel zurück und markiert dort zwei

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Tempos, was einen unnützen und ermüdenden Stoss hervorbringt. Ich werde diese Wahrnehmung, was den Reiter anbelangt, noch ausführlicher in dem Kapitel vom Trabe besprechen.

Die Geschmeidigkeit ist eine der unerlässlichsten Eigenschaften der Reiterin; sie wird durch die Gewohnheit des Reitens erlangt und auch durch einige vorausgegangene körperliche Übungen, deren beste der Tanz ist.

Oft ist auch das Wohlbehagen der Reiterin durch ganz unbedeutende Nebenumstände in der Kleidung gestört, weil ihr dabei die guten Ratschläge gefehlt haben; deshalb werde ich einen Augenblick hierbei verweilen.

Die Reiterin verletzt sich sehr leicht; die geringste Falte in ihren Kleidern veranlasst eine Hautabschürfung. Bei einem langen Ritt, besonders bei der Jagd, empfiehlt es sich, dass sie kein langes Hemd, sondern nur ein kurzes Hemdchen von sehr feinem Stoff trägt, welches über den Hüften befestigt ist. Der Kragen und die Manschetten müssen an dem Hemdchen festsitzen und nicht mit Stecknadeln befestigt sein, welche leicht herausfallen und stechen.

Ich rate dringend, keine langen Strümpfe anzuziehen; denn das Strumpfband ist immer ein Hindernis, oft sogar Ursache eines wirklichen Leidens und kann ausgedehnte und schmerzhafte Verwundungen hervorrufen.

Socken sind in jeder Hinsicht vorzuziehen; sie müssen sich vereinigen mit einem enganliegenden Unterbeinkleid aus weichem und dehnbarem Stoff, Trikot oder Jersey, und mit Seide oder noch besser mit sehr feinem Hirschleder gefüttert sein. Das Beinkleid,

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welches darüber gezogen wird, muss schmale Gummistege haben, damit es keine Falten schlägt. Der kurze Stiefel muss Gummizüge, keine Knöpfe haben, um Verwundungen und Quetschungen auf dem Fussspann zu vermeiden. Ich liebe nicht die hohen Stiefel, sie sind zu hart, können unterhalb des Knies verletzen und verhindern die Reiterin, ihr Pferd mit dem Bein richtig zu fühlen.

Das Schnürleibchen muss sehr kurz und niedrig sein. Eine lange Korsettschiene (Schneppe) ist nicht nur unbequem, sondern wirklich gefährlich.

Ich würde glauben, mich entschuldigen zu müssen, weil ich in diese geheimen Einzelheiten der Toilette eindringe, für welche meine Urteilsfähigkeit zweifelhaft erscheinen könnte, wenn es sich nur um eine Frage der Eleganz handelte; aber alles, was die Ausrüstung der Reiterin angeht, betrifft auch ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden zu Pferde.

Ich habe so viele Damen von einem Spazierritt schmerzerfüllt und leidend zurückkommen sehen, welche infolgedessen verurteilt waren, mehrere Tage auf dem Ruhebett zuzubringen, dass ich doch dahin gelangt bin, allen diesen anscheinend nebensächlichen Dingen eine grössere Wichtigkeit beizumessen.

Endlich glaube ich, mich nicht zu sehr in Nebendinge zu verirren, wenn ich empfehle, die Haare recht sicher zu befestigen. Die Dame, welche damit beschäftigt ist, ihren Hut oder Schleier festzuhalten oder zurechtzusetzen, denkt zu wenig an ihr Pferd, und man kann wohl sagen: wenn sie ihren Hut verliert, ist sie nahe daran, auch den Kopf zu verlieren.

Die Wahl des Sattels ist gleichfalls von grosser Wichtigkeit, sowohl für die Reiterin, als für das Pferd.

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Er muss wagerecht sein, damit die Knie nicht höher als das Gesäss sind, wenig gepolstert, damit die Reiterin das Pferd besser fühlt und weniger Gefahr läuft, hin und her zu rücken oder aus dem Sitz zu kommen; die geringste Sitzveränderung verletzt das Pferd in unangenehmer Weise am Widerrist.

Wenn der Sattelkranz zu kurz ist, wird die Reiterin sich sicherlich verletzen; ist er zu lang, so wird das Pferd in der Nierenpartie verletzt werden.

Es ist nötig, dass das Damenpferd einen recht hohen Widerrist besitzt, damit der Sattel am Herumrutschen verhindert wird.

Endlich muss man noch grosse Sorgfalt darauf verwenden, dass die Mähne am Widerrist nicht unter die vordere Sattelpolsterung gelangt, weil dadurch für das Pferd eine Unbequemlichkeit entsteht, welche es oft zur Widersetzlichkeit veranlasst.

Jetzt noch einige Worte, wie man eine Dame in den Sattel hebt. Ich denke, dass dies nicht nur für die Reiterinnen nützlich sein wird, sondern besonders für die Herren, welche die Ehre haben, ihnen den Fuss zu halten.

Zu meinem grossen Bedauern sehe ich mich genötigt zu erklären, dass die Dame, um sich in den Sattel zu setzen, gewöhnlich das Gegenteil von dem tut, was erforderlich ist. Sie setzt den linken Fuss in die ihr zum Hinaufheben dargereichten Hände und schwingt sich, indem sie den Körper nach vorwärts hochschnellt, mit dem rechten Fuss so ab, dass sie auf den linken Fuss zu stehen kommt; es folgt daraus, dass ihre ganze Körperlast plötzlich auf die ihr als Tritt dienenden Hände zurückfällt und dass die Bewegung, die sie nach vorwärts macht, den Herrn

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unvermeidlich nach rückwärts wirft und ihn so von der Schulter des Pferdes entfernt.

Sie sollte sich im Gegenteil, während ihr linker Fuss in den Händen des Herrn ruht, nur des rechten Beines zu einem leichten Abstoss bedienen, welcher dem linken Knie die nötige Spannung erlaubt, und sollte dabei den Körper recht gerade, eher noch etwas nach rückwärts geneigt halten. Dies ist eine der einfachsten Bewegungen; genau wie diejenige, welche man ausführt, um eine etwas hohe Treppenstufe zu ersteigen. Die Reiterin soll sich nicht durch einen Sprung zu erheben suchen, sondern ihren ganzen Kraftaufwand darauf beschränken, das linke Knie so auszustrecken, dass das Bein vollständig gerade wird und so bleibt, indem das Kreuz seine gerade Haltung beibehält. Sie sollte sich endlich mit den Armen helfen, die linke Hand auf die Schulter des Herrn gestützt, die rechte an der linken Gabel. Indem sie so verfährt, wird sie ganz gerade unter dem Einfluss der sie tragenden Hände aufsteigen und ungezwungen im Sattel Platz nehmen, ihren Sitz hierbei ein wenig nach rückwärts verlegend. Sie selbst soll nicht versuchen, das Pferd zu erreichen; der Herr soll sie auf den Sattel heben, sie soll sich nur darauf zurechtsetzen. Wenn die Reiterin in den Sattel springen will, stösst sie gewöhnlich schon dagegen, bevor sie über ihm schwebt und fällt dann auf den Herrn zurück.

Ich muss hinzufügen, dass es überhaupt eine schlechte Gewohnheit der Reiterinnen ist, den linken Fuss zu geben; das ist alter Brauch, dessen Ursprung und Fortdauer ich mir nicht erklären kann. Es ist doch Tatsache, dass die Dame, wenn sie beim Aufsitzen den linken Fuss darbietet und in der Schwebe ist.

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das Gesäss von vorn nach rückwärts und von links nach rechts bringen muss, während der Herr eine Bewegung von rückwärts nach vorwärts und von rechts nach links macht; das ist doch eine doppelt verkehrte Haltung. Wenn hingegen die Dame ihren, dem Pferde zunächst befindlichen, rechten Fuss gibt, genügt ein kleiner Abstoss des linken Fusses und das Ansteifen des rechten Knies, um sich ganz ungezwungen längs des Sattels hochzuziehen und sich ohne die geringste Verschiebung sofort richtig in demselben zu befinden.

Es ist nicht mein Verdienst, diese so einfache Entdeckung gemacht zu haben; sie ist schon seit langer Zeit von vielen und den besten Reiterinnen angewandt worden. Ich habe die Ehre gehabt, Fürstinnen in den Sattel zu heben, welche nie anders dabei verfuhren.

Versuchen Sie es, meine Damen, auf diese Weise ohne Vorurteil acht Tage hindurch, und ich bin sicher, dass Sie diese Art aufzusitzen annehmen werden.

Einmal im Sattel, soll die Reiterin sofort, ohne sich mit dem Ordnen ihres Reitkleides lange aufzuhalten, ihr rechtes Bein um die Gabel legen; dies ist das einzige Mittel, einen Fall zu vermeiden, wenn das Pferd einen Seitensprung machen sollte. Ich behaupte sogar, dass die Hände des Herrn erst dann die Füsse der Reiterin loslassen sollen, wenn das rechte Bein sicheren Halt gefunden hat.

Um abzusteigen, lässt die Reiterin den Bügel los und reicht die linke Hand dar, nimmt dann das rechte Bein aus der Gabel, gibt die rechte Hand und lässt sich, wenn sie so auf dem Sattel sitzt, ohne zu springen, heruntergleiten, indem sie die Arme ein wenig anspannt. Sie muss auf die Fussspitzen fallen und dabei die Knie biegen, um so jeden Stoss zu vermeiden. Es ist nicht

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überflüssig, dies anzuempfehlen; denn nach einem etwas langen Ritt sind die Beine oft steif und ungelenk.

Ich wiederhole, dass die Dame ihre Hände geben, nicht springen, sondern heruntergleiten soll. Sehen Sie doch, wie es am häufigsten geschieht: Die Dame wirft sich förmlich vom Sattel herunter, der Herr fängt sie auf, dabei die Taille umfassend, und lässt sie, wenn er sie nicht mit steifem Arm halten kann, an seinem Körper entlang gleiten. Das ist unangenehm, nicht schön und wenig passend.

Man fragt sehr häufig, ob der mitreitende Herr sich zur Rechten oder Linken der Dame befinden soll? Ich glaube nicht, dass die gute Lebensart eine bestimmte Vorschrift in dieser Hinsicht geben kann.

Unter gewöhnlichen Verhältnissen bin ich der Ansicht, dass der Herr sich zur Rechten der Dame befinden muss, weil die Reiterin, schon um sich nach ihm zu wenden, die rechte Schulter zurücknehmen muss und weil dieses die wünschenswerteste Haltung ist. Umsomehr ist es nötig, dass der Herr sich zur rechten Hand aufhält, weil er dann im Falle der Verwirrung oder Gefahr sofort der Reiterin beistehen kann. Wenn er sich auf der linken Seite befände, würde er sich der Reiterin, deren Beine wegen, nicht genügend nähern können.

Wenn es vorkommen sollte, dass zur Linken der Reiterin durch Pferde- oder Wagengedränge Gefahr entstände, muss der Reiter sofort seinen Platz an dieser Seite einnehmen, um gerade die Beine der Dame zu schützen.

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ZWEITER TEIL.

Die einfache Reiterei.

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I. Die Arbeit an der Longe.

Ich verfahre mit allen Pferden ohne Unterschied auf die gleiche Weise.[1] Das zu dressierende Pferd wird gesattelt und gezäumt in die Reitbahn gebracht.

Ich ziehe die Kandaren- und Trensenzügel durch den Kehlriemen, damit sie nicht herunterhängen und das Pferd nicht Gefahr läuft, mit den Beinen sich darin zu verwickeln. Dann schnalle ich eine Longe in den linken Ring der Unterlegtrense und lasse das Pferd ganz nach seinem Belieben links herumgehen.

Entfernt es sich von mir, so lasse ich das geschehen, da es mein Bestreben ist, es längs der Wand


  1. Während der ganzen Unterrichtsstunde muss man die Vorderbeine, von der Köte bis unter das Knie, mit Flanellbinden bewickeln. So stärkt man die Sehnen, indem man ihnen Halt gibt, und vermeidet Überbeine und Knochenauftreibungen, häufige Folgen von Schlägen, welche das noch ungeschickte Pferd sich selbst beibringen kann.

    Unmittelbar nach dem Unterricht entfernt man die Flanellbinden von den Vorderbeinen und legt sie um die Hinterbeine. Man muss sie überhaupt nie länger als 2—3 Stunden liegen lassen. Diese Zeit genügt, um das Anschwellen der Beine und das Austreten der sogenannten „Waden“ zu verhüten. Wenn man die Beine fortwährend gewickelt liesse, würden die Zellengewebe sich erweichen und die Sehnen unter dem Einfluss der Hitze sich dehnen. ↩︎

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gehen zu lassen; wenn es dies aber nicht tut, sondern versucht, sich um mich herum zu drehen, so zeige ich ihm die Bahnpeitsche, deren Anblick genügt, um es so weit abzuhalten, als die Longe gestattet. Ich halte die Bahnpeitsche in der rechten, die Longe in der linken Hand und erlaube dem Pferde eine Gangart anzunehmen, welche es will.

Dieses Herumlaufenlassen in der Bahn hat den Zweck, das Pferd mit dem Erdboden und mit den es umgebenden Gegenständen, welche ihm noch neu sind, bekannt zu machen.

Ist das Pferd kraftvoll, so springt es zuerst wohl, galoppiert dann oder trabt; aber nach einigen Minuten beruhigt es sich. Ist es schlaff, so geht es nur zögernd vorwärts. Man muss es dann antreiben, indem man ihm zuerst die Peitsche zeigt und, wenn das nicht genügt, dieselbe leicht auf den Hinterbacken wirken lässt, bis man eine lebhafte, etwa fünf Minuten andauernde Gangart, sei es Trab oder Galopp, erzielt hat. Ich kann nicht genug empfehlen, jede plötzliche oder heftige Bewegung zu vermeiden, durch welche das Pferd erschrecken könnte.

Ich sagte soeben, dass ich eine fünf Minuten lange Arbeit in lebhaftem Tempo verlange, aber ich kann das natürlich nur dann tun, wenn das Pferd schon genügend bei Kornfutter, d. h. in gutem Futterzustande ist. Im entgegengesetzten Falle darf die Arbeit in den ersten Tagen nicht so lange andauern; ich verlängere sie also nur ganz allmählich bis zu der angegebenen Zeitdauer.

Wenn das Pferd fünf Minuten auf der linken Hand, d. h. die linke Schulter nach dem Inneren der Bahn zu gestellt, gegangen ist, lasse ich die Bahnpeitsche

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fallen, suche es mit der Stimme zu beruhigen und verkürze darauf die Longe, bis das Pferd mir ganz nahe gekommen ist. Ich rede ihm nun gut zu, streichle seinen Hals[1] und dann den Kopf, wenn es sich dies gefallen lässt, mache die Longe los und schnalle sie in den rechten Ring der Unterlegtrense.

Nach einer kleinen Pause mache ich dieselben Übungen auf der rechten Hand, ebenfalls in Dauer von fünf Minuten. Nachdem ich auch diese Arbeit beendet, lasse ich wieder die Bahnpeitsche fallen, rufe das Pferd an, indem ich durch leichten Anzug mit der Longe es zu mir heranziehe, und liebkose es aufs neue.

Meines Dafürhaltens ist gerade diese Übung zu Beginn der Dressur unumgänglich notwendig. Möge man mir gestatten, die Gründe hierfür etwas ausführlicher zu behandeln, weil ich gerade diesen Übungen eine besondere Wichtigkeit beilege.

Ein junges Pferd ist fast immer unruhig, selbst furchtsam; ein Nichts erschreckt es: der Schatten, die Mauern oder irgendwelche daran haftende Gegenstände. Unwillkürlich entfernt es sich von allem, was ihm Furcht einflösst, springt in die Bahn, die es frei findet, weil ich nur allein darin bin. Wenn ich dann dem Pferde die Peitsche zeige, indem ich mich ihm nähere, so flieht es instinktmässig auch diese und wendet sich wieder der Wand zu, wo es vermittelst der mit ausgestrecktem Arm gegen die Pferde-Schulter gerichteten Bahnpeitsche bequem festzuhalten ist.

Hat das Pferd die Wahl zwischen meiner Drohung und irgend einem Gegenstande, vor welchem es sich


  1. Alle Pferde nehmen an dieser Stelle Liebkosungen gern an. ↩︎

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gefürchtet hat und geflohen ist, so wird es zu diesem zurückkehren, weil derselbe in seiner Unbeweglichkeit ihm weniger Furcht einflösst als die lange Peitsche.

Wenn das Pferd dank diesem Verfahren mehrere Male an dem Ort vorübergekommen ist, wo es Furcht hatte, gelangt es dahin, gar nicht mehr zu scheuen. Man merke wohl, dass es dazu einer Züchtigung nicht bedurft hat, deren man sich eben nur im äussersten Notfalle bedienen soll.

Dem sich zu kräftig fühlenden Pferde gebe ich übrigens durch einen guten Trab oder auch Galopp, wenn es diesen vorziehen sollte, Gelegenheit, sich seines Kraftübermasses zu entledigen; es wird dann folgsamer und aufmerksamer. Sollte es schlaff sein,[1] so würde ich ihm durch einige Peitschenhiebe begreiflich machen, dass es vorwärts zu gehen hat.

Jedenfalls würde ich einen Erfolg erzielt haben; das Pferd fürchtet sich nicht mehr vor den Gegenständen, welche es umgeben, es hat sich vollständig daran gewöhnt; denn dadurch, dass es niemand auf seinem Rücken trägt, welcher es in seinen Bewegungen stört und beunruhigt, hat es eine freiere, unbeeinflusste Vorstellung von allem. Ich habe dies ohne Kampf,


  1. Man muss ein schlaffes Pferd nicht mit einem temperamentlosen verwechseln. Ersteres kann die Gehlust wohl bekommen, wenn es entsprechend gefüttert und geübt wird; letzteres hingegen kann sehr wohl die Muskelkraft haben, will sie aber nicht gebrauchen oder vielmehr nur dann, wenn es ihm gefällt. Das ist es aber gerade, was ein solches Pferd für den unerfahrenen Reiter gefährlich macht. Wirklich zuverlässig ist nur ein Pferd mit edlem Charakter. Das zu hitzige Pferd ist unleidlich und versucht leicht durchzugehen; aber ich ziehe es dem temperamentlosen Pferde vor. Die erste Eigenschaft des Pferdes ist: Gang, d. h. Gehlust zu haben. ↩︎

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ohne grosse Anstrengungen erreicht und ohne dass ich nötig gehabt hätte, die Bock- und Seitensprünge eines Pferdes zu ertragen, welches noch zu übermütig von mir bestiegen wurde, und ohne mich dem auszusetzen, mit einem Pferde zu stürzen, welches, unbekannt mit dem Hufschlag, seine Beine ungeschickt gebraucht und infolgedessen fällt!

Ich habe ausserdem dem Pferde gelehrt, die Peitsche zu kennen, zu ertragen und zu fürchten, was von sehr grossem Nutzen ist; denn wenn es später, von einem schwachen Reiter geritten, sich vorwärts zu gehen weigert, wird der Gebrauch der Peitsche sehr angezeigt sein. Oft wird ihr Anblick allein ausreichen, um das Pferd, welches sie fürchtet, zum Vorwärtsgehen zu bewegen. Wenn es dies nicht tut, muss man die Peitsche auf die Hinterbacken wirken lassen; aber immer nur in schonender Weise; jede Rohheit oder jede überraschende Berührung könnte leicht Widersetzlichkeit hervorrufen.

Diese Arbeit an der Longe hat noch einen anderen Vorteil: sie gestattet, das Pferd in den Trab zu setzen und es in dieser Gangart bis zum Ausstrecken zu bringen, indem man die Hinterhand mit der Peitsche herantreibt. Schliesslich versetzt man hierdurch das Tier in die Notwendigkeit, sich selbst zu tragen,[1] was nach und nach zur Gewohnheit wird. Es erlangt durch diese in der Freiheit vollführte Übung Geschwindigkeit, Vertrauen, Geschicklichkeit und Sicherheit im Gebrauch


  1. Das Zugpferd stützt sich auf das Kummet, das Reitpferd auf die Hand des Reiters; das an der Longe gehende Pferd ist aber gezwungen, sein Gleichgewicht in sich selbst zu suchen, jedes anderen Stützpunktes bar. ↩︎

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der Beine. Sind das etwa nicht die hauptsächlichsten guten Eigenschaften eines Pferdes?

Das Pferd, welches auf jeder Hand fünf Minuten hindurch in lebhafter Gangart erhalten wird, kommt ausserdem auch gut in Atem, da die Lungen gezwungen sind, sich weit auszudehnen. Es erhält hierdurch schliesslich eine ihm notwendige Bewegung, welche es unter dem Reiter in den ersten Unterrichtsstunden nicht haben würde, weil diese im Schritt stattfinden.

In den ersten zwei bis drei Unterrichtsstunden lasse ich das Pferd gehen, wie es ihm gefällt, vorausgesetzt, dass die Bewegungen lebhaft sind und dass es an der Wand bleibt. In den darauf folgenden Stunden fordere ich den Trab.

Es ist ein leichtes Ding, den Trab zu erlangen. Man muss ihn mit jedem Pferde schon in der dritten oder vierten Stunde ohne fremde Hilfe erreichen. Ich sage, ohne fremde Hilfe, weil die Stallmeister im allgemeinen die Gewohnheit haben, zu zweien zu wirken. Tun sie das, so befolgen sie damit nur die Vorschriften aller Werke, welche bis zum heutigen Tage darüber erschienen sind und welche alle diese Art des Verfahrens empfehlen. Ich halte sie für unrichtig, weil niemals eine vollkommene Übereinstimmung zwischen zwei Menschen stattfindet. Es kommt vor, dass derjenige, welcher die Peitsche führt, schlägt, wenn es nicht nötig ist; oder auch, dass derjenige, welcher die Longe hält, das Pferd zurückhält, wenn der andere es antreibt. Das erzeugt Uneinigkeit, die nicht stattfindet, wenn ein Lehrer allein tätig ist.

Das Pferd läuft an der Wand links herum; der Lehrer, welcher sich mitten in der Bahn befindet,

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muss das Pferd im Auge behalten und muss immer in Höhe der Pferdeschulter bleiben, dasselbe gewissermassen einschliessend zwischen Longe, welche vor dem Pferde in der linken Hand, und zwischen Peitsche, welche hinter dem Pferde in der rechten Hand gehalten wird. Der Lehrer soll das Pferd zwar immer begleiten, ihm aber niemals folgen[1]; er soll sich so stellen, dass er das Pferd vorn mit der Longe, hinten mit der Peitsche in seiner Gewalt behält.

Damit das Pferd den Trab annimmt, berühre ich es leicht mit der Peitsche am Hinterteil. Es würde besser sein, die Schulter zu berühren, aber man darf das besonders bei einem jungen Pferde nicht versuchen, bevor man nicht eine grosse Erfahrung in Handhabung der Peitsche erlangt hat. Es ist Tatsache, dass das Pferd zurückschreckt, wenn das Peitschenende anstatt die Schulter den Kopf, sei es auch noch so leise, berührt, und dass man dadurch eine Bewegung hervorruft, welche genau das Gegenteil von der beabsichtigten ist. Man könnte wohl auch einen Zungenschlag machen, welcher bei einem leidlich gängigen Pferde genügen würde, jedoch beeile ich mich hinzuzufügen, dass man den Zungenschlag nicht missbrauchen darf, da derselbe Veranlassung


  1. Um das Pferd begleiten zu können, ohne ihm zu folgen und dabei doch immer in der Höhe der Schulter zu bleiben, genügt es, quer durch den Zirkel mitzuschreiten und dabei den Arm abwechselnd auszustrecken und wieder zurückzuziehen. Ich empfehle dies als unerlässlich; denn derjenige, welcher die Zirkellinie mitbeschreiben wollte, würde sich bald in der üblen Lage befinden, schwindlig zu werden, wodurch er all seiner Einwirkung verlustig ginge. Hält man aber daran fest, den Zirkel zu durchqueren, so kann man das Pferd ununterbrochen begleiten. ↩︎

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zu Störungen geben kann, wenn man in Gesellschaft ist.

Unter der Einwirkung der Peitsche macht das Pferd oft Sprünge oder fällt in Galopp; ich mildere das, indem ich die Longe leicht hin und her bewege und gleichzeitig das Pferd mit der Stimme beruhige. Die Longe darf niemals straff sein; sie soll sich dem Pferdemaul nur durch ihr eigenes Gewicht bemerkbar machen oder durch die Schwingungen, in welche man sie versetzt.

Ich habe schon gesagt, dass die Stimme ein wirksames Hilfsmittel bei der Dressur ist. Wenn man bei den Schwingungen der Longe, um die Gangart zu mässigen, jedesmal mit lauter Stimme sagt: „Trab“!, so wird das Pferd, so wenig intelligent es auch sein mag, bald verstehen, dass es eine Übereinstimmung gibt zwischen der auf das Maul hervorgebrachten Wirkung und dem sein Ohr treffenden Ton. Zuerst gehorcht es den beiden gleichzeitigen Eindrücken, dann aber sehr schnell einem einzigen: der Stimme.

Wenn ich einen recht freien Trab erlangt und das Pferd darin während der beabsichtigten Zeitdauer erhalten habe, setze ich es durch eine leichte Schwingung der Longe wieder in den Schritt, ebenso wie ich es vorhin vom Galopp in den Trab fallen liess. Auch hierbei bediene ich mich wieder der Stimme, indem ich ziemlich laut, aber mit weicher Stimme „Hooho“! sage.

Von jetzt ab muss man das Pferd lehren, auf den Lehrer zuzukommen.

Um dahin zu gelangen, verkürze ich die Longe vorsichtig, ziehe das Pferd zu mir heran und weiche selbst mit so kleinen Schritten zurück, dass es, weiter

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ausschreitend als ich, sich mir allmählich nähert. Sobald es mir auf Armlänge nahe gekommen ist, streichle ich es am Halse und beruhige es durch die Stimme. Ich vermeide dabei sorgfältig, auch nur die geringste Bewegung mit dem Körper nach vorwärts zu machen. Mein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, dem Pferde Vertrauen einzuflössen. Wenn ich auch nur einen Schritt nach vorwärts machte, würde das Pferd sofort zurückschrecken, und diese Bewegung wäre genau das Gegenteil von der beabsichtigten. Wenn das Pferd durch nichts erschreckt worden ist, als es sich mir näherte, wenn meine Liebkosung mit Hand und Stimme ihm gezeigt, dass es nichts in meiner Nähe zu fürchten hat, so wird es schnell Vertrauen fassen und zu mir kommen, oder doch wenigstens versuchen heranzutreten; und das um so lieber, weil es nur in der Mitte der Bahn Ruhe findet.

Das Pferd muss Vertrauen genug haben, um sich dem Lehrer ohne Furcht zu nähern; es soll das aber nur auf einen besonderen Zuruf tun. Das Endziel ist, ihm diesen Zuruf ohne Hilfe der Longe begreiflich zu machen, da letztere später ganz fortfällt.

Um das Pferd auf Befehl herankommen zu lassen, gebrauche ich die lange Bahnpeitsche. Ich gebe ihm kleine, leichte und wiederholte Schläge, sei es auf Hinterbacke, Flanke oder Schulter, dabei immer versuchend, es auf der Seite festzuhalten, nach welcher es entschlüpfen möchte. Ich greife das Pferd sogar von vorn mit der Peitsche an, um es zu mir heranzubringen. Seine erste Bewegung ist dann zwar die, zurückzuschnellen, jedoch halte ich es an der Longe fest und verhindere es daran, indem ich es gleichzeitig anrufe und „Hooho“! sage.

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Es muss hierbei bemerkt werden, dass das Pferd deshalb sich zurückwirft, weil der Anblick der geschwungenen Peitsche es erschreckt hat, und weil es sich den Schlägen entziehen will. Ganz anders das nicht dressierte Pferd, es weicht selbst einem Spornstich nicht aus, sondern es wehrt und wirft sich im Gegenteil förmlich dagegen. Wir werden noch später sehen, dass die Wirkung, welche der Druck des Schenkels oder der Spornstich auf das gerittene Pferd ausübt, einzig und allein die Folge der Erziehung ist. Seiner eigenen Natur überlassen, macht das Pferd eine Bewegung, welche ganz das Gegenteil von derjenigen ist, welche durch die Dressur erlangt wird; beispielsweise wirft es sich, in der rechten Flanke von einer Fliege gestochen, so weit nach rechts, bis es einem Gegenstande begegnet, an welchem es sich reiben und selbst anlehnen kann.

Es ist also der Anblick der Peitsche oder die Drohung mit derselben, welche es zurückweichen lässt. Die Empfindung des Schlages selbst bringt es im Gegenteil vorwärts. Sobald der Widerstand der Longe dem Pferd gezeigt hat, dass es sich dem Anblick der Peitsche dadurch nicht entziehen kann, wenn es sich zurückwirft, folgt es seinem Instinkt und geht vorwärts. Wenn sich dann die Peitsche alsbald senkt und dem Pferde eine Liebkosung zuteil wird, gewinnt es Vertrauen, begreift, was man von ihm will und führt das dann ohne Widerstreben aus. Dieses Resultat erzielt man nicht augenblicklich, aber man kann in sehr wenig Unterrichtsstunden dahin gelangen, besonders wenn keine plötzliche Bewegung des Lehrers das Pferd in dem Moment erschreckt, in welchem es vorwärts gehen will.

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Von dem Augenblick an, wo das Pferd, der Aufforderung mit der Peitsche folgend, dreist auf den Menschen zukommt, kann man die Longe fortlassen.[1] Diese erste Arbeit an der Longe ist nur eine vorbe-

Wenn sich das Pferd trotzdem weigert und an der Wand verbleibt, muss eine abermalige Verfolgung eintreten mit erneutem Versuch, es in die Bahn zu führen, und so fort, bis das Pferd gehorcht.


  1. Um das Pferd ohne Zuhilfenahme der Longe auf den Menschen zukommen zu lassen, wende ich die gleichen Mittel an, wie bei der Arbeit mit der Longe. Bei Beginn der Arbeit bediene ich mich viel der Longe, wenig der Peitsche. In dem Masse, als das Pferd Fortschritte macht, verringere ich den Gebrauch der Longe und vermehre den der Peitsche. Um das Pferd zu mir herankommen zu lassen, halte ich es immer an derjenigen Seite fest, nach welcher es ausweichen will. Schliesslich gewöhnt es sich daran, lediglich auf die Aufforderung der Peitsche zu mir heranzukommen. Von nun an gewöhne ich das Pferd, mir in der Bahn überall hin zu folgen, es dabei immer mit der Peitsche verwahrend und bei der geringsten Zögerung mit leichten Schlägen auf die Hinterbacke vorwärts treibend.

    Endlich lasse ich die Longe ganz fort. Wenn sich das Pferd weigert, wie es unfehlbar geschieht, der Peitsche zu gehorchen und sich mir entziehen will, dann beginnt der Kampf. Dieser besteht hier darin, das Pferd mit Peitschenhieben auf die Hinterhand so lange zu verfolgen, bis es auf den Menschen zukommt. Dieses Resultat mag auf den ersten Blick unwahrscheinlich erscheinen. Wenn indes das durch den Menschen überall hin verfolgte Pferd genügend oft in der Bahn herumgekommen und müde ist, hat es bald nur den einen Gedanken, still zu stehen, und da das Pferd schon durch die Erziehung an der Longe gelehrt worden ist, dass es nur inmitten der Bahn Ruhe vor der Peitsche findet, so wird es sich bald entschliessen, nach der Mitte der Bahn zu kommen. Zur Erleichterung dieser Bewegung muss der Lehrer den Augenblick, in welchem das Pferd dazu neigt, langsamer zu werden, wahrnehmen, um es von der Wand abzulenken, es dazu förmlich mit der Peitsche umfassend, und muss gleichzeitig den Zuruf „Hooho“ erschallen lassen, durch welchen das Pferd bei der Arbeit an der Longe zum Menschen herangerufen wurde. ↩︎

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reitende; sie war zu allen Zeiten in Gebrauch, aber verschieden angewandt und geschätzt. Baucher wies sie ganz zurück. Vor ihm wandte man sie im Übermass an. Was mich betrifft, erachte ich sie für heilsam; wohlverstanden aber, dass sie eine Ermüdung des Pferdes weder bezwecken noch erzielen darf.

Ich füge noch hinzu, dass diese Arbeit gleichmässig gut ist: 1. für das Pferd, um es an den Menschen zu gewöhnen, um wenigstens den Anfang zum Gehorsam zu machen, ohne dabei Widerstand herauszufordern, und 2. für den Lehrer, welcher seine Macht aus der Entfernung fühlen lassen und sich dabei doch ausserhalb der Hufschläge der Vorder- und Hinterbeine halten kann.[1]

Ist dieses erste und sehr wichtige Resultat erzielt, gehe ich zu der Arbeit an der Hand über.

II. Die Arbeit an der Hand.

Das Vorwärtsgehen.

Ich lasse die Longe nun ganz beiseite und halte das Pferd an den Trensenzügeln, welche ich vorher über den Kopf desselben heruntergenommen habe. Die lange Bahnpeitsche ersetze ich durch die kurze Reitpeitsche und bediene mich der Trensenzügel und Reitpeitsche genau in derselben Weise, wie früher der Longe und Bahnpeitsche.


  1. Ich bin kein Anhänger des Kappzaums, ausgenommen für wirklich bösartige Pferde. Ich rate denjenigen, welche sich seiner bedienen, darauf zu achten, dass er leicht und gut gepolstert sei. ↩︎

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Wenn ich mich auf der linken Hand befinde, das Pferd an der Wand, so stelle ich mich an dessen linke Schulter. In der linken Hand halte ich die Trensenzügelenden.[1] In derselben Hand befindet sich die Peitsche, welche ich hinter meinem Beine längs desselben verstecke, so dass das Pferd sie nicht sehen kann. Mit der rechten Hand ergreife ich dann diese beiden heruntergenommenen Trensenzügel dicht am Maul und unterhalb des Kinns.[2] Dann mache ich einige Schritte vorwärts. Wenn das Pferd meiner Bewegung folgt, liebkose ich es; wenn es sich hingegen weigert, vorwärts zu gehen, bringe ich die linke Hand hinter meinen Rücken und berühre es mit der Peitsche hinter den Gurten. Fast immer weigert sich zuerst das rohe Pferd, vorwärts zu gehen und bedarf eines Peitschenhiebes.[3]

Hier nehme ich die ganze Aufmerksamkeit des Lesers in Anspruch; denn dieser Augenblick ist entscheidend. Wir sind beim ersten Kampfe, von welchem alles Nachfolgende abhängt.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass das Pferd sich in diesem Augenblick noch keine Rechenschaft davon geben kann, was man von ihm verlangt, und die Zwangsmittel noch nicht kennt, welche dem Lehrer


  1. Es ist selbstverständlich, dass alles dies in umgekehrter Anordnung geschieht, sobald man sich auf der rechten Hand befindet. ↩︎

  2. Siehe Tafel I. ↩︎

  3. Gewöhnlich genügt die Peitsche; manche Pferde indes weigern sich, vorwärts zu gehen, besonders dann, wenn man Biegung des Maules verlangt. In diesem Falle ersetze ich die Reitpeitsche wieder durch die Bahnpeitsche und suche hinter meinem Rücken damit die Hinterhand zu treffen; es gibt kein Pferd, welches darauf nicht folgt. ↩︎

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zu Gebote stehen. Es fürchtet die Strafe noch nicht und kennt kaum die beruhigend wirkende Liebkosung.

Die ganze Dressur lässt sich in diese beiden Erziehungsmittel zusammenfassen: Strafe oder Liebkosung zu rechter Zeit!

Nehmen wir einmal an, dass mein Pferd sich weigert, vorwärts zu gehen. Man wird beachten müssen, dass es ihm bei der Stellung, welche ich zu ihm einnehme, ziemlich schwer wird, zurückzutreten; schwer, aber nicht unmöglich, denn man muss sich bei einem rohen Pferde, welches frei über seine Kraft und sein Körpergewicht verfügt, auf alles gefasst machen.

Um es vorwärts gehen zu lassen, strecke ich den rechten Arm aus, mit der rechten Hand die Trensenzügel immer unter dem Kiefer haltend und zwar genau an derjenigen Stelle, wo die Kinnkette liegt, und schiebe es mehr, als ich es ziehe, während ich hinter meinem Rücken mit der linken Hand, welche immer die Zügelenden festhält, das Pferd hinter den Gurten ganz leicht mit dem Peitschenende berühre.

Ist das Pferd gutartig, nicht aufgeregt und wenig empfindlich, wird es ohne zu grosse Heftigkeit vorwärts gehen. Oft aber erwidert es die Berührung mit der Peitsche durch eine unwillige Bewegung und kann, je nach seinem Charakter, einen Luftsprung machen, sich bäumen, sich gewaltsam seitwärts werfen oder schnell zurückfahren. Dieses sind die vier Verteidigungsarten, mit welchen sich das Pferd widersetzen kann.

Prüfen wir nun die Mittel, um dieselben zu bekämpfen. Wenn das Pferd springt, hat man nur nötig, ihm den Kopf hoch zu nehmen, um die Hinterhand

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zu belasten, dabei Sorge tragend, dass man dicht an der Schulter bleibt, um etwaige Schläge der Vorderbeine zu vermeiden. Mit hohem Kopf kann ein Pferd nicht springen.

Das Steigen ist gefährlicher; auch empfehle ich allen zu Fuss arbeitenden Lehrern einen hohen Hut zu tragen; diese weise Vorsicht hat mich oft vor einem Hufschlag auf den Kopf bewahrt. Wenn das Pferd sich bäumt, muss die rechte Hand, während die äussersten Enden der Trense allein in der linken Hand bleiben, so schnell als möglich loslassen; der Lehrer befindet sich dann so weit von dem Pferde ab, als die Zügel und sein ausgestreckter Arm lang sind, so dass das Pferd ihn unmöglich treffen kann, wenn er noch dazu eine halbe Wendung nach vorn macht.

Er lasse das Pferd sich nun wieder sammeln und nähere sich ihm dann sehr vorsichtig, dabei die Reitpeitsche immer sorgfältig versteckend. Wenn das Pferd sich abermals bäumen sollte, drücke man stark und ohne Ruck auf die Trense. Wenn es drei- oder viermal dieses Verteidigungsmittel versucht hat und einsieht, dass es ohne Erfolg bleibt, wird es bald darauf verzichten und sich vielleicht plötzlich zur Seite werfen. Beobachte man wohl dabei, dass es sich nur nach links werfen kann, da es zur Rechten die Wand hat. Die Peitsche auf der linken Flanke und ein etwas kräftiger Zug mit dem linken Trensenzügel genügen, um das Pferd wieder gerade zu stellen.

Es bleibt nur noch das Rückwärtswerfen. Wenn das Pferd diese Verteidigungsart anwendet, erübrigt nur, sich ihm gegenüber zu stellen und mit beiden Händen stark an den Zügeln zu ziehen, dabei die Knie leicht biegend und den eigenen Körper scharf

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nach rückwärts legend. Man mache sich schwer, wie man gewöhnlich sagt, damit das Pferd in seiner Rückwärtsbewegung einen nur schwer fortziehen kann. Es wird bald müde werden.

Ich besitze die Fertigkeit, mich aufrecht zu erhalten, wenn das Pferd mich fortschleift, in solchem Masse, dass ich beinahe immer, sei es ein Pferd, welches es wolle, schon beim zweiten oder dritten Schritt anzuhalten imstande bin.

Wenn es merkt, dass man ihm durch Beharrungsvermögen, nicht durch rohe Gewalt widersteht, bleibt es stehen und stiert gewöhnlich den Menschen an und schnauft, dabei förmlich einen Seufzer ausstossend. Man sehe dann das Pferd auch seinerseits scharf an und suche zu erraten, ob es in seinem Widerstände aufhören oder darin fortfahren wird. Mit etwas Erfahrung wird man sich darüber leicht klar werden können.

Niemals darf der Unterricht nach einer Widersetzlichkeit unterbrochen und noch weniger beendet werden.

Hat der Widerstand aufgehört, verlange ich aufs neue und durch die gleichen Mittel das Vorwärtsgehen und höre damit erst auf, wenn ich es erreicht habe. Es kommt selten vor, dass das Pferd jetzt nicht sofort nachgibt.

Baucher suchte bei dieser Anfangsdressur das Vorwärtsgehen dadurch zu erlangen, dass er dem Pferde leichte Peitschenschläge vor die Brust gab, dabei die Trensenzügel auf halber Länge fassend und dem Pferde gegenüberstehend.

Wie man in dem Kapitel über die Arbeit an der Longe gesehen hat, habe ich im Prinzip gegen dieses Verfahren nichts einzuwenden; es sei denn,

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dass sich hierdurch für den Menschen der ernste Nachteil ergibt, von den Vorderbeinen geschlagen zu werden, und dass das Pferd dadurch oft kitzlig wird.

Ausserdem nützen diese gegen die Brust gerichteten Schläge der Dressur nichts, während die auf die Flanken gerichteten, wie ich es schon beschrieben habe, die beste Vorbereitung für die Sporen sind.

Nach dem System Baucher zieht man zuerst an der Vorhand, welche wiederum ihrerseits die Hinterhand, wenn es überhaupt gelingt, diese in Bewegung zu setzen, nachschleppen muss, während nach meinem Verfahren es vielmehr die Hinterhand ist, welche sich zuerst in Bewegung setzt und so die Vorhand vortreibt. Dies ist aber das Hauptprinzip der ganzen Reitkunst.

III. Das Indiehandstellen, die Biegung in gerader Richtung. (Direkte Biegung.)

Wenn mein Pferd mit mir auf der linken Hand flott in der Bahn herumgeht, trete ich auf die andere Seite und beginne dieselben Übungen auf der anderen Hand. Wenn ich dann befriedigt bin, fange ich damit an, mir das Pferd in die Hand zu stellen.

Mich immer auf der linken Hand und immer an der linken Schulter meines Pferdes befindend, nehme ich die Kandarenzügel, 12 bis 15 cm vom Maul entfernt, in die rechte Hand. Ich erfasse nun, während ich in der linken hohlen Hand die Trensenzügelschnalle festhalte, mit den Fingern derselben Hand den Teil

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der Trensenzügel, welcher 15 bis 20 cm vom Maul entfernt ist, und bringe nun diese Hand so vor den Pferdekopf, dass ich das Pferd damit vorwärts ziehen kann. Es ist unumgänglich notwendig, die Trensenzügel gerade so zu fassen, wenn man vermeiden will, dass das Pferd bei Einwirkung der Kandarenzügel stehen bleibt.

Es ist nicht ausreichend, die Trensenzügel wagerecht zu halten, denn sie sollen nicht allein nach vorwärts ziehen, sondern müssen ausserdem noch von unten nach oben wirken, um Kopf und Hals damit in jenem Augenblick aufrichten zu können, in welchem die Einwirkung des Kandarengebisses das Nachgeben des Unterkiefers hervorbringen soll.[1] Denn wenn dieser letzteren nicht durch die Tätigkeit der Trense entgegengewirkt würde, so behielte der Kopf nicht seine Aufrichtung und würde dadurch wieder ein Herabsinken des Halses herbeigeführt.

Ich halte die Trensenzügel straff, um Kopf und Hals aufzurichten, und mache es ebenso mit den Kandarenzügeln, um das Maul zu öffnen. Ich ziehe die Trensenzügel straffer an, wenn das Pferd nicht vorwärts geht, hingegen die Kandarenzügel, wenn es den Hals steif macht und das Maul fest geschlossen hält. Ich empfehle ganz besonders, die Zügel nicht fortwährend in der gleichen Stärke wirken zu lassen, sondern vermittelst mehrerer und schwächerer Anzüge, die besser wirken als ein einziger starker Anzug; diese Anzüge dürfen indes nicht so lange an-


  1. Siehe Tafel II, Stellung der Hände. Figur 1, geschlossenes Maul. Figur 2, geöffnetes Maul, Kandarenzügel lose. ↩︎

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Tafel II
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dauern, dass das Pferd dadurch Neigung bekäme, sich auf die Hand zu stützen.

Auf die erste Nachgiebigkeit hin, so gering sie auch sein mag, gebe auch ich nach und streichle das Pferd. Dann fange ich wieder an, suche aber eine etwas gesteigerte Nachgiebigkeit zu erlangen, ohne dabei zu anspruchsvoll zu sein. Ich gebe dann nach und streichle wieder. Und so fort.

Man muss vor allem zu erreichen suchen, dass das Pferd nicht nur im Halse nachgibt, sondern besonders auch im Maul, was sich durch öfteres Öffnen und Schliessen der Kinnladen bemerkbar macht. Die Nachgiebigkeit des Maules ist das Endziel der Biegung.[1] Wenn das Maul nicht nachgibt, würde die Biegung des Halses allein die ganze Masse nach rückwärts stossen und das Pferd sich hinter die Zügel verkriechen. Gerade in der Wirkung der sich entgegen arbeitenden und abwechselnd tätigen Gebisse liegt das ganze Arbeitsfeld der direkten Biegung. Während die Trense die Vorhand vorwärts zieht, hält die Kandare durch einen leichten Anzug den Kopf


  1. Eine ziemlich grosse Anzahl von Pferden gibt zwar mit den Kinnladen nach, sowohl in gerader Richtung wie seitlich, stellt aber dabei die untere Kinnlade quer. In diesem Falle leistet das Maul der Hand zwar keinen Widerstand, aber es gibt nur auf seine Art nach, indem es die untere Kinnlade nach rechts oder nach links verschiebt, anstatt senkrecht zur Kopfachse nachzugeben. Diese unvollkommene Nachgiebigkeit ist ein grosser Fehler, den man nicht anders als durch vermehrte Förderung des Schwunges von hinten nach vorn abstellen kann.

    Ist es doch ersichtlich, dass das Pferd, indem es die untere Kinnlade nach rechts oder nach links verschiebt, dem vollkommenen Indiehandstellen sich entzieht, obgleich die richtige Haltung von Kopf und Hals anscheinend vorhanden ↩︎

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zurück, biegt ihn und veranlasst die Kinnladen nachzugeben, ohne die Vorhand aufzuhalten.

Um aber zu diesem Resultat der Nachgiebigkeit zu gelangen, muss man als ersten Grundsatz aufstellen: Annehmen und Nachgeben! Annehmen, um den Widerstand zu beseitigen; nachgeben, um die Nachgiebigkeit zu belohnen; wieder annehmen, um eine noch grössere Nachgiebigkeit daraus zu erzielen und so fort.

Es genügt nicht, dass das Pferd auf seinem Gebiss kaut, es soll dasselbe loslassen.[1] Das ist eben die äussere Nachgiebigkeit, durch welche der Beweis geliefert wird, dass die Biegung wirklich vollkommen ist.

Deshalb muss man, wenn das Pferd im Maul auf den Anzug der Kandare mit Leichtigkeit nachgibt, in diesem so lange ausharren, bis das Pferd das Gebiss völlig loslässt. Um dem Versuch des Pferdes, stehen zu bleiben, vorzubeugen, muss die Peitsche in der Flanke durch leichte Schläge vortreibend wirken.[2]

Diese ganze Arbeit muss mit einer sehr leichten

ist. Das Pferd scheint in der Hand zu sein, ist es aber tatsächlich nicht, weil die durch die untätigen Kinnladen erzeugte fehlerhafte Spannung der Durchlässigkeit entgegenwirkt. Unter diesen Umständen wird das Pferd niemals den guten Schwung nach vorwärts auf den anstehenden Zügeln empfinden lassen, es wird nicht, wie man sagt, „auf die Hand gehen“, trotz aller Anforderungen der Schenkel.

Wenn ich für solch ein Pferd vermehrten Schwung verlange, so tue ich das, damit es sich der direkten Biegung nicht entziehen und hinter die Zügel verkriechen kann. Man muss es also auf das Gebiss treiben.


  1. Siehe Tafel II, Figur 2. ↩︎

  2. Siehe Tafel VI, Figur 2. ↩︎

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Hand vollführt werden.[1] Gerade durch die Wechselwirkung von Kandare und Trense kann man sich am besten Rechenschaft von dem Grad der Empfindlichkeit des Pferdemauls ablegen. Man erkennt auf diese Weise sofort, ob das Pferd ein hartes oder weiches Maul hat.[2]


  1. Man gelangt ganz bequem dazu, eine „gute“, d. h. eine leichte Hand zu haben. Diejenigen, welche diese Fertigkeit erworben haben, können sich fast jedes Pferdes gut bedienen und verstehen, Nutzen daraus zu ziehen. Sie treten dem Pferde niemals ernstlich entgegen und begnügen sich mit dem unaufhörlichen Spiel des „Annehmens und Nachgebens“. Es ist ein nützlich Ding, eine „gute Hand“ zu haben und für den gewöhnlichen Bedarf ist das auch als ausreichend anzusehen. Aber man kann sein Leben lang „annehmen und nachgeben“, ohne sich klar darüber zu sein, was man denn eigentlich tut. In diesem Falle macht weder das Pferd noch die Hand Fortschritte. Die Hand beschränkt sich darauf, nachzugeben, wenn das Pferd zieht und zieht ihrerseits, wenn das Pferd nachgibt. Das nennt man gemeinhin „eine Klingelschnur in der Hand haben“, und wirklich ist das eine dem Klingeln ähnliche Bewegung in schönster Form. Die geschickte Hand macht gerade das Gegenteil; denn es handelt sich doch darum, das Pferd zu dressieren, d. h. seine Ausbildung zu fördern. Sie hält fest geschlossen, ziemlich kräftig mit den Fingern gegen, wenn das Pferd zieht; aber die Finger geben mit der Schnelligkeit eines elektrischen Funkens sofort nach, sobald die Kinnladen die geringste Nachgiebigkeit zeigen.

    Die sogenannte „gute Hand“ gibt nach, wenn das Pferd annimmt und nimmt an, wenn das Pferd nachgibt.

    Die „geschickte, kunstvolle Hand“ gibt nach, wenn das Pferd nachgibt und nimmt an, wenn das Pferd annimmt und zwar augenblicklich. ↩︎

  2. Es ist der Glaube verbreitet, dass ein Pferd, welches geifert oder welchem das Maul schäumt, ein gutes Maul hätte. Das ist ein Irrtum.

    Um diesen seifenartigen Schaum zu erzeugen, zieht das Pferd seine Zunge notwendigerweise zurück. Es hat also das ↩︎

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Man muss sich besonders davor hüten, Hartmäuligkeit mit anderem Widerstände zu verwechseln, der sehr wohl auch durch die Kopfstellung bedingt sein kann. Ein Pferd, welches den Kopf tief trägt, ist immer schwer in der Hand, weil es sein ganzes Körpergewicht auf der Vorhand trägt, und dennoch folgt daraus nicht, dass es ein hartes Maul hat. Wechsle man einfach die Kopfstellung, nehme man ihm den Kopf hoch und es wird nicht mehr so schwer in der Hand liegen; auch wird man alsbald den richtigen Begriff davon haben, ob das Pferd weich- oder hartmäulig ist.

Wenn die direkte Biegung in der Weise, wie ich angedeutet habe und auch nach dem von mir beschriebenen Verfahren bewirkt ist, kommt folgende

Maul nicht frei, ruhig und bereit für die feinen Anzüge mit den Fingern des Reiters.

Das Tier erzeugt diesen Schaum entweder dadurch, dass es die Zunge ununterbrochen hin- und herscheuert oder dass es mit derselben an der oberen Kinnlade schabt, dass es die Zunge über das Kandarengebiss nimmt oder auch, dass es dieselbe oben im Gaumen zusammenrollt.

In allen diesen Fällen gibt es nur das eine Mittel, die Zungenfreiheit mit einer der 8 gleichenden, beweglichen Platte zu versehen, deren Mitte sich oben auf der Zungenfreiheit befindet und deren eines Ende nach oben, deren anderes aber nach unten gerichtet ist. Dieser kleine Apparat verhindert auch, dass die Pferde ihre Zunge heraushängen lassen können. Bisweilen erzeugen die Pferde auch dadurch Schaum, dass sie mit einer der Kandarenscheren spielen. In diesem Falle genügt es, das Gebiss etwas höher ins Maul zu legen und das Kinnkettenriemchen recht kurz zu schnallen, so dass das Pferd die Scheren weder mit der Zunge noch mit den Lippen erreichen kann.

Unter einem „guten Maul“ verstehe ich ein solches, welches in der Arbeit frisch bleibt, niemals zu trocken oder zu feucht ist.

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Tafel III Fig. 1 Fig. 2

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Fig. 1

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Normal-Stellung zum Ausdruck: Kopf und Hals hoch, im Genick gebogen;[1] die Längsachse des Kopfes fast senkrecht[2], eher etwas vorgerichtet[3]; offenes, tätiges Maul und losgelassenes Gebiss.[4]

Ich habe soeben den Mechanismus der direkten Biegung, so wie ich sie verstanden und so wie ich sie ausgeführt wissen will, beschrieben, nur mit dem alleinigen Unterschiede, dass ich, um mich klarer auszudrücken, das stehende Pferd zur Voraussetzung nehmen musste, während ich weiter unten auseinandersetzen werde, dass ich, um das Pferd zu biegen, es zunächst nach vorwärts in Bewegung setze.

Aber die Mehrzahl der Stallmeister betreibt diese Biegung in einer von der meinigen ganz abweichenden Weise. Um sich Rechenschaft davon zu geben, was man unter „direkter Biegung“, der wesentlichen Grundlage der ganzen Reitkunst, eigentlich versteht, muss man zunächst wissen, welches Resultat man damit erzielen will.


  1. Eine tadellose Biegung erfordert, dass die Nase des Pferdes in gleicher Höhe mit dem oberen Teil der Schulter steht. Taf. IV, Figur 2. ↩︎

  2. Das Genick ist ausser stände, über die Senkrechte der Pferdekopflängsachse hinaus nachzugeben. Eine solche fehlerhafte Stellung kann sich nur dann ergeben, wenn man den Hals zu nah am Widerrist biegt. ↩︎

  3. Diese Stellung gestattet mir, mein Pferd leicht „auf die Hand“ zu treiben, während Baucher, welcher sein Pferd „hinter der Hand“ liebte, den Pferdekopf über die Senkrechte hinausbrachte, was ihn übrigens dahin führte, dass das Pferd in sich zusammenkroch. ↩︎

  4. Siehe Tafel II, Figur 2. ↩︎

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Die direkte Biegung (die Biegung in gerader Richtung)

hat zum Zweck:

1. das Pferd durch Aufrichtung des Halses ins Gleichgewicht zu setzen.

Es ist sehr selten, dass die Pferde schon von Natur gut im Gleichgewicht sind. Schon ihrem Gebäude nach haben alle Pferde eine gewisse Neigung, sich nach vorn auf die Schultern zu legen. Die grosse Entfernung des Kopfes vom Unterstützungspunkt ist die Ursache dazu. Je weiter der Kopf vom Schwerpunkt entfernt ist, je tiefer der Kopf steht, desto mehr werden die Schultern belastet. Die Aufrichtung des Halses, durch welche man den Kopf dem Schwerpunkt näher bringt, verfolgt den Zweck, das Körpergewicht des Pferdes gleichmässiger zu verteilen. Weil, wie wir später sehen werden, die ganze Reitkunst auf Gewichtsübertragungen beruht, muss aller Anfang der Dressur der sein, das Körpergewicht gleichmässig zu verteilen, damit das im Gange beizubehaltende Gleichgewicht auch später völlige Freiheit in allen Bewegungen gewährleistet.

Die Aufrichtung des Halses, die Vor- und Hinterhand gleichmässig belastend, lässt diesen ihre ganze Freiheit und völlige Energie. Sie ist es, welche dem Pferde die Haltung gibt; es erübrigt jetzt nur noch, es zu beleben.

Aufrichtung ist gleichbedeutend mit bequemem Unterschieben der Hinterbeine unter den Schwerpunkt, bei hoher Aktion der Vorhand.[1] Kurzum das ist gutes Gleichgewicht, das ist gefällige, ungezwungene Haltung.


  1. In Rennen handelt es sich nicht um hohe, sondern einzig und allein darum, eine weitausgreifende Aktion zu erzielen, deshalb sieht man im Training nicht auf Aufrichtung; ↩︎

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Es gibt aber auch Pferde, welche sich von Natur schon auf der Hinterhand tragen, und man könnte glauben, dass das, was gut ist für Pferde, welche zu sehr auf der Vorhand gehen, also die Aufrichtung, notwendigerweise unterdrückt werden müsse bei einem Pferde, welches sich schon von Natur auf der Hinterhand trägt. — Mit nichten! — Wie ich schon auseinandergesetzt habe, sind die Bauart des Pferdes und der Zusammenhang seiner Hebel derartig, dass das Gleichgewicht des Körpers nur durch die Aufrichtung des Halses erzielt werden kann.

Das Pferd, welches sein ganzes Körpergewicht auf die Hinterhand übertragen hat, ist als „zusammengekrochen“ zu bezeichnen, seine Sprunggelenke sind zu weit ab vom Schwerpunkt oder demselben zu nahe. Im ersten Falle nennt man das Pferd „stur“, im zweiten ist die Kruppe gesenkt und die an den Hinterbacken gefällte Senkrechte überragt diejenige um ein Bedeutendes, welche man sich vom Sprunggelenk nach unten gezogen denkt.[1]

Aber hier ist es nicht mehr eine schlechte natürliche Gewichtsverteilung, wie bei einem mehr auf der Vorhand gehenden Pferde, sondern hier ist es eine schlechte „absichtliche“ Gewichtsverteilung eines Pferdes, welches sich verhält und nicht vor-

man hat nur einen Gesichtspunkt; dieser ist, dass das Pferd in seinem natürlichen Gleichgewicht sich so viel als möglich streckt, die Füsse fast gar nicht über den Boden erhebend.


  1. Diese zweite Stellung ist übrigens die gefährlichste, weil das Pferd bereits zum Bäumen gerüstet ist. Das Gefährliche des Zusammenkriechens liegt in der Widerspenstigkeit des Pferdes, welche sich durch Zurückkriechen oder durch Steigen kundgibt, was leicht zum Überschlagen des Tieres führen kann. ↩︎

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wärts gehen will. Die Sprunggelenke tun nicht ihre Schuldigkeit, welche darin besteht, das Körpergewicht nach vorwärts in Bewegung zu setzen. Wollte man die Vorhand durch Herunterstellen des Halses noch mehr überbürden, so würde man dadurch die Schwierigkeit der Arbeit noch vermehren, welche man von den Sprunggelenken fordert.[1] Man muss den Hals also aufrichten, um die Vorhand zu erleichtern; das soll man aber von unten nach oben, nicht von vorwärts nach rückwärts tun, ohne indes diese Hilfe zu übertreiben und immer mit sehr behutsamer Hand. Die Aufrichtung des Halses ist die erste Bedingung für ein gutes Gleichgewicht. Hat man das erreicht, so muss man durch die direkte Biegung des richtig gestellten Kopfes, durch die in Tätigkeit gesetzten Kinnladen und besonders durch die Schenkel die in Aktion tretende Hinterhand frei zu machen suchen, indem man das Pferd dreist vortreibt. Dasjenige Pferd, welches sich zu sehr auf der Hinterhand trägt, zusammenkriecht oder einfach sich verhält, ist als „hinter dem Schenkel" zu bezeichnen; ein solches muss durch grösste Vorsicht der Hand und durch einen sehr energischen Schenkel dahin gebracht werden, sein Gleichgewicht nach vorn zu verlegen, indem ich dasselbe förmlich auf die Hand werfe.[2] Dieses Resultat wird nicht etwa durch tiefen Hals erreicht, vielmehr ist diese Stellung das hauptsächlichste Hindernis für die Durchlässigkeit.


  1. Ungerechnet, dass man dem Bäumen noch mehr Wucht geben würde, sobald man eine zu tiefe Stellung von Kopf und Hals zuliesse. ↩︎

  2. Im gleichen Falle ist die Bahnpeitsche, welche das Pferd zum Vorwärtsgehen nötigen soll, eine gute Vorbereitung für die Wirkung der Schenkel. ↩︎

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Tafel IV. Fig. 1. Fehlerhafte Biegung. Fig. 2. Richtige Biegung.

Tafel IV. Fig. 1. Fehlerhafte Biegung. Fig. 2. Richtige Biegung.

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Die direkte Biegung hat ferner zum Zweck:

2. Den Hals in der Körperachse festzustellen, wodurch der durch die Biegung leicht beweglich gemachte Kopf in innigere Verbindung mit den Schultern gesetzt wird.

Der nicht abgebogene Kopf ist schwer beweglich am Ende des losen Halses. Daher das Sprichwort: Schwerer Kopf, loser Hals. Das ist, wie wenn man die Angelrute am dünnen Ende hält. Hingegen bewegt sich der abgebogene Kopf mit Leichtigkeit auf dem aufgerichteten Halse, welcher ohne Zwang durch die alleinige Wirkung des guten Gleichgewichts aller Hebel in der Körperachse festgestellt ist. Kopf, Hals und Schultern, engverbunden mit der Achse des im guten Gleichgewicht befindlichen Körpers, machen das Ganze geschmeidig und geschlossen. Das ist der Erfolg der richtigen direkten Biegung.

Die direkte Biegung hat schliesslich zum Zweck:

3. Die Durchlässigkeit durch das Loslassen und Nachgeben der Kinnladen zu erzielen.

Ist das Pferd erst einmal ins Gleichgewicht gesetzt und in allen Teilen innig verbunden, so gestattet die Nachgiebigkeit des Mauls mit der grössten Leichtigkeit alle Bewegungen von hinten nach vorn und von vorn nach hinten in der Art, dass die Hand den Schwung des Pferdekörpers, welchen die Schenkel nach vorn an das Gebiss treiben, empfängt und ihrerseits alsbald, aber nur teilweise, nach den Schenkeln zurückgibt.[1]


  1. Die Hand behält und sendet nur soviel vom Schwung nach der Mitte zurück als nötig ist, um das Gleichgewicht zu ↩︎

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Die Biegsamkeit des von vorn nach hinten knieförmig gebogenen und gegliederten Hebelarmes, gebildet durch den Hals, den Kopf und das Maul, wächst progressiv von hinten nach vorn, d. h. von den Schultern zum Halse, vom Halse zum Kopf, vom Kopf zum Maul; mit anderen Worten: man hält die Angelrute am dicken Ende.

Demgemäss treffen alle vom Pferde entwickelten Kräfte in der Hand des Reiters zusammen, durch deren leisesten Druck auf die Kinnladen gebogen werden:

  1. das Maul; — dieses um so leichter, je grösser der Schwung ist;

  2. durch das Maul — der Kopf;[1]

  3. durch den Kopf — der Hals, welcher wieder vermöge seiner Stellung mit der grössten Kraft auf die Schultern weiterwirkt.

Der für die Wechseltätigkeit von Reiter und Pferd gebräuchliche und zutreffendste Ausdruck ist: Man hat tatsächlich sein Pferd „in der Hand".

Man wolle hierbei wohl beachten, dass diese Kopfstellung die Wirkung der Zügel ausserordentlich begünstigt; denn die Kandare, welche nicht viel mehr als ein zweites Trensengebiss wirken würde, wenn der Kopf tief stände, ruht frei auf den Kinnladen und entwickelt hier ihre ausserordentliche Wirkung, sobald

bewahren; das Mehr des Schwunges findet natürlich seine Verwendung nach vorwärts, um Terrain zu gewinnen.


  1. Der Kopf darf sich sehr wohl frei bewegen zwischen der Stellung vor der Senkrechten und der bis zur Senkrechten, aber nie darüber hinaus. Diese von mir angegebene Kopfstellung lässt noch den geringsten, vom äussersten Ende des Hebelarms ausgehenden Anzug durchgehen und lässt so bei ganz geringer Anstrengung die grösste Wirkung erreichen. ↩︎

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das Pferd den Kopf hoch trägt; allerdings vorausgesetzt, dass der letztere immer ein wenig vor der Senkrechten bleibt. Sobald die Achse des Kopfes hinter die Senkrechte kommt, ist die Wirkung der Kandare verfehlt; denn dann gehen die Anzüge nur von unten nach oben und die Überzäumung beginnt. Das ist für mich die direkte Biegung, und das ist ihr Zweck.

Man sieht, dass diese Biegung, wie ich sie ausführe, nicht zufällig oder aus gewöhnlichen Erfahrungen hervorgegangen ist. Im Gegenteil, ich habe auf das sorgfältigste auch meine Gründe dargelegt und habe mich befleissigt, meine Ausführungen in allen Stücken zu beweisen.

Unglücklicherweise hat sich Baucher, welcher als erster dem Abbiegen der Pferde Bedeutung gab und hierdurch den Grund zu seiner Methode legte, nicht ausreichend Rechenschaft von ihrem Mechanismus abgelegt.

Ihm schadete das wenig, weil sein ausgezeichnetes Reiter-Gefühl alles wieder gut machte. Da, wo die Theorie falsch war, verbesserten Hand und Schenkel, mehr oder weniger gewissenhaft ganz unwillkürlich die Fehler seiner Methode.

Aber sein Gefühl konnte Baucher in seinen Büchern nicht niederlegen und hier finden sich seine guten und seine schlechten Lehren. Ich glaube, man erweist dem grossen Reitmeister eine Huldigung damit, dass man sie kritisch beleuchtet und zeigt, wo er geirrt hat.

Meines Erachtens hat das Abbiegen, so wie Baucher es beschreibt und wie man es alle Tage ausführen sieht,[1] bei den Pferdeverständigen bedeutend dazu


  1. Ach leider, leider werden die Fehler der Lehrer gewöhnlich leichter angenommen, als ihre guten Eigenschaften! ↩︎

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beigetragen, diese wertvolle Übung, welche ich für die unerlässlichste Bedingung jeder guten Reitkunst halte, in Verruf zu bringen.

Diese heutzutage so häufige fehlerhafte Biegung macht sich anstatt am Genick, am Widerrist geltend. Sie senkt den Hals und bringt das Pferd noch mehr auf die Schultern, verschlimmert also den natürlichen Fehler noch. Die tiefe Kopfstellung veranlasst leicht Unfälle und führt schliesslich zur Überzäumung, indem der Kopf hinter die Senkrechte kommt.

Es lässt sich nicht ableugnen, dass dieser Fehler von Baucher herstammt, welcher während des grössten Teils seiner Berufstätigkeit das Abbiegen am Widerrist verrichtete und dabei den Hals herunterzog.[1]

Gegen Ende seines Lebens hat Baucher diesen Fehler erkannt (siehe die letzte Ausgabe seines Werkes 1874); aber er begnügte sich damit, den Kopf aufzurichten. Biegung in der Aufrichtung machte er jedoch nicht. Was er aber auch tat, und welches auch seine Fehler gewesen sein mögen, er war dennoch ein unvergleichlicher Reitmeister, während andere, welche ihre Pferde fehlerhaft abbiegen, nur dahin gelangen, sie gründlich zu verderben.[2]


  1. Vergleiche Tafel III, Figur 1 — Vorbereitung zum Abbiegen, wie ich es beschrieben habe — mit Figur 8 — Vorbereitung nach Baucher. Letztere habe ich getreu seinem Werke entlehnt. — Es ist beachtenswert, dass das Pferd auf der Tafel III, so wie Baucher es hat zeichnen lassen, mit den Vorderbeinen gegenstemmend wirkt, und dass dadurch das Vorwärtskommen ganz unmöglich ist. Etwas Schlechteres ist gar nicht denkbar! — Vergleiche sodann Tafel IV, Figur 8, die korrekte Biegung mit der fehlerhaften (Figur 1), der leider am häufigsten angewandten. ↩︎

  2. Wer einmal diesen Weg beschritten hat, geht davon ↩︎

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So wird es erklärlich, dass viele Leute von der Arbeit gehen und wohlgefällig erklären, ihr Pferd abgebogen zu haben, ohne dass auch nur die geringste Verbesserung darin eingetreten wäre. Das kann aber nicht überraschen; denn nach dem, was wir soeben gesehen haben, ist das Abbiegen eine so überaus schwierige Sache, dass ein ungeschickter Reiter auf ein Pferd, welches er verbessern wollte, oft nachteilig wirken wird. Wenn man sich aber in die Grundsätze und Praxis vertieft, welche in diesem Kapitel dargelegt sind, kann man versichert sein, immer die vorteilhaften Erfolge der Biegung zu erreichen, welche man zu erwarten berechtigt ist.

Um den Mechanismus (das Ineinandergreifen) der Biegungen recht begreiflich zu machen, war ich genötigt, vom stillstehenden Pferde auszugehen. Ich muss aber sagen, dass ich die direkte Biegung im Gegensatz zum allgemeinen Gebrauch immer nur im Gange anfange.

Zu dem Zweck stelle ich mich an die Schulter des Pferdes, treibe es durch einen Zungenschlag an und ziehe es gleichzeitig durch vorherrschenden Trensengebrauch nach vorwärts.[1]

Die Biegung vollzieht sich dann genau in der Weise, wie oben angegeben.

so leicht nicht wieder ab. Haben doch gewisse Schriftsteller glauben machen wollen, man müsse den Hals systematisch herunterbringen. Es gibt gar kein besseres Mittel, ein Pferd zu Grunde zu richten. Ich zeige später auf Tafel V der Merkwürdigkeit halber zwei Figuren aus kürzlich erschienenen Werken, welche die Unterweisung im Herabdrücken des Halses veranschaulichen soll. Das nennt man dem Pferde künstlich beibringen, auf die Nase zu fallen.


  1. Siehe Tafel VI, Figur 1. ↩︎

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Sobald ich eine gewisse Anzahl Nachgiebigkeitserfolge erlangt habe, lasse ich das Pferd einige Augenblicke hindurch frei neben mir hergehen. Ich vermeide sorgfältig, diese Arbeit zu lange auszudehnen, beginne dafür aber sehr häufig wieder von neuem damit.

Wenn es dem Pferde zur Gewohnheit geworden ist, schon bei der ersten Andeutung der Zügel leicht die direkte Biegung zu machen, indem es das Maul loslässt, muss der Lehrer seine Methode ändern, um den Anforderungen, welche man von dem Pferd unter dem Reiter verlangt, möglichst zu entsprechen. Dies ist eine neue Arbeit.

Der sich immer in derselben Stellung befindende Reiter (das Pferd auf der linken Hand gedacht) nimmt die Trensen- und Kandaren-Zügel, ungefähr 15 cm vom Maul entfernt, in die rechte Hand. Die linke Hand ergreift das Ende der Trensenzügel (die Kandarenzügel sind auf dem Halse verblieben) und die Peitsche, deren Spitze in Höhe der Flanke liegt.

In dieser Stellung wird das Pferd dann, in Ermangelung der nicht mehr vorziehenden Trense, durch die Peitsche vorwärts getrieben, wenn die rechte Hand die direkte Biegung verlangt. Ganz so wie früher.[1] Wir befinden uns somit in derselben Lage, wie zu Pferde. Es ist nämlich nicht mehr, wie soeben, die Vorhand, welche die Hinterhand nach sich zieht, sondern es ist die Hinterhand, welche zuerst antritt, die Vorhand gegen den Kopf vorschiebt, welcher seinerseits durch die Zügel[2] in der Hand des Reiters zurückgehalten wird.


  1. Siehe Tafel VI, Figur 2. ↩︎

  2. Man betrachte auf Tafel VI, Figur 2, wie die Hand des Lehrers die Trensen- und Kandaren-Zügel zugleich erfasst hat; ↩︎

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Tafel V
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So wird das Pferd vorschreiten, ohne auf das Gebiss zu drücken. Es ist dann vollkommen durchlässig. Das ist dieselbe Durchlässigkeit, welche man später unter dem Reiter erlangen muss.

Die hier beschriebene Arbeit wirkt übrigens auf das Pferdemaul in bewunderungswürdiger Weise vorbereitend, während sie gleichzeitig die Hand des Reiters geschickt macht.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass man die Tätigkeit der Kinnladen viel leichter erreicht, wenn man auf der Stelle bleibt; aber in diesem Falle läuft man Gefahr, das Pferd zum Zurückkriechen zu veranlassen, während man in der Vorwärtsbewegung diese Unzuträglichkeit, oder besser diese Gefahr vermeidet.[1]

Auf diesen Punkt lege ich Nachdruck; denn wenn es auch unwiderleglich eine viel langwierigere und schwierigere Arbeit ist, das Maul in der Vorwärtsbewegung tätig zu machen, so bewahrt sie doch vor der grossen Gefahr des Zurückkriechens, einem Ergebnis, welches beim ersten Abbiegen fast immer unvermeidlich ist. Nehme man sich doch Zeit und mache es gut!

Wenn ich also daran, wie an einer der bedeutungsvollsten Regeln festhalte, dass diese Gesamtarbeit im Gange ausgeführt werden muss, so bin ich dennoch genötigt anzuerkennen, dass es bei gewissen Pferden unmöglich oder wenigstens sehr ermüdend ist; das sind solche, welche sich heftig auf die Hand werfen

die Trensenzügel unter dem Daumen in der geschlossenen Hand ziehen von unten nach oben und unterhalten die Aufrichtung; die Kandarenzügel, der linke zwischen Mittel- und Ring-Finger, der rechte unter dem kleinen Finger, wirken mehr horizontal und bewirken das Loslassen der Kinnladen.


  1. Siehe Tafel VI, Figur 2. ↩︎

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oder den Kopf zu tief tragen. Was mich betrifft, so habe ich niemals gefunden, dass diese Untugenden so weit getrieben wurden, dass ich nicht die direkte Biegung und die Tätigkeit der Kinnladen auch im Gange hätte aufrecht erhalten können.

Bei der Arbeit auf der Stelle muss man aufmerksam darüber wachen, dass das Pferd sich nicht zurückwirft; gerade das muss um jeden Preis vermieden werden. Wenn das Pferd auch noch so wenig zurücktritt, muss man es sofort mit der in der linken Hand befindlichen Peitsche durch Berührung der Flanke vortreiben.[1] Das Pferd ist auch schon „zurückgezogen", wenn es mit den Hinterbeinen nach hinten heraustritt oder mit den Vorderbeinen gegenstemmt. Man treibe es sofort vor.

Um zurückgezogen zu erscheinen, ist es übrigens nicht nötig, dass das Pferd zurücktritt. Das Zurückziehen kann selbst dann stattfinden, wenn das Pferd auch kein Bein von der Stelle rührt. Schon dann, wenn die vom Sitzbein an den Hinterbacken entlang laufende Senkrechte die Hacke nicht trifft, sondern hinter derselben zur Erde fällt, hat das Pferd das Körpergewicht auf die Hinterhand verlegt und ist zurückgezogen. Man wirke dann energisch mit den Trensenzügeln ein, um das Körpergewicht wieder nach vorn zu bringen und um die Senkrechte Stellung trotz der Biegung aufrecht zu erhalten, damit das Zurückziehen sich nicht wiederholen kann.

Nach dieser Vorbereitung ist die direkte Biegung auch unter dem Reiter leicht, und das um so mehr, als die gleichzeitige Einwirkung der Schenkel das


  1. Siehe Tafel VI, Figur 2. ↩︎

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Tafel VI. Fig. 1. Fig. 2.

Tafel VI. Fig. 1. Fig. 2.

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Pferd energischer und wirksamer in die Hand treibt, als die Peitsche es vermag.

Besonders zu beachten ist, dass die Schenkel zuerst und allmählich verstärkt in Tätigkeit treten müssen; niemals die Hand. Bei der Arbeit des direkten Biegens, zu Fuss wie zu Pferde, ist es natürlich nötig, dass die Hand entsprechend nachgibt, und zwar in demselben Augenblick, wie das Pferd, um unmittelbar darauf ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen: „Annehmen und Nachgeben" zu rechter Zeit! In diesen beiden Worten liegt das ganze Geheimnis der Biegung.

Wohlverstanden, die Schenkel müssen immer am Pferde bleiben, um sowohl die beständige Nachgiebigkeit des Maules herbeizuführen, als auch das Zusammenkriechen zu verhüten.

Übrigens ist es selbstverständlich, dass man das Pferd vom Sattel aus unter keinen Umständen auf der Stelle biegen soll.

Dieses Verfahren würde in der Tat die ernstesten Unzuträglichkkeiten hervorrufen. Da man die Maultätigkeit auch nur durch leichte Sporenhilfen erreichen kann, würde das Pferd leicht die Gewohnheit annehmen, auf die Spornstiche hin stehen zu bleiben; man kann es nicht vordrücken, man hat kein Mittel mehr gegen das Zusammenkriechen und die Stätigkeit ist die Folge! [1] Dieses Resultat ist um so sicherer, wenn beim Vorgehen des Pferdes die Zügel stärker wirken als die Schenkel, weil es sich dann nicht an die Hand heranwagt.


  1. Baucher beging den Fehler, die Biegung unter dem Reiter im Halten zu verlangen. Er bediente sich dabei natürlich leichter Sporenhilfen, und nur sein feines Gefühl bewahrte ihn davor, dass seine Pferde widerspenstig wurden. ↩︎

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Kurzum, meine Reitkunst unterscheidet sich gerade dadurch von derjenigen Bauchers, dass ich nur im Vorwärtsgehen arbeite.

Meine erste Unterweisung ist doch das Vorwärtsgehen gewesen.

In seinem „Dictionnaire raisonné d'équitation (1883)" Seite 112 schreibt Baucher: „Während der ersten Unterrichtsstunden ist eine volle halbe Stunde zur Arbeit auf der Stelle zu verwenden; nur während der letzten 5 Minuten wird man das Rückwärtstreten üben."

25 Minuten Arbeit auf der Stelle und 5 Minuten Rückwärtstreten ist meines Dafürhaltens der kläglichste Gebrauch, welchen man von der Unterrichtszeit machen kann. Für die halbe Unterrichtsstunde schlage ich vor: 30 Minuten zur Arbeit im Gange, keine Arbeit auf der Stelle, kein Zurücktreten!

Man wird in der Folge sehen, dass dieser Unterschied in der Lehrmethode sich in der ganzen Dressurarbeit immer wieder vorfindet.

Natürlich bleibt die Biegung nach dem System Baucher bei der Arbeit unter dem Reiter ebenso fehlerhaft, wie bei der Arbeit zu Fuss. Figur 2 der Tafel VII, welche ohne jede Änderung seinem Werk entlehnt ist, gestattet durch Vergleich mit Figur 1, welche die richtige Biegung darstellt, ein Urteil darüber.

Die Figur von Tafel VIII, welche einem kürzlich erschienenen Werke entnommen ist, zeigt, wie man dahin gelangt ist, alle Mängel der schlechten Baucherschen Biegung zu übertreiben. Tiefer Kopf, weitab vom Schwerpunkt und hinter der Senkrechten, das Pferd auf der Schulter ruhend, bereit zur Überzäumung, totes Maul, das Gebiss von oben nach unten und folglich falsch wirkend. — Nichts fehlt im Bilde!

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Tafel VII. Fig. 1. Richtige Biegung. Fig. 2. Falsche Biegung nach Baucher.

Tafel VII. Fig. 1. Richtige Biegung. Fig. 2. Falsche Biegung nach Baucher.

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Um zu wissen, wonach man bei direkter Biegung suchen soll, genügt es, genau das Gegenteil von nebenstehendem Verfahren anzustreben.

IV. Das Pferd folgsam beim Aufsitzen zu machen.

Um ein Pferd beim Aufsitzen folgsam zu machen, muss man dabei eine Stellung annehmen, in der man allen Bewegungen leicht entgegentreten kann, welche das Pferd etwa machen könnte, um dem Reiter unbequem zu sein oder ihn gar am Aufsitzen zu hindern.

Prüfen wir also, welche Mittel man anwenden muss, und stellen wir uns so auf, dass wir alle etwaigen instinktiven oder aus schlechten Angewohnheiten hervorgegangenen Widersetzlichkeiten des Pferdes vereiteln können.

Das bösartige oder stätische Pferd bäumt sich, schlägt hinten aus und schlägt auch wohl mit dem linken Vorder- oder linken Hinterbein nach dem Aufsitzenden. Bei einem solchen Pferde ist es besser, die Longe und Bahnpeitsche beizubehalten und nur scheinbar, indem man dicht an der linken Schulter bleibt, den Fuss in den Bügel zu setzen. Steigt das Pferd, so versetzt man ihm mit der Peitsche einen kräftigen Schlag auf die Hinterbacken. Da es an der Longe gehalten wird, kann man so weit abbleiben, dass man von den Vorderbeinen nicht getroffen wird. So oft das Pferd sich bäumt, wiederholt man diese Strafe, ebenso wenn es zurücktritt; schlägt es hinten aus, nimmt man ihm den Kopf hoch und verweist es mit harter Stimme; schlägt es aber mit dem Vorderbein, so bestraft man

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das Pferd durch Peitschenhieb auf das betreffende Bein.

Ausser den Pferden, welche zu derartigen Widerspenstigkeiten neigen, gibt es auch solche, welche furchtsam, nervös, unruhig, kitzlig oder aufgeregt sind und welche, ohne sich eigentlich zu widersetzen, dennoch nicht so ruhig bleiben, wie es sich gehört.

Was können sie machen? Nur viererlei Bewegungen: Vorwärts- oder rückwärtstreten, sich nach rechts oder nach links werfen.

Gegen diese Möglichkeiten beim Aufsitzen muss man also vorbereitet sein und sich dabei wie folgt benehmen.

Den linken Trensenzügel in der linken Hand, ergreife ich mit dieser einen Mähnenschopf aus der Mitte und zwar derartig, dass der Zügel leicht ansteht. Meine rechte Hand, in welcher sich die Reitpeitsche befindet, ergreift über den Hals hinweg den rechten Trensenzügel in solcher Länge, dass er ebenfalls nur leicht ansteht, und erfasst ausserdem den Sattelknopf.[1]

So stehe ich der linken Schulter des Pferdes gegenüber. Wenn das Pferd zurücktritt, treibt es ein Peitschenschlag auf die Kruppe wieder vor, den ich, wenn nötig, 20- bis 30mal wiederhole, bis es nachgibt. Tritt das Pferd vor, lasse ich die Zügel wirken und bringe es auf seinen Platz zurück. Wirft es sich nach links, nehme ich den Pferdekopf nach derselben Seite, was zur Folge hat, dass es mit den Hinterbeinen nach rechts wieder zurücktritt. Ebenso nehme ich, sollte sich das Pferd nach rechts werfen, seinen Kopf nach rechts, um die Hinterbeine wieder nach links zurücktreten zu lassen.


  1. Siehe Tafel IX. ↩︎

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Tafel VIII
Tafel VIII
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Jede dieser Widersetzlichkeiten zeigt sich entweder in dem Augenblick, in welchem der Reiter mit dem Fuss in den Bügel treten will oder ihn bereits darin hat, oder endlich dann, wenn der Reiter sich auf das ausgestreckte linke Knie erhoben, aber das rechte Bein noch nicht auf die andere Seite gebracht hat. Man darf zu dieser zweiten oder dritten Bewegung nicht übergehen, bevor man nicht ein vollständiges Stillstehen des Pferdes erlangt hat. Man darf sich erst dann in den Sattel setzen, wenn das Pferd so lange unbeweglich geblieben ist, als sich der Reiter auf dem linken ausgestreckten Knie hält. Es kommt häufig vor, dass das Pferd gerade in diesem Augenblick eine der vorerwähnten Widersetzlichkeiten versucht; ist diese nur geringfügig, so kann man ihn durch Einwirkung der Zügel entgegentreten, ohne die eigene Stellung zu verändern. Ist die Widersetzlichkeit aber eine zu ausgesprochene, so setzt man den Fuss wieder zur Erde nieder und straft mit der Peitsche.

Beachten wir endlich noch, dass der Reiter, wenn er einmal im Sattel ist, in jeder Hand einen Trensenzügel gerade so lang halten muss, dass er vermittelst eines leichten Anzuges jede Ungehörigkeit unverzüglich unterdrücken kann.

Ich muss zugeben, dass meine Methode, sich in den Sattel zu setzen, den Grundsätzen zuwiderläuft, welche gewöhnlich gelehrt werden.

Man schreibt in der Tat zum Aufsitzen überall vor, dass man beide Trensenzügel und einen Mähnenschopf vom unteren Halsende in die linke Hand nehmen und mit der rechten Hand den Sattelkranz erfassen müsse; dass man sich sodann im Bügel erheben und sobald das linke Bein gestreckt ist, die rechte

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Hand, während man das rechte Bein über das Pferd hinwegschlägt, schnell vom Sattelkranz nach dem Sattelknopf bringen und sich dann hinsetzen müsse.

Bei diesem Verfahren ist der Reiter hilflos gegen jede Bewegung, welche das Pferd machen könnte, und das besonders in dem Augenblick, in welchem die rechte Hand vom Sattelkranz zum Sattelknopf geht, da dann das Gleichgewicht des Reiters so vollständig verloren geht, dass die geringste Veranlassung genügt, ihn zu Schaden zu bringen. Der Mangel des Gleichgewichts ist aber gerade die Ursache, dass der Reiter mehr in den Sattel fällt, als sich hineinsetzt. Dabei kann er unglücklich, d. h. auf den Sattelknopf fallen, wenn das Pferd auch nur einen einzigen Schritt rückwärts macht.

Die Methode, welche ich anrate, bringt hingegen den Reiter in die sichere Lage, jeden Unfall vermeiden, jede Ungehörigkeit und selbst jede Bewegung des Pferdes unterdrücken zu können, weil er in jeder Hand einen Trensenzügel führt.

Wenn ich ein Pferd an der Longe arbeite, sorge ich dafür, bevor ich es in Trab setze, dass der Sattel ziemlich fest gegurtet ist. Im Trab lässt das Pferd dann nach, sich aufzublähen und der dadurch lose gewordene Sattel behindert es weniger, wenn ich aufsitzen will.

Ich bin auf ganz natürliche Weise zur steten Nutzanwendung dieser sehr einfachen Beobachtung gekommen, als es mir zum erstenmal begegnete, ein schwieriges Pferd besteigen zu müssen.

Die Stallleute haben die Gewohnheit, ihre Pferde fest zu gurten, und es hiesse, die kleinen Schwächen des menschlichen Herzens schlecht kennen, wenn man

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Tafel IX
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glauben wollte, dass sie gerade an dem Tage auf diese Gewohnheit verzichten sollten, an welchem ich versuchen wollte, da einen Erfolg zu erzielen, wo sie gescheitert waren. Sie gurten also an diesem Tage fester denn je.

Sie wissen, dass ein Pferd um so leichter bockt, je fester es gegurtet ist; es erscheint ihnen mithin gewiss, dass sie sofort das unschuldige Vergnügen haben werden, mich über die Ohren meines Pferdes fliegen zu sehen.

Nichtsdestoweniger ermutige ich sie dazu, noch fester zu gurten:

„Anziehen! Immer noch fester!"

„Ist geschehen!"

Ich nehme mein Pferd beim Zügel, gehe mit ihm einige Minuten umher und löse in demselben Augenblick, in welchem ich aufsitzen will, die Gurte um 1 bis 2 Löcher, und schnell bin ich im Sattel, während das Pferd einen tiefen Atemzug der Erleichterung tut, der es für den Augenblick verhindert, an Widersetzlichkeit zu denken.

Ich lasse beim Aufsitzen mein Pferd niemals von jemand halten. Alle Pferde werden artig, wenn man sie nicht festhalten lässt. Man muss mehrere Male hintereinander auf- und absitzen und dabei das Pferd liebkosen, damit es Vertrauen fasst. Man muss sich so weich und leicht als möglich in den Sattel setzen, und besonders vermeiden, das Pferd schon beim ersten Anreiten scharf anzufassen; denn wenn es auf eine ungestüme Behandlung gefasst ist, wird es niemals ruhig beim Aufsitzen bleiben.

Von dem zum erstenmal gerittenen Pferde verlange ich nichts; vorausgesetzt, dass es geradeaus

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geht, bin ich zufrieden; ich halte die Zügel geteilt und bediene mich bei den ersten Reitversuchen nur der Trense und niemals der Sporen.

Ich reite einigemal rechts und links in der Bahn herum, dabei dem Pferde die möglichste Freiheit lassend; wohlverstanden, wenn es sich nicht widersetzt! Das tut es aber sehr selten, wenn man ihm so gut wie nichts abverlangt.

Wenn das Pferd den Kopf zu tief trägt, suche ich ihm denselben aufzurichten durch kleine, fast unmerkliche Trensenanzüge von unten nach oben und nicht von vorn nach hinten; trägt das Pferd die Nase hoch, so lasse ich die Kandare leicht wirken, aber nur so, dass das Vorschreiten nicht gehemmt wird; bleibt das Pferd aber unter der Einwirkung der Kandare stehen, so gebe ich ganz nach und lege die Schenkel hinter die Gurte. Die Schenkel wirken in diesem Falle, wie es die Peitsche bei der Arbeit zu Fuss tut. Ich beharre hierbei, bis ich das Vorwärtsgehen erlangt habe; mein Hauptziel, welches um jeden Preis erreicht werden muss.

Habe ich es erreicht, so dehne ich es so lange aus, um, wie soeben gesagt, einigemal in der Bahn herumzureiten, dabei immer die richtige Kopfhaltung wahrend, aber sehr leicht und nur so viel, dass das Tier nicht stehen bleibt. Wenn ich nur ein wenig Maultätigkeit erzielt habe, steige ich ab und biege an der Hand das Pferd bis zur Nachgiebigkeit ab. Dann gebe ich einige Rüben[1] und lasse es in den Stall zurückbringen.


  1. Die Rüben müssen der Länge nach zerschnitten werden, niemals rund; so hätten sie die Form des Kehlkopfs und könnten leicht darin stecken bleiben. Ich habe einmal ein ↩︎

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In dieser Unterrichtsstunde habe ich dem Pferde nur eins abverlangt: Vorwärts zu gehen und dabei mit den Kinnladen nachzugeben. Man muss im allgemeinen vermeiden, dem Pferde mehrere Dinge auf einmal abzuverlangen; denn es verwechselt sie oft, und man könnte das als eine Widersetzlichkeit auffassen, was nur einem Mangel an Verständnis entspringt.

V. Zügel-Führung.

Es gibt drei gebräuchliche Arten der Zügelhaltung: die englische, die deutsche und die französische. Ich nehme nicht Anstand, zu erklären, dass davon nur eine gut ist, die Zügelhaltung nach französischer Art.

Weil das Trensengebiss im Pferdemaul höher liegt, als das Kandarengebiss, ist es auch die vornehmlichste Aufgabe des ersteren, den Kopf des Pferdes aufzurichten, während es die Hauptaufgabe der Kandare ist, denselben gewissermassen herunterzubringen. Mit anderen Worten, die Trense ist das aufrichtende, die Kandare das herunterstellende Element. Alle Schulen sind sich hinsichtlich dieses

Pferd dem Erstickungstode nahe gesehen, weil es rund geschnittene Rüben verschluckt hatte.

Ich vermeide auch, Zucker zu geben; denn wenn das Pferd gezäumt ist und mit seinem Gebiss spielt, erzeugt es kleberigen Speichel, mit welchem es uns besudelt. Das wäre übrigens der geringste Nachteil; der grössere ist der, dass das Pferd dadurch zum Krippensetzen verleitet wird, wenn man im Stalle Zucker gibt. Es beginnt damit, seine Krippe zu belecken, sodann beisst es fortgesetzt hinein, weil es einen angenehmen Geschmack findet, und das artet zum Krippensetzen aus.

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wesentlichsten Gesichtspunktes einig. Es ist also augenscheinlich und sicher, dass die Trensenzügel und die Kandarenzügel so in der Hand gehalten werden müssen, wie es ihrer Lage im Pferdemaul entspricht, d. h. erstere über den letzteren.

Diesem so einfachen Grundsatze zuwider halten die Engländer die Trensen- und die Kandarenzügel gleich hoch in der Hand.[1] Die Deutschen entfernen sich noch mehr von diesem Grundsatze; denn sie halten die Trensenzügel unter den Kandarenzügeln.[2] Wir können nicht sagen, dass diese beiden Arten der Zügelhaltung gleich schlecht wären. Aus diesen kurzen Angaben geht vielmehr offenbar hervor, dass die Deutschen noch weiter vom richtigen Verfahren entfernt sind, als die Engländer. Schon die Vernunft sagt uns, dass die Zügel auf französische Art[3] gehalten werden müssen. Die Hand ist senkrecht, der linke Kandarenzügel geht unter dem kleinen Finger der linken Hand hindurch, der rechte zwischen Ring- und Mittelfinger und treten beide vereinigt zwischen Daumen und Zeigefinger aus der Hand wieder heraus. Die beiden Trensenzügel liegen vereinigt in derselben Hand zwischen Daumen und Zeigefinger. (Tafel X, Figur 1.) Vermittelst der so gefassten Zügel erreicht man durch einfache Bewegung des Handgelenks, ohne die Hand von der Stelle zu rühren, alle für die Einwirkung auf das Maul nötigen Anzüge. (Ich spreche natürlich vom dressierten Pferde.)


  1. Die verdeckte Hand hält zwischen jedem Finger einen Zügel. ↩︎

  2. Die Hand steht senkrecht; die Trensenzügel zu unterst. ↩︎

  3. Ist es nicht befremdend, dass man in der französischen Armee vorschreibt, die Zügel auf deutsche Art zu halten? Die Trensenzügel zu unterst? ↩︎

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Tafel X. Alle 4 Zügel gleichmässig anstehend (Fig. 1). Teilung der Trensen- u. Kandarenzügel (Fig. 2). Teilung der 4 Zügel (Fig. 3, 4, 5).

Tafel X. Alle 4 Zügel gleichmässig anstehend (Fig. 1). Teilung der Trensen- u. Kandarenzügel (Fig. 2). Teilung der 4 Zügel (Fig. 3, 4, 5).

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  1. Die senkrecht gestellte Hand kann alle vier Zügel gleichmässig einwirken lassen. (Tafel X, Figur 1.)

  2. Wenn sich der kleine Finger dem Körper des Reiters nähert, wirken beide Kandarenzügel. (Tafel XI, Figur 1.)

  3. Wenn sich der Daumen dem Körper des Reiters nähert, wirken die Trensenzügel. (Tafel XI, Figur 2.)

  4. Wenn die Hand nach rechts überfällt, so dass die Fingernägel nach unten stehen, wirkt der rechte Kandarenzügel. (Tafel XI, Figur 3.)

  5. Wenn die Hand nach links überfällt, so dass die Fingernägel nach oben stehen, wirkt der linke Kandarenzügel. (Tafel XI, Figur 4.)

In dieser Weise genügt eine einfache Bewegung des losen Handgelenks von hinten nach vorn (Tafel XI, Figur 1) und von vorn nach hinten (Tafel XI, Figur 2), sowie eine drehende Bewegung des Handgelenks von links nach rechts, Fingernägel nach unten (Tafel XI, Figur 3) und von rechts nach links, Fingernägel nach oben (Tafel XI, Figur 4), um alle notwendigen Einwirkungen auf das Pferdemaul hervorzubringen.

Die so gehaltenen Zügel haben, soweit es die Hand zulässt, untereinander den grösstmöglichen Spielraum, vorausgesetzt, dass sie in ein und derselben Hand sind. Die Wirkung ist fast dieselbe, als ob sich die Kandarenzügel in der linken, die Trensenzügel in der etwas höher gestellten rechten Hand befinden würden.

Wenn man übrigens beide Hände gebrauchen will, so ist das die einfachste Sache von der Welt; denn die rechte Hand kann die Trensenzügel nehmen oder zurücklegen in die linke Hand, ohne Gefahr für die Kandarenzügel, und selbst ohne dieselben zu berühren, (Tafel X, Figur 2.)

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Will man endlich alle vier Zügel geteilt halten, d. h. den linken Trensen- und linken Kandarenzügel in der linken und die beiden anderen Zügel in der rechten Hand, was in vielen Fällen nötig ist, so braucht man nur die Zügel der rechten Seite von da, wo sie sich befinden, zu nehmen, indem man die rechte Hand derartig zwischen die Kandaren- und Trensenzügel bringt, dass nun der rechte Kandarenzügel unter dem kleinen Finger der rechten Hand und der rechte Trensenzügel zwischen Daumen und Zeigefinger derselben Hand sich befindet, genau in derselben Stellung, als ob die Zügel in der linken Hand vereinigt blieben.[1] In dieser Weise behält auch jede der beiden Hände zwischen Kandaren- und Trensenzügeln den bisherigen Abstand bei, der sich aus der Breite der Hand von selbst ergibt.

Um die vier Zügel wieder in die linke Hand und in dieselbe Stellung zurückzubringen, genügt dann das umgekehrte Verfahren.

Ich habe kaum nötig, hinzuzufügen, dass man die vier Zügel nicht früher wieder vereinigt und auch nicht früher versucht, sie einander zu nähern, um ihre Wirkung nicht zu stören, als bis die Dressur des Tieres genügend vorgeschritten ist. Wenn man mit einem undressierten oder unzureichend dressierten Pferde zu tun hat, und dennoch gezwungen ist, sehr schnell genaue und besonders einschneidende Wirkungen hervorzurufen, so hat man nur nötig, die Zügel zu teilen.


  1. Siehe Tafel X, Figur 3, 4, 5. Die Figur 3 zeigt, wie sich die rechte Hand zwischen dem rechten Kandaren- und dem rechten Trensen-Zügel einschiebt. Die Figur 4 zeigt, wie sich die rechte Hand über dem rechten Kandaren- und Trensen-Zügel schliesst. Figur 5 zeigt die getrennten Zügel. ↩︎

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Tafel XI. Fig. 1. Wirkung der Kandare (Kleiner Finger gegen den Leib). Fig. 2. Wirkung der Trensenzügel (der Daumen gegen den Leib). Fig. 3. Wirkung des rechten Kandarenzügels (die Fingernägel nach unten). Fig. 4. Wirkung des linken Kandarenzügels (die Fingernägel nach oben).

Tafel XI. Fig. 1. Wirkung der Kandare (Kleiner Finger gegen den Leib). Fig. 2. Wirkung der Trensenzügel (der Daumen gegen den Leib). Fig. 3. Wirkung des rechten Kandarenzügels (die Fingernägel nach unten). Fig. 4. Wirkung des linken Kandarenzügels (die Fingernägel nach oben).

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VI. Methode, dem Pferde die Nachgiebigkeit auf Schenkel und Sporn vermittelst der Peitsche zu lehren.

Ich fange meinen Unterricht beständig damit an, das bei den früheren Übungen Erlernte zu wiederholen, stelle aber alle Tage eine kleine neue Anforderung.

Sobald das Pferd im wahren Sinne des Wortes frei ausschreitet und das Maul, wenn auch nur ein wenig, spielen lässt, kann und muss ich ihm zuerst den Gehorsam auf den Schenkel, dann den auf die Sporenhilfe beibringen. Diese Arbeit geschieht zu Fuss und vermittelst der Reitpeitsche.

Mit dem Gesicht dem Pferde zugekehrt, ergreife ich mit der linken Hand die Trensenzügel [1] ganz dicht am Maul, um dem Pferde den Kopf hoch zu halten. Mit der Peitsche, welche ich in der rechten Hand halte, berühre ich dann ganz leise in der Nähe der Gurten und in der Gegend der linken Flanke das Pferd da, wo der Sporn wirken würde, und nehme zugleich den Pferdekopf nach links.[2] Alsbald muss auch das


  1. Die Trensenzügelschnalle muss hierbei und während der ganzen Arbeit zu Fuss in der linken Hand bleiben. ↩︎

  2. Das nennt man die „einseitlichen Hilfen", weil beide, eine auf die Vor-, die andere auf die Hinterhand, an ein und derselben Seite zur Ausführung kommen. Die auf den diagonalen Hilfen basierende Reiterei, welche die wahre Reitkunst darstellt, ist aber diejenige, welche ihre Wirkungen auf der sich gegenüberliegenden Vor- und Hinterhand fordert. Dies ist die einzige Art und Weise, um das Zusammenwirken der Bewegungen zu erzielen. ↩︎

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Pferd mit den Hinterbeinen von links nach rechts weichen.

Tut es das nach Wunsch mit ein bis zwei Tritten, so hat es gehorcht; ich halte an und liebkose das Pferd. Sollte es aber statt dessen mit dem Vorder- oder Hinterbein nach der Peitsche schlagen, so muss man dieses dem Pferde mit lautem zürnenden Anruf verweisen und dabei seinen Kopf ganz hoch bringen, wodurch die Kruppe niedergehalten wird.

Es ist von der allergrössten Wichtigkeit, dass die belohnende Liebkosung unmittelbar der Nachgiebigkeit folgt, ebenso wie die Strafe dem Fehler; das ist die Grundbedingung der Dressur.

Wenn das Pferd gegen die Peitsche drängt, d. h. nach links, was bei kitzligen Pferden ganz natürlich wäre, dann muss man den Pferdekopf energisch nach links nehmen, um das Hinterteil nach rechts zu bringen; aber strafen darf man das Tier nicht, denn es begreift noch nicht und seine Bewegung ist, wie gesagt, ganz instinktmässig. Wenn man das Pferd diese Arbeit mehreremal hat ausführen lassen, was es weder Ermüdung noch Anstrengung kostet, so gibt es gern nach und führt sie auf der einen Seite so gut aus, wie auf der anderen. Ich empfehle dem Lehrer, sich mit zwei bis drei solchen Tritten zu begnügen, und jedesmal anzuhalten und sein Pferd zu liebkosen, wenn es gehorsam war. Diese Arbeit muss öfter aufs neue begonnen werden.

Wenn das Pferd auf beiden Seiten der Peitsche willig nachgibt, darf man den Kopf nicht mehr nach jener Seite drehen, welche derjenigen gegenüber liegt, wohin man das Hinterteil treten zu lassen beabsichtigt;

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man muss ihm vielmehr den Kopf ganz geradeaus halten, damit es der Peitschenhilfe allein folgt.

Diese Peitschenarbeit bereitet das Pferd in verständiger Weise darauf vor, später die Schenkel- und Sporenhilfe zu ertragen und zu verstehen; gleichzeitig erlaubt sie, dem Kopf die richtige Stellung zu geben, und stellt eine Geschmeidigkeitsübung dar, welche an sich schon gut und unentbehrlich ist, bevor man zu den seitlichen Biegungen gelangt,[1] mit welchen wir uns späterhin beschäftigen werden.

VII. Das Pferd unter dem Reiter. Die ersten Widersetzlichkeiten und die Mittel, dieselben zu bekämpfen.

Ich habe im vorstehenden Kapitel vorausgesetzt, dass das Pferd, sobald ich mich im Sattel befinde, willig angeht, wenn ich es dazu auffordere. Das ist aber nicht immer der Fall. Man muss also gegen möglichen und selbst wahrscheinlichen Widerstand gerüstet sein.


  1. Baucher vollführte die seitlichen Biegungen, bevor er sein Pferd gelehrt hatte, mit dem Hinterteil auf die Peitschenhilfen nachzugeben; das gibt zu den schlimmsten Unzuträglichkeiten Veranlassung. Wenn man mit den seitlichen Biegungen anfängt, so weicht das Pferd mit der Hinterhand ganz instinktmässig nach derjenigen Seite hin aus, welche der Kopf- und Halsstellung gegenüberliegt. Wenn man den Peitschengehorsam nicht gelehrt hat, wie will man dann ohne Peitsche das Hinterteil wieder an die alte Stelle zurückbringen? ↩︎

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Deshalb muss man die Schenkel unausgesetzt sehr heranhalten, damit man nicht von einer unerwarteten, heftigen Bewegung des Pferdes überrascht wird, und muss den Oberkörper gut nach hinten bringen, so dass dessen ganzes Gewicht auf dem Gesäss ruht.

So im Sattel sitzend und immer aufpassend ist man bereit, allen Vorkommnissen begegnen zu können.

Wenn das Pferd zu bocken versucht, d. h. mit allen vier Beinen gleichzeitig sich hochschnellt, muss man es mit den Schenkeln vortreiben, indem man ihm den Kopf hochhält.

Tut man das, so wird man durch den Bocksprung nach vorwärts niemals sehr aus dem Sitz gebracht.[1] Hingegen wird der Reiter leicht abgesetzt, wenn das Pferd auf der Stelle bockt, dabei seinen Kopf zwischen die Vorderbeine steckt und den Rücken aufwölbt. Das ist der wirkliche „Bocksprung". In diesem Falle muss man das Pferd, da es eben nicht mehr möglich ist, es vorzutreiben, vermittelst der Trense zwingen, sich herumzudrehen, sei es nach rechts oder nach links.

Jedesmal, wenn das Pferd wieder versuchen sollte, stehen zu bleiben und den Kopf wegzustrecken, muss man es aufs neue herumdrehen; es ist aber unnütz, darauf zu bestehen, dass dieses gerade immer nach einer bestimmten Seite hin geschehen müsste.

Alle Pferde haben eine Seite, auf welcher sie grössere Schwierigkeiten zeigen, als auf der anderen. Leistet das Pferd gleich zu Anfang, wenn man es nach rechts herumdrehen will, Widerstand, so muss man es


  1. Beim Bocksprung auf der Stelle hingegen kommt man leicht aus dem Sitz. Wenn es einem nicht gelingt, das Pferd vorzutreiben, es vielmehr auf der Stelle weiterbockt, so kann sich kein Reiter im Sattel halten. ↩︎

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zu zwingen suchen, sich nach links herumzudrehen; das ist alles, was man zur Zeit von ihm verlangen kann. Durchaus notwendig ist es aber, das Bocken auf der Stelle zu verhüten, wobei das Pferd nur den einen Zweck verfolgt, sich des Reiters zu entledigen.

Später, wenn das Pferd in der Dressur weiter vorgeschritten ist, würde es ein offenbarer Fehler sein, ihm zu gestatten, rechts herumzutreten, wenn man beabsichtigte, dass es sich links herumdreht; jetzt aber muss man hierin zwar eine Widersetzlichkeit sehen, aber ich würde es schon für einen ausreichenden Fortschritt halten, wenn man dem Pferde einfach bewiesen hat, dass es einen nicht herunterwerfen konnte. Wenn das dem Pferde auch nur ein einziges Mal gelungen ist, kann man sicher sein, dass es sich alle Augenblicke desselben Verteidigungsmittels wieder bedienen wird.

Gleich zu Anfang dem Pferde die übertriebene Forderung zu stellen, sich dahin herumzudrehen, wohin es einem beliebt, setzt uns der Gefahr aus, einen nochmaligen Widerstand hervorzurufen. Wenn man z. B. das Pferd nach links herumdrehen wollte, ist man genötigt, den linken Trensenzügel stark zu gebrauchen, und wenn man dann dabei das Pferd zu sehr auf die Hinterhand setzt, so kann man dadurch leicht eine „Pointe“ oder selbst ein Steigen des Pferdes hervorrufen.[1]


  1. Durch einen kräftigen Spornstich lässt es sich sehr wohl erreichen, dem Steigen oder der Pointe zuvorzukommen. Dazu muss man aber den flüchtigen Augenblick genau abpassen, in welchem das Pferd sich zurückhält und zusammenziehen will, um sich auf die Hinterhand zu setzen. Gerade in diesem Augenblick stossen beide Sporen, wenn sie energisch kommen, das Pferd vor. Das wird zwar eine gewisse Ver- ↩︎

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Die „Pointe“ oder Lançade ist eben ein Luftsprung nach vorwärts, wobei sich die Vorhand viel höher befindet als die Kruppe. Sie ist nicht gefährlich, weil man eben dadurch, dass diese Bewegungen nach vorwärts ausgeführt werden, sehr wenig aus dem Sitz kommt.[1]

Hingegen bringen diejenigen Bewegungen der Widersetzlichkeit, welche von der Nierenpartie und der Hinterhand ausgehen, den Reiter sehr leicht aus dem Sitz. Von wirklichem Steigen kann man erst sprechen, wenn das Pferd mit den Hinterbeinen fest fusst und sich dabei kerzengerade aufrichtet. Diese Widersetzlichkeit, welche zum Überschlagen des Pferdes führen kann, ist die gefährlichste.

In meiner Jugend habe ich, wenn ein Pferd stieg, wohl mit meinen beiden Armen den Pferdehals umfasst, dabei meinen Kopf nach rechts haltend; der Pferdekopf befand sich infolgedessen an meiner linken Schulter. Ich habe aber seither das Unvorteilhafte dieser Stellung erkannt. Zunächst befindet man sich zu weit nach vorn auf dem Halse des Pferdes, wenn es mit der Vorhand wieder zur Erde kommt. Und mehr noch: da man genötigt war, mit der Hand nach-

wirrung anrichten, aber was schadet das! Hat man doch die Hinterhand daran verhindert, festen Fuss zu fassen.

Lässt man den von mir soeben bezeichneten Augenblick verstreichen, dann ist dieser Spornangriff gefährlich, weil er dem Steigen und der Pointe noch grösseren Vorschub leistet.


  1. Bei der Pointe muss der Oberkörper des Reiters sich nach vornüber legen, die Schenkel liegen fest an, die tiefe Hand gibt die Zügel nach (siehe Tafel XXXII). Man sieht zwar auf dem Bilde, dass die Zügel rechtsseitig leicht anstehen; das geschah aber, weil ich gerade in den Rechtsgalopp auf drei Beinen überzugehen versuchte. Bemerke man wohl, dass der linke Trensenzügel völlig lose ist! ↩︎

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zugeben, oder vielmehr die Zügel ganz nachzulassen, ist das Pferd in diesem Augenblick so gut wie sich selbst überlassen und kann einen ganz nach seinem Belieben entweder über die Ohren werfen, indem es hinten fest ausschlägt, oder mit dem Kopf ins Gesicht oder vor die Brust schlagen, wenn es diesen zu ungestüm erhebt.

Das beste Mittel, Unfälle, welche beim Steigen eintreten können, zu vermeiden, ist das folgende aus grosser, praktischer Erfahrung gewonnene. Man teile die Zügel[1] und erfasse mit der vollen linken Hand einen Teil der Mähne etwa in der Mitte des Halses. Hebt sich das Pferd, so krümme man den linken Arm stark, indem man den Oberkörper nach vorn legt; fällt es mit der Vorhand wieder zur Erde zurück, so strecke man diesen Arm aber steif aus, indem man den Oberkörper wieder aufrichtet. Erneutes Steigen — erneute Krümmung des Arms, Oberkörper nach vorn; erneutes Heruntergehen der Vorhand — erneute Armstreckung, Oberkörper zurück; und so fort, bis das Pferd zu steigen aufhört. Von dem Augenblick an, wo man entschlossen ist, das steigende Pferd nicht vorzutreiben, kann man durch obiges Verfahren das Steigen endlos ohne Schwierigkeit aushalten. Schlägt das Pferd hintenaus, so dient Ihnen der steife Arm als Stütze, wenn es dabei auch noch kurzkehrt macht, so hat man an dem Arm ebenfalls eine Stütze, welche einen im Sattel erhält und verhindert, sich an den Zügeln festzuhalten, in der Regel die Ursache der Unfälle.

Dieses ist, glaube ich, die beste Haltung, um während des Steigens im Sattel zu bleiben, oder viel-


  1. Findet man Widerstand, soll man die Zügel immer teilen. ↩︎

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mehr die am wenigsten schlechte, denn die Haltung des Reiters ist in diesem Falle niemals schön.

Ich selbst bin in dieser Beziehung besonders begünstigt worden. Ich habe eine sehr grosse Zahl von Steigern geritten, und keiner von diesen hat sich mit mir überschlagen.

Zum Überfluss will ich noch hinzufügen, dass ich an solche Pferde nicht glaube, die sich freiwillig gern überschlagen. Meines Dafürhaltens verlieren sie einfach das Gleichgewicht.

Die Sache geht gewöhnlich so vor sich: das Pferd, welches sich mit Ungestüm erhebt, wirft dabei auch den Oberkörper des Reiters nach rückwärts; dieses Ausdemsitzkommen allein schon genügt, um das Tier rücküber zu werfen.

Das auf den Hinterbeinen stehende Pferd ist einer im Gleichgewicht stehenden Nadel an der Wage vergleichbar: die geringste Bewegung des Reiteroberkörpers, sei es nach vorwärts oder rückwärts, zieht das Pferd nach einer oder der anderen Richtung unwiderstehlich mit fort.

Desgleichen muss das Pferd nach vorn zurückfallen, wenn der Reiter, sich auf den Pferdehals legend, mit seinem ganzen Körpergewicht auf die Schultern drückt.

Ich habe schon gesagt, dass ich nicht an Pferde glaube, welche sich freiwillig überschlagen. Ich meine vielmehr, dass das Pferd sich absichtlich nicht überschlägt und sich dieses Mittels auch nicht zu seiner Verteidigung bedient. Der Selbsterhaltungstrieb allein genügt, um es daran zu verhindern. Das aber gebe ich zu, dass stumpfsinnige, störrische oder kollerige Pferde sich sehr wohl von selbst überschlagen, wie

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sie auch manchmal mit dem Kopf gegen die Wand rennen.

Damit haben wir uns hier aber nicht zu beschäftigen; derartige Tiere, welche einem Leiden verfallen sind, das der Verrücktheit des Menschen entspricht, sind zu jedem Gebrauch untauglich.

Ich habe indessen auch selbst Pferde dressiert oder von anderen Reitern dressieren sehen, welche sozusagen von einer Art Koller erfasst wurden. Das waren aber nur gewalttätige, zu Zornesausbrüchen geneigte Pferde, deren Augen bei dem geringsten Widerstände mit Blut unterliefen; mit einem Wort, sie erschienen nur kollerig. Mit solchen wird man bedingungsweise aber fertig, d. h. wenn man alle Eigenschaften eines guten Reiters besitzt, unter anderen diejenige, in welche alle anderen einbegriffen sind, nämlich: kein Feigling zu sein!

Einige nur in gewissem Grade störrische Pferde können aber auch dressiert werden.

„Gaulois“, ein prächtiges hannoversches Pferd stand in dem Ruf, störrisch zu sein. Ich habe daraus ein ausgezeichnetes Schulpferd gemacht, welches ich mehrere Jahre hindurch geritten habe. Es ist allerdings richtig, dass „Gaulois“, wie viele andere für störrisch gehaltene Pferde, dies nur in der Verteidigung zeigte.

Am meisten überrascht mich, dass von allen Autoren, welche sich über die Reitkunst verbreitet haben, nur wenige über die Kämpfe geschrieben haben, welche man immer mehr oder weniger mit den Pferden zu bestehen hat. Nach Ansicht von vielen unter ihnen müsste der Stallmeister auf Rosen gebettet sein, und sobald dieser nur ihre Lehrmethode befolgen wollte, wäre der Gehorsam jedes Pferdes gesichert.

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Warum dieses Schweigen? Glauben sie, den Leser zu erschrecken oder wollen sie glauben machen, dass es keine Kämpfe gibt? Ich weiss es nicht; aber auf alle Fälle scheint es mir wünschenswert, die ganze Wahrheit zu sagen und auf alle Möglichkeiten vorzubereiten, welche während der Dressur sich zeigen können; so dass man nicht überrascht ist, wenn das Tier sich nicht allen Anforderungen unmittelbar willig unterwirft.

Ich habe eine grosse Anzahl Reiter von Namen bei der Arbeit gesehen; alle hatten Kämpfe zu bestehen, Baucher mehr als die anderen, weil er mehr forderte als sie.

Das wahre Reitertalent gipfelt darin, durch Sichanpassen und eine vernünftige Methode so weit zu gelangen, dass man Herr seines Pferdes wird, besonders im Kampf; denn man darf nicht vergessen, das Pferd kämpft immer mehr oder weniger offenbar gegen seinen Reiter in dem Masse, als die Unterweisung unvollständig geblieben ist.

Aber man dringt nicht durch bis zu diesem guten Resultat, ohne vorher diese mehr oder weniger heftigen Kämpfe durchgemacht zu haben. Diejenigen, welche keine Erfahrung in diesen kleinen Reibereien haben, von deren Ausgang die Unterwerfung des Pferdes und dadurch die ganze zukünftige Dressur abhängt, beginnen damit, den Widerstand zuerst herauszufordern und wagen dann nicht mehr, ihn weiter zu bekämpfen. In diesem Falle hat dann das Pferd recht schnell verstehen gelernt, dass es nun selbst Herr über den Reiter geworden ist. Es wird daher, so oft es ihm gefällt, den Widerstand erneuern, welcher ihm so gute Dienste geleistet hat und dank welchen es

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sicher ist, das letzte Wort zu haben. Die Dressur ist unheilbar geschädigt.

Mein Verfahren ist ganz anders. Sobald das Pferd nur Miene macht, sich zu widersetzen, fasse ich es sogleich fest, aber vernünftig an.[1] Hiermit ist nicht etwa gemeint, das Pferd mit dem Sporn zu kitzeln: das hiesse den Widerstand zu unterhalten, ihn verschlimmern. Der Angriff soll im Gegenteil, in diesem Augenblick eher grob sein, um dem Tier alsbald begreiflich zu machen, dass seine Willenskraft einer noch überlegeneren Kraft weichen muss. Man muss sagen, die Schwierigkeit liegt eben darin, dass man den Mut hat, das Pferd mit Gewalt anzufassen.

Sehr wenige Leute entschliessen sich hierzu, und dennoch liegt gerade nur hierin die Sicherheit; denn das Pferd, erstaunt über die Grobheit des Angriffs, wird sich unterwerfen, während es, vom Sporn leicht gekitzelt, seinen Widerstand vermehren und sehr schnell seinem Reiter überlegen sein wird.

Es dürfte aber sehr klar sein, dass der Angriff, wenn er auch kräftig ist, dennoch möglichst nicht weniger vernünftig sein muss; d. h. er muss so ausgeführt werden, dass er dem Widerstände entgegentritt, indem er ihn mit dem Gegenteil beantwortet.[2]


  1. Wenn man das widersetzliche Pferd anfasst, legt man den Oberkörper zurück und hält die Hände tief. — Die Hände heben, hiesse den Schwerpunkt erheben und das Herunterfallen sicher herbeiführen. ↩︎

  2. Dem Pferde Widerstand leisten, heisst, das Gegenteil von dem tun, was es will. — Man gelangt sehr einfach dahin, indem man seine Hilfen derart bemisst, dass z. B. die Vorhand der Hinterhand oder die Hinterhand der Vorhand immer entgegenwirkt; d. h. man muss zum Beispiel, wenn die Hinterhand nach rechts ausweicht, die Vorhand nach derselben Seite werfen und umgekehrt. ↩︎

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Aber ich wiederhole: es ist die Spannkraft, es ist die bedeutendere Energie des Reiters, woran alles gelegen ist! Was mich betrifft, so ist es mir, wenn ich erst im Kampf begriffen bin, höchst gleichgültig, ob ich die seitliche oder die diagonale Reiterei betreibe; es macht mir ebenfalls spottwenig aus, dass ich die Verwirrung noch vermehre; mein hohes Ziel ist, dass ich Herr bleiben muss und dass dem Pferd inne wird, jeder Widerstand sei überflüssig. Um zu diesem äusserst wichtigen Resultat zu gelangen, zögere ich nicht, einen Exzess hervorzurufen, den Widerstand geradezu herauszufordern, um recht zu bekommen.

Das ist das grosse Geheimnis der Dressur, um die absolute Unterwerfung des Pferdes zu erlangen. So lange ein Pferd sich nicht hat verteidigen müssen, ist dessen Dressur noch nicht als abgeschlossen anzusehen; denn dann sind noch Kämpfe in Sicht. Das Endziel der Dressur ist, den Willen des Tieres vollständig zu brechen. So lange ein Reiter zögert, Kämpfe herauszufordern, von welchen er fühlt, dass sie noch bevorstehen, dass sie unvermeidlich sind, so lange kann von einer vollkommenen Dressur nicht die Rede sein.

Man muss übrigens im allgemeinen sagen, dass der Takt des Reiters darauf beruht, während des ganzen Verlaufs der Dressur den Widerstand vorauszufühlen, der sich vorbereitet, ihn vorauszusehen und ihm zu begegnen, bevor er sich völlig entwickeln kann.

Das ist um so notwendiger, als selbst die ausgesprochene Widersetzlichkeit des Pferdes sich nicht etwa immer in der Form heftiger oder massloser Bewegungen äussert. Es kommt im Verlauf der Dressur beständig vor, dass das Pferd, um die Annahme des

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Verlangten zu verweigern, sich vermittelst des kurz vorher Erlernten dagegen widersetzt. Das ist immer wieder die alte Geschichte aller Unterrichtsstunden! Während der ganzen Dressur äussern sich die Widersetzlichkeiten abwechselnd, bald rechts, bald links; und wenn man, dank der Beharrlichkeit, die Nachgiebigkeit auf einer Seite erreicht hat, ist man erstaunt, das Pferd sich dessen als Verteidigungsmittel bedienen zu sehen, was man ihm kurz zuvor mit so vieler Mühe beigebracht hat, und dasjenige nicht annehmen zu sehen, was es tags zuvor ganz willig machte. In diesem Falle muss man die Arbeit wieder von vorn anfangen, bis der Gehorsam auf beiden Seiten gleichmässig gut hergestellt ist. Es gibt z. B. Pferde, denen der Linksgalopp Schwierigkeit bereitet, aber sobald sie hierin befestigt sind, wird man erleben, dass das Pferd bei jeder Gelegenheit links galoppiert und sich sogar weigern wird, rechts zu galoppieren. Dann muss man wieder zum Rechtsgalopp dieselbe Arbeit beginnen, welche zuvor zum Linksgalopp nötig war; und so dann abwechselnd Rechts- und Links-Galopp, aber denjenigen stets mehr, welcher die grössere Schwierigkeit bietet. So muss man fortfahren, bis der Gehorsam auf beiden Seiten vollkommen ist.

Wenn ein Pferd sich immer auf ein und derselben Seite widersetzt, so kann man sicher sein, dass das eine Schmerzensäusserung oder die Folge eines mangelhaften Körperbaues ist.

Später, wenn die Dressur weiter vorgeschritten ist, wird man sehen, dass das Pferd sich gegen die Ausführung der Passage oder des Piaffé z. B. mit dem Spanischen Tritt widersetzen wird. Jedenfalls wird es vermittelst einer Arbeit, die weniger Kraftan-

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strengung erfordert, sich einer solchen, welche mehr Kraft erheischt, zu entziehen versuchen. Die kleinen Ränke des Pferdes sind endlos; Sache des Reiters ist es, ihnen durch den Einfluss des Taktes, der Kunst und der Energie entgegenzuwirken.

VII. Der Schritt.

Es ist durchaus notwendig, dass das Pferd einen guten, geräumigen, regelmässigen und freien Schritt hat. Man erreicht ihn, wenn man dem Kopfe und Halse völlige Freiheit lässt. Ist das Pferd träge oder schlaff, muss man es durch Anlegen der Schenkel antreiben; ist es hitzig, ungeduldig oder unruhig, so muss man es streicheln und ihm gut zureden.

Jede Zackelei des Pferdes unterdrücke man sofort; es dürfen keinerlei verworrene Begriffe darüber aufkommen, was Schritt und was kleiner Trab ist. Diese beiden Gangarten sind unbedingt auseinanderzuhalten. Das Zackeln, welches häufig vorkommt, ist sehr schwer zu beseitigen, sobald es zur Gewohnheit geworden ist. Es unterdrückt den langen Schritt und nichts ist für den Reiter nervenangreifender und ermüdender.

Sobald das Pferd in die Hand gestellt ist, wird sein Schritt gezwungenermassen kürzer. Indem sich Kopf und Hals aufrichten müssen und die Stellung des ersteren sich der Senkrechten nähert, lässt das Pferd sich naturgemäss weniger auseinander und richtet sich mehr auf. Ebenso ist es im Trab und Galopp. Das zusammengestellte Pferd ist schöner, aber es gewinnt weniger Boden.

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IX. Anhalten und Stillstehen.

Man muss sein Pferd unbedingt anhalten können, wenn man es will. Im allgemeinen soll sich das Anhalten nach und nach vollziehen, nicht plötzlich. Aber es muss sich oft plötzlich vollziehen, wenn ein unerwarteter Halt nicht zu vermeiden ist, gleichgültig aus welcher Gangart.

Die Hilfe ist immer dieselbe: Hebender Anzug nach rückwärts mit beiden Trensenzügeln gleichmässig, um das Gewicht wieder mehr auf die Hinterhand zu verlegen, gleichzeitig ein Druck mit beiden Schenkeln, um die Sprunggelenke unter den Schwerpunkt zu bringen und schliesslich das Anhalten des Pferdes durch das Kandarengebiss. Das nennt man eine Parade zwischen Schenkel und Zügel.

Ich kann nicht sagen, dass diese drei Hilfen unbedingt gleichzeitige sein müssen; sie folgen sich wohl sicherlich eine der anderen, aber so dicht hintereinander, dass die Zeit, welche sie trennt, unmerklich ist. Sie hängen sozusagen zusammen und müssen doch in der von mir angegebenen Reihenfolge ausgeführt werden. Ginge z. B. der Schenkeldruck dem Trensenzügelanzuge voraus, wenn auch nur um ganz wenig, so würde die sich daraus ergebende Wirkung das Gegenteil von demjenigen sein, was man bezweckt; d. h. das Pferd würde vorwärts getrieben.

Gerade diese Art, das Pferd anzuhalten, ist die beste, die einzige, welche man anwenden sollte. So vollführt sich das Anhalten tatsächlich ohne Erschütterung, ist für den Reiter nicht schwierig und schont

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das Pferd in Nieren und Sprunggelenken; so wirkt es nur angenehm weich, weil die Sprung- und Fesselgelenke sich biegen können. Das Pferd macht, um in dieser Weise anzuhalten, nirgends eine besondere Anstrengung und behält die ganze Schwungkraft seiner Nierenpartie, welche nachgibt und sich dadurch leicht abwölbt. Hielte man das Pferd ohne Zuhilfenahme der Schenkel ausschliesslich mit der Hand an, so würde die Vorhand sich dagegenstemmen, um dem von hinten empfangenen Schwung widerstehen zu können; die Hinterhand würde durch den Gegenstoss weit über die Senkrechte zurückgetrieben und sich vom Schwerpunkt entfernen. Dadurch steifen sich dann die Nieren und wölben sich auf.

Die hieraus entstehende Erschütterung ist für den Reiter peinlich; sie ist oft sogar gefährlich durch ihre Gewalt; endlich ist sie sehr schlecht für das Pferd, weil sie ihm Schmerzen im Maul, in den Schultern, Nieren und Köten bereitet.

Eine noch so plötzliche Parade muss weich sein; ist sie das nicht, dann ist sie eben schlecht ausgeführt.

Die Ausführung ist in allen Gangarten ein und dieselbe. Wohlverstanden, je schneller die Gangart, desto schwieriger ist das Haltmachen und desto mehr muss sich der Reiter hintenüberlegen.

Das Pferd soll nicht nur so plötzlich, als man will, anhalten, sondern soll auch stillstehen, so lange, als man will und wo es auch sei. Das Stillstehen ist von einem unruhigen, nervösen und empfindlichen Pferde ziemlich schwer zu erreichen. Man muss ein solches beruhigen und vertraut machen, um es nach und nach daran zu gewöhnen, sich nicht durch das, was um es her vorgeht, beeinflussen zu lassen.

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Sobald man mit seinem Pferde allein in der Reitbahn ist, beginne man mit der Gewöhnung; man streichle es und rede ihm gut zu. Jedesmal, wenn es vortreten oder zur Seite ausweichen will, bringe man es auf seinen Platz zurück, ohne ihm jemals auch nur einen Schritt, eine einzige unerlaubte Bewegung, wohin es auch sei, zu gestatten. Wenn man dem Pferde das durchgehen liesse, läge gar kein Grund vor, warum der ersten unerlaubten Bewegung nicht eine zweite folgen sollte; und so fort. Ich wiederhole, nur durch Streicheln mit der Hand und beruhigendes Zureden macht man das Pferd vertraut und gewöhnt es daran, stillzustehen.

Solange es in einem geschlossenen Raum allein ist, lässt sich das Pferd dies gern gefallen. Um es aber auch daran zu gewöhnen, dass es auf der belebteren Strasse still stehen bleibt, lässt man zunächst noch andere Pferde in die Bahn kommen und dort umherreiten. Hat man erreicht, dass das Pferd auch hierbei still stehen bleibt, so wiederholt man die Übung im Freien, wählt dazu zunächst einen einsamen Ort und nähert sich dann erst nach und nach einem belebteren Orte. Wir haben schon gesagt, dass bei Pferden alles Gewohnheitssache ist; es handelt sich mithin auch nur darum, ihm die Gewohnheit des Stillstehens inmitten des Strassengeräusches und Getriebes beizubringen und ihm begreiflich zu machen, dass dieses Stillstehen ihm Liebkosungen einträgt. Alles in allem kann man durch grosse Milde, ruhige Behandlung und durch stufenweise gesteigerten Hinweis schliesslich das Pferd dahin bringen, stillzustehen, solange man wünscht, wo es auch sei.

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X. Wendungen (Direktions-Veränderungen).

Jede Wendung soll zu Anfang im Schritt gelehrt werden.

Um nach rechts zu wenden, führt man auch seine rechte Hand dorthin, indem man einen leichten Trensenanzug nach rechts macht, nicht zu sich heran, denn dadurch würde man das Pferd anhalten.

Man wird bemerken, dass sich beim Wenden ein Verhalten des Pferdes zeigt. Während des Wendens schränkt man die Freiheit beider Schultern ein, wodurch die Bewegung derart beeinträchtigt wird, dass z. B. beim Rechtswenden das rechte Bein nur etwa die Hälfte der Länge eines gewöhnlichen Schrittes macht.

Dieses Verhalten zwingt auch die Hinterhand, trotz des erlangten Schwunges nach vorn, von ihrer bisherigen Bahn abzulenken, weil sie nicht vorwärts kann. Aber wenn man mit der Hand nachgibt und die Schenkel in dem Augenblick wirken lässt, in welchem das Pferd der Einwirkung des rechten Zügels mit Kopf und Hals folgt, so zwingt man dadurch das Bein auszuschreiten, wie zu einem gewöhnlichen Schritt, vermeidet infolgedessen das Verhalten und nötigt die Hinterhand, der Vorhand zu folgen.

Der Reiter wird also die Hinterhand gerade richten müssen, wenn sie während der Wendung ausfällt; und das ist leicht, denn er fühlt, nach welcher Seite hin die Hinterhand ausweicht und weiss daher, mit welchem Schenkel er vorherrschend einzuwirken hat. Aber vorauszusagen, welchen Schenkel man in der Wen-

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Tafel XII. Fig. 1. Dublieren. Fig. 2. Volte. Fig. 3. Diagonaler Handwechsel.

Tafel XII. Fig. 1. Dublieren. Fig. 2. Volte. Fig. 3. Diagonaler Handwechsel.

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dung stärker gebrauchen muss, hiesse sich der Gefahr eines Irrtums aussetzen, weil man doch vorher nicht weiss, nach welcher Seite die Hinterhand ausweichen wird.

Man hat lang und breit über die Frage gestritten, ob in der Wendung der innere oder der äussere Schenkel vermehrt wirken müsse. Die alte Schule empfiehlt die vermehrte Wirkung des inneren Schenkels, indem sie behauptete, der Wendung so am besten zu Hilfe zu kommen. Baucher hingegen versichert, dass man den äusseren Schenkel vorherrschend gebrauchen müsse, um zu verhindern, dass die Hinterhand nach aussen ausweicht.

Die Bauchersche Ausführung hat die Oberhand behalten. Und wirklich, die alte Schule war falsch. Man sagte: „Zur Rechtswendung führen Sie die Vorhand des Pferdes durch Anzug des rechten Zügels nach rechts und mit dem rechten Schenkel stellen Sie die Hinterhand nach links“. Das wäre ja die einseitliche Reitkunst in höchster Vollendung! Man hatte nicht überlegt, dass es sich beim Wenden nicht nur um die Vorhand handelt, sondern um das ganze Pferd, welches gerade bleiben soll.

Wenn diese zweifelhafte Frage also festgestellt ist, dann ist deren Lösung leicht.

Zuerst muss man beide Schenkel gleich stark gebrauchen; sodann, wenn das Pferd mit den Hinterbeinen ausfallen will, unterstützt man es mit dem Schenkel auf der Seite, nach der die Hinterhand ausfallen will, um es zu zwingen, gerade zu bleiben. Die Hinterhand soll eben in die Fussstapfen der Vorhand treten und nicht davon abirren. Das Pferd soll mit den Hanken immer den Schul-

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tern folgen. Es ist Sache des Reiters, sich darüber klar zu sein, ob ein mehr oder weniger kräftiger Druck des einen oder des anderen Schenkels angezeigt ist, je nachdem sich das Pferd nach einer oder der anderen Seite wirft.

Man kann immer annehmen, dass bei der Rechtswendung die Hinterhand eher geneigt ist, nach links auszufallen, wie auch, dass das Pferd dieselbe gewöhnlich nach rechts wirft, wenn man die Linkswendung ausführt. Man muss also, Ausnahmen vorbehalten, denjenigen Schenkel vorherrschend gebrauchen, welcher der Wendungsseite gegenüberliegt.

Jedenfalls darf bei den Wendungen die Hilfe des Schenkels, welcher die Hinterhand verwahren soll, der Zügelhilfe niemals vorausgehen, sondern sie muss im Gegenteil der letzteren unmittelbar folgen.

Sonst würde ja die Hinterhand zuerst nach innen ausweichen und so zunächst dem Kopf und Halse und dann der Schulter bei Ausführung der Wendung hinderlich sein. Ausserdem würde das mit Kruppe und Schulter bogenförmig zusammengeschraubte Pferd sich dafür entscheiden, die Zügelhilfe überhaupt nicht anzunehmen. Man begegnet nicht selten Pferden, die teils von Natur, teils aus Angewohnheit schief durch die Wendung gehen. Hierbei nehmen sie immer die Hinterhand scharf nach derselben Seite. Wenn sie dies z. B. bei der Rechtswendung, also nach innen tun, ist man gezwungen, den rechten Schenkel, d. h. den inneren, kräftig zu gebrauchen. Wenn aber dasselbe Pferd in der Linkswendung fortgesetzt die Rechtsstellung des Hinterteils beibehält, so ist es immer noch der rechte, jetzt der auswendige Schenkel, welcher wirkt. Man sieht also, dass man bei ein und

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Tafel XIII. Fig. 1. Halbe Volte. Fig. 2. Umgekehrter Handwechsel. Fig. 3. Konter-Handwechsel.

Tafel XIII. Fig. 1. Halbe Volte. Fig. 2. Umgekehrter Handwechsel. Fig. 3. Konter-Handwechsel.

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demselben Pferde genötigt sein kann, bald den inneren, bald den äusseren Schenkel kräftiger anzuwenden.

Um das Pferd so weit zu bringen, Wendungen mit Leichtigkeit auszuführen und um ihm die wünschenswerte Beweglichkeit zu geben, lässt man es in der Reitbahn verschiedene Übungen ausführen, nämlich: „Doublés, Volten, Halbe-Volten und Handwechsel“.

Das „Doublé“ ist eine gerade Linie, welche man mitten durch die Bahn zurücklegt, sei es in der Breite oder in der Länge derselben, indem man von irgend einem beliebigen Punkt der Wand abwendet. Ist man an der entgegengesetzten Wand angekommen, so wendet man und bleibt im Gange immer auf derselben Hand. (Tafel XII, Figur 1.)

Die „Volte“ ist eine Kreislinie, welche man um einen beliebigen Punkt beschreibt. Zu Anfang aber tut man gut, dieselbe in der Ecke anzulegen, sowie man auf die lange Seite der Bahn kommt. Das Pferd welches immer dazu neigt, den Zirkel grösser zu machen, findet sich schneller eingerahmt durch den Winkel der beiden Mauern, welche sich ihm entgegenstellen. (Tafel XII, Figur 2.)

Die „Halbe-Volte“ beginnt man in der Mitte einer der kurzen Seiten. Weil sie aber darauf hinausläuft, auf zwei Hufschlägen geritten zu werden, sollte man sie nicht früher vom Pferde verlangen, als bis man ihm die Arbeit auf zwei Hufschlägen gelehrt hat, was wir weiter unten auseinandersetzen. (Tafel XIII, Figur 1.)

In welcher Gangart die „Halbe-Volte“ auch geritten wird, immer sollen die Schultern zuerst von der Wand abwenden und dort auch zuerst wieder ankommen, d.h. das Pferd soll immer schräg zur Wand gestellt bleiben.

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Die „Halbe-Volte“ wird sehr häufig in einer höchst mangelhaften Weise ausgeführt und nichts ist seltener, als eine gut gerittene „Halbe-Volte“.

Bei den Wendungen kommt es oft vor, dass der Reiter sich des äusseren Schenkels zu stark bedient, oder dass das Pferd sein Hinterteil ohnedies zu scharf nach innen stellt oder einfach darin gewohnheitsgemäss handelt. Um hier helfend einzugreifen, muss man an der gewohnten Stelle wie zur „Halben-Volte“ abwenden, dabei aber fortfahren, geradeaus zu reiten und recht achtgeben, dass das Pferd auch wirklich in dieser Richtung bleibt. Wenn das nicht ausreichen sollte, muss man das Pferd gewissermassen überlisten, indem man die „Halbe-Volte“ gerade nach der entgegengesetzten Seite ausführt. Das nenne ich die „Konter-Halbe-Volte“. (Tafel XIII, Figur 1.)

Man wendet z. B. wie zur Halben-Volte rechts ab, aber inmitten der Bahn angekommen, beendigt man diese Halbe-Volte nach links auf zwei Hufschlägen. Das Pferd, welches erwartete, die Hinterhand nach rechts stellen zu sollen, sieht sich nun unter der kräftigen Einwirkung des rechten Schenkels, welcher bisher der innere Schenkel war, jetzt bei dieser Bewegung aber der äussere geworden ist, genötigt, dieselbe nach links zu bringen. Es gibt gar keine Übung, welche geeigneter wäre, das Pferd immer gerade und immer aufmerksam zu erhalten; denn reitet man abwechselnd Halbe-Volten und Konter-Halbe-Volten, so ist ein gewohnheitsmässiges Sichgehenlassen nicht möglich.

Es gibt drei Arten von Handwechseln; die einfachste, der „Handwechsel auf der Diagonale“, besteht darin, die Reitbahn auf der grossen Diagonale zu durchqueren, indem man von der Wand ab-

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wendet, wenn man auf die lange Seite kommt. (Tafel XII, Figur 3.[1])

Um die zweite Art, den „Umgekehrten Handwechsel“ (Changement de main renversée) auszuführen, wendet man, wie bei der vorausgehenden Art, aus einer Ecke der Bahn ab, immer, wenn man auf die lange Seite kommt, kehrt aber, in der Mitte der halben Bahn angekommen, vermittelst eines halben Kreises nach der Wand der langen Seite, welche man verlassen hatte, zurück und geht nun auf die linke Hand, wenn man auf der rechten war, und umgekehrt. (Tafel XIII, Figur 2.)

Der „Konter-Handwechsel“ ist der verwickeltste. Sobald man auf die lange Seite kommt, wendet man, nun auf zwei Hufschlägen reitend, ab und kehrt, in der Mitte der Bahn angekommen, immer weiter auf zwei Hufschlägen nach dem anderen Ende der langen Seite, von welcher man ausging, zurück.

Im Galopp erfordert diese Bewegung zwei Beinwechsel: den ersten in der Mitte der Bahn, den zweiten an der Wand. Wenn der Reiter auf der rechten Hand ist, wie in Figur 3 der Tafel XIII, fängt er mit dem Rechtsgalopp an, inmitten der Bahn angekommen, wechselt er das Bein und geht im Linksgalopp bis zur Wand, wo er wieder auf das rechte Bein zurückwechselt. Man beachte, dass beim „Konter-Handwechsel“ ein Übergehen auf die andere Hand nicht stattfindet.

Man beschreibe auch Zirkel und Achten inmitten der Bahn: das ist die beste Arbeit, um alle Körper-


  1. Wollte man von der kurzen Seite aus den Handwechsel vornehmen, so würde man zwar die Bahn von einer Ecke zur anderen durchqueren, aber ein Handwechsel würde dadurch nicht erreicht. ↩︎

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teile des Pferdes geschmeidig zu machen, und auch das sicherste Mittel, den Reiter zu veranlassen, sich seiner beiden Schenkel zu rechter Zeit zu bedienen.

Man gewöhne sich nicht an, sein Pferd immer geradeaus und beständig längs der Wände zu halten, weil die Kruppe da nur nach einer Seite hin ausweichen könnte. Ich selbst arbeite meine Pferde oft einen Meter von der Wand entfernt haltend; in einer grossen Reitbahn gar zwei Meter.

Beachten wir ausserdem noch, dass das Pferd während der ganzen Dressurzeit versucht, sich so wenig wie möglich auf gerader Linie zu halten. Es fühlt sehr gut, dass es sich der Versammlung entziehen kann, wenn es ihm gelingt, seine Hinterhand schief zu stellen. Aber die Versammlung beruht gerade darauf, die Hinterhand unter den Mittelpunkt der Pferdeachse zu schieben.

Die Arbeit auf der 8-Linie in allen drei Gangarten, und einen Meter von der Wand entfernt, ist am meisten geeignet, das Pferd wendig zu machen. Dazu muss man dies aber mit der grössten Genauigkeit ausführen: leichte Stellung von Kopf und Hals nach innen, kräftigen äusseren Schenkel, aber Gegenhalten des inneren. Indem man das Pferd schon im Schritt daran gewöhnt, mit Leichtigkeit die Diagonale zu wechseln, bereitet man es auf diese Weise vorteilhaft auf das Angaloppieren und auf das Beinwechseln vor. In der Mitte der Bahn angekommen, macht man zwei bis drei Tritte seitwärts und reitet dann mit derjenigen Stellung weiter, welche durch die neu anzunehmende Diagonale vorgezeichnet ist. Man muss recht achtgeben; besonders im Galopp, sein Pferd geradeaus zu halten; denn bei dieser Arbeit, welche Genauigkeit erfordert, hat das Pferd immer die Neigung, das Hin-

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terteil nach innen zu werfen, um dem äusseren Sporn zu entgehen, welcher ja früher dazu gedient hatte, es zu dressieren, und dessen Stich es folglich voraussieht. Daher auch, wie ich schon empfohlen habe, die Notwendigkeit, mit dem inneren Schenkel entgegenzuwirken. Man hat übrigens auch niemals den nötigen Schwung von hinten, wenn man das Pferd nicht mit beiden Schenkeln gewissermassen umfasst.

XI. Das seitliche Abbiegen.

Ich habe bisher den Richtungs-Wechsel (die Wendungen) nur unvollständig behandelt. Ebenso wie die erste Unterweisung darin bestand, mein Pferd vorwärts gehen zu lassen, ebenso fordere ich jetzt von ihm zuerst nichts anderes, als zu wenden und derjenigen Richtung zu folgen, welche ich ihm gegeben habe. In allen Stücken gehe ich vom Einfachen zum Vielseitigen über. Wenn das Pferd ohne Widerstand und gleich auf die erste Andeutung zum Richtungs-Wechsel gehorcht, stelle ich ihm eine neue Aufgabe. Es handelt sich jetzt darum, das Pferd als Ganzes, immer das Gleichgewicht und die Ungezwungenheit bewahrend, von der Stelle zu bringen. Die seitliche Biegung ist hierzu die beste Vorbereitung.

Um z. B. die seitliche Biegung nach rechts[1]) auszuführen, stellt man sich an die linke Schulter des Pferdes und erfasst genau ebenso, wie bei der Biegung


  1. Man wolle beachten, dass ich hier die Arbeit zu Fuss wieder aufnehme. Ich verrichte in ein und derselben Stunde immer die Arbeit zu Fuss und zu Pferde. ↩︎

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in gerader Richtung, mit der linken Hand die Trensen-, mit der rechten die Kandaren-Zügel. Sodann bringt man Kopf und Hals in dieselbe Stellung wie bei der direkten Biegung und führt letztere aus. Nachdem das Maul sich losgelassen hat und die Biegung vollkommen ist, führt man den Kopf des Pferdes leicht nach rechts durch kleine Anzüge mit der linken Hand, welche gleichzeitig auch aufrichtend und vorziehend wirken müssen, um das Heruntersinken des Halses und das Zurückkriechen zu verhindern.[1] Zu gleicher Zeit zieht auch die rechte Hand ganz vorsichtig die Kandarenzügel nach hinten und in der Weise nach rechts, dass hauptsächlich der rechte Zügel[2] ansteht; das geschieht so lange, bis die seitliche Stellung des Halses am Genick vollständig bewirkt ist; beide Kandarenzügel müssen gleichmässig einwirken, um die Maultätigkeit[3] ganz so wie bei der direkten Biegung hervorzubringen und zu unterhalten.

Zu Anfang muss man sich schon mit dem scheinbaren Gehorsam begnügen.

Wenn das Pferd den Kopf nur ganz wenig nach


  1. Siehe Tafel XIV, Stellung der Hände. Figur 1, Vorbereitung zur seitlichen Biegung, Maul geschlossen. Figur 2, seitliche Biegung, geöffnetes Maul, losgelassenes Gebiss. ↩︎

  2. Der linke Kandarenzügel steht indes leicht an. Würde der rechte Zügel allein wirken, so zöge er die Nase mit vor und der Kopf wäre dann nicht mehr in der Senkrechten.

    Man beachte, dass ich hier in der ersten Unterrichtsstunde zur Seitwärtsbiegung gleichzeitig zu zweierlei anrege. Bisher hatte ich nur den rechten Zügel zum Zweck des Rechtswendens benutzt; jetzt beginne ich damit, dem Pferde beizubringen, dass es zwei gleichzeitigen Anforderungen folgt, welche in demselben Sinne wirken; der linke Trensenzügel schiebt, der rechte Kandarenzügel zieht, beide von links nach rechts. ↩︎

  3. Siehe Tafel XIV, Figur 1 und 2. ↩︎

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Tafel XIV
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rechts nimmt und dabei das Maul aufmacht, so ist das alles, was man zunächst verlangen soll. Man muss diese Arbeit sehr oft wieder von vorn anfangen und jedesmal etwas mehr versuchen, ernstliche Fortschritte in dieser Geschmeidigkeitsübung zu machen. Man wird schliesslich sicher richtige Biegung erzielen, wenn man nur keine Gewalt anwendet und sich mit einem ganz kleinen Fortschritt in jeder Unterrichtsstunde begnügt.

In der Reitkunst erreicht man gerade viel, wenn man in jeder Stunde nur wenig verlangt. Nur Geduld und keine Gewaltmassregel! Sonst wird man, anstatt schnell zum Ziel zu gelangen, gerade zum gegenteiligen Resultat kommen.

Wenn die seitliche Biegung vollkommen erreicht ist, so ist die Stellung dieselbe, wie in der direkten Biegung, ausgenommen, dass wie bisher der obere, im Genick von vorn nach hinten gebogene Hals nun ausserdem noch zur Seite von links nach rechts gestellt ist; so also, (natürlich nur immer im Genick) dass die vordere Kopffläche an der seitlichen Stellung ebenso wie beim geradeaus gestellten Pferde senkrecht steht, nur jetzt nach der Seite zeigt, wohin die Biegung stattfindet. Im übrigen verbleibt Hals und Kopf in derselben Höhe, wie bei der direkten Stellung, d. h. die Nase in gleicher Höhe mit der oberen 'Schulterpartie, der Kopf in der Senkrechten oder vielmehr etwas vor derselben.[1] (Tafel XV, Figur 2.)


  1. Beim seitlichen Abbiegen muss man sich vor dem Verlegen des Gewichts in acht nehmen. Das Pferd neigt tatsächlich ganz naturgemäss dazu, durch Gegendruck mit der äusseren Schulter der Wirkung des Abbiegens entgegenzutreten und das ganze Körpergewicht der Vorhand auf das linke Vorderbein zu übertragen, wenn man es nach rechts hin abbiegt. Das ist so lange unvermeidlich, als die Tätigkeit des ↩︎

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Wie wir bei der Biegung rechts gesehen haben, macht man diese Biegung gewöhnlich in ganz anderer Weise. Es gibt nur einen Weg, um sich klar zu machen, wie die seitliche Biegung sein muss: man muss nachforschen, welches Resultat man mit ihrer Ausführung erzielen will.

Das seitliche Abbiegen hat zum Zweck:

  1. Das bei der direkten Biegung durch Aufrichtung des Halses erlangte Gleichgewicht auch in den Wendungen zu erhalten.

  2. Der ganzen Vorhand während der Wendung Halt zu geben und sie in sich fester zu verbinden, so dass alle Teile ein

Mauls fehlt; sobald dieses aber nachgibt, wird dadurch und durch das Mitgehen von Kopf und Hals das Gewicht wieder gleichmässig auf beide Vorderbeine verteilt. Liesse man dem Pferde zur Gewohnheit werden, sich dabei auf die äussere Schulter zu werfen, so wären das Gleichgewicht und damit die ungezwungene Haltung gestört. In den Wendungen, sowie in den Gängen auf zwei Hufschlägen würde die äussere Schulter immer zurückbleiben. Die grösste Schwierigkeit liegt bei diesen Bewegungen also darin, besonders diese Schulter in Gang zu erhalten. Darum muss man ihr dadurch Erleichterung zu verschaffen suchen, dass man sie nur wenig krümmt, während im Gegensatz hierzu der innere Trensenzügel das Gewicht auf die innere Schulter, welche den kleineren Weg zu machen hat, dadurch überträgt, dass er die Last mit jedem Tritt dahin mitnimmt. Hierdurch wird man auch in den Stand gesetzt, in den Seitengängen einen sehr grossen Schwung zu erzielen. Eine zu scharfe Biegung würde diesen Schwung aufheben, da sie die äussere Schulter überlastet. Auf den ersten Blick wundert man sich immer, zu bemerken, dass die Rechtsbiegung die linke Schulter überlastet, jedoch ist das gerade die natürliche Folge der Anstrengung des Pferdes, um der Anforderung entgegenzuwirken, welche man von ihm verlangt.

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Tafel XV
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geschlossenes Ganzes bilden, fest und geschmeidig zugleich, ebenso richtig in den Wendungen als in der Bewegung auf gerader Linie.

Bei den Wendungen sind es natürlich die Schultern, welche Terrain gewinnen, während die Hinterhand für den Abschwung sorgt. Nun aber hat der Reiter keine direkte Einwirkung auf die Schultern. Er wirkt nur ein auf das Maul, durchs Maul auf den Hals und erst durch diesen auf die Schultern. Die seitliche Biegung bringt alle diese Teile, indem sie dieselben untereinander befestigt und verbindet, in gegenseitige Abhängigkeit, welche dem Reiter gestattet, gleichzeitig auf die gesamte Vorhand einzuwirken. Ohne diese Biegung finden wir wieder, wie ich schon oben sagte, „die Angelrute am dünnen Ende erfasst“, d. h. schwerer Kopf, weil er zu weit ab vom Schwerpunkt ist, am Ende eines losen, unstäten Halses. Die Zügelwirkung beschränkt sich dann darauf, anstatt das Ganze zu dirigieren, nur den Kopf gegen die Vorhand zu ziehen, welche hierdurch um so fester an den Boden geheftet wird, je mehr das Pferd auf den Schultern ist.

  1. Durch die Nachgiebigkeit des Maules die Leichtigkeit in der Wendung aufrecht zu erhalten.

Bei allen Bewegungen ist es der Schwung von hinten, welcher aus dem Pferde ein Ganzes macht, ist es die Hinterhand, welche mit der Vorhand in enge Verbindung tritt,[1] indem sie sich unter den Schwerpunkt schiebt. Wenn dieser ganze Schwung an den


  1. Viele Autoren sagen, man müsse umgekehrt die Vorhand an die Hinterhand anfügen (also von vorn nach hinten zusammenstellen). Das ist eine Abgeschmacktheit; es ist eben die ↩︎

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Kinnladen[1] des nachgiebigen und leicht beweglichen Maules endigt, welches mit der ganzen Vorhand in der Weise verbunden ist, dass die Biegsamkeit[2] des Hebelarmes von den Schultern bis zum Maul immer zunimmt, so können die Hände mit der grössten Leichtigkeit[3] den Schenkeln einen Teil des von ihnen empfangenen Schwunges zurückschicken, und das ebensowohl bei den Wendungen, als beim Geradeausreiten. In dieser Weise macht man aus dem Pferde ein geschlossenes Ganzes, energisch und harmonisch zugleich durch das gute Gleichgewicht aller Hebel und durch den in den Wendungen wohl geregelten Gebrauch aller Kräfte. In dieser Weise wird man Durchlässigkeit erzielen und so wird man fortgesetzt das Pferd in allen Wendungen in der Hand behalten.

Das ist seitliche Biegung für mich, und das ist ihr Zweck. Man sieht, dass ich in der Lage bin, auch hierbei, wie bei der direkten Biegung, meine praktische Ausführung in allen Punkten zu rechtfertigen.

Unglücklicherweise führt die Mehrzahl aller derjenigen, welche sich mit Abbiegen beschäftigen, dieses auf gut Glück aus, ohne auch nur ernstlich zu ver-

Hinterhand, welche sich im Schwunge auf die Vorhand wirft, und zwar unter Berücksichtigung dessen, dass alles in guter Haltung bleibt, indem sie der Gewalt des Abschwunges, welche von den Sprunggelenken ausgeht, Grenzen zieht oder sie regelt.


  1. Wenn das Maul nicht nachgibt, gibt überhaupt nichts nach; das Pferd geht wie ein geschlossenes, ungelenkes Stück durch die Wendung, wendet wie ein Boot. ↩︎

  2. Von seitlichem Abbiegen kann man wirklich nur sprechen, wenn man das Genick biegt. Die Kinnladen sind genau so gestellt, wie bei der direkten Biegung. ↩︎

  3. Bei seitlicher, wie bei direkter Biegung handelt es sich darum, die Hebelwirkung so abzumessen, dass man mit geringer Anstrengung die grösste Aktionsfreiheit erzielt. ↩︎

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Tafel XVI. Fig. 1. Richtige Biegung. Fig. 2. Falsche Biegung nach Baucher.

Tafel XVI. Fig. 1. Richtige Biegung. Fig. 2. Falsche Biegung nach Baucher.

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suchen, das Endziel zu erkennen, welches zu erreichen sie sich doch vorgenommen haben müssen.

Man muss sagen, dass sich auch Baucher von der Technik der seitlichen, wie der direkten Biegung nicht besser als andere Rechenschaft abgelegt hat. Oder vielmehr, er hat logischerweise bei den seitlichen Biegungen die Fehler der direkten Biegung wieder begangen; ist doch diese die Vorbereitung für jene.

Diese fehlerhafte Biegung, von denen bevorzugt, welche sich Baucher anschliessen, macht sich am Widerrist anstatt am Genick bemerkbar. An dieser Stelle eben stossen wir aber gerade so, wie bei der direkten Biegung, auf die Klippe des Herabsinkens von Kopf und Hals, welche eine sonst nützliche Übung in eine schädliche verwandelt. Kopf und Hals stehen tief, die Halsbiegung vollzieht sich am Widerrist, anstatt am Genick, und der Kopf des Pferdes zeigt dem Beschauer anstatt der Vorderansicht sein Profil.

Vergleicht man Figur 1 (fehlerhafte Biegung) mit Figur 2 (richtige Biegung) der Tafel XV, so wird man auf den ersten Blick die Vorteile der seitlichen Biegung verstehen, so wie ich sie beschreibe, und die Übelstände derjenigen Biegung begreifen, welche gemeinhin zur Anwendung kommt.

Um dieses kritische Urteil zu vervollständigen, brauche ich hier nur wieder auf alles das zu verweisen, was ich s. Z. über die falsche direkte Biegung und ihre schlimmen Folgen gesagt habe.

Wie kann man darüber erstaunt sein, dass den Biegungen zum Vorwurf gemacht wird, sie machten den Hals zu lose, d. h. zu beweglich, ausser jeder Verbindung mit dem ganzen übrigen Körper! Das ist ja gerade die Folge der seitlichen Biegung am Wider-

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rist, während hingegen die seitliche Biegung im Genick den Hals fest zusammenstellt und die ganze Vorhand in der Weise vereinigt, dass sie im Gesamten umgeformt wird, ein unbedingt notwendiges Resultat, da der Reiter, wie ich erklärt habe, keine direkte Einwirkung auf die Schultern hat.

Tiefer Kopf, ganz ausser Verbindung mit dem übrigen Körper, zufolge des zu beweglichen, losen Halses, welcher allein nachgibt, ohne die Schultern mitzunehmen, und welcher dem Pferde erlaubt, jeder gewollten Bewegung des Halses mit einer anderen Bewegung der Schultern im entgegengesetzten Sinne zu begegnen, woraus wieder die Unmöglichkeit folgt, die Vorhand zu dirigieren: Das ist das traurige Resultat der seitlichen Biegung am Widerrist und des daraus entstehenden Herabsinkens von Kopf und Hals!

Im Gegensatz zur direkten Biegung, welche ich zu Fuss oder zu Pferde nur im schwunghaften Gange ausführe, kann man die seitliche Biegung zu Anfang auch wohl zu Fuss im Halten machen lassen, wegen der Schwierigkeit, die Hinterhand dabei in Gang zu setzen. Zu Pferde aber unternehme ich die seitliche Biegung niemals anders, als im Vorwärtsreiten. Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, sobald ich einmal zu Pferde sitze, von ihm niemals etwas zu verlangen, als im schwunghaften Gange. Dadurch verhütete ich das unnatürliche Zusammenschrauben meiner Schulpferde. Das ist aber auch die gewöhnliche Klippe bei der Dressur in der ,,Hohen Schule“.[1]


  1. Ich habe schon gesagt, dass die Aufrichtung des Halses nur durch den Schwung von hinten erreicht wird, und dass, wenn ich diese von meinen Pferden fordere, das so geschieht, ↩︎

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Tafel XVII
Tafel XVII
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Bei der Arbeit zu Pferde vollzieht sich die seitliche Biegung technisch ebenso, wie bei der Arbeit zu Fuss. Um den Kopf nebst oberem Hals nach rechts abzubiegen, wirken beide Hände nach rechts: der linke gut anstehende Trensenzügel erhält, dabei nach rechts auf den oberen Hals wirkend, den Kopf hoch und schiebt ihn von links nach rechts, während der rechte nur leicht wirkende Kandarenzügel die Kopfstellung und das Loslassen der Kinnladen zur Entscheidung bringt. (Tafel XVI, Figur 1.)

Da es die erste Sorge des Reiters sein muss, das Pferd in dieser scharfen Rechtsstellung zu erhalten, muss er gleichzeitig auch noch mit beiden Schenkeln, und zwar mit dem auswendigen etwas stärker tätig sein, um das Pferd am Zügel zu erhalten. Beide Schenkel gleichzeitig gebraucht, stellen die vortreibende Kraft dar; wirkt hingegen ein Schenkel vorwiegend über den anderen, so wird dadurch die Richtung angegeben. Niemals sollte ein Schenkel ohne den anderen gebraucht werden; denn die gleichzeitig wirkenden Schenkel geben Schwung; das Vorwiegen des einen über den anderen Schenkel gibt die Richtung. Da die Einwirkung der Hand verhältnismässig viel bedeutender ist, als diejenige der Schenkel, so muss sie ausserordentlich leicht bleiben.

Der Grundirrtum Bauchers bezüglich der seitlichen Biegung zeigt sich natürlich zu Pferde in demselben Grade, wie zu Fuss. Man vergleiche die Figur 2

indem ich sie bei jeder Arbeit energisch vortreibe. Und in der Tat, je grösser der Schwung ist, desto mehr schiebt sich die Hinterhand unter den Schwerpunkt und desto mehr wird die Vorhand aufgerichtet.

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der Tafel XVI, welche ich von Baucher entlehnte, mit der Figur 1, welche die richtige Abbiegung darstellt.

Die Tafel XVII, einem neueren Werke entlehnt, zeigt, was die Stellung des Pferdes anbelangt, deutlich, dass diejenigen, welche sich heutzutage mit der seitlichen Biegung befassen, keinen Begriff davon haben, weder von ihrem Mechanismus noch von ihrem Zweck.

Die zu Fuss oder zu Pferde vollführte seitliche Biegung ist, so wie ich sie beschrieben habe, eine Geschmeidigkeitsübung. Diese Arbeit ist von einer ganz ausserordentlichen Wichtigkeit. Von dem Indiehandstellen und von den Biegungen hängen unbedingt das Gleichgewicht, die Zwanglosigkeit und Beweglichkeit ab, und so lange ich das Pferd nicht daran gewöhnt habe, ist es mir unmöglich, weitere Ansprüche zu erheben. Es ist sogar ganz besonders wichtig, die seitliche Biegung bis zur Vollkommenheit durchzuführen, um die äusserste Nachgiebigkeit des Pferdes zu erzielen.

Wenn man aber die seitliche Biegung bei anderweitiger Arbeit, in Wendungen, Seitengängen usw. verlangt, wird man sich mit einer ganz geringen seitlichen Stellung des Kopfes nebst oberem Hals[1] begnügen müssen, welcher jedoch ebenso wie der Kopf immer richtig gestellt bleiben muss. Ist es doch verständlich, dass eine zu scharf ausgesprochene Stellung den Schwung von hinten dadurch aufhalten würde, dass sie das ganze Gewicht auf die äussere Schulter brächte.

Bei der Geschmeidigkeitsübung, welche wir mit dem Namen ,,seitliche Biegung“ bezeichnen, ist es


  1. So lange die Maultätigkeit vorhanden, ist auch die Nachgiebigkeit da, und die geringfügigste Andeutung genügt zur Wendung. ↩︎

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notwendig, ziemlich viel zu verlangen, wenn man auch nur ganz wenig erreichen will.

Im weiteren Verlaufe der Arbeit genügt es jedoch, nur sehr wenig Stellung zu verlangen, vorausgesetzt, dass Kopf und Hals richtig gestellt sind und dass das Pferd die Kinnladen loslässt.

XII. Wendungen auf der Vor- und Hinterhand.

Sobald ich nach und nach erreicht habe: 1. dass mein Pferd der Peitschenhilfe willig nachgibt; 2. dass es mit Leichtigkeit die seitlichen Biegungen ausführt, handelt es sich jetzt für mich darum, diese beiden Bewegungen miteinander zu verbinden.

Ich habe das Pferd zuallererst gelehrt, der Peitschenhilfe von links nach rechts nachzugeben, indem ich es mit dem linken Trensenzügel, welcher ihm den Kopf nach links stellt, um die Kruppe nach rechts zu bringen, darin unterstützte. Das ist, was man ,,einseitliche Hilfen“ nennt (Tafel XVIII, Figur 1), weil beide Hilfen sich auf ein und derselben Seite bemerkbar machen. (Rechter Zügel, Peitsche von rechts.) Hat das Pferd diese angenommen, so erlange ich nach und nach, dass es schon nachgibt, während ich ihm den Kopf ganz geradeaus stelle. (Tafel XVIII, Figur 2.) Das nennt man ,,direkte Hilfen“. Nun soll es aber den ,,diagonalen Hilfen“ willig folgen, d. h. der Peitschenhilfe von links und der Kopfstellung nach rechts. (Tafel XIX.)[1]


  1. Ich habe schon früher auseinandergesetzt, dass die einseitliche Reitkunst nichts anderes, als die Vorbereitung für die diagonale sei, welche doch die einzig vernunftgemässe ist und allein dahin führt, eine Gesamtwirkung zu erzielen. Alle Welt versteht, dass auch der Reiter diagonal einwirken soll, ↩︎

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Ohne mich der Trense zu bedienen, deren Enden ich jedoch in der linken Hand behalte, erfasse ich zu dem Zweck mit der linken Hand den linken Kandarenzügel[1] ganz dicht am Maul, während die rechte Hand in Brusthöhe gleichzeitig die Peitsche und den über den Widerrist hinweglaufenden rechten Kandarenzügel ergreift. (Tafel XIX.) Das Pferd befindet sich nun also in der direkten Biegung. Sodann mache ich den Anfang mit der rechtsseitlichen Biegung, indem ich den Kopf des Pferdes durch kleine Anzüge des Kandarengebisses von unten nach oben aufrichte und ihn rechts stelle; zugleich lasse ich die Hinterhand vermittelst der Peitsche von links nach rechts weichen. Schliesslich steigere ich alle diese Hilfen, bis Hals, Kopf und Maul ebenso wie die Hinterhand bis zur Vollkommenheit nachgeben. Auf diese Weise gelange ich dahin, dass das Pferd sich während der vollständigen seitlichen Biegung um seine Vorhand dreht. Ich bediene mich absichtlich des Wortes ,,drehen“, obgleich es meiner Auffassung nur unvollkommen Ausdruck gibt, welches aber die Art und Weise, wie Baucher die Wendung ausgeführt wissen wollte, klar legt. Nach seiner Methode soll bei der Drehung der Hinterhand die Vorhand tatsächlich stehen bleiben und als Drehpunkt dienen. Ich finde, dass das ein Fehler ist. Während der Dressur-Periode überhaupt sollte kein Körperteil des Pferdes

aus dem einfachen Grunde, weil die Bewegungen des Pferdes diagonale sind.


  1. Um die Tätigkeit der Zügel anschaulicher zu machen, habe ich in der Figur der Tafel XIX die Trensenzügel in Fortfall gebracht.

    Ich erinnere daran, dass das äusserste Ende der Trensenzügel in die hohle Hand zu nehmen ist. (Siehe die beiden Figuren der Tafel XVIII.) ↩︎

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Tafel XVIII Fig. 1. Seitliche Wirkung: (Kopfstellung u. Gertenhülfe links) Fig. 2. Direkte Wirkung: (Kopfstellung gerade)

Tafel XVIII

Fig. 1. Seitliche Wirkung: (Kopfstellung u. Gertenhülfe links)

Fig. 2. Direkte Wirkung: (Kopfstellung gerade)

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jemals untätig bleiben, weil solche Untätigkeit oft zum Widerstandsmittel ausartet. Was ich verlange, ist keine absolute Drehung um einen bestimmten, festen Punkt, es ist vielmehr ein sehr eingeschränkter Zirkel, welchen die Vorhand um diesen festen Punkt beschreibt, während die Hinterhand wieder die erstere umkreist.

Wohlverstanden, ich gehe nicht unvermittelt, plötzlich von den einseitlichen zu den direkten, und von diesen zu den diagonalen Hilfen über. Im Gegenteil, ich mache die Übergänge von einer zur anderen behutsam, damit das Pferd weiss, was ich von ihm verlange, keinerlei Überraschung empfindet und nicht verwirrt wird. Die Anwendung der einseitlichen Hilfen zeigte uns den Weg zur Ausführung der Bewegung durch die direkten Hilfen. Desgleichen sind diese nur der Übergang zur Ausführung der Bewegung durch die diagonalen Hilfen. Diese Arbeit würde nutzlos sein, wenn sie den alleinigen Zweck verfolgte, das Pferd zur Nachgiebigkeit auf die Peitschenhilfe zu veranlassen; die grosse Wichtigkeit derselben liegt vielmehr darin, das Pferd, ohne es zu erschrecken, zunächst auf den Schenkelgehorsam, sodann nach und nach auf die Sporen vorzubereiten.

Gehen wir jetzt zur Arbeit unter dem Reiter über, welche ich wiederum ebenso, wie bei der Arbeit zu Fuss, zur Anwendung bringe und zwar in derselben Reihenfolge, d. h. von den einseitlichen zu den direkten, von den direkten zu den diagonalen Hilfen.

Wenn ich, inmitten der Reitbahn haltend, die Wendung der Hinterhand um die Vorhand ausführen lassen will und zwar von links nach rechts, so bringe ich meinen linken Hacken an das Pferd. Das undressierte Pferd weiss zunächst nicht, was ich ver-

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lange, und seine erste Bewegung wird die sein, sich gegen meinen Schenkel zu legen. Dies ist der Augenblick, in welchem ich die Vorteile der vorausgegangenen Arbeit benutze. Ich lasse meine Peitsche auf der linken Seite ganz leicht wirken, und zwar meinem Hacken so nahe als möglich, und vermeide vor allem, mit demselben zu weit nach hinten zu kommen; denn das würde fast unvermeidlich zum Ausschlagen mit einem oder gar mit beiden Hinterbeinen führen. Gleichzeitig bediene ich mich zur Unterstützung des linken Trensenzügels, um die Hinterhand nach rechts zu bringen. Ich versichere, dass sich kein Pferd widersetzt, wenn man recht ruhig verfährt.

Je nach dem Grade des Widerstandes, welcher anfangs übrigens häufig ist, gebrauche ich den linken Trensenzügel mehr oder weniger stark. Ist er bedeutend, so ziehe ich damit auch den Kopf ein wenig mehr nach links und lasse Hacken und Peitsche dabei weiter wirken. Da diese drei Hilfen von ein und derselben Seite her wirken, ist das Pferd gezwungen, zu gehorchen.

Sobald es auch nur einen Tritt nach rechts gemacht hat, halte ich an und belobe das Pferd, sodann lasse ich es in ungezwungener Haltung in der Bahn umhergehen, um ihm zu erlauben, sich Rechenschaft davon zu geben, was es soeben gemacht hat. Letzteres empfehle ich ganz besonders. Man muss das Pferd los- und in Ruhe lassen, sobald es gehorcht hat. Das ist eine Erkenntlichkeit, und man braucht nicht zu fürchten, diese beiden Wohltaten unnötig vergeudet zu haben. Die Arbeitsunterbrechung und die Liebkosungen sind die einzigen Mittel, welche dem Pferde zum Verständnis bringen, dass es recht getan hat. Man ist während der Dressur doch oft genug ge-

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Tafel XIX
Tafel XIX
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zwungen, seine Zuflucht zu Strafen zu nehmen, als dass man nicht gern jede Gelegenheit ergreifen sollte, das Pferd zu beloben, sobald das kleinste Anzeichen von Gehorsam sich uns darbietet; je mehr man sein Pferd anerkennend hätschelt, desto seltener ist man gezwungen, auf Strafen zurückzugreifen.[1]

Kurzum, man gibt, wie gesagt, dem Pferde dadurch, dass es während einiger Augenblicke unbehelligt umhergehen kann, die Zeit, die Bewegungen, welche es soeben ausgeführt hat, und die Hilfen, welche es dazu veranlasst haben, wirklich zu begreifen. Anscheinend gibt das Pferd nur körperlich nach, in Wirklichkeit aber ist es sein Scharfsinn, oder um mich deutlicher auszudrücken, sein Gedächtnis, an welches wir uns wenden. Das Gedächtnis ist es also, welches man anregen muss, und deshalb lasse ich dem Pferde die nötige Zeit, damit sich das Vorgefallene seinem Gedächtnis besser einprägen kann.

Hat das Pferd eine Weile seinen Weg in der Bahn unbehindert zurückgelegt, so beginne ich, ohne dabei die Seite zu wechseln, dieselbe Übung wohl 20- bis 30mal von neuem, bis es gehorcht, sobald ich meinen Hacken ihm nur nähere. Dann unterwerfe ich das Pferd der gleichen Arbeit mit dem rechten Schenkel.

Wenn das Pferd beiden Schenkeln abwechselnd und unterschiedslos weicht, lege ich stumpfe Sporen an, um es an ein etwas ernsteres Ding, als die Hacken


  1. Es ist die grösste Kunst, zu rechter Zeit zu loben und zu strafen, deshalb muss man den Augenblick des Nachgebens oder Widerstandes unmittelbar erfassen. Hier erscheint es angebracht, den fundamentalen Grundsatz der Dressur in Erinnerung zu bringen: Die Liebkosung soll der Nachgiebigkeit ebenso unmittelbar folgen, als die Strafe dem Fehler. ↩︎

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es sind, zu gewöhnen. Dann verstärke ich von Tag zu Tag den Schenkeldruck und vermindere die Peitschenhilfen, mit welchen ich nach und nach vollständig aufhöre.[1] Später komme ich zum gewöhnlichen, nicht zu scharfen Sporn.

Ich habe mich übrigens der Peitsche zu keinem anderen Zweck bedient, als um dem Gedächtnis des Pferdes zu Hilfe zu kommen und um es dadurch zum Sporengehorsam zu führen, ohne dass es Furcht davor bekommt. Denn vergessen wir es nicht, die Wirkung, welche der Spornstich zu Anfang auf ein rohes Pferd hervorbringt, ist genau wie diejenige eines Fliegenstichs. Und was macht das Pferd, wenn eine Fliege es in die Flanke sticht? Zuerst versucht es, sie mit seinem Schweif zu verjagen. Gelingt ihm das nicht, so schlägt es danach mit dem Hinterbein der Seite, auf welcher es den Stich empfindet; wird die Fliege auch dadurch noch nicht verscheucht, so sucht das Pferd irgend einen festen Gegenstand, eine Mauer, einen Baum oder dergleichen, gegen welche es sich legt, um das Insekt, den Urheber seiner Qual zu zerdrücken. Wie kann man also verlangen, dass des Pferdes erste Bewegung, wenn man ihm den ersten Spornstich versetzt, nicht die sein sollte, danach zu schlagen oder zu versuchen, sich gegen die Mauer zu lehnen?

Man sieht daraus, dass es ein grober Fehler ist, sich des schärferen Sporns zu bedienen, bevor man


  1. Ich habe oben erwähnt, dass ich zu Pferde die Reitpeitsche bei Seite lasse; ich nehme sie erst wieder, um vom Pferde den Schenkelgehorsam zu fordern und um die erste Streckung der Beine im spanischen Schritt zu erlangen. In beiden Fällen dauert der Gebrauch der Peitsche aber nur zwei bis drei Unterrichtsstunden. ↩︎

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nicht das Pferd durch den aufeinanderfolgenden Gebrauch von Peitsche, Schenkel, Hacken und stumpfem Sporn daran gewöhnt hat.

Wenn man ein Pferd, welches weder dazu vorbereitet, noch daran gewöhnt ist, spornt, so begreift es nicht und folgt nicht. Man wiederholt die Spornhilfe, man besteht darauf, aber das Pferd, im Unklaren darüber, was man von ihm will, nimmt nur den Schmerz wahr, dann folgt es natürlich seinem Instinkt und widersetzt sich. Je häufiger der Spornstich, desto energischer sind zuerst der Widerstand, dann die Widersetzlichkeit. Ist das Pferd unempfindlich, schlaff, dann legt es sich wohl gegen den Stich, ist es aber lebendig, kräftig, dann setzt es sich sofort heftig zur Wehr. Die ganze Dressur ist in jeder Beziehung verfehlt; ein Pferd wird widerspenstig, das andere wird wie närrisch, schon wenn man den Schenkel bloss nähert. Anstatt etwas gelehrt zu haben, hat man die Erziehung verpfuscht. Bei der Dressur ist es mit allem so, die grosse Schwierigkeit liegt darin, dem Pferde verständlich zu machen, was es unserem Willen nach tun soll. Da man sich einzig und allein an das gute Gedächtnis[1] des Pferdes halten kann, so dürfen auch die angewandten Mittel nur einfache und immer nur die gleichen sein.

In der Reitkunst ist der Sporn nur ein Hilfsmittel; das soll das Pferd verstehen lernen. Nur bei Widersetzlichkeiten wird der Sporn ein Strafmittel,


  1. Aus demselben Grunde habe ich schon früher gesagt, sollte man sich hüten, von dem Pferde in ein und derselben Unterrichtsstunde zwei oder mehrere verschiedene Dinge zu fordern, welche es verwechseln könnte. Seine Auffassungsgabe ist nur sehr gering, deshalb muss man sich hüten, es zu verwirren. ↩︎

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und auch davon soll das Pferd sich Rechenschaft geben.[1] Viele Leute, welche nur oberflächliche Kenntnis von der Reitkunst haben, bilden sich ein, dass es, anstatt den Sporn dicht hinter den Gurten zu gebrauchen, viel wirksamer sei, wenn der Unterschenkel, von dem fest anliegenden Knie als Stützpunkt aus, den Sporn von vorn nach hinten in die Flanke des Pferdes stiesse. Nichts wäre fehlerhafter, als ein solcher Angriff, wobei der Sporn einen ziemlich weiten Weg auf der Flanke zurückzulegen hat. Auf diese Weise käme man dahin, das Tier zu kitzeln und Widersetzlichkeiten erst recht hervorzurufen, ohne mit dem nötigen Nachdruck eingreifen, das Pferd vortreiben und ohne den Widerstand brechen zu können. Je mehr man sich mit dem Sporn von dem Platz hinter den Gurten entfernt, desto näher kommt man demjenigen, an welchem das Pferd am kitzligsten ist. Es ist Tatsache, dass die Pferde dicht hinter den Gurten gar nicht, in den Flanken aber alle sehr kitzlig sind.

Überdies kann der Unterschenkel nicht an seiner Stelle bleiben, weil er hin und her geht. Das Resultat davon ist, dass der Sporn ganz unvermittelt wie ein Schlag wirkt, anstatt durch einen richtig angepassten Schenkeldruck vorbereitet zu sein.


  1. Es kommt häufig vor, dass das Pferd sich gegen den Sporn wirft, bald nach der einen, bald nach der anderen Seite; in diesem Fall soll der Sporn in wirksamer Weise strafen. Dazu stelle ich mein Pferd in die Bahn und zwinge es durch kräftige Spornstiche mit der Hinterhand augenblicklich auf der rebellischen Seite nachzugeben. Hat das Pferd sodann zwei oder drei Wendungen um die Vorhand vollführt, höre ich auf damit und beginne die alte Arbeit wieder an derselben Stelle, wo ich sie unterbrochen hatte. Sollte das Pferd sich nochmals widersetzen, so fange ich wieder damit an, bis es endgültig nachgibt. ↩︎

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Schliesslich kann man gar keine Abstufungen in den Sporngebrauch legen, ausser man lässt letzteren leicht, bestimmt oder grob wirken, mit der genauen Massgabe, dass er dem Grad des Widerstandes entspricht, welchen das Pferd den Schenkeln des Reiters entgegensetzt.

Beim Sporngebrauch dicht hinter den Gurten, befindet sich das Knie ein wenig nach aussen gestellt und zwar so, dass Fussspitze und Sporn in einer Richtung, letzterer wie eine Degenspitze treffen kann. Also keine Kratzwunden, keine Risse mehr, keine unbestimmten und schlagenden Spornhilfen mehr, sondern ein Stich, welcher gerade und sicher trifft.

Diejenigen, welche glauben, dass durch ein leicht nach aussen gestelltes Knie der feste Sitz des Reiters beeinträchtigt sei, mögen erfahren, dass die Stelle der stärkeren Einwirkung des Reiters auf das Pferd in der oberhalb der Wade liegenden Unterschenkelpartie ihren Sitz hat, an der inneren Seite der Kniekehle. Daher ist gerade im Gegenteil diese Stellung des Unterschenkels während des Sporngebens hinter dem Gurt eine der vorteilhaftesten für den festen Sitz des Reiters.[1] Wenn der Reiter sich mit den Knien zu fest klemmt, so zieht er dadurch unwillkürlich auch den Oberschenkel nach oben und hebt sich so ganz von selbst aus dem Sattel, ohne es zu wollen. — Hält man sich aber mit der vorderen Fläche der inneren Kniekehle, so hat man im Gegenteil einen ausgezeich-


  1. Weil alle Anfänger und schlechten Reiter ganz instinktiv diese Stellung annehmen, um möglichst fest sitzen zu bleiben, kann man ihnen auch keine Sporen geben. Übrigens nimmt bei Widersetzlichkeiten des Pferdes ebenso jeder Reiter diese Stellung instinktmässig an. ↩︎

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neten Schluss vom Gesäss bis zum Hacken. Andererseits kann man sein Pferd nur unter der ausdrücklichen Voraussetzung feinfühlig bearbeiten, dass die Hacken sich niemals vom Pferde entfernen. Mit einwärts gedrehtem Knie und Fuss sind die Hacken zu weit ab und können deshalb nur ruckweise wirken. Darum gibt es ohne allmählichen Übergang, ohne Abstufungen im Sporngebrauch keine Reitkunst.

Wenn das Pferd den Schenkelhilfen mit Leichtigkeit nachgibt, lasse ich die Zügel abwechselnd und allmählich in Wirkung treten. Es handelt sich schliesslich darum, dem Pferde eine Kopfstellung nach der Seite hin zu geben, nach welcher ich es wende. Gleichwohl muss das Wechseln der Kopfstellung sich so unmerklich vollziehen, dass das Pferd es kaum gewahr wird.

Zu Anfang weicht es meinem Schenkel nur dann, wenn ich gleichzeitig den Zügel derselben Seite vermehrt wirken lasse — ,,einseitliche Hilfen“. Gleich darauf benutze ich zur Erzielung der Kopfstellung den Zügel weniger, damit das Pferd dem Schenkel allein gehorchen lernt; dann lasse ich beide Zügel gleichmässig anstehen, um den Kopf geradeaus zu stellen — ,,direkte Hilfen“. Und schliesslich gelange ich nach und nach dahin, den entgegengesetzten Zügel vorherrschend wirken zu lassen. Damit sind wir dann zu den ,,diagonalen Hilfen“ gelangt.

Die Reihenfolge wird auch hier die gleiche sein müssen, wie früher, als man bei der Arbeit zu Fuss diese Bewegung mit alleiniger Zuhilfenahme der Peitsche ausführen liess; d. h. das Pferd wird schliesslich dahin gebracht, während der Wendung der Hin-

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terhand von links nach rechts, die Nase rechts zu stellen und umgekehrt. In der Arbeit zu Pferde verlange ich hierbei keine ganz vollkommene, seitliche Biegung; eine sehr geringe Kopfstellung nach derselben Seite, nach welcher man die Wendung ausführt, ist genügend.[1] Ist dieses Resultat erzielt, so lehre ich das Pferd die Wendung der Vorhand um die Hinterhand.[2] Das ist die ,,einfache Pirouette“.

Es ist tatsächlich nicht ausreichend, die Hanken geschmeidig zu machen, man muss ausserdem auch den Schultern die grösstmögliche Beweglichkeit geben. Diese Beweglichkeit ist eine unerlässliche Eigenschaft, welchen Gebrauch man vom Pferde auch machen will.

Wir haben im Gegensatz zu Maul und Hanken keine direkte Einwirkung auf die Schultern. Um diese in Bewegung zu setzen, geht ihnen der Schwung von der Hinterhand zu, welche ihrerseits durch die Unterschenkel des Reiters dazu angeregt wird; die Richtung gibt ihnen das Maul an, welches von den Zügeln geleitet wird.

Aus nachstehendem wolle man ersehen, wie man verfahren muss, damit die Wendung der Vorhand um


  1. Wenn das Pferd den Schenkelhilfen in aller Bequemlichkeit nachgibt, ist es gut, sie abwechselnd anzuwenden, aber nur andeutungsweise und zum Zweck der willigen Wendung der Hinterhand. Es genügt, dass das Pferd einen oder zwei Tritte macht. Auf diese Weise gelangt der Reiter dahin, die Hinterhand zwischen den Schenkeln hin und her treten zu lassen und diese Tätigkeit der Hinterbeine richtig zu bemessen. Dies ist der Anfang des Reitertakts. ↩︎

  2. Diese Arbeit lässt sich nicht gut anders als zu Pferde machen, weil es nötig ist, das Hinterteil festzuhalten und dabei das Pferd doch vorzutreiben. ↩︎

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die Hinterhand oder die Pirouette von links nach rechts zur Ausführung kommt.

Inmitten der Bahn stillhaltend, bringe ich beide Hände nach rechts und nehme Schenkelschluss, um einem Zurücktreten des Pferdes vorzubeugen; der linke Schenkel liegt etwas fester hinter dem Gurt, sodass das Pferd das Hinterteil nicht nach links werfen kann. Meine Trensenzügel wirken in Übereinstimmung mit meinen Schenkeln. Der rechte Zügel zieht leicht nach rechts, aber nicht nach hinten, und der linke Zügel schiebt die Schulter nach rechts. Der Gebrauch des linken Zügels hat noch eine andere Bestimmung. Wenn das Pferd, nachdem es mit der Vorhand nach rechts getreten ist, das Hinterteil nach links ausfallen lassen wollte, so würde ein leichter Anzug dieses Zügels dem Schenkel augenblicklich behilflich sein können, um die Hinterhand auf ihrer Stelle festzuhalten, und zwar dadurch, dass er den Kopf mehr oder weniger nach links hin stellt, je nach dem Grade der Abweichung des Hinterteils nach dieser Seite.

Anfangs muss man lieber einen grossen, als einen kleinen Zirkel beschreiben, welch letzterer ja eben eine wirkliche Pirouette darstellen würde. Dadurch behält man das Pferd am Zügel, und es ist viel leichter, dem Zurückkriechen vorzubeugen, welches man, ich kann es nicht oft genug sagen, immer und um jeden Preis vermeiden muss.

Schon darum muss man das Verkriechen hinter den Zügel um jeden Preis verhüten, weil die Pirouetten sowohl auf der Vorhand als auf der Hinterhand nicht gefahrlos im ersten Stadium der Dressur sind.

Blieben bei der Pirouette auf der Vorhand die

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Vorderbeine untätig auf der Stelle, so wäre das ein grosser Fehler.

Blieben bei der Pirouette auf der Hinterhand die Hinterbeine still auf der Stelle stehen, so wäre das ein ebenso grosser Fehler. Und lässt man das Pferd vorwärts gehen, so haben wir überhaupt keine Pirouette mehr.

Jede Bewegung, welche zu Anfang der Dressur irgend einen Körperteil des Pferdes in Untätigkeit liesse, wäre fehlerhaft; denn das vor allem zu erreichende, grosse Ziel ist, dass das Pferd als Ganzes sich uns hingibt. Anstatt Pirouetten ist es vorzuziehen, Volten auf zwei Hufschlägen zu reiten. Dabei kann man das Pferd immer vorwärts in die Hand treiben; weiss man doch, dass die Volte auf zwei Hufschlägen nichts anderes ist als eine Pirouette auf grossem Zirkel.

Bei der Wendung der Hinterhand um die Vorhand sind es die Hinterbeine, welche den grossen Kreis beschreiben; macht das Pferd wider den Willen des Reiters den Zirkel dabei zu gross, so kriecht es zurück. Bei der Wendung der Vorhand um die Hinterhand sind es die Vorderbeine, welche den grossen Kreis beschreiben, und macht dabei das Pferd den Zirkel zu klein, so ist es ebenfalls zurückgekrochen. Um diesen Fehler zu vermeiden, nehme man das Pferd zwischen beide Schenkel, verlange nur Gesamtbewegungen von ihm und treibe es immer vorwärts.

XIII. Der Schultritt.

Sobald das Pferd im Schritt gut in die Hand gestellt ist, kann man ihm den Schultritt lehren. Das

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ist ein versammelterer, höherer und taktmässigerer Tritt als der gewöhnliche. Obgleich die Beine in derselben Weise zur Erde kommen, wie im Trab, so ist es doch kein Trab. Trabtritte, mit denen man nur wenig Terrain gewinnt, das ist der Schultritt.

Um den Schultritt zu erzielen, muss man viel Schenkel und eine bescheidene Hand anwenden, d. h. sehr viele Gesamtwirkungen dieser beiden Hilfen,[1] und indem man den Gang verkürzt, möglichst wenig Terrain durchschreiten.

Zu grosse Schritte geben den Beweis, dass das Pferd die Versammlung noch nicht angefangen hat, und ohne diese gibt es keinen taktmässigen Tritt.

Der Schultritt ist eine ausgezeichnete, gymnastische Übung; in dieser wird das Pferd durch die Verbindung beider Reiterhilfen zur vollsten Tätigkeit aller seiner Mittel bestimmt; diese Übung macht es geschmeidig, gibt ihm ein gefälliges Aussehen, macht es geschickt und setzt es mit einem Wort in ein vollendetes Gleichgewicht; sie bereitet es zu allen künstlichen Gängen vor und besonders zur Versammlung, welche durch sich selbst zum ,,Passagieren“ und zum ,,Piaffieren“ führt.

Ich lehre das Pferd, in diesem Schultritt selbst alle Wendungen zu machen, jedoch erst dann, wenn es letztere im gewöhnlichen Schritt mit Leichtigkeit ausführt.


  1. Ich verstehe darunter die Gesamthilfe, welche das ,,Indiehandstellen“ herbeiführt, das ist: Vortreiben des Pferdes mit den Schenkeln an die Hand und teilweises Zurücknehmen von der Hand zum Schenkel. ↩︎

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XIV. Das Zurücktreten (Rückwärtsrichten).

Um ein Pferd bei der Arbeit zu Fuss zurücktreten zu lassen, nimmt man ihm gewöhnlich den Kopf so hoch als möglich, indem man es zurückstösst. Das ist ein grosser Fehler.

Ganz das Gegenteil muss man tun. Denn wenn man den Kopf hochnimmt und zu gleicher Zeit das Pferd nach rückwärts stösst, so überlastet man die Hinterhand, welche gerade entlastet werden sollte, um die Rückwärtsbewegung ausführen zu können.

Gerade die Hinterhand soll sich zuerst in Bewegung setzen. Wenn man dieselbe aber überlastet, so können sich die Hinterbeine vom Boden nicht frei machen, und sollte man auch nur kurze Zeit im Zurückstossen verharren, so schraubt man das Pferd dadurch zusammen und zwingt es unwillkürlich, sich zu bäumen.

Zum Zurücktreten muss man im Gegenteil das Gewicht mehr auf die Schultern bringen.

Um das zu erreichen, nehme ich dem Pferde durch kleine Trensenanzüge von oben nach unten[1] den Kopf ein wenig herunter.

Dazu stelle ich mich dem Pferde genau gegenüber, erfasse dann mit jeder Hand einen Trensenzügel in der Nähe des Pferdemaules und drücke es nach rückwärts.

Es ist kaum nötig, besonders darauf hinzuweisen, dass gerade in dieser Stellung das Zurücktreten sehr erleichtert wird; dadurch, dass das Pferd auf der


  1. Das ist die einzige Arbeit, wobei ich die Schultern ein wenig belaste, und wohl gemerkt, nur zum Zurücktreten. ↩︎

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Vorhand ruht, sind die Nieren und Sprunggelenke unbehindert, die Hinterbeine werden, anstatt rückwärts zu schleifen, ebenso wie die Vorderbeine mit Leichtigkeit gehoben, und wenn man nur mit der Trense nach rückwärts drückt, kann sich das Pferd gar nicht gegenstemmen.

Nach den ersten beiden Schritten rückwärts soll man sich schon zufriedengeben, das Pferd streicheln und wieder vortreten lassen; dann oft wieder von vorn damit anfangen. Das ist mehr wert, als das Zurücktreten lange auszudehnen. Tut man das, so ermüdet man zunächst das Pferd, welches dieser ihm ganz neuen Arbeit Steifigkeit entgegensetzt, da es sich in den Nieren und Sprunggelenken noch nicht losgelassen hat; sodann übt man das Gedächtnis des Pferdes um so weniger, je länger man das Rückwärtstreten andauern lässt; denn man hält das Pferd ja nicht wieder an, um es zu streicheln und ihm verständlich zu machen, dass es recht getan hat. Und schliesslich kann man sich überzeugt halten, dass jede Arbeit, welche das Tier ermüdet, ihm verleidet wird, wenn es nicht schrittweise dahin gebracht und durch allmählich gesteigerte Biegsamkeits-Übung vorbereitet ist.

Ich verlange niemals mehr, als zehn bis zwölf Schritte rückwärts; dann lasse ich das Pferd, indem ich es aber ununterbrochen in der Hand behalte, ebenso viele Schritte vorwärts treten. Desgleichen lasse ich diese ganze Bewegung niemals öfter als drei- bis viermal hintereinander ausführen.

Es ist selten, dass man das Zurücktreten nicht durch dieses Mittel erreichte, welches mit jener Behutsamkeit angewandt werden muss, die ich in allen Fällen anzuempfehlen nicht aufhören werde.

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Indessen kommt es auch bisweilen vor, dass das Pferd, teils aus Eigensinn, teils aus Schmerzempfindung, das Rückwärtstreten verweigert. Ich habe Pferde gesehen, welche allen bekannten Hilfsmitteln widerstanden, die gewaltsamen nicht ausgenommen, mit welchen man leider immer in eine ähnliche üble Lage kommt.

In diesem Falle stelle ich mich gerade vor das Pferd, erfasse mit jeder Hand einen Trensenzügel nahe dem Maul und trete ihm, indem ich es zurückstosse, vorsichtig auf die Vorderhufe. Ich habe noch kein Pferd angetroffen, welches hierbei nicht nachgegeben hätte.

Wenn das Pferd ohne Steifigkeit, mit tiefer Kopfstellung zurücktritt, lasse ich mir angelegen sein, es dieselbe Bewegung mit mehr und mehr erhobenem Kopfe machen zu lassen. Dazu stelle ich mich an die Schulter des Pferdes und zäume es während des Zurücktretens bei. Ich befleissige mich natürlich, ein recht freies Zurücktreten zu erreichen, wobei das Pferd allerdings immer am Zügel bleiben muss.

Tritt das Pferd zu schnell zurück, um sich der Stellung (Beizäumung) zu entziehen, so ziehe ich mit der Trense nach vorn, um das schnelle Zurücktreten zu mässigen. So entsteht dann das normale Zurücktreten, wozu die vorausgehende Arbeit nur die Vorbereitung bildete. Es versteht sich von selbst, dass ich nicht nötig habe, den Pferdekopf herabzunehmen, oder dem Pferde auf die Hufe zu treten, wenn ich dasselbe bereit finde, unter richtiger, direkter Biegung ohne weiteres zurückzutreten. Das Herunternehmen des Pferdekopfes ist eben nur von Nutzen, um das Zurückkriechen hinter den Zügel zu vermeiden. Dieses müsste ich doch wenigstens schon kommen sehen, um zu solchen Mitteln zu greifen.

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Erst wenn das Pferd an der Hand willig und in direkter Biegung zurücktritt, beginne ich zu Pferde damit, von ihm dieselbe Arbeit zu fordern.

Zu Pferde wirke ich nicht mit Gewalt auf die Vorhand ein. Es ist geradezu gefährlich, gewaltsame Anzüge zu machen; denn dadurch wirft man das Gewicht zu sehr auf die Hinterhand und führt gezwungenermassen das Zurückkriechen und schliesslich Bäumen herbei. Zu Pferde fange ich deshalb das Zurücktreten auch niemals früher an, als bis ich sicher bin, dass das Pferd beim Anlegen der Schenkel frei vorwärts tritt; denn nur so kann ich die Hinterhand nach meinem Belieben in Bewegung setzen, und gerade diese ist es, durch welche ich das Zurücktreten einleiten muss. Nur ganz leise bediene ich mich der Kandarenzügel zu dem Versuch, das Pferd zur Beizäumung zu veranlassen, nachdem ich es vorher angehalten habe. Dann nehme ich meinen linken Hacken heran. Das schon ziemlich schenkelgehorsame Pferd wird sogleich das linke Hinterbein heben, als wolle es einen Schritt zur Seite machen; denn es hat doch bereits gelernt, dem Sporn nachzugeben. In diesem Augenblick nun mache ich mit dem rechten Trensenzügel einen leichten Anzug von vorn nach hinten, nicht etwa seitwärts, wodurch der Kopf des Pferdes ja eine abweichende Stellung bekommen würde. Der linke Hinterfuss, welcher nun schon in der Luft ist, wird sich also notwendigerweise hinter das rechte Hinterbein in dem Augenblicke stellen müssen, in welchem der rechte Trensenzügel die rechte Schulter zurückweichen lässt. Dann nehme ich meinen rechten Hacken heran. In dem Augenblicke, in welchem das Pferd hierauf eingeht, d. h. also, wenn es das rechte

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Hinterbein erhebt, um einen Schritt seitwärts zu machen, gebe ich mit dem linken Trensenzügel einen Anzug von vorn nach hinten. Die Folge hiervon wird sein, dass das rechte Hinterbein sich notwendigerweise hinter das linke stellen muss, und zwar in jenem Augenblick, in welchem der linke Trensenzügel die linke Schulter zurücknimmt. In dieser Weise habe ich dann zwei Tritte rückwärts vollführt. Ich gebe mich damit zufrieden und beeile mich, mein Pferd zu liebkosen, um ihm zu zeigen, dass es richtig gehandelt hat.

Hat man zwei Tritte erreicht, so ist alles andere Kinderspiel. Indem man dem Pferde öfter zwei, dann vielleicht vier Tritte rückwärts abfordert, wird es mit Leichtigkeit zum Zurücktreten gebracht.

Beim Beginn der Übung zum Zurücktreten gebrauche ich die Sporen nicht, um das Pferd nicht zu erregen, es sei denn, dass es sehr gelassen und wenig empfindlich gegen meine Schenkelhilfe wäre.

Ich habe soeben die Art und Weise beschrieben, wie man sich zu Anfang benehmen soll, um das Zurücktreten zu erreichen. Hieraus soll man aber nicht etwa den Schluss ziehen, mit derartigen wechselnden Schenkelhilfen immer fortfahren zu dürfen; das würde tatsächlich ein Hin- und Herschwanken des Pferdes von einer zur anderen Seite herbeiführen, und das würde ein Fehler sein; denn während des Zurücktretens soll das Pferd ebenso auf der geraden Linie bleiben, wie beim Vorwärtsgehen. Wenn das Pferd begriffen und seine ersten Rückwärtstritte ohne Zwang ausgeführt hat, muss man sich beider Zügel und beider Schenkel bedienen. Damit wird das Zurücktreten dann richtig, und sollten die Hinterbeine dennoch die Neigung zeigen, von der geraden Linie abzuweichen,

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so sind sie leicht davon abzuhalten, wenn man den Schenkel an derjenigen Seite etwas stärker wirken lässt, nach welcher die Kruppe ausfallen will.

Wenn ich sage, dass ich mich des einen oder des anderen Zügels oder Schenkels bediene, so will ich damit nur ausdrücken, dass der Zügel oder Schenkel dort stärker wirken soll, wo ich vermehrte Tätigkeit erzielen will. Bei all und jeder Arbeit sollen die Zügel nur leicht anstehen, ebenso wie die Schenkel immer leicht anliegen müssen. Hände und Schenkel müssen sich ununterbrochen gegenseitig unterstützen.

Es ist gewiss, dass ein Pferd auch ohne Anwendung der diagonalen Hilfen zurücktreten kann, und dass ein Reiter, welcher meine soeben entwickelten Grundsätze nicht befolgt, ein Pferd dazu zwingen kann; aber niemals wird er dann dahin gelangen, sein Pferd in der Hand und dessen Kopf so hoch zu haben, als ginge es vorwärts; niemals würden die Hinterbeine sich dabei ebenso hoch von der Erde erheben, wie die Vorderbeine, und vor allem, die Hinterbeine würden über die vom Sitzbein gefällte Senkrechte nicht hinaustreten. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt wird, so haben wir eben das Zurückkriechen hinter den Zügel. Man halte sich also wohl davon überzeugt, dass bei den Rückwärtsbewegungen alle diese Vorschriften unerlässlich sind!

XV. Das Beizäumen, das Indiehandstellen und die Versammlung. Der Reitertakt.

Bevor ich weiter gehe, will ich die bisher erzielten Resultate noch einmal kurz zusammenfassen. Das Pferd

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schreitet beim Anlegen der Schenkel ganz frei vorwärts, macht sowohl die direkten, als auch die seitlichen Biegungen des Maules richtig, bleibt gut in der Hand, folgt jedem Schenkeldruck sofort, vollführt mit Leichtigkeit die Wendungen auf der Vor- und Hinterhand und geht schliesslich im Vorwärtsschreiten auf alle Direktionsveränderungen willig ein.

Nicht zu vergessen, dass ich während der ganzen Zeit, in welcher ich mein Pferd den verschiedenartigsten Durchlässigkeitsübungen bei der Arbeit zu Fuss unterworfen habe, abwechselnd nebenher immer dieselbe Arbeit zu Pferde habe tun lassen, dabei aber in den Gesamtwirkungen nur darnach trachtend, dass die zu Fuss erzielten Resultate befestigt und verbessert wurden.

Was die Arbeit der Biegungen und des Indiehandstellens, zu Pferde natürlich, anbelangt, so muss ich zu bedenken geben, dass es leichter ist, den Schwung zu benutzen, als ihn herzustellen. Ich verstehe darunter, dass ich zweierlei zu tun habe, wenn ich im Schritt bin:

  1. Mir den Schwung mit den Schenkeln zu verschaffen und dann erst

  2. das Pferd in die direkte oder seitliche Biegung hineinzutreiben.

Befinde ich mich hingegen am Schluss eines Trabes oder Galopps, so bin ich ja in vollem Schwunge und es bedarf nur eines leichten Zügelanzuges mit den Fingern, um das Pferd sowohl in direkter als auch in seitlicher Biegung in die Hand zu stellen; die Schenkel müssen dabei gut heran liegen bleiben. Hierbei ist die Gefahr des Verkriechens hinter den Zügel gleich Null, und deshalb ist dies der günstigste Augenblick,

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in welchem sich das Pferd am leichtesten in die Hand stellt.[1]

Ich komme jetzt zum ,,Beizäumen“, zum ,,Indiehandstellen“ und zur ,,Versammlung“.

Eigentlich gehört, während die ersten beiden Übungen zur Kampagnereiterei rechnen, die ,,Versammlung“ ausschliesslich der hohen Schule an. Man wird wohl verzeihen, wenn ich schon von jetzt ab die ,,Versammlung“ behandle, welche die beiden anderen Übungen in sich schliesst, von denen zunächst das ,,Beizäumen“ und dann das ,,Indiehandstellen“ doch nur die Vorbereitung sind.

Das Wort ,,beizäumen“, welches Baucher entlehnt ist, bedeutet in Wirklichkeit nichts anderes, als ,,Biegung in gerader Richtung“.

Das ,,Beizäumen“ ist der Anfang des ,,Indiehandstellens“. Das Pferd, welches aufgerichtet ist, den Kopf fast senkrecht trägt, das Gebiss annimmt und es auch wieder unter dem Fingerspiel des Reiters loslässt, ist beigezäumt. Aber damit ist es noch nicht durchlässig, weil der Schwung fehlt. Die erzielte Wirkung ist zur Zeit noch beschränkt auf das Maul und den oberen Hals; sie ist doch nur teilweise vorhanden und das allgemeine Gleichgewicht ist noch unvollkommen. Dies ist allerdings der Weg zum vollkom-


  1. Es ist zugleich eine ausgezeichnete Übung, den Trab, oder Galopp im vollen Schwunge unter verstärkter seitlicher Biegung und stärkerem Druck des auswendigen Schenkels zu unterbrechen, wenn sich das Pferd den diagonalen Hilfen widersetzt. Was die direkte Biegung anbelangt, so macht sich diese auf ganz natürliche Weise, wenn man zum Anhalten den richtigen Zeitpunkt wählt, d. h. man muss das Pferd, welches zwischen den nahe anliegenden Schenkeln und den Händen eingeschlossen ist, immer im vollen Schwunge anhalten. ↩︎

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menen Gleichgewicht; es ist die erste Staffel dazu, während das ,,Indiehandstellen“ die zweite, und die ,,Versammlung“ die letzte ist.

Ich muss gestehen, dass ich diesen Ausdruck nur aus Achtung vor dem Ansehen Bauchers beibehalten habe, welcher das Beizäumen im Stillstehen vornahm, während ich die direkte Biegung nur in der Vorwärtsbewegung zu erreichen suche, die mir das ,,Indiehandstellen“ ohne weiteres einbringt.

Ich unterdrücke deshalb in meinem Wortschatz den Ausdruck ,,beizäumen“, welcher eine Tätigkeit von vorn nach hinten bezeichnend, geradezu im Widerspruch zu meiner ganzen Reitkunst steht.[1] Ich kann die direkte Biegung nur so verstehen, dass der Zügelhilfe die vortreibenden, sie unterstützenden und vervollkommnenden Schenkelhilfen vorausgehen.

Die Schenkel müssen ,,annehmen und nachgeben“ wie die Hände, und mit den Händen zu gleicher Zeit, d. h. mit denselben in Übereinstimmung.

So kommt Einklang in die Bewegungen.

Geben die Hände noch immer weiter nach, während die Schenkel ihre vortreibende Wirkung fortsetzen, so kommt das Pferd dadurch, dass der von den Schenkeln hervorgebrachte Schwung von der Hand nicht aufgenommen wird, vor den Zügel. Macht aber


  1. Ein kaltblütiges Pferd, welches sich nicht an die Hand stellt und auf die Schenkelhilfe nur mangelhaft eingeht, könnte man wohl als ,,beigezäumt“ betrachten, wenn der ganze Hals schon vom Widerrist an, nach Bauchers Art, nach unten gebogen ist; aber niemals kann diese Art der Beizäumung zum Gleichgewicht führen, im Gegenteil, sie zerstört dasselbe. Niemals wird diese Art der Beizäumung das ,,Indiehandstellen“ herbeiführen. ↩︎

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die Hand ihre Anzüge, ohne dass die Schenkel ihr den Schwung zur Empfangnahme zuführen, so überzäumt sich das Pferd oder kriecht ganz hinter den Zügel, weil die Hinterhand zurückgeschoben ist.

Der Begriff von ,,Annehmen und Nachgeben“, so wie ich ihn bei Besprechung der direkten Biegung erklärt habe, lässt sich also ebenso gut auf die Tätigkeit der Schenkel, wie auf diejenige der Hände anwenden. Hände und Schenkel sollen immer im Hinblick auf das zu erzielende Resultat in ausgesprochener Übereinstimmung bleiben. Durch diese Verbindung der wechselseitigen Hilfen von Schenkel und Hand, welche gemeinschaftlich wirken, nähert man sich dem ,,Indiehandstellen“ zunächst und erreicht es dann bald vollständig.

Das ,,Indiehandstellen“, eine vortreffliche Bezeichnung aus der alten Schule, ist abhängig vom Gleichgewicht im Schwung, welches erzielt und erhalten wird durch die von der Schenkeltätigkeit hervorgebrachte und von der Hinterhand zur Vorhand getriebene direkte Biegung.

Hier sind wir denn nun inmitten der Bedingungen für die höhere Reitkunst angelangt. Die unter den Schwerpunkt gebrachte Hinterhand treibt vorwärts und erhält das Gleichgewicht durch die Aufrichtung des Halses.[1] Der ganze Schwung der Masse endigt am Gebiss, d. h. an dem einen Ende des Hebelarms, (dessen von vorn nach hinten wirkende Biegsamkeit von hinten nach vorn zunimmt), von wo die Hand des Reiters wieder der Hinterhand so viel davon zurückschickt, als zur


  1. Die Hinterhand unter dem Schwerpunkt ist gleichbedeutend mit ,,Hinterhand tief“ und als Folge hiervon ,,Vorhand hoch“. ↩︎

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Erhaltung des Gleichgewichts notwendig ist.[1] Durch einen neuen Abschwung treibt dann die Hinterhand die Masse abermals vor und so fort. So ist das Pferd nun wirklich in der Hand.[2] Ich füge noch hinzu, dass nach meinem Geschmack das Pferd zugleich auch ,,auf die Hand“ gehen muss.

Ein Pferd ist ,,auf der Hand“, wenn es immer


  1. Der grössere Teil des Schwunges hat natürlich darin seine Verwendung gefunden, dass das Pferd überhaupt vorwärtskommt. ↩︎

  2. Es ist der Glaube verbreitet, dass ein Pferd, welches mit den Zähnen ein knackendes Geräusch hervorbringt, als ob es Nüsse knackte, gut in der Hand wäre; das ist ein Irrtum.

    Ein Pferd, von welchem man glauben könnte, es knacke Nüsse, ist ein solches, welches fortwährend mit den Zähnen ein knackendes Geräusch hören lässt, gleichgültig dabei in welcher Stellung, gewöhnlich geschieht es aber in der Aufrichtung. So ein Pferd ist zwar leicht, das ist wahr, aber ,,in der Hand“ ist es nicht; dazu müsste es dem Fingerspiel des Reiters gehorchen. Das ist aber nur möglich, wenn es das Gebiss loslässt. Also überlässt sich ein Pferd, welches derartig mit den Zähnen knackt, zwar einer natürlichen, aber fehlerhaften Angewohnheit, ohne dabei jemals das Gebiss loszulassen. Richtig ist es allerdings, dass die Beweglichkeit des Maules, welche durch diese üble Angewohnheit hervorgebracht wird, zeigt, dass das Pferd sich nicht steif macht. Auch ist es immer leicht. Man kann sagen, ein Pferd, welches mit dem Maul klappt, ist gewöhnlich gut im Gleichgewicht. Für jeden Dienst der Kampagnereiterei ist so ein Pferd ausreichend feinfühlig im Maul; wenn man aber von ihm die hohe Schule verlangt, so ist es unerlässlich, dass das Pferd sein Gebiss jedesmal annimmt und loslässt, wenn der Reiter es fordert, d. h., wenn er es sich ,,in die Hand“ stellt. Deshalb muss man dem Pferd diese schlechte Angewohnheit unbedingt abgewöhnen durch gesteigertes Abbiegen bis zur völligen Besserung, so wird man nach und nach zum Loslassen des Gebisses kommen und wird sich das Pferd in die Hand stellen.

    Ich bitte, dass man seinem Gedächtnisse folgenden wichtigen Unterschied einprägt: ,,Knackt das Pferd, so verfügt es über sein Maul; ist es aber in der Hand, so steht das Maul zur Verfügung des Reiters. ↩︎

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beigezäumt von Zeit zu Zeit mit dem Gebiss Fühlung nimmt, um so in fortwährender Verbindung mit der Hand des Reiters zu bleiben,[1] kurz ein Pferd ,,geht auf die Hand“, wenn der durch die Schenkel vermittelte Schwung die Sprunggelenke mit aller Entschiedenheit unter den Schwerpunkt bringt und so das Pferd willig auf das Gebiss treibt. Das ist aber nur bei dem Höhepunkt des Indiehandgestelltseins möglich, und das ist eben die ,,Versammlung“. Die Zügel dürfen nur leicht anstehen, um den Schwung von hinten nach vorn durchzulassen, müssen aber auch wieder genügend angespannt sein, um die Verbindung zwischen Gebiss und Hand herzustellen und um den frei auf die Hand kommenden Schwung von hinten zu fühlen, damit man über denselben nach seinem Belieben verfügen kann.

Da das Pferd hierbei notwendigerweise hoch aufgerichtet ist, und hoch mit den Beinen herauskommt, so kann man wohl mit Fug und Recht sagen: ,,Das Pferd geht auf die Hand“!

Jetzt wird man auch verstehen, was es heisst, wenn man sagt, das Pferd sei ,,zwischen der Hand und den Schenkeln“; denn die Hände und Schenkel sind es ja, welche ununterbrochen sich gegenseitig den Schwung zutreiben, auf diese Weise


  1. Ein Pferd, welches in die Hand stösst, ist nicht ,,auf der Hand“, sondern ,,vor der Hand“. Wenn das Pferd, welches ,,auf der Hand ist“, versucht in die Hand zu stossen, um vor die Hand zu kommen, so hält Baucher an, stellt das Pferd wieder zusammen und reitet dann erst weiter.

    Ich hingegen treibe das Pferd mit energischem Schenkeldruck vorwärts, selbst auf die Gefahr hin, Verwirrung anzurichten, und erreiche, dass es durch den Schwung von hinten wieder in die Hand getrieben wird. ↩︎

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das Gleichgewicht erhalten und dabei doch immer nach vorwärts Terrain gewinnen lassen.

Das Schulpferd ist aber völlig „zwischen Hand und Schenkel eingeschlossen“, das Reitpferd hingegen „vor den Schenkeln“ und „auf der Hand“ in dem Sinne, dass es bei freien Gängen einen leichten Stützpunkt auf dem Gebiss nehmen muss.

Das Pferd, welches auf die Schenkelhilfe nicht vorwärts geht, ist „hinter den Schenkeln“. Sein Gewicht ruht zu sehr auf der Hinterhand; mit anderen Worten, es ist zurückgezogen.

Es sind nicht alle Pferde imstande, die „Versammlung“ (ein Ausdruck für den höchsten Grad des „Indiehandstellens“) herzugeben oder zu ertragen; aber alle Pferde können durch ein gutes Gleichgewicht in die Hand gestellt werden, und alle müssen dem unterworfen und daran gewöhnt werden, gleichgültig zu welchem Dienst man sie bestimmt hat.

Das Reitpferd, Jagdpferd, das Soldatenpferd und selbst das Wagenpferd gewinnen nur durch das „Indiehandstellen“ eine gute Haltung, d. h. ein gerades oder horizontales Gleichgewicht.[1]

Man glaubt, dass der Hauptzweck des „Indiehandstellens“ der wäre, dem Pferde ein stattliches Aussehen zu geben; zweifellos erhöht es dessen Wert, aber das ist des „Indiehandstellens“ geringerer Vorzug. Der Hauptzweck ist vielmehr das durch dasselbe


  1. Unter geradem, „horizontalem“ Gleichgewicht verstehe ich ein solches, wie es gewöhnliche Reitpferde annehmen, dasselbe liegt zwischen dem Gleichgewicht des Rennpferdes, welches auf der Vorhand geht, und zwischen dem Gleichgewicht des Schulpferdes, welches sich mehr auf der Hinterhand trägt. ↩︎

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hervorgebrachte Gleichgewicht, welches dem Pferde Gewandtheit, d. h. die Fähigkeit gibt, in allen Gangarten jede beabsichtigte Bewegung ohne Anstrengung und Ermüdung sofort auszuführen. Ausserdem sichert dieses Gleichgewicht dem Pferde eine lange, körperliche Frische, trotz anstrengender Arbeit; denn jedem Körperteil des Pferdes wird nur derjenige Kraftaufwand zugeteilt, welcher ihm naturgemäss zukommt. In dieser Weise vermeidet man den vorzeitigen Verbrauch des Pferdes; denn keines seiner Organe wird überlastet oder übermässig angestrengt.

Wenn das Soldatenpferd gleich bei Beginn der Dressur in ausreichender Weise nachgiebig und biegsam gemacht wäre, wenn der Kavallerist, welcher es reitet, den richtigen Begriff von dem kunstgerechten Gleichgewicht hätte, und verstünde, davon im richtigen Augenblick Gebrauch zu machen, so würde die Kavallerie dadurch in ihrer äusserlichen Erscheinung, in ihrer Dauerhaftigkeit und an innerem Wert nur gewinnen. Der Reiter würde zu sich und seinem Pferde Vertrauen haben, würde ungezwungener, geschickter und umsichtiger sein. Das Pferd aber würde länger aushalten und ausdauern; ihm selbst und dem Staatshaushalt würde Erleichterung verschafft werden.

Man soll aber durchaus nicht glauben, dass das „Indiehandstellen“ unausgesetzt und ununterbrochen in Anwendung kommen müsste. Man soll mir nicht nachsagen, dass ich etwa die Anforderung stellte, man müsse beim Spazierenreiten, im Jagdfelde, auf dem Marsch oder in der Attacke sein Pferd während der ganzen Zeit zusammengestellt lassen. Weit entfernt davon! Ich bin vielmehr ein entschiedener Feind von langer andauernder Zusammenstellung und noch mehr

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von einer ununterbrochenen. Ich behaupte nur, dass man es verstehen und in seiner Gewalt haben muss, sein Pferd bei allen Gelegenheiten, in allen Gangarten sich in die Hand stellen zu können, dass man dies aber nur von Zeit zu Zeit und in gewissen Fällen tun darf. Das ist allerdings in schwierigen Momenten durchaus nötig, z. B. wenn man Widersetzlichkeit von seiten des Pferdes zu gewärtigen hat, oder besonders, wenn sich dasselbe aus Müdigkeit, aus Schlaffheit oder aus irgend einem anderen Grunde gehen lässt, anstösst und aus dem Gleichgewicht kommt. Das beizäumende Indiehandstellen stellt unvermeidlich das Gleichgewicht wieder her. Das gerade ist sein grosser Nutzen, seine in jeder Beziehung wohltätige Wirkung.

In dieser Weise können alle Pferde in die Hand gestellt werden, aber nur wenige sind so vollkommen gebaut, dass man sie der „Versammlung“ aussetzen dürfte.

Was versteht man denn eigentlich unter „Versammlung“? Das ist der höchste Grad des Indiehandstellens; das ist das vollkommene Gleichgewicht des Pferdes im Gange, in allen seinen Bewegungen. Das ist die vollkommenste Zusammenstellung eines gut durchgebogenen Pferdes; selbst die Rippen, Rückenwirbel, Hanken und Sprunggelenke sind biegsam; die letzteren treiben das ganze Pferd mit grosser Kraft vorwärts; die gut entbundenen Schultern sind frei und beweglich; der Hals ist hoch aufgerichtet, und das Maul gibt dem Fingerspiel mit Leichtigkeit nach; alle Körperteile des Pferdes treten in Tätigkeit und tragen gleichmässig dazu bei, ein festes, harmonisches und ungezwungenes Ganzes zu bilden. Das Gleichgewicht

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ist zugleich so vollkommen und so verlegbar, dass der Reiter deutlich fühlt, wie er schon auf die leiseste Andeutung seines Willens hin sein Pferd völlig beherrscht. Beide schweben sozusagen in der Luft, sind bereit, davonzufliegen.

Wie gelangt man aber dahin, die Zusammenstellung derartig zu vervollkommnen und bis zu der Höhe dieses idealen Gleichgewichts zu bringen?

Wenn man die Handgriffe zum Indiehandstellen und die vortreibende und die zurückgebende Kräfteentfaltung von den Schenkeln zu den Händen, und von den Händen zu den Schenkeln richtig verstanden hat, wird man sich erinnern, dass die Hand von dem erhaltenen Schwung so viel durchlässt, als zum Vorwärtskommen des ganzen Pferdes notwendig ist, und nur so viel an die Hinterhand zurückgibt, als diese zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts braucht. Dies ist aber nur durch eine sehr geschickte Fingerfertigkeit, durch ein unaufhörliches Fingerspiel zu erreichen und demjenigen auf dem Klavier zu vergleichen, was Feinheit und Schnelligkeit anbetrifft. Wie stellt sich nun das Verhältnis der Kraftmenge dar, welche die Hand nach vorwärts durchlässt und welche sie zurückhält? Das ist eben die Frage! Darin besteht eben der Reitertakt, mit einer absoluten Genauigkeit bei jedem Tritt durch richtige Berechnung der Hilfen die Kraftmenge derartig zu bemessen, dass im Höhepunkt des Abschwungs die Hinterhand von der hingegebenen Kraft nur gerade so viel zurückerhält, als sie zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts braucht. Halten die Finger mit unzureichender Entschiedenheit gegen, so wird der Schwerpunkt ein wenig zu weit nach vorn verrückt, und das Pferd ist bereit, über die

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richtige Anlehnung an die Hand hinauszugehen. Halten indes die Finger mit zu viel Kraft gegen, so wird der Schwerpunkt ein wenig zu weit nach hinten verlegt, die Hinterhand wird zu niedrig und die Sprunggelenke entfernen sich zu weit vom Schwerpunkt. In beiden Fällen ist von Versammlung keine Rede mehr. Die Finger müssen eben mit absoluter Genauigkeit die Verteilung des Schwungs vornehmen.[1] Und diese schwierige Aufgabe stellt sich uns mit jedem Tritt entgegen, welcher natürlich weder mit dem vorangegangenen, noch mit dem nachfolgenden identisch ist. Das ist eben die grösste Feinheit in der Reitkunst. Dennoch gelangt man durch gründliche Arbeit und Beharrlichkeit dahin, eine Zusammenstellung des Pferdes zu erreichen, welche sich der Versammlung nähert, oder hin und wieder selbst schon eine solche ist. Aber die Versammlung durch einen geschickten Gebrauch der Finger ununterbrochen aufrecht zu erhalten, das ist nur sehr wenigen Reitern gegeben.[2]


  1. Für den Reiter, welcher sein Pferd gut fühlt, d. h. dann fühlt, wenn die vollkommene Versammlung erzielt ist, ist die Übereinstimmung, die Verbindung zwischen Reiter und Pferd derartig, dass die Kraft des Abschwungs und die gesamten Hilfen des Reiters sich fortpflanzen und von einem zum anderen sich übertragen ohne Stockung oder Unterbrechung. ↩︎

  2. Es ist ganz unmöglich, eine gute Versammlung zu erreichen und beizubehalten, wenn das Pferd während der ganzen Dressur nicht unaufhörlich vollständig gerade gehalten wird.

    Wenn man nicht erreicht, das Tier mit seinem ganzen Körper in gerader Richtung zu erhalten, welche oben am Genick beginnt, und am Schweif endigt, so kann und wird sich das Pferd der Versammlung entziehen. Welcher Körperteil des Pferdes auch von der Geraden abweichen mag, ist gleichgültig, ob es die Hanken, Schultern oder das Pferdemaul sind, die ↩︎

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Reite ich selbst doch schon fünfzig Jahre und bin doch erst seit zehn Jahren imstande, eine vollkommene Versammlung beim Pferde zu erreichen und zu erhalten. Es ist wahr, dass ich lange Zeit hindurch nach den teilweise unrichtigen Lehren Bauchers gearbeitet habe. Aber Tatsache bleibt es doch, dass ich während langer Jahre stets gefühlt habe, wie mir die wirkliche Versammlung durch die Verschiebung des Schwerpunkts, sei es nach vorn oder nach hinten, entging. Es bedurfte einzig und allein noch der Verfeinerung meines Reitertaktes und infolgedessen meiner Hilfen, um zu der vollkommensten Versammlung zu gelangen und um diese auch im höchsten Schwunge festzuhalten.

Aber damit ist’s noch nicht genug. Es gibt nicht nur Bewegungen auf gerader Linie, sondern auch noch seitliche und wendende Bewegungen. Bei solchen tritt dann immer ein Schenkel mehr als der andere in Wirkung, und unter diesen Umständen ist der Schwung, der zum Gebiss gelangt, nicht mehr gleichmässig auf beide Hände verteilt: z. B. kann dadurch der rechte

seitlich ausweichen, anstatt auf gerader Linie nachzugeben, das Resultat davon wird immer sein, dass dem Schwunge entgegengearbeitet wird, und ohne vollen Abschwung gibt es eben keine Versammlung.

Der Reitertakt zeigt sich zuerst, wenn man fühlen gelernt hat, ob das Pferd sich gerade hält. Sobald sich die geringste Abweichung von der Geraden bemerklich macht, werfen die Schenkel sich die Hinterhand gegenseitig zu, während die Zügelhilfen, welche doch mit den Schenkelhilfen übereinstimmen müssen, die Vorhand wieder geradestellen. Dies ist der Augenblick, wo der Reiter sein Pferd zu fühlen und die Bedeutung des Reitertaktes zu verstehen beginnt, und zwar dadurch, dass er mehr oder weniger fein wahrnimmt, wie die Stellungen der Vorhand und der Hinterhand zueinander wechseln, bis das Pferd wirklich gerade gerichtet ist.

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Schenkel mehr den Schwung nach der linken Hand abgeben und umgekehrt. Es ist doch, um z. B. das Gleichgewicht auch bei der Wendung nach links aufrecht zu erhalten, notwendig, dass die linke Hand (dabei immer im Einklang mit der rechten Hand) dem Schwerpunkt eine grössere Menge Kraft zurückgeben muss, welche um so schwieriger zu bemessen ist, als derselben Hand unter Aufrechterhaltung der Versammlung auch die Aufgabe zufällt, eine Wendung (nach links) einzuleiten und zu regeln.[1]

Wenn man jetzt auch noch bedenkt, dass bei jeder Arbeit in der Reitkunst das Pferd entweder vorwärts geht oder sich verhält und beständig versucht, nach rechts oder nach links mit den Hanken oder Schultern auszuweichen, so sieht man, dass es sich, um das vollkommene Gleichgewicht auch in der Bewegung festzuhalten, um nichts Geringeres handelt, als diejenigen Bewegungen, welche das Pferd ausführt, und diejenigen, welche es vorbereitet, gleichzeitig wahrnehmen zu müssen, um sie in Einklang zu bringen durch Gleichzeitigkeit der Hilfen, und um so das erstrebte, ideale Gleichgewicht daraus hervorgehen zu lassen.

Ich sagte soeben bezüglich der Versammlung in der Bewegung auf gerader Linie: „Das ist die grösste Feinheit in der Reitkunst!“ Ja, die unaufhörliche Versammlung nicht nur während der seitlichen und wendenden Bewegungen des Pferdes, sondern die Versammlung in allen Bewegungen, in welcher Verbin-


  1. Die Schwierigkeit ist so gross, dass selbst Baucher eingesteht, wie ihm die Durchlässigkeit bei den Wendungen verloren gegangen sei. Der Fehler lag weniger am Reiter, als an der schlechten Stellung des Halses, welche ich schon angedeutet habe. ↩︎

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dung sie sich auch zeigen mögen, das ist die höchste Kunstfertigkeit, das ist der Vollbesitz des Idealen!

Dann sind in der Tat zwei Lebewesen in völliger Übereinstimmung, der Reiter ist förmlich in seinem Pferde ganz aufgegangen; die Wahrnehmung der Eindrücke, welche das Pferd empfindet, gelangt so unmittelbar und so überraschend schnell bis zum Gehirn des Reiters, jede Tätigkeit desselben entspricht so sicher und genau der übereinstimmenden Tätigkeit des Pferdes, dass dieses darauf rechnet, entgegenkommt und sich augenblicklich damit in Übereinstimmung setzt. Von da ab hat das Pferd in Wirklichkeit nur Reflexbewegungen[1]; es gibt nur noch ein Gehirn, das des Reiters. Ich hatte also wohl recht, zu behaupten, dass dieses das erträumte Ideal wäre.

Wie man aber zu diesem feinen Gefühl gelangt, zu dieser Feinfühligkeit des Empfindens, zu dieser schnellen Erkenntnis aller jener vom Pferde gerade ausgeführten Bewegungen mit all ihren feinen Unterschieden, welche die nachfolgende Wirkung vorbereiten sollen — alles das kann man aus einem Buche nicht lernen. Dazu gehört praktische Erfahrung, Arbeit und vor allem natürliche Anlage, und ausserdem, dass der Reiter Passion für das Pferd hat.

Im Gesäss und in den Schenkeln muss der Reiter mit einer unfehlbaren Sicherheit alles das fühlen, was unter ihm vorgeht; ob die Sprunggelenke mehr oder weniger schnell unter den Schwerpunkt geschoben werden, oder ob sie zurückbleiben, welches Bein sich hebt und wie hoch, ob die Kruppe sich anschickt auszuweichen und dergleichen mehr. Vermittelst Hand


  1. Das ist die Nerventätigkeit ohne Gehirntätigkeit. ↩︎

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und Schenkel, unterstützt durch den Blick, soll der Reiter die Tätigkeit und besonders die Absichten des Maules, Kopfes, Halses und der Schultern fühlen. Weil gerade die Vorhand es ist, welche die vom Pferde beabsichtigte Bewegung zuerst veranlasst, kann man sagen, dass die Hand fühlen soll, was das Pferd denkt.[1]

In dieser Weise wird der Reiter eine richtige Vorstellung von dem vollkommenen Gleichgewicht des Pferdes und das Bewusstsein haben, über die Kräfte des Pferdes jederzeit frei verfügen zu können.[2]

Über diesen Punkt kann ich weiter nichts sagen; ich verweise den Leser auf die Praxis.


  1. Die Arbeit der hohen Schule bringt natürlich, was das Gefühl anbelangt, grössere verwickelte Zustände in den Hilfen mit sich, auf Grund der Genauigkeit, welche sie erfordert.

    Für den Reiter am schwersten wahrnehmbar ist der sogenannte „Elsternsprung“, welcher darin besteht, dass das Pferd, um sich zu schonen, die beiden hinteren Gliedmassen gleichzeitig zur Erde setzt. Wenn die Bewegung weich ist, und wenn die Fesselgelenke sich biegen, so ist das nicht leicht zu bemerken. Wenn man dem Pferde indes erlaubt, diese Gewohnheit anzunehmen, geht alle Regelmässigkeit verloren. ↩︎

  2. Um ein richtiges Bild vom versammelten Pferde zu haben, besichtige man die photographischen Abbildungen im weiteren Verlauf dieses Werkes. Ich lege grossen Wert auf diese photographischen Abdrücke, weil sie keine Täuschung zulassen. Wenn man sich die Mühe gibt, sie mit Aufmerksamkeit zu betrachten, wird man bemerken, dass mein Pferd selbst in der energischsten Arbeit der hohen Schule das gerade oder horizontale Gleichgewicht beibehält. Beim Gleichgewicht der hohen Schule ist das Pferd häufig zu viel auf die Hinterhand gesetzt. Der grosse Schwung nach vorwärts, welchen ich immer anstrebe, erhält mein Pferd in dem wagerechten Gleichgewicht, gleichgültig, wie hoch die Aktion der Vorhand ist. ↩︎

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XVI. Das Seitwärtstreten und die Gänge auf zwei Hufschlägen (Seitengänge).

Ich habe schon vorstehend die „Versammlung“, welche eigentlich der „hohen Schule“ angehört, behandeln müssen, wegen des „Indiehandstellens“, welches uns dahin führt. Ebenso bin ich jetzt genötigt, zugleich vom Seitwärtstreten und von dem Gang auf zwei Hufschlägen zu sprechen, weil diese beiden Gangarten sehr ähnlich sind, obwohl ersteres der Kampagnereiterei[1] angehört, während letzteres ausschliesslich der „hohen Schule“ zukommt.

Beim Seitwärtstreten und mehr noch in den Seitengängen, weil diese in schnelleren Tritten ausgeführt werden müssen, bedarf es der besonderen Beachtung des Reiters, sein Gewicht deutlich nach derjenigen Seite zu verlegen, nach welcher das Pferd tritt.

Dies hervorzuheben ist um so notwendiger, als das Pferd durch die seitliche Bewegung den Reiter ganz naturgemäss nach der der Seitwärtsbewegung entgegengesetzten Seite hin aus dem Sitz bringt. Hierdurch kann sogar der Reiter, wenn das Seitwärtstreten schnell und schneller wird, ganz leicht nach der der Trittrichtung entgegengesetzten Seite aus dem Sattel kommen.

Der Reiter muss sich also nach links in den Sattel und Bügel hineinlegen, wenn das Pferd von rechts nach links übertritt.


  1. Die Nützlichkeit dieser Bewegung wird aus der Notwendigkeit ersichtlich, sich draussen zu Pferde in allen Gangarten rangieren zu müssen. ↩︎

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Diesen Sitz, welchen der Reiter dem Pferde anpasst und welcher beiden ein und denselben Antrieb nach dieser Richtung gibt, gewährt auch den Vorteil, die rechte Schulter zu entlasten, welche ja den grösseren Weg zu machen hat. Es gehört ein gewisses Mass von praktischer Übung dazu, um hierbei zu einem guten Resultat zu kommen; denn, ich wiederhole es, die Seitwärtsbewegung des Pferdes gibt dem Reiter naturgemäss eine dieser Bewegung entgegengesetzte Haltung. Niemals fange ich an der Bande damit an, vom Pferde das Seitwärtstreten zu verlangen, das hiesse, unnötig Schwierigkeiten hervorrufen durch das plötzliche Aufhören des Schwunges nach vorwärts, welches sich unwillkürlich dann einstellt, wenn ich, wie z. B. beim Passieren der Ecke, eine andere Richtung einzuschlagen gezwungen bin. Durch das plötzliche Verlassen der Bande halte ich gezwungenermassen, die Vorwärtsbewegung auf.

Ich lasse die ersten Tritte seitwärts am Ende eines Handwechsels (Changieren durch die ganze Bahn) ausführen, z. B. von rechts nach links. Ich befinde mich auf der linken Hand, habe also die Bande zu meiner Rechten. Von dort her nahe bei der Bande anlangend, welche sich am Ende des Handwechsels zu meiner Linken befindet, führe ich beide Hände nach links, lege beide Schenkel fest an und lasse den rechten Schenkel stärker wirken. Der linke Trensenzügel zieht, und der rechte schiebt, während er auf den Hals drückt, die Schulter in gleicher Weise nach links. Man sieht, dass dies genau dieselben Hilfen wie zu den Wendungen auf der Hinterhand sind; jedenfalls vollführt sich das Seitwärtstreten an dieser Stelle der Bahn so, dass man dabei nach vorwärts mehr Terrain gewinnt.

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Wenn das Pferd meinem rechten Schenkel nicht nachgibt, helfe ich mir mit dem rechten Trensenzügel, um die Hinterhand nach links zu bringen.[1]

Wenn das Pferd aber nur zwei oder drei Tritte seitwärts mache, gebe ich mich zufrieden, liebkose es und gebe meine Zügel nach. Dann changiere ich abermals durch die Bahn von links nach rechts, indem ich die Wand, welche jetzt zu meiner Linken ist verlasse. Während des Vorschreitens auf der Diagonale stelle ich mein Pferd soviel als möglich geradeaus, wenn ich aber die entgegengesetzte Wand, welche sich nun zu meiner Rechten befindet, fast erreicht habe, bringe ich beide Hände nach rechts und nehme den linken Schenkel fester heran, wobei ich ausserdem mit Hilfe beider Schenkel das Pferd auf die Hand treibe. Ich bemerke hier, dass die Hand von diesem ergänzenden, vortreibenden Schwung den Nutzen ziehen muss, um mit einem geringeren Widerstande aus der Vorwärtsbewegung in eine Bewegung von links nach rechts überzugehen.[2]


  1. Mit anderen Worten, ich greife nicht, wie sonst immer, auf seitliche Hilfen zurück, nur im Falle des durch mangelhafte Unterweisung des Pferdes hervorgegangenen Widerstandes. Aber auf der Stufe, bis zu welcher wir jetzt gekommen sind, sollte die Dressur des Pferdes so weit vorgeschritten sein, dass die diagonalen Hilfen vollendete Resultate ergeben müssten. ↩︎

  2. Der energische Schwung ist die erste Bedingung für eine auf zwei Hufschlägen korrekt ausgeführte Arbeit; sie ergibt sich durch die vorherrschende Wirkung des äusseren und durch die kräftige Unterstützung des inneren Schenkels.

    Sobald bei der Arbeit auf zwei Hufschlägen das innere Hinterbein zu weit seitwärts, anstatt unter den Schwerpunkt tritt, wie es notwendigerweise eintreten würde, wenn der Schwung da wäre, so ist das Pferd eben hinter den Zügel gekrochen und geht nicht auf die Hand. Der Fehler liegt in der Unzulänglichkeit des inneren vortreibenden Schenkels, ↩︎

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Ich setze diese Arbeit ziemlich lange fort und steigere meine Ansprüche je nach den erzielten Fortschritten. Ich will damit sagen, dass ich mich anfangs schon zufrieden stelle, wenn das Pferd zwei oder drei Tritte seitwärts gemacht hat. Aber sobald es ihm leichter wird, fordere ich immer dann, wenn wir uns der Wand nähern, derart mehr vom Pferde, dass es fünf oder sechs Tritte seitwärts machen kann. Später beginne ich das Seitwärtstreten schon in der Mitte der Bahn, so dass ich zwölf bis fünfzehn Tritte machen kann. Schliesslich gehe ich zur Arbeit des „Schulterherein“ über.[1] [Das Schulterherein (épaule en dedans) des Verfassers entspricht dem jetzt allgemein üblichen „Renvers“. Das wirkliche von Guérinière eingeführte Schulterherein und das Konterschulterherein ritt Fillis überhaupt nicht, macht es deshalb in vorliegendem Werk auch nicht zum Gegenstand der Besprechung.

Mit „Schulter an die Wand“ (épaule au mur) oder Schulter heraus ist stets unser „Travers“ gemeint.

Um Irrtümer zu vermeiden, werden hinfort immer die Bezeichnungen Renvers und Travers gebraucht werden. Der Übersetzer.]

durch dessen mangelhafte Einwirkung auch eine entsprechende unzulängliche Tätigkeit des äusseren Schenkels obendrein noch bedingt ist.


  1. Travers reite ich erst, wenn das Pferd in der Dressur weiter vorgeschritten ist. Neigt doch das Pferd gar zu leicht dazu, die Mauer als Richtschnur zu nehmen, anstatt ausschliesslich den Hilfen des Reiters zu folgen.

    Ich bin ein Feind der fortwährenden Arbeit an der Wand. Wenn das Pferd geradeaus geht und sich lediglich darauf beschränkt, der Wand zu folgen, in welcher Gangart es auch sei, so lässt es sich von derselben viel mehr als von den Hilfen des Reiters leiten. Es sucht hieran von selbst eine ↩︎

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Übrigens ist die Zahl der Seitwärtstritte, welche man erreichen könnte, weniger von Belang.

Unerlässlich ist es aber, streng darauf zu achten, dass das Pferd richtig gestellt ist, d. h. die Vorhand muss der Hinterhand immer voraus sein. Das ist die einzige Stellung, welche das Seitwärtstreten erleichtert. In dieser Stellung liegt alles.

Zu Beginn der Arbeit versuche ich, dem Pferde kadenzierte Tritte beizubringen, aber erst in dem

Art von moralischem Stützpunkt zu nehmen und seine natürliche Neigung geht dahin, die Kruppe von der Wand ein wenig ab, und dafür die Schulter wieder an die Wand heranzunehmen; darin liegt eben die Schwierigkeit, sein Pferd gerade und wirklich zwischen beiden Schenkeln zu halten.

Beim Reiten auf zwei Hufschlägen leitet die Wand das Pferd so gut und leistet ihm eine so grosse Hilfe, seinen Schultern eine eigenmächtige Richtung zu geben, dass es nicht zögern wird, Missbrauch damit zu treiben, indem es zu dicht an der Wand dahinstreicht. Oft artet dies sogar in Widersetzlichkeit aus. Entfernt man das Pferd von der Wand, dann ist man genötigt, den Schultern, welche von nun an der allein massgebenden Hand überliefert sind, die Richtung anzugeben. Sobald das Pferd beim „Renvers“ zurückkriecht und der Wand mit der Hinterhand zu nahe kommt, unterbreche man sofort den Gang auf zwei Hufschlägen; ohne dem Pferde eine andere Stellung zu geben, treibe man es mit den Schenkeln vorwärts und lasse es ein „Doublé“ machen. Es gibt gar keine geeignetere Übung, um auf zwei Hufschlägen den Schwung wieder herzustellen, und um das Pferd unbeeinflusst von der Wand zu machen.

Man ist niemals Herr des Pferdes, welches man die Gewohnheit annehmen lässt, an der Wand zu bleiben. Dies ist eine schlechte Vorbereitung ebensowohl für die Reiterei im Freien, wie für die Schulreiterei, deren erste Bedingung ist, dass das Pferd immer zwischen den Schenkeln des Reiters bleibt, oder um mich deutlicher auszudrücken, einzig und allein durch die Hilfen des Reiters geleitet wird. Arbeite man doch öfter sein Pferd, einen oder zwei Meter von der Wand entfernt!

Wenn das Pferd die üble Gewohnheit angenommen hat, mit den Schultern nach der Wand zu drängen, in welcher

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Augenblick, wo ich ihm den Seitengang abverlange. Mit den Worten „dem Pferde kadenzierte Tritte beibringen“ will ich sagen, es den Schultritt annehmen lassen. In dieser Gangart tritt das Pferd lebhafter, und das Seitwärtstreten darin ist insofern leichter, als die Vorderbeine und ebenso die Hinterbeine sich bequemer bewegen können, ohne sich zu berühren, was beim gewöhnlichen Schritt unmöglich ist.[1]

Bis hierher habe ich absichtlich den Ausdruck „Seitwärtstreten“ und nicht „Gang auf zwei Huf-

Weise würde man es dann wieder geradeaus stellen? Und wenn man es auf dem Gang auf zwei Hufschlägen von der Wand zur „halben Bahn“ abwenden will, oder zur „halben Volte“, welche Hilfe würde man anwenden müssen?

Nehmen wir an, der Reiter wäre auf der rechten Hand. Unwillkürlich wird er an dem rechten Trensenzügel ziehen, um die linke Schulter von der Wand abzubringen. Das ist eben der Fehler, denn indem man am rechten Zügel zieht, bringt man nur Kopf und Hals nach rechts, die Schulter aber wird dadurch noch mehr nach links geschoben.

Wenn man die linke Schulter von der Wand losmachen will, dann bringe man gefälligst den linken Trensenzügel zuerst nach oben vorwärts an den Hals, dann nach rechts, indem man dabei den rechten Trensenzügel leicht gegenhält, und so wird man dann den gesamten Hals nebst Schultern mit Leichtigkeit nach rechts führen.


  1. Um das Seitwärtstreten von links nach rechts auszuführen, ist es nötig, dass das Pferd das linke Vorderbein und das linke Hinterbein, eines nach dem andern über das korrespondierende rechte Bein setzen muss, um nach rechts hin Terrain zu gewinnen. Also wenn das Pferd im gewöhnlichen Schritt ist, sind die Gänge zu schleppend und niedrig, als dass die Beine übereinander hinwegtreten könnten, ohne sich zu berühren. Beim Seitwärtsschreiten im Schultritt aber passieren die linken Beine nacheinander das korrespondierende rechte Bein, und werden erst — das ist der wichtige Punkt und die Folge des Schultritts — in dem Moment zur Erde niedergesetzt, in welchem das rechte Bein aufgehoben wird; so können sich die Beine also nicht störend begegnen. ↩︎

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schlägen“ gebraucht, denn man beginnt doch immer mit dem Übertreten. Von da bis zu dem „Gang auf zwei Hufschlägen“ ist noch ein weiter Weg.

Wenn das Pferd die Arbeit ausführt, welche ich soeben beschrieben habe, sagt man, auch wenn es den Kopf und Hals dabei noch so schlecht stellt, „es tritt seitwärts“. Dass aber diese Arbeit ein „Gang auf zwei Hufschlägen“ genannt zu werden verdiente, dazu gehört auch richtige Stellung. Ein Pferd geht wirklich auf zwei Hufschlägen, wenn es seitwärts auf zwei parallelen Linien vorgeht, deren eine von der Vorhand, deren andere von der Hinterhand vorgezeichnet wird. Das Pferd rückt seitwärts vor, Kopf und Vorhand sind der Hinterhand immer voraus, Kopf und Hals sind aufgerichtet und leicht nach derjenigen Seite hin gestellt, nach welcher das Pferd tritt. Es ist überhaupt notwendig, dass das Pferd gut, d. h. leicht in der Hand ist, und dass es immer schultrittartigen Gang beibehält.

Das ist die Arbeit, welche ich für die langwierigste und schwierigste halte; wollte man dieselbe gleich von vornherein vollständig und korrekt verlangen, so würde man zu nichts kommen, sondern sofort eine Widersetzlichkeit hervorrufen, weil das Pferd noch nicht durch die Schule der seitlichen, der direkten und der diagonalen Einwirkungen gegangen ist, welche wir vorstehend beschrieben haben.[1]


  1. Ein Pferd, welches man beständig vermittelst einseitiger Hilfen allein bearbeiten wollte, kann nie ein gutes Schulpferd werden. Es erscheint wenig gefällig, und seine Arbeit unzusammenhängend. Es ist Tatsache, dass bei der einseitlichen Reitkunst das Pferd den Kopf und Hals meistens nach der der Marschrichtung entgegengesetzten Seite trägt, wodurch die Versammlung geradezu unmöglich wird, weil beide Hilfen (Zügel- und Schenkel-Hilfen) von ein und derselben Seite ↩︎

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Ich halte mich hier lange bei der Beschreibung der Arbeit auf zwei Hufschlägen auf, weil die letztere grossen Einfluss auf die Folgedressur hat, in welcher sich beim Abschwung immer dieselbe Gesamtwirkung der diagonalen Hilfen wiederfindet.

Wenn das Pferd auch auf zwei Hufschlägen zu gehen versteht, sucht es dennoch nach allen erdenklichen Mitteln, um sich der Versammlung zu entziehen. Zuerst gibt es auf den stellenden (äusseren) Schenkel nicht nach, dann gibt es demselben zu viel nach und wirft sich gegen den entgegengesetzten (inneren) Schenkel; es flieht förmlich nach der Seite hin.

Ich nehme an, der Reiter befindet sich im Travers rechts und das Pferd sucht alle Anstrengungen des Reiters, es in der Hand und in guter Haltung zu behalten, zu vereiteln, indem es z. B. anfängt, sich gegen den linken (auswendigen oder direkten) Schenkel zu werfen, so empfängt es einen Spornstich und das Tier muss wohl oder übel nachgeben. Nun versucht es, zurückzukriechen; um es wieder vorzutreiben, muss man jetzt den rechten Schenkel (d. i. den inneren) gebrauchen. Und weil man nun den Sporn des inneren Schenkels fast niemals in Anwendung bringt, aus Furcht, das Pferd dadurch wieder gerade zu richten, so wird dieses sich kurz entschlossen gegen diesen Schenkel werfen, sich förmlich nach dieser Seite flüchten, wodurch abermals der Reiter daran verhindert

einwirken, man aber von der anderen Seite nichts entgegenzustellen hat, und welche sich daher einem leicht entzieht.

Man muss doch ununterbrochen mit beiden Zügeln und beiden Schenkeln einwirken, und zwar muss grundsätzlich der der Stellung entgegengesetzte Zügel und Schenkel in doppelter Stärke vorherrschen.

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wird, das Pferd in die Hand zu stellen und den Gang auf zwei Hufschlägen zu regeln.

Das Mittel dagegen ist sehr einfach. Es genügt, wenn das Pferd sich gegen den inneren Schenkel wirft, dass man es von dieser Seite sogar ziemlich kräftig mit dem Sporn angreift und es dadurch zwingt, sich wieder geradeaus zu stellen. Greift man jedesmal, wenn das Pferd sich nach dieser Seite wirft, zu diesem Auskunftsmittel, so wird es sehr bald davon zurückkommen.

Man sieht, es liegt System darin, durch Unordnung Ordnung zu schaffen. Dieses Verfahren, welches alle diejenigen verwerfen, welche nicht den Mut haben, es anzuwenden, ist das einzige, welches die Herrschaft des Reiters über das Pferd unbestreitbar herstellt. Hierdurch lernt das Pferd erkennen, dass sein Eigenwille auf unüberwindliche Hindernisse stösst. Ist dieser Punkt unter abwechselnden Liebkosungen und Strafen erst erreicht, dann gehört ihnen das Pferd ganz.[1]

In dem Masse, wie man die Gangart verstärkt, um in der Arbeit auf zwei Hufschlägen vom Schultritt


  1. Alle Pferde ohne Ausnahme, welche gelernt haben, auf zwei Hufschlägen zu gehen, treiben Missbrauch damit. Haben sie erst einmal die Fertigkeit erlangt, in halben Volten und Handwechseln auf zwei Hufschlägen richtig zu gehen, so stellen sie sich alsbald quer, wenn man von ihnen diese Bewegung im Geradeausgestelltsein verlangt. Durch diese Widersetzlichkeit entziehen sie sich der hohen Versammlung; denn, wenn man das Pferd geradeausstellt, zwingt man die Sprunggelenke, unter den Schwerpunkt zu treten, und das eben sucht das Pferd zu vermeiden, indem es sich quer stellt. Die Schenkel des Reiters müssen das verhindern. Später, wenn die Dressur vollendet ist und das Pferd immer in hoher Versammlung erhalten werden kann, dann wird diese Art des Widerstandes ihm keinerlei Nutzen mehr bringen. ↩︎

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Tafel XX Fig. 1 Fig 2

Tafel XX

Fig. 1

Fig 2

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zum Trab, und selbst zum starken Trab überzugehen, in dem Masse werden auch die passenden Hilfen immer schwieriger. Man muss das Pferd durchaus geradeaus und gut in der Hand haben, denn jede Hilfe, welche man zur Beseitigung der etwa quer gestellten Hinterhand oder der verloren gegangenen Haltung der Vorhand geben würde, hemmt den Schwung, welcher gerade hierbei ausserordentlich energisch sein muss. Um das Maximum des Schwunges, d. h. die lebhaftesten Tritte zu erzielen, muss man also unbedingt sowohl die Vor- wie die Hinterhand auf ihrem Hufschlage erhalten und hierzu die Kraft beider Schenkel in Einklang bringen. Diese geben dann zu der feinen Durchführung jener unablässig wirkenden diagonalen[1] Hilfen den Schwung, der gestattet, dem Pferde die Haltung zu bewahren, ohne an Schwung einzubüssen. Dieser Schulgang ist vielleicht der beschwerlichste von allen, wegen der ausserordentlichen Schwierigkeit, im grossen Schwunge die Wirkung der Hilfen richtig zu kombinieren.

Eine nicht geringere Schwierigkeit besteht darin, das Pferd immer gerade zu erhalten; die Richtung des Schwunges geht selbst bei der Arbeit auf zwei Hufschlägen immer zwischen beiden Pferdeohren hindurch, vorausgesetzt, dass der Kopf richtig gestellt ist.

Am allerschwersten ist es für den Reiter beim Gang auf zwei Hufschlägen im beschleunigten Trabe


  1. Die Feinheit, mit welcher die diagonalen Hilfen ausgeführt werden müssen, verträgt sich sehr wohl mit der Energie der Schenkel, weil sie hervorgeht aus dem leichten Übergewicht der einen Hilfe über die andere. Kurz, die wahren Hilfen sind: energische Schenkel, feinfühlige Hacken, leichte Hand. ↩︎

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die korrekte Haltung beizubehalten; vermehrt wird dies noch durch den Hang des Reiters, sein Körpergewicht nach der der Marschrichtung des Pferdes entgegengesetzten Seite zu verlegen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit unaufhörlicher Aufmerksamkeit. Bezüglich des Pferdes besteht die grosse Schwierigkeit darin, ihm genug Energie einzuflössen, um seinen Trab zu beschleunigen, ohne es in den Galopp fallen zu lassen. Das ist der Stein des Anstosses in bezug auf den Schwung, und das ist die Probe, ob das Pferd willig auf die Hilfen eingeht.

Die Arbeit auf zwei Hufschlägen, so wie ich sie ausführe, hat nichts gemein mit jener schläfrigen, welche man für gewöhnlich in den Reitbahnen sieht. Ich halte darauf, eine energievolle Arbeit zu fordern und mein Pferd fleissig zu erhalten. Das ist ganz das Gegenteil von dem, was anderswo geschieht. Wenn das Pferd fleissig ist, dann müssen es meine Schenkel schon vorher gewesen sein.

Bei der schläfrigen Arbeit gehorcht das Pferd nur bedingungsweise. Bei der fleissigen Arbeit gehorcht das Pferd aber bedingungslos. Es behält sich nichts vor. Es gibt sich ganz her. Das ist die erste Bedingung guter Reitkunst. Die Figur 1 und 2 der Tafel XX zeigt „Germinal“ (Vollblut vom Flavio aus der Pascale) bei der Arbeit auf zwei Hufschlägen im Schultritt so, wie er photographisch aufgenommen ist.

In der Figur 1 beginnt das Pferd, sich in Haltung zu setzen; es ist schon in dieser Haltung in Figur 2. Man sieht, wie weit entfernt die korrekte Stellung von der Querstellung ist, welche gewisse Stallmeister bei der Arbeit auf zwei Hufschlägen annehmen, und deren Resultat ist, jeden Schwung aufzuhalten.

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Der Schwung erscheint grösser in Figur 2, weil das Pferd, welches auf zwei Hufschlägen von links nach rechts geht, in jenem Moment aufgenommen ist, in welchem es mit dem rechten Vorderbein seitwärts schreitet, das ist nach der Seite hin, nach welcher es sich fortbewegt. In Figur 1 (Seitengang von rechts nach links) befindet sich dagegen das im nächsten Moment nach links ausschreitende linke Vorderbein noch in der Stütze. Die Vergleichung beider Figuren gestattet, sich genaue Rechenschaft von den Bewegungen der Beine des Pferdes bei der Arbeit auf zwei Hufschlägen abzulegen.

XVII. Der Trab.

Um das Pferd in den Trab zu setzen, muss man zuerst mit der Hand nachgeben und den Schenkeldruck etwas vermehren. Man muss dabei vermeiden, das Pferd mit den Hacken zu stossen, um es nicht zu überraschen; ist das Pferd indessen sehr gelassen, so wird man wohl zuerst die Hacken und dann die Sporen geben können, jedoch erst nach vorausgegangenem Schenkeldruck. Anfangs darf man nur einen kleinen Trab anschlagen und muss besonders darauf halten, dass er regelmässig und taktmässig sei, d. h. dass die Tritte immer gleich lang sind. Wenn das Pferd schon abgebogen und daran gewöhnt ist, den Reiterhilfen zu gehorchen, so wird man leicht dahin gelangen.

Vorzugsweise soll man das Pferd sich möglichst selbst überlassen, um zu erkennen, ob es von Natur richtig trabt. Verlangt man nämlich von Anfang an,

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dass das Pferd im Trab an die Hand gestellt sei, so lässt sich das Pferd nicht genügend los, und ist es infolgedessen bei einem fehlerhaften oder ungleichmässigen Trab schwer zu erkennen, ob dies am Pferde liegt, d. h. infolge seines Baues oder seiner Fehler, oder ob der Reiter daran schuld ist, d. h. infolge der mit den Zügeln gegebenen Hilfen. Die Zügel sollen mithin nur lose anstehen, insbesondere diejenigen der Kandare. Trägt das Pferd den Kopf zu hoch, so bediene man sich der Kandarenzügel. Der zu hoch und rückwärts gerichtete Kopf schädigt nämlich die Hinterhand. Trägt dagegen das Pferd den Kopf zu tief, so muss man die Trense gebrauchen, wobei man aber nicht von vorn nach hinten ziehen soll, weil das den Abschwung aufhalten würde. Man mache vielmehr kleine Anzüge von unten nach oben, weich und ohne Ruck, indem man ganz geschwind die Zügel abwechselnd gebraucht und stets darauf achtgibt, dass die Hände hoch stehen. Man trabe nur zweimal um die Bahn herum, mache dann Halt, stelle sich das Pferd in die Hand, und fange dies sehr oft wieder von vorn an.

Hat man erreicht, dass das Pferd in guter Haltung trabt, mit aufgerichtetem[1] Halse, die Nase fast senkrecht, eher etwas vor- als zurückgestellt, so wird man alsdann in dieser Gangart längere Zeit verharren können. Hierzu darf man aber nur ganz allmählich gelangen, denn je mehr das Pferd ermüdet, desto weniger hoch wird es den Kopf tragen. Mutet man ihm eine fortgesetzte Kraftäusserung zu, so wird es alsbald schwer in der Hand. Man muss mithin, sobald der Kopf des


  1. Natürlich erreicht man dadurch einen erhabeneren Trab. ↩︎

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Pferdes auf die Hand drückt, unter kräftigem Schenkeldruck Halt machen, es sich völlig wieder in die Hand stellen und dann erst wieder antraben.

Ist man so weit, dass das Pferd, ohne zu ermüden und hauptsächlich ohne aus dem regelmässigen Tritt zu kommen, auf jeder Hand fünf Minuten lang trabt, so kann man ein verstärkteres Tempo verlangen; unter allen Umständen muss man aber vermeiden, aus dem kleinen, kurzen Trab plötzlich zum gestreckten Trab überzugehen. Der Nachteil hiervon würde sein, dass das Gleichgewicht verloren ginge und zu viel Gewicht unvermittelt auf die Schultern geworfen würde.

Anfangs darf man das Tempo erst gegen Schluss einer Trabreprise verstärken. So hat man beispielsweise während des letzten zweimaligen Herumreitens um die Bahn nur deshalb die Schenkel kräftig gebraucht, um einen leichten Stützpunkt auf die Trense zu gewinnen, deren Tätigkeit sich lediglich darauf beschränken soll, den Kopf des Pferdes in seiner richtigen Stellung zu erhalten.

Setzt man diese Übungen häufiger fort, so wird man dahin gelangen, dass man das Höchste erreicht, was das Pferd im erhabenen und schnellen Trab zu leisten vermag.

Vor allem vermeide man, vom Pferde eine über seine Kraft hinausgehende Schnelligkeit zu fordern. Dadurch würde man zum Dreischlag gelangen, einer falschen und unschönen Gangart, in welcher das Pferd mit den Vorderbeinen trabt, während es hinten galoppiert.

Es gibt zwei Arten von Trab, den ausgesessenen, sogenannten deutschen und den englischen Trab, bei welchem man sich aus dem Sattel erhebt. Über den ersteren beschränke ich mich auf wenige Worte. Ich

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messe ihm keine praktische Bedeutung bei. Es ist dies eine Bahnübung, welche unumgänglich notwendig ist,[1] um dem Anfänger, welchen man ohne Bügel traben lässt, den festen Sitz beizubringen. Im übrigen bin ich kein Freund davon. Er ermüdet den Reiter, das Pferd noch mehr, und es ist mir unverständlich, warum er so lange in der Armee ausschliesslich als Vorschrift gegolten hat.

Der englische Trab verursacht weder eine Erschütterung, noch einen Rückstoss. Der Reiter hat das Kreuz leicht nach hinten hinaus gestellt und folglich den Oberkörper auch ein wenig nach vorn gebeugt. Er sucht dabei nicht, sich selbständig zu heben, um den Bewegungen des Pferdes zu folgen oder zuvorzukommen, sondern er lässt sich heben. Die Fussgelenke und die Knie begleiten, unterstützen sozusagen seine Bewegung und bewirken, dass der Reiter nur leicht in den Sattel fällt, und zwar in demselben Takt, wie ihn der Gang des Pferdes ergibt. Bei dieser Art von Trab muss man sich stets der von unten nach oben gehenden Bewegung des Pferdes anpassen, mit anderen Worten, man muss sich unter Zuhilfenahme der Knie und Fussgelenke vom Pferde heben lassen, ohne dass der Oberkörper irgendwie dabei beteiligt ist. Im letzteren Falle würden sich das Kreuz und die Schultern zusammenziehen, der Reiter wird steif und verliert die Verbindung mit dem Pferde. Der Körper als Ganzes muss sich also heben und senken.

Der Reiter, welcher das Kreuz einzieht, anstatt sich lediglich der Schenkel zu bedienen, schiebt naturgemäss den Leib vor, wenn der Körper gehoben wird,


  1. Es ist das die notwendige Grundlage für alle Reiterei, da sonst ein fester Sitz unmöglich ist. ↩︎

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und zieht ihn wieder ein, wenn der Körper auf den Sattel niedersinkt. Es gibt fürs Auge keinen hässlicheren Anblick.

Im Bügel darf nur ein Drittel des Fusses ruhen. Wollte man letzteren bis zum Absatz vorschieben, so würde das Fussgelenk seine Elastizität völlig verlieren, und der Trab würde infolgedessen steif und ermüdend werden. Beim natürlichen Trab muss der Gang des Pferdes, welches durch nichts gestört wird und keinerlei Schmerz empfindet, von einer Diagonale zur anderen ein ganz regelmässiger sein, d. h. die beiden Tritte müssen unbedingt ganz gleich sein.

Beim englischen Trab kann der Reiter bald auf dem linken, bald auf dem rechten Diagonalfusspaare[1] traben.

Unter Linkstrab versteht man, wenn der Reiter sich dann aus dem Sattel hebt, wenn das Pferd das linke Vorderbein hebt und wenn er in den Sattel zurückfällt, sobald dasselbe Bein wieder fusst.

Beim gut ausgeführten englischen Trab hebt und senkt sich der Reiter nur einmal, während das Pferd zwei Diagonaltritte ausführt. Beispielsweise hebt und senkt er sich mit dem linken Diagonaltritt, ohne dass der rechte Diagonaltritt irgend welchen Einfluss auf seine Bewegungen ausübt. Hält er aber nicht ganz genau den Takt inne, so fällt er zu früh in den Sattel


  1. In der Reitersprache bezeichnet man die Diagonale immer von vorn nach hinten. Mithin ist rechter Zügel und linker Schenkel die rechte Diagonale, linker Zügel und rechter Schenkel die linke Diagonale. Ebenso verhält es sich mit den Beinen des Pferdes; rechtes Vorderbein und linkes Hinterbein bilden die rechte Diagonale, linkes Vorderbein und rechtes Hinterbein die linke Diagonale. ↩︎

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nieder und fühlt den Stoss des rechten Diagonaltrittes, welcher durch den Abstoss des linken Hinterbeines entsteht. Der Reiter fällt also zweimal in den Sattel und trabt somit falsch.

Er muss ebenso links, wie rechts traben können, muss damit wechseln können, um sowohl für sich selbst, als auch vorzugsweise für das Pferd auf eine längere Strecke eine Erleichterung eintreten zu lassen. Hierzu gehört natürlich eine gewisse Übung. Der Reiter muss es lernen, in jedem Augenblick darüber klar zu sein, auf welchem Fuss er trabt.

Im Trab, besonders anfangs, ist es schwer, sich darüber klar zu sein, auf welchem Fusspaar man trabt. Es ist deshalb besser, diese kleine Übung zuerst im Schritt anzustellen, indem man sich bei jedem Schritt, welchen das Pferd macht, aus dem Sattel hebt, gleichsam als ob man trabte. Auf diese Weise hat man Zeit genug, sich davon zu überzeugen, welcher Bewegung des Pferdes man folgt. Nachdem man dieses eine Weile ausgeübt hat, kann man es im Trab fortsetzen.

Ich muss bemerken, dass jeder Reiter von selbst, und fasst immer ohne sich dessen bewusst zu sein, auf einem bestimmten Fusse trabt, das wird ihm dermassen zur Gewohnheit, dass ihm ein Wechsel unbequem ist.

Will man einen guten Traber haben, so muss man, sobald das Pferd die oben beschriebenen Übungen in der Bahn erledigt hat, seine Ausbildung im Freien vollenden. Auf einer langen, geraden Strecke lässt das Pferd sich mehr los und geht flotter vorwärts, als in der Bahn. Da man ein freies Feld vor sich hat, kann man den schnelleren Trab länger andauern lassen,

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während die Ecken der Bahn alle Augenblicke eine geringe Verlangsamung des Tempos bedingen. Nicht alle Pferde führen den Trab gleich gern aus; einzelne verbleiben ganz willig in demselben, so lange er nicht zu stark ist; sobald man aber zulegen will, fallen sie in den kurzen Galopp. Man sagt von solchen Pferden, „sie verhalten sich“, und das stimmt genau. Es ist sehr wichtig, einem Pferde niemals zu gestatten, ohne besondere Aufforderung die Gangart zu wechseln. Ebenso wichtig ist es aber auch, nach Belieben erreichen zu können, dass das Pferd den Trab mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln entwickelt. Fordert man ein Pferd zu stärkerem Trabe auf und es fällt in den Galopp, so kann man zunächst in Güte versuchen, diesen Fehler abzustellen, welcher ausschliesslich auf Faulheit beruht. Man pariert, streichelt das Tier, um es wieder zu beruhigen und zu besänftigen, und setzt es dann wieder in den Trab. Bei temperamentvollen Pferden schlägt dieses Mittel in der Regel an, bei trägen dagegen erreicht man damit aber gar nichts. Bei diesen ist das entgegengesetzte Mittel am Platz. Fallen sie, um den gestreckten Trab zu vermeiden, in den Galopp, so muss man sie zu gestrecktem Galopp anspornen und sie darin längere Zeit, etwa fünf- bis sechshundert Meter ausharren lassen. Das ist die Strafe für ihre Widerspenstigkeit und Faulheit. Haben sie das einigemal durchgemacht, so werden sie sich schliesslich darüber klar, dass sie durchaus keine Erleichterung erreichen, wenn sie eigenmächtig und um sich zu schonen, aus dem Trab in den Galopp fallen, weil sie eine bedeutend schärfere Gangart annehmen müssen, welche einen viel grösseren Aufwand an Kraft und Energie erfordert.

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Dieses Mittel ist jedermann zugänglich. Ich kann auch noch ein anderes empfehlen, welches jedoch schon grösseres Verständnis für die Reitkunst erfordert.

Fällt ein Pferd, um den von ihm geforderten, gestreckten Trab zu vermeiden, von selbst in den Galopp, so springt es dazu natürlich auf dem Fusse an, der ihm bequemer ist, und wir haben ja an anderer Stelle bereits erwähnt, dass jedes Pferd eine Seite hat, welche ihm bequemer ist. In diesem Falle genügt es, seiner angenommenen Gangart entgegenzutreten, indem man es unter Beibehaltung des Galopps abchangieren lässt. Nehmen wir also z. B. an, das Pferd sei von selbst im Linksgalopp angesprungen, so zwingt man es zum Rechtsgalopp. Man wird den linken Trensenzügel wirken lassen, um die linke Schulter, welche vor war, zurückzubringen, und den linken Schenkel anlegen, um die Hinterhand nach rechts zu drücken.[1] Sprang das Pferd im Rechtsgalopp an, so verfährt man umgekehrt.

Ich bemerke ausdrücklich, dass man dieses Mittel sowohl, wie auch das vorerwähnte, nur bei solchen Pferden anwendet, welche noch nicht völlig zugeritten sind. Ein gut geschultes Pferd wird niemals eine andere Gangart annehmen, als die von ihm geforderte.

Es wäre jedoch falsch, bei einem Pferde, welches nicht traben will, sofort die Schuld auf seine Faulheit und Widerspenstigkeit zu schieben. Sehr oft liegt die Schuld am Reiter, dessen Hand einem empfindlichen Maul nicht zusagt, entweder weil sie zu fest ist, oder nicht ruhig genug steht. Es kann auch vorkommen,


  1. Der Leser wird bemerken, dass ich an dieser Stelle die einseitliche Reitkunst in Anwendung bringe; ich habe aber hierbei ein unzulänglich geschultes oder sogar rohes Pferd im Auge. ↩︎

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dass das Gebiss zu scharf ist,[1] oder dass durch Reissen ins Maul in demselben schmerzhafte Stellen vorhanden sind. Endlich kann auch das Pferd Schmerzen im Kreuz oder in anderen Gliedern haben, und nur deshalb sich durch Wechsel der Gangart Linderung zu verschaffen suchen. In allen diesen Fällen, welche häufig vorkommen, muss man nur dem Übel auf den Grund gehen und darin Abhilfe schaffen.

Ich gehe wohl nicht zu weit, wenn ich der Ansicht bin, dass der Reiter zuerst sich selbst prüfen muss, ob er nicht der schuldige Teil ist, anstatt dem erklärlichen Gefühl zu folgen, alle Schuld dem Pferde zuzuschieben.

Es gibt ein ausgezeichnetes Mittel, um zu erkennen, ob ein Pferd deshalb ungehorsam ist, weil es Schmerzen im Maul hat. Anstatt ihm an den Zügeln einen Halt zu geben, lege man sie ihm auf den Hals, erfasse ungefähr in der Mitte des Halses eine tüchtige Handvoll Mähne und mache hiermit den Anzug. Sehr oft wird alsdann das Pferd völlig nachgeben. Bei den Pferdehändlern wird dieses Mittel täglich angewendet.

Um die Traber zu trainieren, erlaubt man ihnen in der Regel sehr scharfe Anlehnung an die Hand.

Man hat nur den einen Zweck im Auge: das Maximum an Schnelligkeit zu erreichen. Ob die Gänge gleichmässig sind und ob das Maul weich bleibt, ist den Trainern gleichgültig. Ihre Pferde, welche in der Regel sehr kraftvoll sind, legen sich stets sehr stark in die Zügel, und andererseits wirkt der Reiter ebenso


  1. Schmales Mundstück, lange Hebel (Scheren), hohe Zungenfreiheit; sobald nur einer dieser Faktoren vorhanden ist, ist das Gebiss scharf. Alle vereinigt, gestalten es zu einem wahren Marterwerkzeuge. ↩︎

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kräftig auf das Maul ein, in dem Glauben, dass das Pferd umso mehr an Schnelligkeit gewinnt, je fester er zieht. Dies ist ein grosser Irrtum. Zieht man nämlich die Zügel zu fest an, so verlegt man dadurch das Körpergewicht des Pferdes auf die Hinterhand und ermüdet auf diese Weise Nieren, Kreuz und Sprunggelenke. Um das Pferd flott traben zu lassen, muss man einfach darauf sehen, dass es in der Hand einen wirklichen Stützpunkt findet. Zweifellos trägt der Reier bei einem Flachrennen im Galopp, übrigens auch im Trabe, den Kopf und den Hals seines Pferdes ein wenig, aber er soll wohl darauf achten, dass dieses von unten nach oben, und nicht von vorn nach hinten geschieht, weil sonst unfehlbar die Schwungkraft des Kreuzes und der Sprunggelenke beeinträchtigt wird.

Um einen genauen Einblick in die Erfordernisse des Trabrennens zu gewinnen, habe ich mich früher einmal in Dozule, einem kleinen Dorfe in der Normandie aufgehalten.

Ich hatte mich schon an Flach- und Hindernisrennen aktiv beteiligt, und da ich andererseits auch drei oder vier Schulpferde abgerichtet hatte, so bildete ich mir ein, dass ich diese normannischen Bauernburschen durch meine Kenntnisse in helles Erstaunen setzen würde. In aller Demut muss ich indes gestehen, dass der am meisten Erstaunte ich selbst war.

Es gab da in Dozule einen braven Bauernburschen, namens Pascal, welcher ganz vorzüglich über alles, was mit Pferden, in erster Linie mit Trabern zusammenhing, Bescheid wusste. Ich kannte ihn schon seit langer Zeit und hatte bereits vorher mit ihm den Zweck meines Aufenthalts in Dozule besprochen.

Pascal hatte den Auftrag, zwei hervorragende

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Traber, welche, wenn ich nicht irre, dem Marquis de Croix gehörten, zu trainieren. Es war das gegen Ende 1864.

Am Tage nach meiner Ankunft sassen wir schon am frühen Morgen im Sattel und legten zunächst auf der für unser Rennen bestimmten Bahn eine Entfernung von zwei Kilometern im Schritt zurück. Dann setzten wir uns in den Trab, und Pascal schlug mich spielend; ich lachte aber über meine Niederlage, da ich der Ansicht war, dass sein Pferd schneller als das meinige sei. Am folgenden Tage nahmen wir die Arbeit wieder auf, wir hatten diesmal die Pferde gewechselt, und trotzdem schlug mich Pascal abermals.

Ich gestehe, dass ich um so ärgerlicher war, als sich dieses Resultat vierzehn Tage hintereinander wiederholte, obwohl sich Pascal am anderen Morgen jedesmal auf dasjenige Pferd setzte, mit welchem ich tags zuvor geschlagen worden war.

Mit voller Kraft zog er an den Zügeln und gab dem Pferde Rucke ins Maul.

Ich sagte ihm, dass seine Art und Weise, die Pferde zu reiten, nicht die richtige sei; doch entgegnete er mir darauf, dass es das einzige Mittel sei, ein Pferd schneller vorwärts zu bringen, und will man nach dem Erfolg urteilen, so hatte er ja scheinbar recht.

Ich bat ihn darauf, mich ein und dasselbe Pferd vierzehn Tage lang reiten zu lassen, während welcher Zeit wir nicht gegeneinander ritten.

In diesem Zeitraum hatte ich es fertig gebracht, das Pferd zu zwingen, nur ganz leicht an den Zügel zu gehen, den Kopf stillzuhalten, und zuguterletzt schlug ich Pascal viermal hintereinander. In ebenso

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kurzer Zeit erzielte ich hierauf das gleiche Resultat mit dem anderen Pferde.

Die beiden Pferde, welche mit Vertrauen den Zügel annahmen und ihre Hinterhand voll und ganz ausnutzen konnten, trabten hierauf ganz gleichmässig, ohne in den Galopp zu fallen und fast ohne zu ermüden. Nach dem Pascalschen System dagegen fielen sie in den Galopp, gingen im Trabe auseinander und hetzten sich ausserdem noch ab. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, dass ich mich näher bei meinem Pferde befand, als er; dass er sehr grosse Bewegungen machte, während ich ganz still sass, und dass ich endlich mein Pferd nicht nur früher als er in die schärfste Gangart brachte, sondern es auch längere Zeit als er in derselben erhielt.

Alles in allem genommen behaupte ich keineswegs, dass ich seinen Pferden grössere Schnelligkeit beigebracht hätte, wohl aber taten sie unter mir ihre Arbeit mit mehr Vertrauen und Leichtigkeit, während er ihnen Schmerzen im Maul verursachte und sie mehr ermüdete. Das zeigte sich übrigens deutlich am Ziel. Da sie sich unter mir nicht ebenso anzustrengen brauchten, so waren sie nach dem Rennen keineswegs ausser Atem, ja nicht einmal in Schweiss. Ich füge noch hinzu, dass das Reiten auf den nach Pascalscher Manier zugerittenen Trabern unbequem und manchmal sogar gefährlich ist. Sind sie einmal in vollem Lauf, so ist es in der Tat schwierig, sie plötzlich anzuhalten. Nimmt man sie aber aus dem Training heraus, und macht sie durch gründliche Arbeit wieder weich, so können sie sehr häufig vorzügliche Dienste leisten. Übrigens hatte Pascal einen grossen Vorteil vor mir voraus: er kannte seine Pferde und wusste, wie

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ich annehmen zu können glaube, wann sie ihren Höhepunkt an Schnelligkeit erreicht hatten. Die Kenntnis dieses Umstandes ist nun aber viel wichtiger, als man im allgemeinen glaubt. Hat ein Pferd den Höhepunkt an Schnelligkeit erreicht, ohne dass der Jockey sich dessen bewusst ist, und er fordert noch mehr von dem Tier, so zwingt er es durch das Antreiben, in den Galopp zu fallen.

Das Gefühl, durch welches man veranlasst wird, trotzdem sein Pferd noch mehr anzutreiben, ist sehr erklärlich. Nichts greift die Nerven mehr an, als wenn man in einem Rennen ein Pferd zur Seite hat, welches eine Halslänge vor ist und diese auch beibehält. Trotz alledem muss man sich davor hüten, wenn das eigene Pferd seinen Höhepunkt an Schnelligkeit erreicht hat, noch mehr von ihm zu verlangen. Man widersetze sich energisch diesem Gefühl, welches einen dazu treibt, das Tier noch mehr anzuspornen, da man es sonst zwingen würde, in den Galopp zu fallen; und um es dann wieder in den Trab zu bringen, müsste man anhalten, wodurch man einige Längen einbüssen würde.

Schlussfolgerung: Wenn man ein Pferd im Trabrennen reitet, so muss man sich genau über den Moment klar sein, in welchem das Pferd seinen Höhepunkt an Schnelligkeit erreicht hat, und hierin muss man es dann so lange als nur irgend möglich erhalten. Das Rennen wird alsdann zu dem, was es eigentlich sein soll, d. h. also zu einer Konditionsfrage, denn derjenige, welcher am längsten dieses Maximum an Schnelligkeit beibehalten kann, wird die meiste Aussicht auf Erfolg haben.

Bemerken möchte ich noch, dass beim Trabrennen

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das Maximum an Schnelligkeit bereits vom Start an verlangt werden muss. Wir werden an anderer Stelle sehen, dass dieses beim Galopprennen nicht der Fall ist.

XVIII. Der Galopp.

Der Galopp ist von sämtlichen Gangarten die schwierigste und die komplizierteste. Es gibt nur wenige Reiter, welche es fertig bringen, ihr Pferd im Galopp die Bewegungen genau so, wie sie es haben wollen, ausführen zu lassen.

Ich fange nicht früher mit dem Galopp an, als bis ich völlig Herr über mein Pferd bin. Ich verstehe darunter, dass es sich mir bei allen anderen Bewegungen physisch und wenn ich mich so ausdrücken darf, auch moralisch unterordnet, dass es biegsam ist, gut in der Hand steht und dem Schenkeldruck leicht gehorcht.

Ich warte vor allem so lange, bis der Rücken, die Hanken- und die Sprunggelenke völlig durchlässig sind und bis das Pferd, ohne dabei zu fehlen, den Gesamthilfen gehorcht, um als Reiter sicher zu sein, dass ich nach Belieben über die hierdurch erzielten Kraftäusserungen verfügen kann.

Sind diese Vorbedingungen erfüllt, so weiss ich bestimmt, dass es mir gelingen wird, von vornherein mein Pferd zum Galopp richtig zu versammeln, und dass ich es sofort erreichen werde, dass das Pferd nicht etwa in dem Galopp anspringt, welcher ihm gerade passt, sondern in demjenigen, welchen ich von ihm verlange.

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Gehorcht das Pferd dem Schenkeldruck, so kann ich es vom ersten Augenblick an daran verhindern, die Hinterhand querzustellen, und das ist ausserordentlich wichtig, da es nichts Schlechteres gibt, als diese Angewohnheit. Derselben vorzubeugen ist günstiger, als sie zu beseitigen. Es ist ungleich schwieriger, ein Pferd wieder geradezustellen, welches die Gewohnheit hat, seine Hinterhand nach rechts oder links zu werfen, als ihm vom ersten Tage an beizubringen, auf gerader Linie zu galoppieren.[1] Der Reiter muss im Galopp gerade sitzen. Bei zu weit vorgelegtem Oberkörper würde ihn der Galoppsprung auf den Hals werfen; bei übermässigem Hintenüberlegen würde das Kreuz zu sehr eingezogen sein, was eine steife Haltung zur Folge haben würde.

Ich nehme einmal an, er befände sich auf der linken Hand und will sein Pferd rechts anspringen lassen.

Er bringt seine Hände nach links. Wenn er das in geringem Masse tut, gerade nur soviel, um die linke Schulter etwas mehr zu belasten, so ist das richtig.

Wenn aber nicht sogleich der erwünschte Erfolg des Rechtsgalopps eintritt, so wird er die Hände mehr und mehr nach links bringen und dadurch sein mit den Schultern in die Bahn gestelltes Pferd in eine Querstellung zwingen. Zu diesem Zeitpunkt der Dressur hat das Pferd indessen noch nicht gelernt, mit in die Bahn gestellter Schulter zu galoppieren, und deshalb muss der Reiter, bevor er hierzu übergeht, zunächst sein Pferd auf gerader Linie, auf dem inwendigen und auswendigen Bein galoppieren lassen. Sonst würde man ja den Schwung verlieren und dadurch, dass das Pferd hinter den Zügel käme, den Galopp rein unmöglich machen. Nehme man doch die Hände gerade genug nach links, um die linke Schulter etwas zu belasten, aber nicht so viel, um das Pferd zur Querstellung zu veranlassen! Geschieht dies aber, dann be-


  1. Meistens bringt der Anfänger in der Reitbahn sein Pferd zuviel in Querstellung, sobald er auf dem äussern Bein angaloppieren will. ↩︎

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Das Pferd galoppiert entweder rechts oder links.

Man sagt, es galoppiert rechts, wenn die rechten Beine in dem Augenblick, wo sie den Boden berühren, sich vorne befinden. Im Linksgalopp sind die linken Beine vorn, wenn sie den Erdboden berühren.

Um dem Pferde den Rechtsgalopp beizubringen, muss man nach erfolgtem Anlegen der Schenkel beide Hände nach links bringen, wodurch die rechten Zügel etwas mehr anstehen, als die linken.[1] Auf diese Weise belastet man die linke Schulter, ohne jedoch hierzu den Kopf nach links zu führen, da derselbe stets geradeaus gestellt bleiben muss; die Nasenspitze könnte allenfalls ein wenig nach rechts zeigen.

Ist das Pferd erst einmal richtig gestellt, so brauche ich es nur noch in Gang zu bringen. Diese Aufgabe fällt der Hinterhand zu, welche gleich einer Feder das Pferd vordrücken und vorschnellen muss. Ich verstärke die Wirkung der Schenkel, indem ich mit jedem derselben einen gleich starken Druck ausübe, um die Hinterbeine unter den Schwerpunkt zu treiben. Zuletzt

stehe man nicht darauf, anzugaloppieren, sondern stelle sein Pferd erst geradeaus und galoppiere dann wieder auf gerader Linie an.

Auf das blosse Angaloppieren kommt es nicht an, sondern darauf, dass das Pferd auf gerader Linie angaloppiert.

Wenn das Pferd auf dem äusseren Bein galoppiert, zeigt der Anfänger grosse Neigung, sein Pferd querzustellen, indem er die Schulter zu weit in die Bahn bringt und lässt es in Wirklichkeit aber beinahe auf zwei Hufschlägen gehen. Beharrt man bei diesem Fehler, so wird jeder Fortschritt unmöglich; denn das Pferd wird niemals tadellos auf zwei Hufschlägen galoppieren können, wenn es nicht vorerst gelernt hat, auf dem auswendigen Bein auf gerader Linie zu galoppieren.


  1. Ich bediene mich, gleichgültig welche Gangart ich dem Pferde auch beibringen will, zunächst nur der Trense. ↩︎

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lasse ich den linken Schenkel stärker wirken, indem ich ihn etwas weiter zurücklege als den rechten.[1]

Hat man ein halbwegs gängiges Pferd unter sich, so genügt der Schenkeldruck, um es an die Hand gehen zu lassen. In demselben Augenblick drehe ich meine Handgelenke aufwärts, wobei ich die Zügel anstehen lasse, und benutze den durch den Schenkeldruck bewirkten Schwung, um das Pferd im Galopp anzuspringen, indem ich es gleichzeitig daran verhindere, sich zu strecken und etwa den Trab anzunehmen.

Sitzt man auf einem temperamentlosen Pferde, so muss man unter verstärktem Drucke den Schenkel länger wirken lassen und im Notfall auch den Sporn gebrauchen.

Unter solchen Umständen wird es dem Pferde schwer, anders als im Rechtsgalopp anzuspringen; unmöglich ist es dagegen keineswegs. Es kann indessen auch vorkommen, dass es im Linksgalopp anspringt oder dass es antrabt.

In beiden Fällen pariere ich sobald wie möglich und stelle das Pferd, wie oben angegeben, wieder geradeaus; hierauf beginne ich so oft von vorn, bis es im Rechtsgalopp anspringt.[2] Sowie es drei oder vier


  1. Mit dem linken Schenkel wirft sozusagen der Reiter das Gesamtgewicht auf seinen rechten Schenkel, welcher es alsbald auf die Hand wirft. ↩︎

  2. Springt das Pferd ungleich an, d. h. springt die Vorhand rechts und die Hinterhand links an, so verstärke man die Hilfen zu demjenigen Galopp, welchen man haben will, und da es hier die Hinterhand ist, welche falsch galoppiert, so lasse man kräftig den linken Schenkel wirken.

    Den Anfängern, welchen es einige Schwierigkeit bereitet, sich Rechenschaft davon zu geben, wie sie galoppieren, rate ich, vorsichtig zu Werke zu gehen; denn es gibt nichts Schlimmeres, als einen Fehler verbessern zu wollen, der gar nicht vorhanden ↩︎

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Galoppsprünge auf diesem Fuss getan hat, pariere ich, streichle das Pferd und lasse es, sich selbst überlassend, einmal im Schritt um die Bahn herumgehen. Hierauf mache ich drei- bis viermal dieselbe Übung durch.[1]

Baucher schrieb infolge einer sonderbaren, irrigen Auffassung für das Anspringen zum Galopp die einseitlichen Hilfen vor. In der Ausgabe seines Werkes vom Jahre 1846, Seite 219, verlangt er zum Anspringen im Rechtsgalopp die Hand links zu stellen — mithin Anzug des rechten Zügels — und den rechten Schenkel zu gebrauchen. Ich schiebe die Schuld an diesem Irrtum auf die mangelhafte Biegung des Halses, welche bei Baucher Regel war. Der tief gestellte, am Widerrist nach rechts gebogene Hals zwang die linke Schulter, sich nach links zu schieben und sich aufzulegen. Die Wirkung des linken Schenkels würde die beiden Enden des Pferdes nach innen, also

ist. Man neige sich zunächst ganz leicht nach vorn, um zu sehen, auf welchem Bein das Pferd galoppiert. Ist dabei die rechte Schulter in demjenigen Augenblick vorn, in welchem das Pferd mit der Vorhand den Boden berührt, so ist man sicher, dass es auf der Vorhand rechts galoppiert. Nun achte man auf seinen Sitz und prüfe, ob die regelmässige und die nachgiebige Bewegung des Oberkörpers anzeigt, dass der Galopp vorn und hinten richtig ist; denn dann ist es tatsächlich der Fall, dass das Pferd auch hinten richtig galoppiert. Empfindet man aber im Gesäss Stösse und Erschütterungen, die sich durch zwei Tempos markieren, so befindet man sich im Kreuzgalopp: die Hinterhand galoppiert links.

Dann kann man, aber auch nur dann, wenn man sich völlige Sicherheit davon verschafft hat, den linken Sporn gebrauchen, um die Hinterhand ein wenig nach rechts zu bringen, und dann den linken Schenkel fest anliegen zu lassen, um das Pferd zu zwingen, hinten und vorn übereinstimmend zu galoppieren.


  1. Ich habe schon wiederholt erwähnt, dass man mit der neuen Übung die Lektion stets schliessen soll, um dieselbe dem Gedächtnis des Pferdes besser einzuprägen. ↩︎

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nach rechts zusammengebogen, d. h. die Kruppe dem Kopf genähert haben. Die Wirkung des rechten Schenkels dagegen bestand darin, der durch falsche Halsbiegung erzeugten schlechten Gewichtsverteilung abzuhelfen.

Wie konnte aber Baucher dieses Verfahren mit seinem Hauptprinzip, beim Wenden den auswendigen Schenkel zu gebrauchen, vereinbaren? (Ausgabe vom Jahre 1846, Seite 189).

Nach diesem System musste man beim Abwenden im Galopp nach rechts den rechten Schenkel stärker wirken lassen, um im Rechtsgalopp zu bleiben und ebenso den linken, um nach rechts zu wenden. Es genügt wohl, auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht zu haben. Jedermann begreift, dass bei einem Pferde, welches gelernt hat, auf den linken Schenkel links zu galoppieren, der Erfolg beim Druck des rechten Schenkels nicht der sein wird, dass es die Wendung nach rechts macht, sondern dass es abchangiert.

Es ist also unnötig, die Mittel zu beschreiben, deren man sich bedienen muss, um das Pferd links galoppieren zu lassen. Selbstverständlich sind es dieselben, welche ich soeben angegeben habe, aber im umgekehrten Sinne. Man muss stets mit dem Rechtsgalopp[1] beginnen und zu diesem Zweck auf der rechten Hand reiten. Ich lasse niemals links anspringen, bevor ich nicht, so oft ich will, und ohne jede Anstrengung einen ganz freien Rechtsgalopp er-


  1. In der Reitkunst ist es Regel, alle Übungen auf der rechten Hand zu beginnen. Im Freien auf gerader Linie galoppiert man gewöhnlich rechts. Die Reiterin galoppiert rechts. Alle diese Gründe sprechen dafür, lieber mit dem Rechtsgalopp zu beginnen. ↩︎

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reicht habe. Es ist ziemlich schwer anzugeben, wie vieler Tage man hierzu bedarf, da manche Pferde ganz leicht auf dem rechten Fuss angaloppieren, wieder andere aber dabei mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, obwohl sie vielleicht ohne weiteres auf dem linken Fuss anspringen würden.

Bei den Pferden können wir dasselbe wie bei den Menschen beobachten; die einen sind entweder von der Geburt an oder durch Angewöhnung rechts, die anderen dagegen links. Trotzdem scheint es mir wahrscheinlicher zu sein, dass gewisse Pferde von Natur aus rechts sind, denn wollte man nur mit den angenommenen Gewohnheiten rechnen, so müssten alle Pferde links sein.

Tatsächlich befindet man sich ja, wenn man selbst zu Fuss ist und sein Pferd am Zügel führt, stets auf seiner linken Seite. Ebenso bringt man ihm von dieser Seite sein Futter, hier sattelt, hier zäumt man es, und da das Pferd es liebt, sich davon zu überzeugen, was ringsumher vorgeht, so ist es wiederum diese Seite, nach welcher es beständig den Kopf wendet; somit müsste es eigentlich nach links biegsamer sein, als nach rechts. Das ist jedoch nicht der Fall. Ich bin auf ebenso viele Pferde gestossen, die rechts, als auf solche, die links waren. Man kann also erst bei der Arbeit erkennen, ob sie das eine oder das andere sind, da der Bau des Pferdes dafür keinen Anhaltspunkt gibt.[1]

Da das Pferd, welches rechts ist, sein ganzes


  1. Die arabischen Pferde sind insofern links, als sie stets auf der linken und niemals auf der rechten Hand Kehrt machen. Es ist das einzig und allein die Folge ihrer Erziehung. Stellt man sich rechts neben einen arabischen Reiter, so kann er nicht an einen herankommen, ohne zu diesem Zweck linksum Kehrt gemacht zu haben. ↩︎

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Leben lang auf der rechten Seite biegsamer und geschickter sein wird, so ist es natürlich die linke Seite, die man beim Abbiegen, bei den Seitengängen, bei den Volten, beim Galopp usw. am meisten bearbeiten muss.

Um mehr fordern zu können, warte ich so lange, bis das Pferd unterschiedslos ebenso leicht rechts als links anspringt und dabei gerade gerichtet bleibt. Hierauf verlange ich, dass das Pferd sich leicht in die Hand stellt. Selbstredend kann ich das aber nicht im Galopp erreichen, wenn ich nicht bei allen vorangegangenen Gangarten und Übungen ein nachgiebiges und weiches Maul erzeugt habe.

Ich glaube, dass ich die Tätigkeit der Hilfen im vorliegenden Falle am richtigsten dahin bestimmen kann, dass die Hände zum Schritt und die Schenkel zum Galopp auffordern. Das heisst also, dass die Hand das Pferd leicht zurückhält, während die Schenkel es kräftig vorwärts treiben; das Tier soll also zwei Aufforderungen gehorchen, welche im Widerspruch stehen, da aber der Schwung nach vorwärts der vorherrschendere ist, so wird es hierdurch genötigt, sich vorne zu heben und anzugaloppieren.

Der Reiter wird erkennen, dass er seinen Zweck erreicht hat, sobald das Pferd langsam galoppiert, sich dabei nicht anstrengt und vor allem keinen Versuch macht, sich der Zügelführung zu entziehen.[1]


  1. Fast alle Autoren empfehlen, das Pferd zu parieren und zurücktreten zu lassen, wenn es im Galopp fest in der Hand wird. Es gibt nichts Unsinnigeres. Warum drückt das Pferd in die Hand? Weil die Sprunggelenke zu weit vom Schwerpunkt entfernt sind. Lässt man es zurücktreten, so treibt man die Sprunggelenke noch mehr nach hinten hinaus und verstösst damit erst recht gegen den beabsichtigten Zweck. Man muss im Gegenteil das Pferd parieren, indem man es mit den ↩︎

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Man kann auf dreierlei Weise erkennen, ob das Pferd rechts galoppiert.

Zunächst genügt es, einen Blick auf seine Schultern oder seine Beine zu werfen. Galoppiert das Pferd rechts, so wird sich auch die rechte Schulter und vornehmlich der rechte Huf weiter vorn befinden, als der linke Huf und die linke Schulter.

Zweitens weicht die Hinterhand des Pferdes stets ein wenig nach derjenigen Seite ab, auf welcher es galoppiert.

Endlich drittens, wenn das Pferd rechts galoppiert, rührt sich der rechte Schenkel des Reiters unwillkürlich mehr als der linke;[1] es ist daher schwieriger, das rechte Knie fest anliegen zu lassen.

Hat man seine Beobachtungen in dieser Weise eine ganze Weile aufmerksam fortgesetzt, so muss

Schenkeln kräftig auf die Hand treibt, mit dem Indiehandstellen in der Vorwärtsbewegung fortfährt, diese Hilfen in Einklang bringt, mit Händen und Schenkeln annimmt und nachgibt, um das Pferd in die Versammlung zu bringen. Das sind die einzigen Mittel, um die Sprunggelenke unter den Schwerpunkt zu bringen. In dieser Weise wird die Vorhand nach und nach und in dem Masse wieder leicht, als die Hinterhand den Schwung nach vorwärts gibt.

Bei dieser Gelegenheit sind halbe Paraden auf der Hinterhand sehr angebracht, vorausgesetzt, dass man die Geschicklichkeit besitzt, sich der Hinterhand zu vergewissern und das Pferd vollständig in der Hand zu behalten.


  1. Das Strecken des unter dem Schwerpunkt befindlichen, rechten Sprunggelenkes bewirkt beim Rechtsgalopp den grössten Abschwung. Dieses bringt auch beim Reiter das Hin- und Herschieben des rechten Knies hervor. Die Arbeit des linken, viel weiter zurückstehenden Sprunggelenkes, welches infolgedessen für den Abschwung viel weniger in Betracht kommt, verschiebt natürlich weit weniger das linke Knie. ↩︎

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man schliesslich mit geschlossenen Augen erkennen können, auf welchem Fuss das Pferd galoppiert.

Bevor ich in der Lehre der Dressur weiter gehe, erscheint es mir wichtig, die einzelnen Momente beim Galoppsprung näher zu beleuchten.[1]

Sowohl beim Schulpferd als auch beim gewöhnlichen Reitpferd muss man beim Galopp drei scharf ausgeprägte Tempos unterscheiden können.[2]

Zu einem Galoppsprung gehören also drei Tempos. Sehen wir uns denselben z. B. auf dem rechten Fusse an.

Erstes Tempo: Der linke Hinterfuss ruht auf dem Boden. (Tafel XXI, Figur 1.)

Zweites Tempo: Niedersetzen der linken Diagonale: der rechte Hinterhuf und der linke Vorderhuf berühren gleichzeitig den Boden. (Tafel XXI, Figur 2.)

Drittes Tempo: Niedersetzen des rechten Vorderhufes. (Tafel XXI, Figur 3.)

Nunmehr führe ich die Hilfen an, deren sich der Reiter während dieses Galoppsprunges bedienen muss.

Erstes Tempo: Kräftiges Anlegen des linken unterschiebenden Schenkels. Das Pferd ruht tatsächlich einen Augenblick ausschliesslich auf dem linken Hinterbein; dieser Augenblick ist aber nur so kurz, dass das Auge, wenn es nicht ausserordentlich darin geübt wird, denselben kaum wahrzunehmen vermag.

Zweites Tempo: Linke Diagonale. Der Reiter


  1. Dieses Studium ist notwendig, um den Galoppwechsel klar zu machen. ↩︎

  2. Der gestreckte oder Renngalopp besteht aus vier Tempos. Ebenso auch der ganz abgekürzte, stark versammelte Galopp. Darauf komme ich späterhin zu sprechen. ↩︎

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muss beide Schenkel kräftig anlegen, um das Pferd in die Hand zu stellen.

Drittes Tempo: Das Pferd ruht auf dem rechten Vorderfuss. Der Reiter muss das Pferd leicht an den Zügel nehmen, zunächst, um es zu unterstützen, und ferner, um das Indiehandstellen zu vervollständigen, zu welchem es beim zweiten Tempo durch die Schenkel aufgefordert worden war.

Jetzt will ich die Wirkung dieser Hilfen bei den drei Tempos, welche einen Galoppsprung ausmachen, erklären.

Erstes Tempo: Der linke Schenkel des Reiters muss deshalb kräftig angelegt sein, weil das Pferd sozusagen einzig und allein auf seinem linken Hinterbein steht, obwohl sein Körper nach vorn geneigt ist und die übrigen Glieder sich nicht viel über dem Boden erhoben haben. Das Gesamtgewicht des Pferdes und des Reiters ruht mithin auf diesem Beine, und wollte man das Pferd nicht auf der linken Seite unterstützen, so würde unfehlbar dieses Bein unter der Überlastung erlahmen und die Hinterhand nach links abweichen.

Zweites Tempo: Die beiden Schenkel des Reiters üben ihren Druck aus, um das Pferd auf den Zügel zu treiben. Dies ist während des Galopps der einzige Augenblick, in welchem das Pferd zwei Stützpunkte hat, und man muss daher den Abschwung, welchen es nunmehr bekommen wird, dazu benutzen, um es sich beim nächsten Tempo in die Hand zu treiben.

Drittes Tempo: Der Reiter bekommt das Pferd auf die Hand. Dies ist der Augenblick, in welchem ein völliges Indiehandstellen am leichtesten zu erzielen ist; da beim zweiten Tempo das unter dem Schwer-

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Tafel XXI.

Tafel XXI.

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punkt befindliche rechte Sprunggelenk den grössten Schwung hervorbringt, was von der Hand zur vermehrten Versammlung ausgenutzt werden muss.

Ebenso muss die Hand das Pferd beim dritten Tempo immer ein wenig unterstützen, da es in diesem Augenblick einzig und allein auf dem rechten Vorderbein ruht. In der Regel ist dies der Augenblick, in dem die Pferde Fehler machen und Gefahr laufen, zu stürzen, wenn sie nicht unterstützt werden.

Wohlverstanden, ich gebe nur die hauptsächlichsten Hilfen an. Es ist ja selbstverständlich, dass Hände und Schenkel gegenseitig zusammenwirken müssen.

Nach allem, was ich soeben gesagt habe, könnte es den Anschein gewinnen, als ob das linke Hinterbein beim Rechtsgalopp am meisten mitgenommen würde. Das ist auch tatsächlich die Meinung vieler, welche über dieses Thema geschrieben haben. Das beruht aber auf einem gewaltigen Irrtum, da das unter dem Schwerpunkt befindliche, rechte Sprunggelenk die ganze Masse hebt und daher beim Galoppsprung die Hauptarbeit tut. Die Tatsache beweist es. Ich weiss es wohl, dass das linke Sprunggelenk, welches das äusserste Ende des Hebelarmes bildet, in bezug auf die Bewegung wenig nutzt. Da jedoch die Lage des rechten Sprunggelenkes unter dem Schwerpunkt zur völligen Ausnutzung seiner Federkraft eine günstigere ist, so ist die Kraftäusserung bei demselben eine stärkere und es wird aus diesem Grunde auch in erhöhtem Masse angestrengt. Beobachtet man genau ein im Rechtsgalopp befindliches Pferd, so bemerkt man gar bald, dass das rechte Sprunggelenk und die rechte Fessel sich bei weitem mehr durchbiegen müssen als auf der linken Seite, dass aus diesem Grunde ihre Tätigkeit

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von unten nach oben schärfer ausgesprochen und ihr Abschwung energischer ist.[1]

Setzt man ein Pferd, dessen rechtes Sprunggelenk fehlerhaft ist (trockener Spat, verletzte Linie oder Hasenhacke), in den Rechtsgalopp, so wird es sofort mit den Hinterbeinen wechseln, da ihm die von ihm verlangte Kraftäusserung einen Schmerz verursacht. Lässt man aber dasselbe Pferd im Linksgalopp anspringen, so wird es darin verbleiben, ohne auf der Hinterhand zu wechseln. Das rechte Sprunggelenk arbeitet also kräftiger beim Rechtsgalopp, das linke dagegen beim Linksgalopp. Aus diesem Grunde muss also der Reiter stets beide Schenkel kräftig gebrauchen, insbesondere beim zweiten Tempo. Hierdurch wird das unter dem Schwerpunkt befindliche Sprunggelenk zu grösserer Tätigkeit angespornt, das Pferd nach vorwärts getrieben und beim zweiten Tempo verhindert, länger auf dem Boden zu verweilen als beim ersten und dritten Tempo. Gäbe man die Hilfe nicht in dieser Weise, so würde das zweite Tempo ein langsameres und schwerfälligeres sein, als die beiden anderen.

XIX. Volten und halbe Volten im Galopp.

Habe ich es erreicht, dass das Pferd leicht und ohne Anstrengung galoppiert, so lasse ich es grosse Volten ausführen. Es ist tatsächlich günstiger, zu An-


  1. Auch bei den für Damen zugerittenen Pferden, welche meist rechts galoppieren, nutzt sich das rechte Sprunggelenk stets frühzeitiger ab. Die Damen mögen den Linksgalopp nicht, weil derselbe sie bei weitem mehr aus ihrem Sitz bringt. Da dieselben nach links sitzen, so erfolgt das Strecken nicht genau unter ihrem Sitz, weil es vom rechten Sprunggelenk ↩︎

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fang grössere Zirkel zu beschreiben, da es auf kleineren schwieriger ist, sein Pferd in gerader Stellung zu erhalten.

Es kommt selten vor, dass ein Pferd nicht den Versuch machte, seine Hinterhand nach aussen oder nach innen zu werfen. Geschieht es nach aussen, so ist dem Übel leichter abzuhelfen.

Nehmen wir also an, mein Pferd befindet sich im Rechtgalopp und soll nach rechts eine Volte machen. Nachdem ich die Schenkel angelegt habe, führe ich beide Hände nach rechts und vorwärts; nach rechts, um die Schulter von der Bande abzubringen, nach vorwärts, um das unwillkürliche Verkürzen des Tempos zu vermeiden. Der rechte Trensenzügel[1] muss nach rechts ziehen, während der linke den Hals und somit auch die Schultern nach rechts schiebt, wobei er gleichzeitig den linken Schenkel darin unterstützt, die Hinterhand am Ausweichen zu verhindern und somit dazu beiträgt, das Pferd in seiner geraden Stellung zu erhalten. Macht das Pferd den Versuch, seine Hinterhand nach links zu werfen, so müssen beide Schenkel ihren Druck verstärken, um das Tier energischer nach vorn zu treiben, nur muss der linke Schenkel noch etwas kräftiger einwirken, als der rechte, um das Pferd im Rechtsgalopp

ausgeht. Aus diesem Grunde kommen sie hier weniger leicht aus dem Sitz, als beim Linksgalopp.


  1. Ich habe bereits erwähnt, dass ich mich stets der Trense bediene, um das Pferd eine neue Aufgabe zu lehren. Die Trense dient zur Führung, die Kandare zum „Indiehandstellen". In dem Masse, wie das Pferd auf die Trensenwirkung eingeht, tritt auch mehr und mehr die Kandare in Wirkung, um das Indiehandstellen und schliesslich die Versammlung zu erzielen. Diese beständige Tätigkeit der Kandare zum Indiehandstellen finden wir bei allen Übungen wieder, in Gemeinschaft mit der Trensenführung, welche dem Pferde die Richtung anzeigen soll. ↩︎

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zu erhalten. Der rechte Schenkel treibt die Masse nach vorwärts und zwingt die Hinterhand, mit der Vorhand in ein und derselben Richtung zu bleiben.

Der Grund, weshalb ich einem Pferde den Vorzug gebe, welches die Hinterhand nach aussen wirft, ist ein leicht verständlicher. In diesem Falle nämlich wirft es sich gegen meinen linken Schenkel; ich bediene mich alsdann des Sporns, dessen Zweck hierbei ein doppelter ist; einmal soll er die Hinterhand hindern, nach links abzuweichen, zum anderen zwingt er das Tier, im Rechtsgalopp zu verbleiben. Im anderen Falle, nämlich wenn das Pferd seine Hinterhand nach innen wirft, bin ich gezwungen, meinen rechten Schenkel mehr oder minder kräftig, manchmal sogar den Sporn zu gebrauchen, selbst auf die Gefahr hin, dass das Pferd mit den Hinterbeinen wechselt. Endlich kriecht das Pferd, welches die Hinterhand zu weit in den Zirkel hineingestellt hat, hinter den Zügel. Nur selten werden diese Fehler auftreten, wenn man mit grossen Zirkeln beginnt. Man soll dieselben erst allmählich verkleinern und zwar nach Massgabe der Leichtigkeit, mit welcher das Pferd die Arbeit ausführt. Ich füge noch hinzu, dass man selbst in den kleinen Zirkeln sein Pferd ganz geradegestellt erhalten muss.

Unmittelbar darauf beginne ich mit den halben Volten. Diese Bahnübung ist ein Kinderspiel, wenn man sich mit der ungefähren Ausführung derselben begnügt, dagegen ist es sehr schwierig, dieselbe absolut richtig auszuführen, was ich übrigens auch nur selten gesehen habe.

Beim Verlassen der Bande muss das Pferd geradegestellt sein und am Zügel stehen, genau so, wie bei den Volten. Nach drei Galoppsprüngen muss es den

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Rest des Weges auf zwei Hufschlägen zurücklegen, bis es zur Bande zurückkommt. Um auf zwei Hufschläge zu gelangen, während das Pferd stets im Rechtsgalopp verharrt, zieht der rechte Trensenzügel den Kopf und den Hals ein wenig nach rechts, während der linke am Halse anliegt und die Schultern von links nach rechts schiebt; der linke Schenkel veranlasst ein Weichen der Hinterhand nach rechts; der rechte Schenkel dient dazu, das Pferd vorwärts zu treiben und es in der Hand zu behalten, was sehr wichtig ist, da man trotz des Seitenganges Boden nach vorne gewinnen muss. Sobald man an die Bande gelangt, welche sich nun rechts vom Reiter befindet, muss man das Pferd wieder geradeaus stellen, parieren[1] und dann im Schritt in die Hand stellen; hierauf Linksgalopp anspringen und auf dieser Hand die gleiche Arbeit ausführen lassen.

Führt das Pferd die halben Volten richtig aus, so lasse ich es noch einige Galoppsprünge, ohne zu wechseln, weiter machen. Beginne ich also die halbe Volte von derjenigen Bande aus, welche ich zur Linken habe, und das Pferd galoppiert rechts, so bleibe ich, da ich die Wendung nach rechts mache, immer im Rechtsgalopp, auch nachdem die halbe Volte ausgeführt ist, jedoch in der ersten Zeit nur während zwei oder drei Galoppsprüngen. Ich vergrössere diese Zahl erst ganz allmählich und zwar nach Massgabe der Leichtigkeit und geringen Anstrengung, mit welcher das Pferd diese Übung ausführt.

Es ist dieses die leichteste Art, auf welche das Pferd es lernt, beim Wenden nach links auf dem


  1. Soll die Bewegung richtig ausgeführt sein, so muss die Vorhand zuerst bei der Bande ankommen. ↩︎

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rechten Fuss zu galoppieren, und umgekehrt. Diese Übung ist absolut notwendig, wenn man erreichen will, dass das Pferd mit Leichtigkeit wechselt, gleichviel auf welchem Hufschlag es gerade galoppiert.

Galoppiert ein Pferd auf dem äusseren Fusse, d. h. also im Kontergalopp, tadellos einmal um die Bahn herum, so muss man es häufig abwechselnd, das eine Mal rechts, das andere Mal links anspringen lassen, wobei man es stets längs der Bande gehen lassen muss.

XX. Der Galoppwechsel.

Sobald ein Pferd mit der gleichen Leichtigkeit rechts oder links galoppiert, muss der Reiter es auch ganz nach Gefallen im Rechts- oder im Links-Galopp anspringen lassen können. Ausserdem muss er aber auch, ohne erst zu parieren, von einem zum anderen Galopp überzugehen verstehen; darin besteht der „Galoppwechsel“ (das Abchangieren). Dies ist keineswegs nur eine Übung der hohen Schule, sondern gehört zur gewöhnlichen Reiterei, und ist etwas, was man täglich gebraucht, nicht nur in der Bahn, sondern auch im Freien, ebensowohl beim Spazierenreiten, als auf der Jagd.

Reitet man z. B. im Linksgalopp, und will nach rechts wenden, so ist es ganz unmöglich, diese Wendung ohne Gefahr zu vollführen. Tatsächlich müsste das linke Vorderbein, welches im Ausgreifen ist, über das rechte treten, es würde dieses aufhalten und an ihm hängen bleiben, wodurch das Pferd zum Stürzen käme. In diesem Falle misst in der Regel der Reiter seinem Pferde die Schuld bei und sagt, es habe einen

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Fehler gemacht. Allerdings wurde ein grober Fehler gemacht, aber nur vom Reiter.[1]

Will man im Linksgalopp nach rechts wenden, ohne dabei die Gangart zu verändern, so ist es durchaus notwendig, vorher das Pferd zum Rechtsgalopp umspringen zu lassen. Die Wendung geht dann ebenso leicht wie gefahrlos vor sich. Hat doch das Pferd dabei seinen Kopf nach rechts gestellt und den Körper nach rechts gebogen, also nach der Seite, nach der es wendet. Ausserdem befindet sich das ausgreifende Bein, welches Boden gewinnt, auf der Seite, nach der die Wendung vor sich geht.[2]

Man muss den Galoppwechsel mit der grössten Sorgfalt einüben. Eine gründliche Vorbereitung ist


  1. Natürlich kann es vorkommen, dass dieser Unfall vermieden wird und dass es dem Pferde gelingt, sich aufrecht zu erhalten, obgleich es mit den Beinen aneinander geraten ist. Das ist aber dann reiner Zufall. Der Grund dafür, warum ein im Linksgalopp befindliches Pferd bei der Wendung nach rechts stürzt, ist der, dass man es urplötzlich in die Stellung zum Rechtsgalopp versetzt. Bei der Arbeit in der hohen Schule erreicht man es allerdings, dass das Pferd ganz richtig nach rechts wendet und dabei im Linksgalopp verbleibt. Hierzu muss man aber die Wendung in einem grösseren Bogen ausführen, das Pferd stets in der Stellung des Linksgalopps erhalten und dieselbe sogar ein wenig übertreiben, indem man durch den Druck des rechten Schenkels die Hinterhand noch etwas mehr nach links bringt. Das Abchangieren ist allerdings leichter. ↩︎

  2. Was den Richtungswechsel anbelangt, so empfehle ich drei Punkte zur Beachtung: den Bogen stets so gross, wie nur irgend möglich zu machen; beim Wenden stets das Tempo ein wenig zu verkürzen; und endlich, sobald man nicht ganz sicher ist, dass das Pferd auch wirklich umgesprungen ist, welche Schwierigkeit mit der Schnelligkeit der Gangart wächst, ist es besser, das Pferd vor der Wendung in den Trab fallenzulassen und erst nach geschehener Wendung den Galopp wieder aufzunehmen. ↩︎

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das einzige Mittel, um diese Aufgabe dem Pferde beizubringen, und es an dieselbe zu gewöhnen. Es ist sehr schwer, in einem Buche anzugeben, in welchem Stadium der Dressur das Pferd zum Erlernen des Galoppwechsels genügend vorgebildet ist. Ich kann nur im allgemeinen sagen, dass dieser Moment vorhanden ist, wenn man durch die von mir beschriebenen Vorübungen erzielt hat, dass das Pferd in seinen Bewegungen frei geworden ist, dass es biegsam, ungezwungen, gut im Gleichgewicht, gehorsam und vor allem aufmerksam auf die Hilfen ist.

Wir haben es also jetzt erreicht, dass das Pferd bereits ohne weiteres auf der rechten Hand im Rechtsgalopp und auf der linken Hand im Linksgalopp anspringt, ebenso wie es auch gleichmässig leicht rechts und links galoppiert, gleichviel auf welcher Hand man sich gerade befindet.

Um nun den Galoppwechsel herbeizuführen, verfahre ich folgendermassen.[1] Ich setze das Pferd in den Rechtsgalopp, während ich auf der rechten Hand reite. Nach einigen Galoppsprüngen auf diesem Fusse pariere ich; hierauf galoppiere ich wieder auf dem linken Fusse an, indem ich auf dem rechten Hufschlag verbleibe und sorgfältig darauf achte, mein Pferd möglichst geradeausgestellt zu erhalten.

Ich fange des öfteren wieder von vorne an und lasse diese Übung mehrere Male ausführen. Ich setze dieselbe so lange fort, bis ich das Gefühl bekomme, dass mir das Pferd ganz leicht in der Hand bleibt, dass es beim leisesten Schenkeldruck zum Galopp anspringt, und zwar ohne Übereilung und ohne den


  1. Ich mache nochmals darauf aufmerksam, dass ich eine neue Übung stets zu Ende der Stunde vornehme. ↩︎

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Versuch zu machen, mit der Hinterhand von der geraden Linie abzuweichen.

Um ganz sicher zu sein, dass sich das Pferd nicht querstellt, muss man beim Anspringen etwa einen Meter von der Bande abbleiben.

Das ist sehr schwierig,[1] trotzdem kann ich nur raten, sich dieser Mühe zu unterziehen. Man erreicht damit, dass der Reiter gezwungen wird, sein Pferd ohne Zuhilfenahme der Bande ganz geradeaus gestellt zu erhalten, und dass er zu viel genauerer Arbeit veranlasst wird.

Man verlange das Wechseln von der Bande entfernt nicht früher, als bis man es längs derselben erreicht hat. Dazu gehört auch, dass das Pferd mit Leichtigkeit rechts oder links angaloppiert, sobald man dieses nach hierzu eingenommener Stellung von ihm verlangt. Es muss genügen, dass man es richtig stellt und die Schenkel wirken lässt, um zum gewünschten Resultat zu gelangen.[2] Ich setze das Pferd alsdann in den Rechtsgalopp und verbleibe in demselben so lange, bis das Pferd sich gänzlich beruhigt hat, worauf ich pariere und ein bis zwei Minuten Schritt reite. Jetzt lasse ich es im Linksgalopp anspringen und verharre in demselben, ebenso wie vorher wieder so lange, bis das Pferd ganz losgelassen und ruhig geht; hierauf lasse ich es wieder einige Augenblicke Schritt gehen. Dann galoppiere ich wieder rechts an und


  1. Die Schwierigkeit besteht nicht etwa im Anspringen, sondern darin, dass man mit gerade gerichtetem Pferde stets denselben Abstand von der Wand behält. ↩︎

  2. „Stellen und Antreiben“: ein Hauptprinzip, welches in der gesamten Reiterei immer wieder vorkommt. Stellen mit den Schenkeln und Händen, antreiben mit den Schenkeln allein. ↩︎

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so fort. Das ist also ein fortwährendes Anspringen im Galopp, jedesmal aber auf einem anderen Fusse. Ganz allmählich verkürze ich nun die Schrittpausen zwischen jedem einzelnen Anspringen und zwar derart, dass das Pferd z. B. zwischen jedem neuen Anspringen nur fünf Tempos im Schritt macht, hierauf vier, drei, zwei und endlich nur noch eins. Schliesslich gelangt das Pferd dahin, ganz sicher rechts und links abwechselnd anzugaloppieren, wobei nur ein einziges Tempo dazwischenliegt.

So hat z. B. das Pferd, welches rechts angaloppiert ist, Halt gemacht und ist unmittelbar darauf wieder im Linksgalopp angesprungen; es hat also bereits einen Wechsel vollzogen, nur ist die Ausführung desselben durch eine kurze Zwischenpause erleichtert worden. Der wirkliche Galoppwechsel wird aber ohne diese Pause ausgeführt; darum bezeichnet man ihn auch als „der Galoppwechsel in der Luft“ oder „Fliegender Galoppwechsel“.

Sind wir erst so weit gekommen, so ist das Pferd für das Wechseln reif. Es bietet sich mir die Möglichkeit, diese Übung ausführen zu lassen, ohne das Pferd dadurch zu überraschen und aufzuregen.

Während ich auf der rechten Hand reite, setze ich mein Pferd in den Linksgalopp. Es galoppiert also auf dem äusseren Fuss, und es wirken in diesem Augenblick vornehmlich der linke Zügel und der rechte Schenkel. Sobald ich an eine Ecke der Bahn gelange, wechsle ich völlig meine Hilfen und lasse den rechten Zügel und den linken Schenkel wirken; dieser Wechsel in den Hilfen muss sich sehr bestimmt und in völliger Übereinstimmung vollziehen. Soll die Ausführung dieser Bewegung eine tadellose sein, so muss sie ausser-

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ordentlich schnell und doch ohne jeden Ruck geschehen. Diese schnelle und zugleich weiche Hilfe kann aber nur dann gut ausgeführt werden, wenn man fortwährend sorgsam darauf geachtet hat, dem Pferde die Tätigkeit des rechten Zügels bemerkbar zu machen und den linken Schenkel in Bereitschaft zu halten, so dass man nur nötig hat, diesen Zügel etwas mehr wirken zu lassen und den Schenkel kräftiger anzulegen.

Die Tätigkeit der rechten Hand macht sich also vorher schon leicht fühlbar und der linke Schenkel liegt dicht am Pferd; es gibt infolgedessen weder einen Ruck noch eine Überraschung, wenn die Haupthilfe zum Wechseln gegeben wird. Da man zudem sein Pferd daran gewöhnt hat, bei der mit dem rechten Zügel und dem linken Schenkel gegebenen Hilfe, rechts anzuspringen, und da man diesen ersten Galoppwechsel auf der rechten Hand von ihm verlangt, auf welcher also die Ausführung am leichtesten ist, so kommt es selbst beim ersten Male sehr selten vor, dass das Pferd sich dagegen weigert. Sollte trotz alledem der Fall eintreten, dass das Pferd nicht wechselt, so darf man es nicht durch rohe Behandlung hierzu zwingen. Man würde damit nur erreichen, dass es die Hinterhand nach rechts würfe, ganz abgesehen davon, dass es vor dem Wechseln Angst bekäme und aus Furcht vor einer ihm unverständlichen Zumutung davonstürmen würde. Man muss im Gegenteil parieren, das Pferd im Schritt in die Hand stellen, hierauf wieder im Linksgalopp anspringen und es noch einmal zum Wechseln auffordern. Hiermit muss man aber warten, bis sich das Pferd wieder völlig beruhigt hat.

Führt das Pferd zu wiederholten Malen das Wechseln im Galopp nicht aus, so ist das ein Beweis, dass

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die Vorbereitung eine ungenügende war und dass es noch nicht reif ist, diese Übung auszuführen. Entweder ist es von den Hilfen überrascht worden und davongestürmt oder zur Seite gesprungen, oder aber es hat nicht begriffen, was man von ihm verlangte.

Unter allen Umständen muss man jetzt wieder mit dem abwechselnden Anspringen beginnen.

Ich wiederhole es, dass dieser Fall bei einem gut vorbereiteten Pferde äusserst selten eintreten wird.

So oft man auf eine Schwierigkeit stösst, muss man immer wieder auf das Rechts- und Linksanspringen zurückkommen. Dieses abwechselnde Anspringen mit Zwischenpausen macht das Wechseln so leicht, dass das Pferd es häufig ganz von selbst ausführt, einzig und allein infolge der Vorarbeiten, denen es unterworfen gewesen ist. Pariert man es nämlich auf dem einen Fuss, so müssen bereits die Hilfen das Anspringen auf dem anderen Fuss leise vorbereiten.

So oft ich die nötige Zeit gehabt habe, um mein Pferd gründlich vorzuarbeiten, habe ich bei der Aufforderung zum Wechseln meinen Zweck stets gleich beim ersten Male erreicht. Immerhin wird ein Pferd, welches mehrere Male auf die Hilfe zum Galoppwechsel nicht eingegangen ist, diese Übung schliesslich immer einmal tadellos ausführen. Wenn das eintritt, muss man absteigen, das Pferd streicheln und in den Stall zurückschicken.

In der nächsten Stunde muss man wieder die gleiche Übung machen und diese so lange fortsetzen, das Pferd mit Leichtigkeit vom linken auf das rechte Bein abchangiert; hierauf geht man auf die andere Hand und lässt nun auf der linken Hand in derselben Weise von rechts nach links abchangieren.

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Man muss es vermeiden, das Wechseln stets auf demselben Fleck zu verlangen, da sonst das Pferd auch gegen den Willen des Reiters leicht den Versuch machen könnte, jedesmal dann zu wechseln, wenn es an dieser Stelle vorbeikommt. Es würde somit das Wechseln eigenmächtig vornehmen, und es würde dem Reiter unmöglich werden, das Pferd zur regelrechten Ausführung des Wechselns zu bewegen, da ja sein Wille demjenigen des Pferdes untergeordnet wäre.[1]

Habe ich ein leichtes Wechseln in den Ecken, also von aussen nach innen, erreicht, so lasse ich es hierauf auf der geraden Linie ausführen. Das Wechseln darf man nicht etwa in jedem beliebigen Augenblick eines Galoppsprungs verlangen. Es gibt nämlich einen Moment, in welchem seine Ausführung dem Pferde viel leichter wird; es kommt nur darauf an, diesen Moment zu erfassen, um das Pferd dazu aufzufordern. Wie ich bereits erwähnt habe, zerfällt jeder


  1. Ich habe bereits erwähnt, wie leicht sich das Pferd an alles mögliche gewöhnt. Deshalb muss man es bei der gesamten Dressur auf das sorgfältigste vermeiden, ihm besondere Merkzeichen zu geben, indem man entweder ein und dieselbe Arbeit stets auf demselben Fleck von ihm fordert, oder indem man die verschiedenen Übungen stets in derselben Reihenfolge vornimmt. In meinen Augen ist diese Bemerkung um so wichtiger, als die meisten Bereiter es sich gerade angelegen sein lassen, dem Pferde Merkzeichen zu geben. Dieser Umstand erleichtert ja allerdings die Dressur, dagegen ist aber diese Art der Dressur nur eine scheinbare. Das Pferd führt aus Gewohnheit eine bestimmte Aufgabe in einem bestimmten Augenblick aus, an gewissen Stellen und nachdem eine andere Arbeit beendet ist; es ist aber nicht in dem Sinne dressiert, als ob es unbedingt unter dem Willen des Reiters stünde; im Gegenteil, der Reiter ist gezwungen, sich den Gewohnheiten des Tieres unterzuordnen. Das Pferd tut es aus Gewohnheit, oder wie man zu sagen pflegt, aus Routine; es ist aber nicht dressiert. ↩︎

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Galoppsprung in drei völlig gesonderte und auf dem Boden durch die Pferdehufe bezeichnete Momente. In Wirklichkeit gibt es aber noch einen vierten, welcher sozusagen durch nichts gekennzeichnet wird, da er sich in der Luft verzieht. Bei einem rechts galoppierenden Pferde unterscheiden wir folgende Momente. Erstes Tempo: linkes Hinterbein; zweites Tempo: rechtes Hinterbein und linkes Vorderbein; drittes Tempo: rechtes Vorderbein. Das vierte Tempo nun, von welchem ich spreche, ist da zu suchen, wo das rechte Vorderbein den Boden verlässt und bevor das linke Hinterbein niedergesetzt wird. Wie ersichtlich, befindet sich das Pferd in diesem Augenblick in der Luft und zwar zwischen dem dritten Moment eines Galoppsprunges und dem ersten des nachfolgenden.

Der günstigste Zeitpunkt, um den Galoppwechsel zu erreichen, ist demnach dieser vierte Moment, wenn das Pferd in der Luft schwebt.[1]

Das fortgesetzte Wechseln, richtig ausgeführt, bildet so eine wirkliche Gangart. In derselben verfüge ich über eine derartige Schwungkraft, dass ich, ohne mich überheben zu wollen, imstande zu sein glaube, mit jedermann den Wettstreit aufnehmen zu können.

Bei diesem Anlass möge es mir gestattet sein, hier folgenden, an den „Gil Blas“ gerichteten Brief wiederzugeben, dessen Veröffentlichung von der Redaktion verweigert wurde.


  1. Baucher spricht sich über diesen Punkt gar nicht aus. Die Mehrzahl der Schulreiter führt das Wechseln dann aus, wenn das Pferd einen Stützpunkt hat, anstatt diesen Moment da zu suchen, wo ich ihn soeben angegeben habe, wenn das Pferd sich in der Luft befindet. Daher kommt eine unvermeidliche Pause, welche störend auf den Rhythmus des Galopps wirkt und infolgedessen den Galopp selbst beeinträchtigt. Das von mir angegebene Verfahren erhält dagegen den Galopp in seinem vollen Schwung und gestattet während des Wechselns je nach Belieben das Tempo zu verstärken oder zu verkürzen. ↩︎

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Um den Galoppwechsel beim vierten Moment zu erreichen, muss man die nötige Hilfe schon beim zweiten Moment geben, also wenn das Pferd mit dem diagonalen Fusspaar den Boden berührt.

Wenn nämlich beim Rechtsgalopp der rechte Sporn in dem Moment eingreift, wo die linke Diagonale auf dem Boden ruht, so wird hierdurch ein so energisches Abfedern des rechten Sprunggelenkes hervorgerufen, dass die linke Schulter kräftig nach vorn geworfen wird, und zwar über die rechte Schulter hinaus, während das Pferd noch in der Luft schwebt.

Endlich wird sich das linke Hinterbein um so leichter vor das rechte setzen, als es sich in dem Augenblick in der Luft befindet, in welchem das rechte Sprunggelenk sich streckt. Unter diesen Umständen wird nach erfolgtem Eingriff im zweiten Moment der dritte Moment (rechtes Vorderbein) den

Mehr Glück hatte ich beim „Echo de Paris“, wo ich die Inserierung bewilligt erhielt, dagegen keine Antwort bekam.

An den Herrn Direktor des „Gil Blas“.

Paris, 27. August 1890.

„Herr Direktor!

Herr Baron de Vaux hat kürzlich in einem langen Artikel des „Gil Blas“ mein Buch und meine Art des Reitens stark angegriffen. Ich denke nicht daran, mich darüber zu beklagen, und ich werde mich wohl hüten, da ich bloss von Pferden etwas verstehe, mich mit einem Manne von der Feder in ein Wortgefecht einzulassen.

Trotz alledem erscheint es mir zweckmässig, einen Punkt wenigstens hervorzuheben, weil ein praktischer Versuch darüber ein entscheidendes Urteil abgeben kann.

Der Verfasser des betreffenden Artikels behauptet, dass ich beim Galoppwechsel meine Pferde nicht geradeaus stelle. Wenn das wahr ist, so verliere ich naturgemäss an Terrain nach vorwärts.

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grössten Teil seiner schwunggebenden Bedeutung in dem betreffenden Galoppsprung verlieren und wird nur in dem Masse hervortreten, als es vom Erhalten des Gleichgewichts bedingt ist; denn es ist das rechte Sprunggelenk, welches die Hauptarbeit getan hat, um das Wechseln zu ermöglichen.

Jedermann versteht nunmehr die Bedeutung des Ausdrucks: „Galoppwechsel in der Luft“.

Man wird nun dieselben Vorschriften für das umgekehrte Wechseln, also von rechts nach links beobachten müssen.

In diesem Kapitel haben wir bloss vom Galoppwechsel in der gewöhnlichen Reiterei gesprochen. Wir werden späterhin noch einmal ausführlicher darauf zurückkommen müssen, und zwar bei den Übungen der hohen Schule.

Wohlan, ich schlage einen Wettbetrieb im Wechseln bei jedem Sprunge vor. Das ist ein origineller Versuch, welcher meines Dafürhaltens noch niemals gemacht worden ist.

Gewinnen wird natürlich derjenige, dessen Pferd am besten geradeaus gestellt gewesen sein wird.

Da Herr Baron de Vaux viele Reitkünstler kennt, welche Gnade vor seiner Kritik finden, so bitte ich ihn, seinen ganzen Einfluss dahin geltend zu machen, um einen von diesen Herren zu bewegen, meine Herausforderung anzunehmen.

Was die Wahl der Bahn, die zurückzulegende Entfernung anbelangt, so mache ich die Bedingungen meines Gegners zu den meinigen. Ebenso soll er auch die Höhe des Einsatzes bestimmen, welcher den Armen zufliessen wird.

Bitte, geben Sie Ihrem Herzen einen Stoss. Wenn nicht für die Reitkunst, so geschehe es um der Armen willen. Zehntausend Francs z. B. würden ihnen gewiss eine grosse Freude bereiten.

Genehmigen Sie, Herr Redakteur, die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung. James Fillis.“

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XXI. Das Promenadenpferd.

Ich suche nicht den Typus des Promenadenpferdes — den englischen „hack“ — zu beschreiben. Jedermann, Reiter oder Reiterin, hat sein eigenes Modell.

Dieses Modell wählt der Reiter nach seiner Gewohnheit, seinem Temperament, seiner Art zu reiten; mit einem Wort, nach seiner Reitfähigkeit.

Indessen gibt es gemeingültige Eigenschaften, die dem Pferde angeboren sein müssen, welche man ihm weder durch Anzucht, Pflege und Dressur geben, noch ersetzen kann.

Das erste Erfordernis, eine unerlässliche Bedingung, ist Sicherheit auf den Beinen. Es ist unbedingt nötig, dass das Pferd in allen drei Gangarten tadellos geht, d. h. ohne einen Fehltritt zu machen. Deshalb sucht man ein Pferd, welches die Beine frei heraushebt und mit Festigkeit senkrecht wieder niedersetzt. Dasjenige Pferd, welches das Bein nachschleppt und den Erdboden streift, wird an jede Unebenheit desselben, an jeden Stein anstossen und infolgedessen leicht einen Fehltritt machen, welcher einen Sturz zur Folge haben kann.

Auch ein Pferd mit Zehenauftritt, d. h. ein solches, welches im Gang zuerst mit der Hufspitze den Erdboden berührt, wird leicht anstossen. Diesem Fehler begegnet man nur bei dem „Schlepper“. Ein Pferd, welches die Beine hebt, kann eben nicht mit der Hufspitze zuerst auftreten, setzt vielmehr den Huf notwendigerweise mit Festigkeit senkrecht zur Erde.

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Sodann muss man vom Reitpferde verlangen, dass es dreist sei, d. h. weder schreckhaft, noch furchtsam.

Es gibt kein Dressurmittel, welches ein Pferd, das fehlerhaft auftritt, zuverlässig machen könnte, ebensowenig gibt es ein Dressurmittel, welches einem Pferde, das schreckhaft ist und bei jedem Anlass einen Seitensprung oder Kurzkehrt macht, Dreistigkeit beibringen könnte.

Solange ein guter Reiter solch ein Pferd zwischen Schenkel und Zügel hält, seine Aufmerksamkeit darauf verwendet[1] und immer auf alles gefasst ist, so lange wird es nicht leicht zu Fall kommen und Unglücksfälle vermieden werden; aber sobald er in seiner Aufmerksamkeit nachlässt, wird er allen Zufälligkeiten ausgesetzt sein und die schönsten Aussichten haben, ein beschädigtes Pferd in den Stall zurückzubringen.

Unter solchen Umständen hört das Spazierenreiten auf, ein Vergnügen zu sein, wird vielmehr zu einer lästigen Arbeit, zu einer beständigen Besorgnis, zu


  1. Man muss einem scheuen Pferde nicht nur die grösste Achtsamkeit schenken, sondern man muss es sogar schon bei dem ersten Anzeichen von Schreckhaftigkeit beherrschen. Viele Reiter nehmen in ähnlichen Fällen die Schenkel gar nicht heran, aus Furcht, dadurch das Tier noch mehr zu erregen, und zerren an den Zügeln, besonders an der Trense. Dadurch, dass man so das Pferd seiner Furchtsamkeit überlässt, tut man aber gerade das, was diese vermehren hilft; denn durch die Anlehnung an die Zügel versetzt man es eben in die für eine heftige und nicht beabsichtigte Bewegung günstigste Lage.

    Gerade das Gegenteil muss man machen: Energischen, d. h. weniger leichten Schenkel, um das Tier vorwärts zu treiben. Ist es doch gleich bei der ersten Furchtsamkeitsäusserung notwendigerweise dazu geneigt, hinter die Zügel zu kriechen, was doch als eine Vorbereitung zum Zurückweichen, zum Seitensprung, zum Kurzkehrtmachen und zum Bäumen anzusehen ist. Den durch die Schenkel gegebenen Antrieb nach vorwärts ↩︎

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einem Ärgernis, welches dann bald Unlust zum Reiten herbeiführt. Es bleibt also dabei, dass die beiden besten Eigenschaften eines Reitpferdes sicherer Auftritt und Dreistigkeit sind.

Um meine Ansicht ganz zu sagen, muss ich noch eine dritte Eigenschaft erwähnen, welche die beiden ersten noch überragt, weil sie diese voraussetzt und weil sie in einem Wort alles das ausdrückt, was man von einem Reitpferde erwarten kann. Diese hervorragendste Eigenschaft für jedes Pferd ist ein feuriges Temperament, d. h. energisch, eifrig, edelmütig und immer gehlustig zu sein.

Ein Pferd, welches unsicher auf den Beinen ist, ist sich dieses Fehlers bewusst; es wird immer zaghaft gehen und nie wagen auszugreifen.

Ein Pferd, welches nicht dreist ist, wird immer gern zum Zurückweichen bereit sein.

Ein gehlustiges Pferd hat Vertrauen zu seinem Auftritt, und wird sich, immer mit Lust vorwärts

muss man alsbald benutzen, um das Pferd bestimmt, aber doch leicht durch abwechselnde Kandaren- und Trensenanzüge in die Hand zu stellen. Ist das Indiehandstellen erreicht, dann füge man noch die seitliche Biegung von Kopf und Hals hinzu und zwar nach der dem Gegenstande des Erschreckens entgegengesetzten Seite. Nun treibe man das Tier immer am Zügel dreist vorwärts; das ist in allen Fällen das Gefahrloseste. Diese Hilfen nehmen die Aufmerksamkeit des schreckhaften Tieres in Anspruch, lenken es von dem Gegenstand seiner Furcht ab und versetzen es in die günstigste Lage, um Heftigkeit und Bestürzung zu vermeiden.

Ich brauche nicht erst zu sagen, dass diese Hilfen zu dem vom Pferde an den Tag gelegten Grade der Unruhe im richtigen Verhältnis stehen müssen. Generalregel ist also: Sobald das Pferd unruhig zu werden scheint, stelle man sich dasselbe vermittelst wirksamen Schenkeldrucks in die Hand, und alsbald wird Beruhigung eintreten.

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strebend, wenig um das kümmern, was um es her vorgeht.

Von welcher Rasse es immer sei, wie auch sein Bau beschaffen sein mag, das Pferd ist wie der Mensch: die Charaktereigenschaften bestimmen seinen Wert.

Die Energie und die Herzhaftigkeit machen das Pferd vollkommen. Was nützt die schönste Lokomotive ohne den Dampf, der sie auf den Schienen vortreibt?

Über aller Theorie steht die Tatsache, und Tatsache ist, dass das einzige, für alle Dienstleistungen (für hohe Schule sowohl, wie für das Freie) gleich brauchbare Pferd dasjenige ist, welches vorwärts strebt, und das ist das feurige Pferd.

Natürlich verstehe ich darunter nicht etwa das Pferd, welches andere Gangarten, als die verlangten, annimmt, welches unruhig oder voll Untugenden ist, sich etwa ohne Veranlassung widersetzt oder gar zum Durchgehen neigt.

Ein feuriges Pferd ist einfach ein solches, welches aus sich selbst heraus vorwärts gehen möchte und welches zufolge seines guten Gleichgewichts und aus eigenem, natürlichem Antrieb sich dreist an die Hand stellt. Gutes Gleichgewicht und natürlicher Schwung sind Eigenschaften, die notwendigerweise dem feuerigen Pferde anhaften, weil sie die Bedingungen seines ganzen Wesens sind, sagt das nicht alles? Es gibt keine Reitkunst ohne den Schwung: hier finden Sie diesen Schwung schon fertig vor. „Es ist leichter, vorhandenen Schwung zu verwerten, als ihn hervorzurufen.“ Hier hat man das Pferd, welches uns denselben freiwillig gibt. Das Zurückkriechen hinter dem Zügel ist der Stein des Anstosses aller Reiterei. Nun also haben wir ein Pferd, dessen natürliche Anlage dieser

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Neigung entschieden entgegenwirkt. Schliesslich bringt in allen Fällen, was da auch kommen mag, das Vorwärtsreiten den Reiter noch am wenigsten aus dem Sitz. Wenn die arabischen Pferde im allgemeinen leicht und angenehm zu reiten sind, so liegt das daran, dass sie feurig sind. Das arabische Pferd galoppiert hoch und schiebt dabei die Sprunggelenke immer unter den Schwerpunkt.

Habe ich nicht recht, von diesem Gesichtspunkt aus zu behaupten, dass ein Pferd, welches nicht feurig ist, besser eingespannt werden müsste? Man fürchtet im allgemeinen ein feuriges Pferd. Man tut aber unrecht daran, denn dieses allein ist treu und begeht keine Unarten; es ist das einzige, welches wegen seiner beständigen Gehlust furchtlos ist, selbst in der Widersetzlichkeit. Das von Temperament kalte Pferd, welches meistenteils vorgezogen wird, kann weder sicher, noch dreist sein. Jedenfalls wird es, weit entfernt willig vorwärts zu gehen, unausgesetzt zögern und immer bereit sein, hinter den Zügel zu kriechen, was in meinen Augen der schlimmste aller Fehler ist; es denkt nur daran, in den Stall zurückzukehren,[1] und versucht


  1. Übrigens ist die Neigung jedes Pferdes, selbst des feurigsten, darauf gerichtet, noch schneller wieder in den Stall zurückzukommen, als es ihn verlassen hat. Ausnahmen davon gibt es nicht.

    Damit der Reiter sich nicht dem aussetzt, dass er schneller zurückkehrt, als er beabsichtigt, rate ich ihm also, seinen Spazierritt mit einem flotten Tempo zu beginnen, welches das Pferd zum „Sichloslassen“ bestimmt: ein sehr wichtiger Punkt, um später Widersetzlichkeiten, Seitensprüngen, Hintenausschlagen und dgl. aus dem Wege zu gehen. Wenn man ausserdem die Vorsicht gebraucht, den Heimweg mit seinem Pferde in langsamer Gangart zurückzulegen, so gelangt man bald dahin, die Gangart desselben nach Belieben zu bestimmen ↩︎

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bei jeder Gelegenheit, diesen launenhaften Einfall zu befriedigen. Will man zu einer etwas lebhafteren Gangart übergehen, so muss man schon Sporn und Peitsche gebrauchen; da leichtere Aufmunterungsmittel nicht ausreichen, ist man eben zu Gewaltmassregeln genötigt. Diesen aber widersetzt sich das kalte Pferd, und zwar um so mehr, als es sich fortwährend schonen und seine ganze Kraft dazu erhalten konnte, um mit Erfolg dem Willen des Reiters entgegentreten zu können. Der Unterschied zwischen diesen beiden Pferdearten ist ein ungeheurer: das von Temperament feurige Pferd gibt alle Kräfte zum Nutzen des Reiters, das kalte Pferd hingegen alle zum Nachteil desselben her.[1]

und zu verhüten, dass es zu sehr in die Hand geht oder in den Galopp fällt, sobald es den Kopf nach dem Stall bekommt.

Desgleichen rate ich, niemals Kurzkehrt zu machen, um dadurch nach dem Stall auf einem Wege zurückzukommen, welchen man soeben erst benutzt hatte. In dieser Weise würde man ja die Neigung des Pferdes, in die Hand zu gehen, sobald man Kehrt gemacht hat, geradezu unterstützen.


  1. Im Jahre 1857 brachte man einmal in Chalon-sur-Saône zwei Pferde zur Dressur in die Reitbahn. Eines derselben war unruhig und heftig, dass es sehr schwierig war, den Fuss in den Bügel zu setzen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen entschloss man sich dazu, mich hinten bei den Hosen zu packen und in den Sattel zu werfen. Erst einmal darin, machte das Pferd nichts mehr und warf sich förmlich, indem es die Zügel annahm, nach vorwärts, sobald ich aufhörte, es zurückzuhalten.

    Der Reitbahnbesitzer, der mehr Vertrauen hatte zu dem anderen Pferde, welches mit tiefem Kopf nicht die geringste Bewegung machte und geduldig wie ein Hammel schien, setzte sich ohne Schwierigkeit in den Sattel. Aber er blieb nicht lange darin, die Bocksprünge auf der Stelle und das Hintenausschlagen liessen ihn unmittelbar darauf über den Kopf des kalten Pferdes fliegen, während das feurige Pferd mich vergnüglich in der Bahn herumtrug. Schlussfolgerung: „Misstrauen Sie einem zu ruhigen Pferde und schrecken Sie vor einem ungeduldigen nicht zurück.“ ↩︎

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Das von Temperament kalte Pferd kann zu dem Reiter kein Vertrauen fassen, weil man in der Arbeit gezwungen ist, alle Hilfen nachdrücklich anzuwenden, was für ein kaltes Pferd eben eine Züchtigung bedeutet.

Das feurige Pferd hingegen, welches sich willig hergibt, zum Besten des Reiters sich gewissermassen opfert, empfängt ja nur Liebkosungen und weiss alle feineren Unterschiede der Hilfen richtig zu beurteilen; zwischen Reiter und Pferd besteht eben keine Furcht, kein Misstrauen.

Viele Reiter machen dem feurigen Pferde zum Vorwurf, dass es unruhig ist und alsbald eine lebhaftere Gangart annimmt, wenn man nur die Zügel berührt; das ist aber ihr eigener Fehler, nicht der des Pferdes. Ist es doch Tatsache, dass man zuerst damit beginnt, die Zügel zu verkürzen, wenn man eine etwas lebhaftere Gangart anschlagen will. Inzwischen hat aber auch das Pferd den Zusammenhang dieser beiden Massregeln begriffen.

Um dem Pferde nicht zur Gewohnheit werden zu lassen, dass es gleich losgeht, wenn man die Zügel kürzer fasst, muss man es noch eine Weile im Schritt erhalten. Es wird dann diesen Fehler nicht begehen oder doch gleich wieder gut machen. Sache des Reiters ist es, dem Pferde erst dann die lebhaftere Gangart zu gestatten, wenn die Schenkel es dazu auffordern.

Soll ich von der Rasse des Pferdes sprechen? Schlage man dieses Buch auf und man wird von der ersten Zeile an meinen überzeugungsvollen Ausruf finden: „Ich dressiere nur Vollblutpferde.“[1] Ich sage


  1. Ich schrieb mein Buch zu jener Zeit, als ich im Hippodrom (in Paris) zum erstenmal mit „Germinal“ und „Markir“ auftrat. Man machte mich auf den Widerspruch aufmerksam ↩︎

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es ohne Umschweife, für den Spazierritt, wie für die hohe Schule stelle ich das Vollblutpferd über alle anderen. Das ist das ausgezeichnetste Pferd für jede Dienstleistung. Hat man übrigens die Gewohnheit angenommen, Vollblutpferde zu reiten, mag man andere Pferde nicht mehr besteigen.

Die Leichtigkeit aller Hebel, die Elastizität der stählernen Federkraft, welche diese Hebel in Tätigkeit setzt, die durch die Dressur noch mehr ausgebildete Biegsamkeit — alles das sind für mich die hervorragenden Eigenschaften des Vollbluts. Horche man

zwischen meiner Versicherung, nur Vollblutpferde in Dressur zu nehmen, und zwischen der Tatsache, dass ich die Dressur des Halbblutpferdes „Markir“ so weit getrieben habe, wie kaum je bei einem Vollblutpferde.

Es ist richtig, dass ich „Markir“ nicht nur seiner schönen Linien wegen gekauft hatte, sondern auch, weil sich bei ihm Mächtigkeit und Geschmeidigkeit zugleich vorfanden, welche mich zum Kauf verlockten. Im Laufe der Dressur hatte ich mich oft selbst gefragt, ob mir dies Pferd wohl alles das leisten werde, was ich von ihm erwartet hatte, und oft habe ich befürchtet, dass sein Können meinen grossen Anforderungen nicht entsprechen würde. Zu meiner grossen Überraschung aber stellte sich keine Enttäuschung heraus, so dass ich mich endlich fragen musste, ob auch wohl die Abstammung des Pferdes, so wie man sie mir überliefert hatte, ganz richtig sei. Um darüber völlige Gewissheit zu haben, schrieb ich an meinen Freund Lenoble du Teil im Gestüt du Pin. Ich teilte ihm mit, dass „Markir“ mir als aus der Thérésine (Vollblutstute) von Weyghton-Merry-legs (Norfolk-Halbblut) herstammend, verkauft worden sei, und bat ihn, darüber Erkundigungen einzuziehen. Wie gross war aber meine Überraschung — und ich kann sagen, meine Freude — als ich folgende Antwort erhielt: Die Vollblutstute Thérésine ist zwar von Merry-legs belegt gewesen, hat aber verworfen; zwei Monate später ist sie von Cyrus gedeckt worden, einem arabischen Vollbluthengste, welcher der Vater von „Markir“ ist. „Markir“ ist also Vollblut. Das Merkwürdige daran ist aber, dass die Praxis dies schon vor allen Nachforschungen ergeben hat.

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doch einmal von weitem auf alle Gangarten, dann hört man kaum die Tritte, so leicht setzt das Vollblutpferd seine Hufe zur Erde nieder! Es berührt nur den Erdboden und setzt den Huf, ohne sich darauf zu stützen, mit Zartheit und Energie zugleich nieder. Diese Tritte, verglichen mit dem Auftritt anderer Pferde: wie dröhnend ist letzterer, wie geräuschvoll treffen die Tritte den Erdboden; man könnte sagen, sie wollten in denselben einsinken, so schwerfällig sind diese Bewegungen.

Aber seien wir gerecht, es gibt auch bewunderungswürdige Halbblutpferde. Man begegnet Pferden, die äusserlich keine Zeichen edler Abkunft verraten und doch ganz aussergewöhnliche Eigenschaften entwickeln, und ebenso trifft man Vollblutpferde von berühmter Herkunft, welche wahre Schindmähren sind.[1]

Hierbei komme ich auf das zurück, was ich soeben ausführte, dass man vor allem von einem Pferde verlangen muss, dass es feurig sei. Hinzufügen möchte ich noch, dass ein Vollblutpferd, was Herz und Energie anlangt, unvergleichlich ist.

Da das Vollblutpferd im allgemeinen in dem Rufe steht, kalt und gelassen zu sein, wird man nicht ver-


  1. Nichts ist irrtümlicher, selbst zur Beurteilung der Schnelligkeit, als Schlussfolgerungen aus der Abstammung eines Pferdes zu ziehen. Das Bestreben der Natur, den Urtypus der Stammeltern väterlicher- und mütterlicherseits immer wieder hervorzubringen, wirft alle Wahrscheinlichkeitsberechnung über den Haufen, indessen vererben gewisse Hengste auf die grössere Mehrzahl ihrer Nachkommen ein ihnen charakteristisches Merkmal.

    Ich habe vier Nachkommen von „Vermout“ geritten, von denen ich zwei selbst dressiert habe; alle vier waren lauerig. Man musste schon strafen, nur um sie an ihrem Stalle vorbei zu bringen. Solange sie in den Händen von Leuten blieben, welche sie herzhaft anfassten, gingen sie leidlich; aber nie- ↩︎

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fehlen, mir die Frage vorzulegen, wie ich meine Vorliebe für dasselbe mit den Vorzügen vereinbaren könne, welche ich doch dem feurigen Pferde zuerkenne; dieser Widerspruch ist nur scheinbar, und ich halte diesen Einwand schon im voraus für beantwortet. Es gibt eben unter den Vollblutpferden, wie unter allen anderen Rassen, feurige und kalte Pferde. Ich möchte sogar behaupten, dass die dem Vollblutpferde angeborene Energie aus demselben sehr leicht ein zuverlässiges Tier macht, vorausgesetzt, dass es geritten wird, wie es sein muss, und dass ihm nur solche Anforderungen gestellt werden, die sich von seinem Bau und seinen natürlichen Anlagen erwarten lassen.

Tatsache ist, dass man für Rennzwecke ein Pferd wählt, welches sich strecken und demzufolge flach über

mals entwickelten sie aus sich selbst heraus irgend eine energische Bewegung, es sei denn in ihrer Verteidigung. Ich habe sie im Auge behalten: sie sind alle statisch geworden.

Die Nachkommen des „Zut“ sind empfindlich, reizbar, kitzlig und lauerig.

„Parmesan“ und „Gantelet“ liefern ausgezeichnete Pferde: geschickt, energisch und gut von Charakter.

„Clocher“ erzeugt nicht schöne, aber gute Kinder. Seine Nachkommen haben Tiefe, Kraft, Mächtigkeit und können schweres Gewicht tragen. Dasselbe gilt von „Braconnier“, dessen Charakter weniger gut ist. Die Kinder „Castillons“ sind kalt und energielos.

„Flavio“ liefert sehr geschickte, ausgezeichnete, aber nervöse Kinder, die allerdings starrköpfig sind.

Es ist augenscheinlich, dass diese Art Fingerzeige, welche man bis ins Unendliche fortsetzen könnte, um so weniger ausschlaggebend sind, als man auch den Eigenschaften der Mutter Rechnung tragen muss. Wenn ich sie aber dennoch gebe, so geschieht es, weil sie nach meiner Ansicht immerhin ein Körnchen Wahrheit enthalten und infolgedessen nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.

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die Bahn dahinfegen kann.[1] Ein Vollblutpferd mit hohem, rundem Galoppsprung ist notwendigerweise aus jedem Rennstall auszustossen. So ein Pferd ist mir gerade recht; denn das ist eben jenes Tier, das mir diejenigen guten Eigenschaften von Zuverlässigkeit und Feurigkeit liefert, welche ich vor allen anderen suche, ebensowohl für den Spazierritt, als für die hohe Schule.

Man sagt, dass der Trab nicht gerade Sache des Vollbluts sei; man würde in Verlegenheit geraten, wenn man sagen wollte, warum? Der Körperbau des Vollblutpferdes eignet sich im Gegenteil vortrefflich für alle drei Gangarten, diese auszubilden ist nur eine Frage der Erziehung. Man kann ein Vollblutpferd ebensogut zum Trab, wie zum Galopp dressieren, und ich habe Vollblutpferde gesehen, welche ausgezeichnete Traber waren.

Bei einem wohlgemachten Pferde, ohne Krankheiten, wird die Dressur alle angeborenen guten Eigenschaften noch besser entwickeln und infolge der Wirkung einer vernunftgemässen Gymnastik die fehlenden Eigenschaften teilweise ersetzen. Die Dressur macht das Pferd zufolge des erworbenen Gleichgewichts geschickt und ungezwungen.

Wenn ein Pferd in den drei Gangarten sich gut bewegt, mit Leichtigkeit Kehrt macht, richtig zurücktritt und nach beiden Seiten hin dem Schenkel weicht,


  1. Auf den Einwand, dass viele Vollblutpferde flach über den Erdboden dahinstreichen, erwidere ich einfach, dass gerade diese es nicht sind, welche man zu Reitpferden wählt. Was für das Reitpferd ein Fehler ist, ist für das Rennpferd eine gute Eigenschaft. Jedes Pferd mit hohem Galoppsprung wird aus dem Rennstall entfernt werden müssen und sollte von jedem, der Spazierenreiten will, mit Freuden aufgenommen werden. ↩︎

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so ist seine Ausbildung für gewöhnliche Reiterei als ausreichend zu betrachten.

Zunächst muss es geduldig beim Aufsitzen sein und dabei nicht nötig haben, gehalten zu werden.

Das Pferd muss ferner einen recht geräumigen und freien Schritt haben, desgleichen muss sich der Trab und Galopp nach dem Belieben des Reiters verstärken oder verkürzen lassen. Alles das ist Sache der Dressur.

Im Schritt muss man dem Pferde erlauben, Kopf und Hals zu strecken, den Kopf fast horizontal zu tragen; die Zügel sollen zwar bereit sein, einwirken zu können, tun es aber nicht. Das Pferd soll so frei als möglich gelassen werden, damit es Vertrauen fasst und den Schritt nach seiner Bequemlichkeit verlängert. Besonders wichtig ist es, jede Zackelei zu vermeiden.

Im gewöhnlichen Trab soll das Pferd ebenso nach Möglichkeit alle Freiheit behalten. Es muss sich gut in die Hand stellen, dabei den Kopf und Hals hochtragen, und muss auch vermöge des guten Gleichgewichts leicht in der Hand sein. Die Tritte der diagonalen Fusspaare müssen regelmässig und gleich sein: sie sind es notwendigerweise, wenn das Pferd gut im Gleichgewicht ist.

Im stärkeren Trab dürfen sich Kopf und Hals mehr der Horizontale nähern, um dem Tier zu gestatten, mit seinen Beinen so weit als möglich auszugreifen. Es soll die Zügel dreist annehmen, und der Reiter begnüge sich damit, mit der Trense eine leichte Stütze zu geben.

Man muss drei Galopparten unterscheiden: den versammelten Galopp, den Mittelgalopp und den gestreckten Galopp.

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Im abgekürzten, versammelten Galopp, (wozu viel Schenkel, aber nur wenig Zügel gehören, die annehmen und nachgeben), muss das Pferd, ohne viel Terrain zu gewinnen, in Kopf- und Halsaufrichtung beharren.

Das, was man gemeinhin „Canter“ oder Promenadengalopp nennt, ist ein verkürzter Galopp, welcher ein versammelter genannt werden könnte, wenn nur der Reiter durch seine Einwirkung sich dieses Ausdrucks würdig zeigen möchte. In Wirklichkeit sieht man aber fast immer nur einen Galopp, wobei das Pferd hinter dem Zügel und auseinander gelassen ist. Wenn Sie morgens ins Bois de Boulogne gehen, wie viele unglückliche Vollblüter, würdig eines besseren Schicksals, könnten Sie dort passieren sehen, die lang auseinander, mit schleppender Hinterhand, mit tiefem Kopf und Hals, steif und mechanisch dahingaloppieren!

Es zeigt sich uns da so manches Pferd, welches nur noch Galoppbewegungen andeutet und dazu noch einen Menschen auf dem Rücken trägt. Aber dieses unglückselige Gesamtbild hat nichts gemein mit der Reitkunst.

Im Mittelgalopp gibt man dem Pferde etwas mehr Freiheit; und da man dasselbe an die Hand treibt, muss man ihm notwendigerweise auch etwas mehr Haltung geben. Die Versammlung ist jedoch gering. Indessen fahren die energischen Schenkel fort, die Hinterhand mit Kraft unter den Schwerpunkt herbeizuholen.

Im Renngalopp soll sich das Pferd fest auf die Hand stützen und Kopf und Hals ausstrecken.

Von Versammlung ist hierbei natürlich keine Rede mehr, aber die Hinterhand ist deshalb durchaus nicht

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weniger energisch untergeschoben, denn ohne das würde es keine Schnelligkeit geben.

Man muss mit Leichtigkeit und nach Belieben von einem dieser Galopps zum anderen übergehen können.

Das Pferd muss rechts und links zu galoppieren verstehen. Das Wechseln im Galopp ist beim Reiten im Freien von grossem Nutzen, um mit Leichtigkeit nach beiden Seiten hin wenden zu können, aber absolut notwendig ist es allerdings nicht: z. B. dann nicht, wenn man im Moment des Wendens pariert und dann aufs neue nach der Wendungsseite hin wieder anspringt.

Es ist durchaus notwendig, dass das Pferd augenblicklich den Schenkelhilfen nachgibt, damit man in allen Gangarten die Hinterhand nach Belieben richten kann. Wenn der Reiter bei einem anderen vorbei will oder ihn kreuzt, ist es unerlässlich, die Hinterhand mit den Schenkeln in demselben Augenblick richten zu können, in welchem die Vorhand durch die Hände und das Ganze durch die Gesamtwirkung gerichtet wird. Geschieht das nicht, ziehen z. B. die Hände die Vorhand nach rechts herüber, so wird die Hinterhand nach links ausfallen und das Pferd wird quergestellt. Dies ist genau das Gegenteil von der Bewegung, die es auszuführen gilt. Der Reiter des quergestellten Pferdes kann leicht heruntergestossen werden, oder derjenige, welcher gerade an ihm vorbei will, leicht einen Hufschlag erhalten.

Wenn das Pferd dem Schenkel sicher gehorcht, kann man sich in allen drei Gangarten einem oder mehreren anderen Reitern in aller Gemütsruhe nähern oder sich von ihnen entfernen. Sollte man im Trupp mit mehreren Reitern zusammen sein, so wird es der Schenkelgehorsam gestatten, von diesen allein fort-

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zureiten, und ebenso ist man durch das „Indiehandstellen“ des Pferdes in der Lage, allein zurückbleiben zu können, wenn die anderen fortreiten.

Auf einem feurigen, gut dressierten Pferde geht ein Spazierritt über alle anderen Vergnügungen.[1]

Gibt es wohl etwas Unterhaltenderes, als sein Pferd im Freien zu bearbeiten! — Die Biegungen, die diagonalen Hilfen, die Seitengänge, die Versammlung, das Anspringen im Galopp rechts und links, mit einem Wort, alle feineren Übungen erhalten die Aufmerksamkeit rege und unterbrechen den Spazierritt in angenehmer Weise.

Ausgenommen bei Schnee und Glatteis[2] ist das Reiten immer schön.

Wenn das Wetter kalt ist, bereitet es ein besonderes Vergnügen, auf dem harten Erdboden die energischen Huftritte seines Pferdes widerhallen zu hören, welches durch die prickelnde, kalte Luft angeregt und munter gemacht wird. Wenn es regnet oder nebelt? Wie dieses und der durchweichte Erdboden dem Pferde gut bekommt! Wie es tapfer zutritt, unbekümmert um die Wasser- und Schmutzpfützen; wie es auf seinem Wege sorglos alles mit Kot bespritzt! — Oder wenn der Wind weht? Welch ein Vergnügen, ihn zu fühlen, wie er das Gesicht peitscht, wenn man in langen Sprüngen dahinreitet!


  1. Wenn das Pferd aber hinten ausschlägt, Seitensprünge macht, auf die Hand drückt oder nur auf Spornhilfen vorwärts geht, so findet man bald keinen Geschmack mehr an dieser Art Reiterei. ↩︎

  2. Sobald das Terrain schlüpfrig wird, lasse man die Bügel los, damit man im Fall des Stürzens mit dem Bein nicht etwa unter das Pferd komme. ↩︎

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Dann bei Sonnenschein? — Suchen Sie den Schatten der Bäume auf, um sich der Frische und des abgeschwächten Glanzes, des gemilderten Lichtes wahrhaft zu erfreuen!

Der Schritt ist diejenige Gangart, in welcher man sich wohl träumerischen Gedanken hingeben kann. Die Landschaft lässt an Ihnen ihr Panorama vorüberziehen, von welchem Sie selbst ein lebendiger vorwärtsschreitender Teil sind; denn Sie werden durch das Land geführt in der gleichmässig fortgesetzten Bewegung des mit langem Schritt ausgreifenden Vollblutpferdes. Welcher Fussgänger würde glauben, dass der langsame Schritt seines Pferdes dem Reiter die Vorstellung geben könnte, als ob er sich schnell vorwärts bewegte? Dies ist ein Vergnügen, welches uns Reitern vorbehalten ist.

Der Trab und Promenadengalopp sind es, welche Lust geben zum Vorwärtsreiten, zum Vorwärtsreiten ohne Ermüdung, infolge der gleichmässigen Bewegung und des leichten, elastischen Gegenstosses, mit hundertfacher Energie hervorgerufen durch den hochherzigen Eifer eines edlen Tieres, welches sich Ihnen ganz hingibt mit allem, was in ihm ist! Wo hört der Mensch auf? Wo fängt das Pferd an? Man weiss es nicht recht! Beide sind in eins verschmolzen, beide gleich geschmeidig und zugleich voller Leben, kraftvoll, lebens- und tatenfroh!

Und im Renngalopp? Welch wonnetrunkenes Gefühl ist's, im schnellsten Lauf hineinzustürmen in die weite Ferne!

Und stellen Hindernisse sich entgegen? Wie zieht es uns, sie zu überwinden! Welch ein stiller Mut beseelt unser Herz!

Wer aber schildert uns das unendliche Wohl-

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behagen des Renngalopps auf einem Vollblutpferde? Das ist wie die rollende Woge, aber so sanft, so erfrischend, dass die Luft, welche Sie durchschneiden allein schon genügt, um in Ihnen das Gefühl der Schwermütigkeit völlig zu beseitigen. Das ist der Flug, der hohe, berauschende Flug ohne Anstrengung, ohne Ermüdung; das ist eine sinnliche Freude, welche den Geist verzehrt und welche nichts anderes in Ihnen aufkommen lässt, als das närrische Vergnügen, sich des unbegrenzten Raumes zu bemächtigen. Ich sage Ihnen, dass das Vollblutpferd den Menschen vervollkommnet.

XXII. Furchtsame Pferde.

Für gewöhnlich sagt man, dass ein Pferd furchtsam ist, wenn der Anblick eines Gegenstandes oder irgend ein Geräusch einen derartigen Eindruck auf dasselbe macht, dass es stehen bleibt, ausbricht, durchgeht oder Kurzkehrt macht. Jedes Pferd kann mehr oder minder erschrecken, je nachdem es für Eindrücke empfänglich ist. Glücklicherweise sind nicht alle Pferde furchtsamer Natur.

Die Empfänglichkeit für plötzliche Eindrücke kann durch die Dressur bedeutend vermindert und abgeschwächt werden. Bei der Arbeit bildet sich ein gewisses gegenseitiges Vertrauen zwischen Reiter und Pferd heraus. Ist letzteres nicht roh behandelt worden, ist es nie mit Gewalt an den Gegenstand, vor welchem es erschrocken ist, herangebracht worden, mit einem Worte, flösst die Gegenwart des Reiters ihm Vertrauen ein, anstatt es zu beunruhigen, so erschrickt

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es weniger leicht, und lässt sich auch weniger von seiner Furchtsamkeit beeinflussen.

Ich stelle somit den Grundsatz auf, dass man niemals ein Pferd züchtigen darf, auf welches ein äusserer Gegenstand einen Furcht erregenden Eindruck gemacht, oder welcher das Tier erschreckt hat. Man muss im Gegenteil diesem Eindruck zuvorkommen oder denselben abschwächen, indem man durch Liebkosungen das Tier beruhigt.

Wie ich bereits erwähnt habe, besitzt das Pferd nur wenig Verstand. Die Überlegung geht ihm ganz ab; es hat nur Gedächtnis. Ist es geschlagen worden, wenn es bei einem plötzlich auftauchenden Gegenstande erschrak, so wird es in seinem Gedächtnis diesen Gegenstand mit der Strafe in Verbindung bringen, so dass beides gewissermassen für das Tier nur ein und dasselbe bildet. Sowie ihm ein zweites Mal derselbe Gegenstand vor Augen tritt, wird es sich auf dieselbe Züchtigung gefasst machen, seine Furcht nimmt zu, und es wird ganz naturgemäss erst recht sein Heil in der Flucht suchen.

Nicht alle Pferde sind in gleichem Masse furchtsam. Einzelne Pferde sind gelegentlich oder auch ausschliesslich auf der einen Seite für Eindrücke empfänglicher, als auf der anderen. Die landläufige Bezeichnung dafür ist daher: das Pferd scheut rechts oder links.

Bemerken will ich noch, dass Pferde mit sogenannten Glasaugen meist furchtsam sind.

Man sagt oft mit Unrecht, dass ein Pferd scheu ist, während es bloss zu übermütig und zu frisch ist. Richtiger würde man von ihm sagen, dass es ausgelassen ist, dass es den Drang hat, seine Muskeln zu er-

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proben, sich einmal ordentlich zu strecken; dass es, mit anderen Worten, sich in der Lage eines Kindes befindet, welches lange auf einem Fleck sitzen musste, und nun, da es freigelassen wird, naturgemäss unter allen möglichen Vorwänden die tollsten Luftsprünge macht. In einem solchen Falle sind ebensowohl Strafen, wie Liebkosungen ganz überflüssig; was dem Pferd Not tut und was man ihm geben muss, ist ein tüchtiger Galopp. Man lasse es drei oder vier Kilometer ordentlich laufen, und es wird nachher ruhig und gefügig sein.

Besondere Erwähnung verdienen gewisse Pferde, welche von Natur aufgeregt sind, welche sich mit allem, was sie sehen oder hören, immerfort beschäftigen, welche über tausenderlei Kleinigkeiten erschrecken und in jedem Augenblick unvermutete Sätze machen. Diese Sorte ist zum Reiten sehr unbequem. Man gebe ihnen reichliche Arbeit, um sie zu beruhigen, damit sie sich loslassen, und streichle sie, um ihnen Vertrauen einzuflössen.

Spricht man von furchtsamen Pferden, so nimmt das Aufzählen aller einzelnen Fälle gar kein Ende. Es gibt jedoch einige, welche ich noch anführen möchte. Gewisse Pferde fürchten sich vor allem, was höher ist, als ihr Kopf, vor allen denjenigen Dingen, welche sie überragen, vor einem Wagen, einem Omnibus, vor einer nur wenig erhöhten Brücke, vor einem Torweg: alles dieses erschreckt sie. Man möchte fast sagen, dass sie für ihren Kopf fürchten. Alle Gegenstände dagegen, welche sich tiefer befinden, lassen sie völlig kalt.

Andere Pferde wiederum sind bodenscheu, erschrecken bloss über das, was am Boden liegt, über einen Schatten, einen Sonnenstrahl, eine Wasserpfütze,

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ein Bächlein, einen Steinhaufen. Ganz gleichgültig verhalten sie sich aber bei allen Dingen, die höher sind als sie.

Ich führe noch das Pferd an, welches sich bloss vor dem fürchtet, was hinter ihm herkommt, vor einem Kinde, einem Hunde, einem Pferde oder einem Wagen, und welches gewissermassen nur davor Angst hat, was es nicht sieht.

Für sämtliche furchtsame Pferde kann ich nur denselben Rat geben: man beruhige sie durch Liebkosungen und flösse ihnen Vertrauen ein. Erblickt man vor sich einen Gegenstand, von dem man weiss, dass das Pferd vor demselben Angst haben wird, so züchtige man es nicht, um es zu zwingen, sich demselben direkt zu nähern. Man lasse es sich besser davon entfernen, dann ganz allmählich, gewissermassen durch gutes Zureden, bringe man das Tier dahin, sich dem Gegenstand zu nähern, ohne aber allzusehr darauf zu dringen. Man nehme sich mehrere Tage Zeit dazu, so lange, als notwendig ist. Man führe es niemals allzunahe an den Furcht einflössenden Gegenstand heran, damit es nicht fortstürmt oder Kurzkehrt macht, da man sonst gezwungen wäre, seine Zuflucht zur Züchtigung zu nehmen, nicht etwa, um es für seine Angst zu strafen, sondern für das Kurzkehrtmachen, welches man unter keinen Umständen dulden darf. Durch die Strafe würde man die Angst vor dem in Frage stehenden Gegenstand nur verdoppeln. Mit einem Worte: bei furchtsamen Pferden wende man viel Sanftmut, unendlich viel Geduld und niemals Gewalt an.

Endlich muss ich noch von einer Kategorie Pferde sprechen, welche man fälschlicherweise den furcht-

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samen Pferden zuzählt; es sind diejenigen, welche alle Anzeichen der Furcht zur Schau tragen, in Wirklichkeit aber bloss ungezogen sind.

Alle Pferde hängen sehr an ihrem Stalle, sind auf dem Rückweg viel gängiger und lebhafter als beim Fortreiten. Diejenigen nun, von welchen ich jetzt sprechen will, scheinen nur die eine fixe Idee zu haben, nach Hause zu kommen, und jede Gelegenheit, welche ihnen für die Heimkehr einen Grund bieten könnte, zu einem Kehrtmachen zu benutzen. Beim geringfügigsten Gegenstande, der sich auf ihrem Wege vorfindet, sieht man sie zunächst stutzen, und dann das geringste Anzeichen von Stutzen seitens des Reiters dazu benutzen, um ganz plötzlich Kurzkehrt zu machen. Ich wiederhole es nochmals, solche Pferde haben keine Furcht; sie sind einfach ungezogen, und alles, was ich über furchtsame Pferde gesagt habe, hat auf diese Sorte keinen Bezug. Man muss sie auf das energischste wieder zurückbringen und nachdrücklich bestrafen.

Der Beweis dafür, dass ihr Benehmen nichts anderes als Ungezogenheit war, ist der, dass dieselben Gegenstände, welche auf dem Hinweg den Grund zum Kehrtmachen lieferten, sie beim Rückweg völlig kalt lassen.

Macht ein Pferd bei dieser oder bei jener Gelegenheit einen Seitensprung, so muss man dagegen ankämpfen und es durch einseitliche Hilfen wieder auf den richtigen Weg zurückführen. Wird der Seitensprung von links nach rechts gemacht, so muss der rechte Trensenzügel kräftig nach links geführt und der rechte Schenkel energisch angelegt werden. Mit anderen Worten, um dem Seitensprung nach rechts

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entgegenzutreten, gibt man auf der rechten Seite die beiden entsprechenden Hilfen. Wollte man hierzu den linken Zügel gebrauchen, eine schlechte Angewohnheit, welcher sich die meisten Reiter bedienen, so würde man im Gegenteil dem Pferde dabei helfen, mit seiner Hinterhand nach rechts auszuweichen, welchem Übelstande abzuhelfen der rechte Schenkel allein nicht gewachsen ist. Drohte ausserdem von rechts her irgend welche Gefahr, so würde das Pferd unweigerlich auf dieselbe losstürmen, da es den Kopf nach links gewendet hat und mithin nicht sieht, wo es hintritt. Der am Halse fest anliegende rechte Zügel dagegen drückt es nach links, und die mit dem rechten Schenkel gegebenen Hilfen verhindern das Ausfallen der Hinterhand nach rechts.

Ich füge noch hinzu, dass beim Seitensprung, welcher von links nach rechts erfolgt, der Reiter gezwungenermassen nach links hin aus dem Sattel kommt; der feste Schluss des rechten Schenkels wird ihn im Sitz erhalten und ihn das Gleichgewicht wiederfinden lassen.[1]

Es ist zu beachten, dass Pferde, welche Kehrt machen, dieses fast stets nach derselben Seite hin ausführen, entweder nach rechts oder nach links. Besitzt jemand unglücklicherweise ein Reitpferd, welches dieses Verteidigungsmittel anwendet, so beginne er damit, sich mit dieser seiner Gewohnheit vertraut zu machen, um stets auf alles gefasst zu sein. Er nehme in diejenige Hand, welche sich auf der Seite befindet, nach der das Pferd für gewöhnlich Kehrt macht, ein vierzig bis fünfzig Zentimeter langes Stöckchen. Ich


  1. In diesem Falle ist der rechte Schenkel seine Rettung. ↩︎

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liebe nicht die Reitpeitsche, da sie zu biegsam ist, und wenn man sie beispielsweise auf der linken Seite gebraucht, so biegt sich das Ende herum, trifft rechts und kann sogar die Augen treffen.

Sowie das Pferd den Kopf wendet, um Kehrt zu machen, mithin vor vollendeter Ausführung, versetze man ihm von der Seite, nach welcher es wendet, einen kräftigen Schlag auf die Nase. Ich bin nie auf ein Pferd gestossen, welches lange diesem kräftig und mit Genauigkeit versetzten Erziehungsmittel widerstanden hätte. Hat es erst einigemal mit dem Stock nähere Bekanntschaft gemacht, so genügt oft schon der blosse Anblick desselben.[1]


  1. Das unangenehmste Tier, welchem ich jemals begegnet bin, war ein Hengst, ungebärdig wie nur einer und bissig wie der Teufel.

    Da es unmöglich ist, ohne Zuhilfenahme der Schenkel und der Sporen ein Pferd zu dressieren, so musste ich natürlich auf ein Mittel sinnen, vermöge dessen er sich dieselben gefallen liess. Während der ersten sechs Wochen ging alles ganz leidlich, da meine Anforderungen nicht sehr gross waren; sobald ich es aber durchsetzen wollte, das Pferd durch den Gebrauch des Sporns zu versammeln, versuchte es, mich in den Schenkel zu beissen, warf sich mit Wucht auf die Knie und, indem es in dieser Stellung den Kopf herumwarf, machte es verzweifelte Anstrengungen, meine Füsse zu erfassen. Da ich nun, um seinen Zähnen zu entgehen, genötigt war, die Schenkel zurückzulegen, so hatte er insofern gewonnenes Spiel, als es ihm gelang, mich am Gebrauch des Sporns zu verhindern.

    Ich kam infolgedessen auf den Gedanken, in die Trensenzügel zwei eiserne Stangen, je vierzig Zentimeter lang, hineinarbeiten zu lassen. Da ich auf diese Weise das Tier in die Unmöglichkeit versetzt hatte, den Kopf zu wenden, und da infolgedessen meine Schenkel vor seinen Zähnen sicher waren, so glaubte ich bestimmt, der Sieg wäre mein. Keineswegs! Wütend über seine Ohnmacht, fuhr dieses Satanstier fort, sich auf die Knie zu werfen, und da es die Hoffnung aufgab, mich in die Füsse zu beissen, so zerfleischte es sich selbst die Brust. ↩︎

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XXIII. Pferde, die mit dem Kopf schlagen.

Es gibt wohl wenige Reiter, die nicht unter der Unannehmlichkeit und sogar unter der Gefahr zu leiden gehabt hätten, welche das Schlagen mit dem Kopf bei einem Pferde verursacht.

Die einen lassen den Kopf ganz tief sinken und nehmen sozusagen einen Schwung, um ihn dadurch mit mehr Kraft zurückzuwerfen. Andere wiederum begnügen sich damit, mit dem Kopf plötzlich nach hinten zu schlagen, ohne denselben vorher heruntergenommen zu haben.

Im ersteren Falle muss man dem Pferde durch einen leichten Ruck mit den in der rechten Hand befindlichen Trensenzügeln genau in dem Moment zuvorzukommen

Zuerst bildete ich mir ein, dass es damit aufhören würde, sobald der Schmerz zu gross sein würde. Das fiel ihm jedoch nicht im entferntesten ein, er riss sich grosse Fetzen Fleisch heraus und ich zweifle nicht daran, dass das Tier mich einfach zerfleischt haben würde, wenn es ihm in diesem Augenblick gelungen wäre, mich aus dem Sattel zu werfen. Ich band ihm hierauf eine ganz starke, lederne Schürze vor; in drei Tagen jedoch war das Leder in lauter Fetzen zerrissen.

Trotzdem gelang es mir aber doch, dieses Tier zu bemeistern. Zuguterletzt band ich ihm unter das Kinn eine Art Trichter aus Blech, dessen eine Hälfte fehlte, um den Kinnladen Raum zu lassen. — Da das Beissen ihm somit unmöglich geworden war, legte er diese verwerfliche Angewohnheit bald ab, und ich konnte seine Ausbildung fortsetzen, welche ich völlig beendet habe, und zwar Avenue de Malakoff 78, in einem damals von Herrn M. Gost Sohn geleiteten Reitinstitut, dessen Besitzer, ein Pferdehändler, mehr als einmal diesen hochtragischen Kämpfen, welche ich stets ganz allein ausfocht, beigewohnt hat. — Ich arbeite stets allein und lasse mir von niemand dabei helfen.

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suchen, wo es anfängt, den Kopf zu senken. Infolge des Stosses erhebt es den Kopf ganz plötzlich, und diesen Augenblick muss man benutzen, um das Pferd durch kräftigen Schenkeldruck vorwärts zu treiben. Man muss hierbei die Kandarenzügel etwas nachlassen, aber doch fest in der linken Hand halten, damit das Pferd im Moment, wo es den Kopf infolge des hebenden Trensenanzuges zurückschlägt, die Kandarenzügel selbst straff macht und sich dadurch einen kräftigen Stoss auf die Kinnladen verursacht. Es ist somit in dem Augenblick, in dem es den Kopf senken wollte, durch die Trense daran verhindert worden, und dann durch die Kandare bestraft worden, als es den Kopf beim Hochschnellen zu weit nach hinten warf.

Im zweiten Falle, wenn das Pferd mit dem Kopf nach rückwärts schlägt, ohne dazu ausgeholt zu haben, muss man es im Augenblick, wo es den Kopf hebt, durch den Druck der Schenkel vorwärts treiben, und es dann, ebenso wie oben beschrieben, auf dem Kandarengebiss in Empfang nehmen. Fassen wir alles zusammen, so führt man im ersten Falle drei Bewegungen aus: mit der Trense, mit den Schenkeln und mit der Kandare. Im zweiten Falle bedient man sich nur zweier Hilfen: der Schenkel und der Kandare. Dies sind sicherlich aufeinander folgende Hilfen; sie liegen jedoch so nahe bei einander, dass sie beinahe in eins verschmelzen. Wenn in beiden Fällen die Tätigkeit der Schenkel derjenigen der Kandare nicht wenigstens einen kurzen Moment voranginge, so würde man Gefahr laufen, das Steigen hervorzurufen, zum mindesten aber würde man die Hinterhand übermässig belasten, wodurch sich das Pferd zurückziehen könnte.

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XXIV. Pferde, welche durchgehen.

Ich habe stets das Glück gehabt, sowohl bei meinen Schülern als auch bei mir selbst, von Unglücksfällen, welche durchgehende Pferde herbeiführen, verschont zu bleiben. Wollte man mir einwenden, dass dies nichts weiter als blosser Zufall sei, so würde ich darauf entgegnen, dass dieses doch nicht so ganz stimmt.

Es ist ja richtig, dass ein Pferd, nichts mehr hört und fühlt, wenn es schon im Durchgehen begriffen ist; und ich bin keineswegs der Ansicht, dass der eine Reiter es eher wieder wird halten können, als der andere; ich behaupte aber, dass der Reiter viel dazu tun kann, um sein Pferd am Durchgehen zu verhindern.

Der wahre Reitertakt besteht eben darin, vorauszusehen, dass das Pferd in einem gewissen Moment und aus den verschiedenartigsten Ursachen den Kopf verlieren kann; aus diesem Grunde wird der aufmerksame Reiter sein Pferd niemals zu erregt werden lassen. Sowie er bemerkt, dass sein Tier zu heftig wird und sich steif macht, wird er die Gangart verkürzen, das Pferd in die Hand stellen und es durch Streicheln und gute Worte zu beruhigen suchen. Sehr häufig geht ein Pferd deshalb durch, weil man durch allzustarkes Festhalten die Kinnladen ganz abgestumpft hat, so dass dieselben schliesslich empfindungslos werden. Reisst man ihm in einem solchen Falle ins Maul, so erreicht man dasselbe, als wenn man an einer Mauer reissen wollte; auch kann das Pferd mit dem Reiter rücksichtslos davonrennen.

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Um das Maul weich zu erhalten, muss der Reiter abwechselnd Trense und Kandare gebrauchen, d. h. er darf es nicht dulden, dass das Pferd irgend welchen Stützpunkt auf den Zügeln nimmt.

Einige Pferde gehen mit hoch gehobener Nase durch, wobei sie völlig aus der Hand kommen; wieder andere überzäumen sich. Man muss bei ersteren stets versuchen, mit Hilfe der Kandare die Nase wieder herunter zu bringen. Bei der zweiten Sorte wird man sich der Trense bedienen, um den Kopf wieder aufzurichten. Gelingt es dem Pferde, seinen Kopf so tief zu stellen und den Hals dermassen zusammenzurollen, dass die Kandarenstangen die Brust berühren, so wird der Reiter um so weniger auf das Maul einwirken können,[1] je mehr er an den Kandarenzügeln zieht, dagegen um so mehr den Hals und den Kopf in ihrer falschen Stellung erhalten. Das einzige, was man in einem solchen Falle noch zu tun hätte, wäre, mit der Trense zu riegeln.

Es gibt eine besondere Art Trense, „Aufrichter“ genannt, welche auf Grund ihrer Rollen von unten nach oben, anstatt von vorn nach hinten wirkt. Man wird dieselbe bei solchen Pferden anwenden, welche sich überzäumen. Ich empfehle ihre Anwendung auch dann, wenn das Pferd einen schweren Kopf oder einen kurzen Hals hat, da ein solches Tier stets den Versuch macht, deren Last vom Reiter tragen zu lassen. Wohlverstanden, gilt dieser Rat nur denen, welche es nicht verstehen, ihr Pferd im Gleichgewicht zu erhalten.


  1. Indem man an den Kandarenstangen zieht, stellt man sie nur auf der Brust fest und lässt dadurch das Mundstück im Maule steigen, was zur Folge hat, dass es nicht mehr auf die Kinnladen wirken würde. ↩︎

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Man sagt oft, ein Pferd geht durch, während es in Wirklichkeit nicht durchgeht, sondern nur in die Zügel drängt und davoneilt.

Ein Pferd, welches wirklich durchgeht, ist kopflos, wie vernarrt, geht auf keine Hilfe mehr ein und ist nicht mehr zu lenken.

Ein Pferd, welches seinem Reiter nur davoneilt, indem es ihm die Hand wegzieht, ist ein alter Verbrecher, auf welchen der Galopp eine physische Erregung hervorbringt und welcher allemal wegstürmt, wenn man ihm erlaubt, die Herrschaft über die Hand zu gewinnen. Man kann ihn nicht parieren, aber man kann ihn lenken.

Ein richtiger Durchgänger läuft mit gesenktem Kopf, das Auge ist mit Blut unterlaufen, und unfehlbar rennt es alles nieder, was ihm den Weg versperren kann. Die andere Art weicht allen Hindernissen sorgfältig aus.

Davoneilen können die Pferde in allen Gangarten, sogar im Schritt; das ist zwar eine Ausnahme, ich habe aber solche gesehen. Sie drängen ohne Unterlass hart in die Zügel, steigen sogar, wenn man sie parieren will, und sobald sie die Muskelkraft des Reiters überwunden haben, gehen sie mit ihm davon. Man muss also bestrebt sein, sich die Herrschaft über die Hand niemals nehmen zu lassen. Sollte es dem Pferde dennoch gelingen, dem Reiter zuvorzukommen und mit ihm abzugehen, so muss man ihm Raum schaffen und versuchen, es dahin zu führen, wo es Platz vor sich hat.

Die Zügel geteilt anfassen: das ist das erste, was der Reiter tun muss. Macht man dann mit der Trense und abwechselnd mit der Kandare und Trense

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riegelnde Bewegungen, so kann man dadurch, dass das Pferd die Kinnladen loslässt, nach und nach dahin gelangen, das Gleichgewicht im Gange wieder herzustellen, das Pferd wieder auf die Hinterhand zu bringen und es infolgedessen zu bemeistern.

Man achte besonders darauf, dass die Zügel unaufhörlich in Tätigkeit bleiben. „Annehmen und Nachgeben“ ist auch hier wieder die Hauptsache. — Die Schenkel müssen fest anliegen. Die meisten Reiter glauben, dass sie bei dieser Gelegenheit an Kraft gewinnen, wenn sie sich wie ein Winkelmass spreizen, d. h. die Schenkel nach vorn gegenstemmen; in diesem Falle würde das Pferd immer der Stärkere bleiben.

Viele Pferde, welche Rennzwecken gedient haben, versuchen gern, sowohl im Trab wie Galopp, Gewalt über die Hand zu gewinnen, um fortzustürmen.[1] Dazu machen sie den Hals lang und stossen brutal mit dem Kopf nach unten. Hält der Reiter dann ungestüm gegen, so wird er durch einen erneuten Ruck des Kopfes auf den Hals und aus dem Sattel gezogen. Der Reiter muss dann im Gegenteil durch Strecken der Arme nachgeben, ohne die Zügel durchgleiten zu lassen; er muss den Hals etwas gewaltsam wieder aufrichten und vermittelst der Schenkelhilfen die Trense und Kandare wieder in Wirkung treten lassen, sobald er die Aufrichtung des Halses bewirkt hat.

Geht das Pferd wirklich durch, so verfahre man mit den Zügeln ebenso, wie bei einem mit dem Reiter davoneilenden Pferde; aber die Schwierigkeit ist viel


  1. Alte Rennpferde versuchen dies dann, wenn man zum Kehrt abwendet, weil sie zum Rennen unmittelbar aus der Kehrtwendung abzugehen gewöhnt waren. Da gilt es, auf seiner Hut zu sein. ↩︎

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grösser, weil die Lenkbarkeit beinahe unmöglich ist. Hat man freies Feld vor sich, so kann man es selbst in diesem Falle erreichen, das Pferd nach rechts oder links abzulenken. Hierzu muss man den einen der Zügel ganz loslassen, den anderen mit beiden Händen erfassen und mit dem ganzen Gewicht seines Körpers einen unaufhörlichen Druck ausüben, bis eine mehr oder weniger grosse seitliche Biegung erzielt ist, was unfehlbar ein Ablenken von der eingeschlagenen Richtung zur Folge haben muss. Sollte der Reiter im Durchgehen so glücklich sein, sich am Rande eines Flusslaufs zu befinden, so dirigiere er entschlossen sein Pferd dahinein.

Überall lauert Gefahr. Im Begegnen von Hindernissen sowohl, wie im ebenen Terrain kann uns ein Unfall treffen. Im Wasser hört alle Gefahr auf. Mit einem Bade ist's abgetan. Was zu vermeiden ist, das sind steile Böschungen. Die meisten Pferde halten sofort an, sowie ihnen das Wasser bis an die Brust geht. Sie beruhigen sich und werden wieder ganz gelassen. Andere stampfen im Wasser, vollführen alle möglichen ungeordneten Bewegungen und kommen nach sehr kurzer Zeit wieder zur Besinnung.

Ich habe, um Durchgänger zu bessern, unzählige Male dieses Verfahren längs der flachen Ufer eines Flusses in Anwendung gebracht. Ich setzte mich in einen guten Galopp und überliess das Pferd sich selbst. Nachdem ich alle Gewalt über dasselbe verloren hatte, so dass ich es nicht mehr halten konnte, dirigierte ich es ins Wasser und erreichte so meinen Zweck auf die leichteste Weise von der Welt.

Pferde, welche in genügender Versammlung sind, können weder davoneilen noch durchgehen; denn die

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Sporen, welche die Sprunggelenke unter den Schwerpunkt bringen, richten die Vorhand auf, die dadurch leicht wird und den Reiter instand setzt, das Tier zu parieren.

Beim Spazierenreiten mit meinen Schülern habe ich häufig an dieselben folgende Frage gestellt: „Angenommen, es käme ein durchgehendes Pferd, entweder von vorn oder von hinten an; was würden Sie da wohl tun?“ Ich habe dieselbe Frage auch häufig Leuten gestellt, welche von klein auf das Reiten gewöhnt waren. Sehr selten nur habe ich eine befriedigende Antwort erhalten, und doch muss man dieses Vorkommnisses stets gewärtig sein. Es muss nämlich bemerkt werden, dass der auf einem durchgehenden Pferde sitzende Mensch in der Regel geringere Gefahr läuft, als diejenigen Reiter, welche sich zufällig auf seinem Wege befinden. Sehr häufig sieht man den Durchgänger mit gesenktem Kopfe auf eine Pferdegruppe losrennen. Um demselben auszuweichen, muss man sich hinter das erste beste Hindernis flüchten. Befindet man sich im Walde, so springe man in ein Gestrüpp und sei froh, mit einigen Risswunden davonzukommen.

Ist man auf der Landstrasse, so flüchte man hinter einen Baum, auf einer Strasse in der Stadt hinter einen Laternenpfahl: kurzum alles und jedes eignet sich, um den Anprall zu vermeiden, dessen Folgen entsetzlich sein können. Vor allen Dingen flüchte man in grösster Eile.

Will jemand, anstatt auszuweichen, dem Reiter des durchgehenden Pferdes zu Hilfe kommen, was zwar ein löbliches, aber äusserst schwieriges Unternehmen ist, so muss er in derselben Richtung wie jener davonjagen und zwar, was der Gaul winden kann, nur muss

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er dabei versuchen, stets einige Meter vor dem Durchgänger zu bleiben.

Hierauf muss er laut rufen und alles daran setzen, um dem Reiter Vertrauen einzuflössen. Alsdann versuche er, unter ganz geringem Verkürzen des Tempos den Durchgänger, sowie er an ihm vorbeikommt, am Kandarenzügel ganz dicht am Maul zu erwischen und schliesslich gebe man sich Mühe, das Tier ganz allmählich zum Stehen zu bringen.

Ich habe gesagt, dass man in vollstem Laufe vor dem Durchgänger davonjagen müsste. Reitet man nämlich nicht ebenso schnell wie jener, so wird man durch den Ruck, welchen man im Augenblick des Zügelerfassens bekommt, plötzlich aus dem Sattel gerissen. Da man ja die eine Hand frei haben muss, so ist wohl darauf zu achten, dass die andere Hand die eigenen Zügel recht fest hält, um das eigene Pferd halten und lenken zu können.

Ich füge noch hinzu, dass es fast unmöglich ist, ein durchgehendes Pferd aufzuhalten, wenn man auf dem geraden Wege bleibt. Mir wenigstens ist es niemals geglückt. Sowie der Raum und das Gelände es nur irgend gestatten, muss man deshalb zunächst einen ganz grossen Kreis machen, welchen man ganz allmählich zu verkleinern sucht. Man halte sich an der inneren Seite des Zirkels auf, um das durchgehende Pferd nur nach derjenigen Richtung ziehen zu brauchen, nach welcher man selbst reitet. Wollte man sich ausserhalb des Zirkels halten, so könnte man das Tier unmöglich herumreissen.

Selbstverständlich kann man dieses Mittel nur dann anwenden, wenn man sein Pferd und sich selbst ganz genau kennt.

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Ich habe das seltene Glück gehabt, auf die eben beschriebene Weise zwei durchgehende Pferde auffangen zu können, mit denen ich es, wie vorstehend beschrieben, gemacht habe. Beim ersten war es in Havre; sein Reiter hatte beide Zügel schiessen lassen, um sich mit beiden Händen am Sattelknopf festzuhalten. Beim zweiten war es in Paris, im Bois de Boulogne, ein junges Mädchen sass darauf. In beiden Fällen brauchte ich fünfzehn bis zwanzig Minuten dazu, um das Pferd zum Stehen zu bringen. Ich ritt allerdings Vollblutpferde; infolgedessen verfügte ich über die nötige Ausdauer und Schnelligkeit. Bei der Reiterin hatte ich die Vorsicht gebraucht, mich an ihrer rechten Seite zu halten, da auf der anderen Seite ihre Beine mich am Eingreifen verhindert haben würden.

XXV. Der Sprung.

Um ein Pferd springen zu lassen, bildet man sich in der Regel ein, dass man es in dem Augenblick, in dem es an das Hindernis herankommt, mit der Hand anheben müsse. Tut man das, so verringert man dadurch die natürliche Schwungkraft des Pferdes, tut ihm Zwang an und hindert es, frei und natürlich zu springen.

Damit das Pferd in der Lage ist, zu springen, muss es Kopf und Hals völlig frei haben. Will man es mit der Hand erheben, so stört man die Kopf- und die Halsfreiheit, deren es bedarf, um sich einen Schwung zu geben, auch verlegt man dadurch das ganze Gewicht auf die Hinterhand. Was folgt daraus?

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Entweder hat das Pferd ein empfindliches Maul und wird in diesem Falle, von der Hand zurückgehalten, vor dem Hindernis stutzen; oder aber ist es hartmäulig und wird sich dann nicht an die Hand kehren. Selbst unter dieser letzteren Voraussetzung kann es nur eine Art von Sprung nach vorwärts machen, wobei die Vorhand sich allerdings hebt, die Hinterhand dagegen am Hindernis hängen bleibt. Das kommt daher, weil man beim Vortreiben des Tieres vermittelst der Schenkel gleichzeitig die Hand im entgegengesetzten Sinne hat wirken lassen, d. h. von vorne nach hinten. Die Vorhand hat zwar die Wirkung des Gebisses überwinden können, aber nur auf Kosten einer Anstrengung, welche das Erheben hemmt und infolgedessen das Pferd bedeutend schwächt.

Es gibt eine allgemeine Theorie, um Pferde springen zu lassen; in der Praxis jedoch wird man sehr bald gewahr, dass jedes Pferd eine ganz besondere Art hat, die Hindernisse zu nehmen.

Nach meiner Ansicht besteht das beste Mittel, um einem Pferde das Springen beizubringen, darin, dass man zunächst eine Stange auf die Erde legt und das Tier über dieselbe im Schritt hinwegschreiten lässt, wobei man es am Zügel führt. Der Reiter ist zu Fuss und überschreitet die Stange gleichzeitig mit dem Pferde. Hat dasselbe gehorcht, so muss man es streicheln und ihm durch Verabfolgen von einigen Rüben Vertrauen einflössen. Man braucht das höchstens zwei- bis dreimal je zehn Minuten lang durchzumachen. Hat das Pferd volles Vertrauen gefasst, so nimmt man es an die Longe und wiederholt dieselbe Arbeit, wobei man sich jedoch ganz allmählich vom Pferde entfernt. Sobald dasselbe erst über die Stange schreitet,

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während der Reiter sich inmitten der Bahn aufhält, hebt man diese Stange um dreissig oder vierzig Zentimeter an, und lässt das Pferd, so wie es gerade will, an dieselbe herangehen. Die Hauptsache ist, dass es darüber hinwegspringt.

Diese Art, Pferde an das Hindernis zu gewöhnen, wird im Zirkus seit undenklichen Zeiten angewendet.

Dasjenige Pferd, welches gern springt, eilt in der Regel; man muss es in diesem Falle beruhigen und versuchen, dass es ruhig an das Hindernis herangeht. Macht es dagegen Halt und stutzt, so muss man es mit der Stimme anfeuern und ihm die Bahnpeitsche zeigen, ohne es jedoch im Anfang zu schlagen oder einzuschüchtern. Trotz alledem wird man nicht eher nachlassen dürfen, als bis es über die Stange hinüberkommt. Dieses ist der Augenblick, in welchem man genau darauf achten muss, in welcher Weise es springt. Die besten Springer nehmen das Hindernis in gerader Richtung, dreist und fliegend; andere dagegen machen, bevor sie über das Hindernis springen, einen Augenblick Halt; noch andere springen schräg. Alle Pferde, welche dreist und aus eigenem Antriebe springen, lasse man nur gewähren und bringe ihnen hintereinander bei, an das Hindernis in den drei Gangarten, Schritt, Trab und Galopp heranzugehen.

Diejenigen Pferde, welche dicht vor dem Hindernis einen Augenblick Halt machen, muss man, sowie sie herankommen, mit der Bahnpeitsche vorwärts treiben und nicht eher nachlassen, bis sie die Gewohnheit, vor dem Sprung noch einmal anzuhalten, abgelegt haben. Man muss es daher vermeiden, dieselben im Schritt oder im Trab springen zu lassen, so lange sie nicht dreist den Sprung im Galopp ausgeführt haben.

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Bei den Pferden, welche schräg springen, ist die Sache ebenso einfach; es genügt dabei, die Vorhand der Hinterhand entgegenwirken zu lassen. Geschieht das beispielsweise auf der linken Hand und das Pferd wirft seine Hinterhand nach links, mithin nach innen, so muss man die Longe anziehen, um seine Schultern nach links zu bringen, und gleichzeitig die linke Hinterbacke mit dem Peitschenende berühren, um die Hinterhand nach rechts zu drücken. Wirft dagegen das Pferd seine Hinterhand nach rechts, mithin nach aussen, so muss man die Longe locker lassen, und im Augenblick des Sprunges die Schultern nach rechts treiben, indem man dem Tier mit der Peitsche unter der Nase fuchtelt.

Bei dieser ganzen Arbeit muss die Springstange stets sehr niedrig gestellt sein; man soll dieselbe nur ganz allmählich höher stellen und zwar je nach den Fähigkeiten, der Kraft und der leichten Auffassungsgabe des Pferdes.

Man muss sich durchaus hüten, die Stange jemals so hoch zu stellen, dass das Pferd zu einem übermässigen Kraftaufwand genötigt würde, besonders, wenn das Tier noch jung ist. Die damit verbundenen Nachteile würden ja bei alten Pferden nicht ganz so schlimm sein; immerhin muss man sich aber vorsehen, sie nicht abzuschrecken.

Wird diese Sprungübung an der Longe mit Leichtigkeit ausgeführt, so muss man alsdann das Pferd besteigen und es dieselbe fortschreitende Reihenfolge durchmachen lassen, indem man wiederum mit der zu ebener Erde liegenden Stange beginnt.

Zu Anfang soll man sich nicht damit abgeben, eine bestimmte Art des Springens lehren zu wollen;

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man muss im Gegenteil darauf bedacht sein, dem Pferd seine natürliche Art des Springens zu belassen, und wird dabei seine Beobachtungen anstellen.

Beim Sprung nämlich, wie bei jeder anderen Arbeit, welche eine grosse Anstrengung von seiten des Pferdes beansprucht, muss der Reiter vor allen Dingen mit den natürlichen Fähigkeiten seines Pferdes rechnen, und seine Anforderungen danach stellen. Erst viel später und ganz allmählich wird man versuchen, dieselben zu verbessern, wenn es Not tut.

Ich sagte, dass die Hand sich in keiner Weise beim Hinüberbringen des Pferdes über das Hindernis beteiligen sollte. Ich wiederhole es, Hals und Kopf müssen ganz frei sein; ich sage ausdrücklich frei, aber nicht etwa sich selbst überlassen, denn das Pferd muss im Sprung auf der Hand bleiben, d. h. es muss eine leichte Anlehnung an derselben behalten.[1]

Diese leichte Anlehnung sucht es nicht etwa erst in dem Augenblick, in welchem es zum Sprung ansetzt; es hatte dieselbe bereits, als es an das Hindernis herankam und behält sie bei. Die Elastizität in den Händen und sogar in den Armen des Reiters gestattet dem Tier, die Anlehnung beizubehalten, ohne sie zu verstärken; sie muss sogar in dem Augenblick, in welchem das Pferd zum Sprung Kopf und Hals streckt, ein wenig vermindert werden. Mit anderen Worten, das Pferd nimmt selbst die Anlehnung und nicht der Reiter.

Einzelne Pferde springen besser, wenn sie beim Herannahen an das Hindernis eine feste Anlehnung


  1. Zu allem Reiten gehört als Grundbedingung, dass die Hand mit dem Maule stets Fühlung behält. ↩︎

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haben, ganz besonders, wenn sie sich im Rennlauf befinden; anderen wiederum muss man ganz nachgeben, damit sie den nötigen Schwung nehmen können. Nichtsdestoweniger wird man das Pferd, um ganz sicher zu sein, dass es auch springt, versammeln, kräftig zwischen die Schenkel nehmen und die Fühlung mit der Hand behalten müssen; andernfalls könnte es gar zu leicht ausbrechen. Übrigens bemerke ich noch ausdrücklich, dass die Hand in dem Augenblick, in welchem es zum Sprung ansetzt, nachgeben muss.

Tut man letzteres zu früh, so wird das Pferd häufig stutzen oder Kurzkehrt machen; geschieht es dagegen zu spät, so verhindert oder beeinflusst man zum mindesten den Sprung.

Drei Tätigkeiten fallen somit der Hand zu: 1. dem Pferde bis zum Augenblick, in welchem es zum Sprung ansetzt, Anlehnung zu gewähren; 2. während des kurzen Augenblicks, in dem es über das Hindernis setzt, nachzugeben; 3. zurücknehmen mit der Trense[1], um das Pferd in dem Moment leicht in der Hand aufzunehmen, in welchem es landet.

Was die Schenkel des Reiters anbelangt, so müssen dieselben die ganze Zeit über das Pferd unterstützen: 1. vor dem Sprung, um es vorzutreiben und zum Sprung zu bestimmen; 2. während des Sprunges, um ihm dabei zu helfen, die Hinterhand derart vorzubringen, dass es nicht an das Hindernis streift; 3. nach dem Sprung, um die Hinterhand in dem Augenblick, in welchem das Pferd landet und in welchem sie ihrerseits die Vorhand entlasten soll, zu unterstützen. End-


  1. Beim Springen bediene ich mich ausschliesslich der Trense. Ich gebrauche nur die Kandare, um den Galopp zwischen den einzelnen Hindernissen zu regeln. ↩︎

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lieh erhalten auch die Schenkel, wenn sie in dieser Weise angelegt sind, den festen, guten Sitz des Reiters.

Beim Springen spielt das Selbstvertrauen des Reiters mit die Hauptrolle. Reitet man an das Hindernis heran, ohne fest entschlossen zu sein, es auch wirklich zu nehmen, so ist die Aussicht gross, dass man diesseits bleibt.

Man behauptet, dass sich die Empfindungen des Reiters dem Pferde mitteilen; das stimmt nicht ganz genau, da es sich gewiss keine klare Vorstellung von dem macht, was in dessen Geist vorgeht; was das Pferd aber sehr wohl fühlt, sind die Hilfen, welche ebenso unentschlossen sind, wie der Wille seines Reiters.

Um das Pferd zu etwas zu bewegen, muss man zunächst selbst einen festen Entschluss gefasst haben. Ist der Geist unentschlossen, so werden gezwungenermassen die Hilfen ebenso zaghaft sein. Ist man dagegen selbst fest entschlossen, so teilt sich das eigene Vertrauen auch dem Pferde mit und zwar vermittelst der Hilfen, welche in diesem Falle mit Kraft und Bestimmtheit gegeben werden.

Ein Reiter, welcher zum erstenmal an ein Hindernis herankommt, bildet sich ein, dass er einen gewaltigen Stoss erhalten wird. In der Regel macht er sich steif, um nicht aus dem Sitz zu kommen, während gerade diese steife Haltung das Gegenteil bewirkt.

Beim Springen muss man, wie ich bereits vorher erwähnt habe, dem Pferde gerade in dem Augenblick nachgeben, in welchem es zum Sprung ansetzt, und dabei seine volle Leichtigkeit und Geschmeidigkeit in der Haltung beibehalten, indem man nur die Schenkel ein wenig fester anlegt. Auf diese Weise wird der Sitz nur wenig leiden und der Stoss nur äusserst gering sein.

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Wir erwähnten bereits, dass nicht alle Pferde auf dieselbe Weise springen. Auf einem Tier, welches mit allen vier Beinen gut vom Boden abspringt und über das Hindernis in beinahe horizontaler Haltung hinwegfliegt, hat der Reiter weiter nichts zu tun, als gerade und senkrecht sitzen zu bleiben.[1]

Führt das Pferd den Sprung mit hoch aufgerichteter Vorhand, ebenso wie bei einer Lançade[2] aus, so muss sich der Reiter in dem Moment des Hebens nach vorne überlegen, und zwar umsomehr, je ausgesprochener diese Bewegung des Pferdes ist; er verharre jedoch in dieser Haltung nur so lange, als das Pferd mit der Vorhand in der Luft ist. Sowie dieselbe zur Erde niedergeht, muss gerade umgekehrt der Reiter seinen Oberkörper zurücknehmen und zwar aus dreierlei Gründen: einmal, um durch die Wucht des vorschnellenden Pferdes nicht selbst nach vorn geworfen zu werden; zweitens, um die Vorhand zu entlasten, welche beim Landen den Stoss des Gesamtgewichts von Pferd und Reiter aushalten muss; endlich, um seinen Sitz wiederzufinden und in der Lage zu sein, dem Pferde Halt geben zu können für den Fall, dass es auf den Vorderbeinen schwach ist.

Wenn das Pferd beim Springen mit den Vorderbeinen das Hindernis streift oder die Kruppe erhebt wie zum Hintenausschlagen,[3] so muss man in dem Augenblick, in welchem die Vorhand über dem Hinde-


  1. Siehe Tafel XXII. ↩︎

  2. Siehe Tafel XXIII, Figur 1. ↩︎

  3. Siehe Tafel XXIII, Figur 2. Wenn die Zügel straffer wären, könnte dieses Bild gleichzeitig noch dazu dienen, die Stellung eines Reiters zu veranschaulichen, welcher im Begriff ist, sein Pferd nach dem Sprunge aufzufangen. ↩︎

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Tafel XXII

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nis schwebt, den Oberkörper zurücklegen, um auf diese Weise eine Überlastung der Vorhand zu vermeiden. Nach Überwindung des Hindernisses wird die Gewalt des Schwunges genügen, um ganz von selbst den Körper wieder in seine richtige Lage zurückzubringen. Ich kann es nicht oft genug betonen, dass bei jedem Zurücklegen des Körpers während des Sprunges die Arme ihre volle Elastizität beibehalten müssen, derart, dass das Anstehen der Zügel sich nicht vermehrt, damit das Pferd unbehindert den Sprung vollenden kann. Erweisen sich die Zügel als nicht lang genug, so lässt man sie zwischen den Fingern durchgleiten, um sie sogleich wiederzunehmen, wenn man die Erde berührt.

Es erscheint mir ganz natürlich, wenn ich noch ein Wort über das Hindernis- und Hürdenrennen einfüge. Die Unkenntnis der meisten Jockeys in bezug auf die Gangarten des Pferdes ist geradezu unglaublich. Mit Ausnahme von ganz wenigen unter ihnen, wissen sie nicht einmal, ob ihre Pferde rechts oder links galoppieren. Ich sprach eines Tages meine Verwunderung hierüber dem Baron Finot, einer Autorität auf diesem Gebiete, aus; derselbe gab mir zur Antwort: „Die Jockeys reiten instinktmässig und geben sich keine Mühe nachzudenken.“

In Hürdenrennen fliegt das Pferd über das Hindernis infolge des erlangten riesigen Schwunges; je mehr sich das Pferd auf die Zügel legt, desto zufriedengestellter ist der Jockey.

In Frankreich wird die Steeplechase in derselben Pace geritten, wie ein gewöhnliches Hürdenrennen, was im ersten Augenblick gefährlich erscheinen mag. Ich habe hierüber viele Jockeys befragt; alle ant-

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worteten mir, dass je toller die Pace, desto geringer die Gefahr für sie wäre. Dieser scheinbare Widerspruch ist im Grunde genommen richtig. Sie begründen ihn nämlich damit, dass der Jockey gewöhnlich unter das Pferd zu liegen kommt oder vielmehr, dass das Pferd auf den Jockey fällt, wenn es in mässigem Tempo bei einem Hindernis stolpert und stürzt. Ein solcher Sturz ist gefährlich, wenn nicht gar tödlich. Kommt es dagegen zu einem gleichen Sturz, wenn das Pferd sich in voller Pace befindet, so wird der Jockey einige Meter nach vorn geworfen und kommt in der Regel günstiger fort. In einem solchen Falle rollt sich der Jockey wie eine Kugel zusammen, macht sich so klein wie möglich, vermeidet es ängstlich, einen Arm oder ein Bein von sich zu strecken und erreicht auf diese Weise, dass er fast immer nur einen kleineren Schaden davonträgt.

Bei den Steeplechases in England verkürzt der Reiter das Tempo, sobald er sich dem Hindernis nähert; er macht auf diese Weise das Pferd darauf aufmerksam, welche Anforderung an dasselbe herantritt, und gestattet ihm, seinen Sprung besser abzumessen. Auch sieht man daher Mann und Ross beim Sprunge eins sein, d. h. in völliger Übereinstimmung.

Das französische System ist halsbrecherischer und erfordert geringeres Verständnis, kann aber wohl zum Gewinnen des Rennens beitragen. Das englische System lässt sich durch ein Wort bezeichnen: „Good horsemanship“, d. h. gutes Turfreiten. Man muss jedoch zugestehen, dass das französische System grössere Gewinnaussichten bietet, sobald das Pferd nicht stürzt.

Nach meiner Ansicht machen zwei Jockeys eine rühmliche Ausnahme von der gewöhnlichen Art, die

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Steeplechases zu reiten. Es sind dies Hatchet und H. Andrews.

Hatchet hat eine ganz hervorragende Weise, die Hindernisse zu nehmen, und es bereitet mir stets einen hohen Genuss, ihn beim Rennen zu verfolgen, weil seine Art zu reiten den Grundsatz, welchen ich bis an mein Lebensende verteidigen werde, vollauf bekräftigt, dass es nämlich keine zweifache Reitkunst gibt. Es gibt nur eine einzige, welche immer gut ist, sowohl auf dem Rennplatz, wie beim Spazierenreiten, und ohne welche der Erfolg nichts anderes ist, als der reine Zufall oder ein Rennkniff.

Hatchet in einer Steeplechase springen zu sehen, ist für den Kenner ein wahrer Hochgenuss. Er klebt förmlich am Sattel, und niemals erblickt man den geringsten Lichtschimmer zwischen diesem und seinem Gesäss. Kommt er an das Hindernis heran, so legt er seinen Oberkörper nicht zurück, da er wohl weiss, dass die vorschnellende Hinterhand ihn wieder nach vorne werfen würde; er bohrt sich in den Sattel hinein und krümmt dabei den Rücken, um auf diese Weise sich sowohl den Sitz, wie die Geschmeidigkeit zu erhalten. Die Hände hält er tief, die Arme gekrümmt, die Zügel nur eben so straff, dass er in permanenter Verbindung mit dem Maul des Pferdes bleibt. Man fühlt es, dass er mit den Fingern sowohl, wie auch mit den Armen nachgibt, da er niemals in dem Augenblick nach vorne gezogen wird, wo das Pferd zum Sprunge Kopf und Hals streckt.

Er behält mithin die Tätigkeit der Finger, und nicht diejenige der Arme allein, auch während des rasendsten Renntempos bei. Sicherlich werden nur wenige Sportsleute diese Tatsache zugeben, obwohl

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sie wahr ist. Nicht minder ist sein Sitz vor, während und nach dem Sprunge tadellos. Da gibt es nicht die geringste Erschütterung, alles ist und bleibt weich; es ist mit einem Wort die Vollendung.

Ich höre häufig auf den Rennplätzen die Redensart: „Wenn ein Pferd einmal fallen soll, so ist dies durchaus nicht zu verhindern.“ Man kann sich aber darin irren. Es ist ja klar, dass das Pferd fallen muss, wenn der Fehler begangen und der Sprung mißglückt ist; ich behaupte aber, dass derselbe Fehler nicht unter dem einen Jockey vorkommen wird, welcher unter dem anderen eintritt. Am Sturz des Pferdes kann sehr oft sein Reiter die Schuld tragen. Hier ein Beispiel, dessen ich mich noch entsinne und welches ich deshalb anführe, weil es bezeichnend ist.

In ein und demselben Rennjahr zu Auteuil gewann Hatchet auf „Baudres“ von elf Rennen neun; in den beiden Rennen, welche er verlor, war das Pferd gestürzt. Auf persönlichen Wunsch reitet nun ein anderer Jockey von vorzüglichem Rufe „Baudres“. Von sieben Rennen stürzt das Pferd bei vieren, und verliert die vier Rennen, in denen es gestürzt war. Nun setzt Hatchet sich wieder auf „Baudres“ und gewinnt zehnmal hintereinander, ohne je gestürzt zu sein. Resultat: Von sieben Malen war „Baudres“ viermal unter einem guten Jockey gestürzt; unter dem anderen Jockey, welchen ich für eine grosse Ausnahme-Erscheinung halte, stürzte er unter einundzwanzig Malen nur zweimal. Bemerkenswert ist es, dass dieser Sturz jedesmal an dem Bach vor den Tribünen erfolgte.[1]


  1. Dort befand sich nichts, woran man hängen bleiben konnte. Es bedurfte nur, wie bei jedem anderen Breitsprung, des kräftigsten Abschwungs. Als ich „Baudres“ wenige Meter ↩︎

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Tafel XXIII Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXIII

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Hatchet hatte eine ganz eigene Art, die letzte Biegung auf diesem Rennplatz zu nehmen. Man weiss, dass diese letzte Biegung, links von den Tribünen gelegen, sehr scharf ist. Hatchet nahm sie ganz kurz, indem er auffallend verhielt; die anderen dagegen blieben in voller Fahrt und waren somit gezwungen, den Bogen zu vergrössern. Das sieht nach nichts aus, und doch ist es von grosser Bedeutung. Hatchet verlor, obwohl er sein Tempo verkürzt hatte, mit seiner scharfen Wendung nicht an Terrain, da er einen kürzeren Weg zurückzulegen hatte. Die anderen dagegen, welche die Biegung im grossen Bogen ausführen mussten, da sie in voller Pace blieben, hatten einen weiteren Weg zurückzulegen, und so kam es, dass, nachdem die Biegung genommen war, alle sich wieder so ziemlich in gleicher Höhe befanden, aber in ganz verschiedener Kondition, deren Erheblichkeit fast ausschlaggebend war, da nur noch der letzte Teil des Rennens zurückzulegen war, und die Pferde schon drei- bis viertausend Meter hinter sich hatten. Hatchet hatte bei der Biegung, so kurz dieser Augenblick der Erholung auch nur währte, sein Pferd wieder Atem schöpfen lassen und konnte, einmal auf der Geraden angelangt, eine letzte und höchste Anspannung verlangen. Die anderen hingegen waren stets in vollster Fahrt verblieben und konnten daher nicht noch mehr aus ihren Pferden herausnehmen.

Man darf nicht vergessen, dass die Pferde in

vor dem Hindernis changieren sah, während der Jockey den Kopf seines Tieres anzuheben versuchte, sagte ich zu seinem Besitzer: „Ihr Pferd wird stürzen.“ So geschah es auch. Der Schwung war unterbrochen worden, und der Sturz konnte nicht ausbleiben.

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solchem Falle das Rennen nicht mit den Beinen gewinnen, sondern mit den Lungen, d. h. mit ihrem inneren Gehalt.

Ich habe soeben H. Andrews genannt; zum Schluss kann ich mir das Vergnügen nicht versagen, der besonderen Eigenschaften Erwähnung zu tun, welche diesen zu einem Jockey ohnegleichen stempeln. Wer nicht H. Andrews ein finish hat reiten sehen, kann sich gar keinen Begriff davon machen, welche fabelhafte Energie er dabei an den Tag legt. Als er seine Peitsche verlor, habe ich ihn seine Kappe herunterreissen sehen, um sein Pferd damit zu schlagen; als er auch diese verlor, war es der rechte Arm und die Hand, welche er mit unglaublicher Kraft und Ausdauer gebrauchte. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn man es ausspricht, dass er, sobald das Ziel in Sicht ist, seinem Pferde noch einen letzten Zuschuss an Energie einflösst und es in einer Weise nach vorne wirft, welche nur ihm eigentümlich ist, ohne selbst dabei je die geringste Ermattung zu spüren.

XXVI. Flachrennen.

Ich habe es bei passender Gelegenheit ausgesprochen, dass bei jeder Arbeit der Reiter, ob er nun Bereiter oder Jockey ist, das ganz bestimmte Gefühl dafür haben muss, was er von seinem Pferde verlangen kann. Man glaubt allgemein, dass dieser Grundsatz für die Flachrennen nicht gilt; aber mit Unrecht, hier ebenso, wie in jedem anderen Falle, gibt es ohne diese erste Grundregel keine absolute Gewissheit,

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und diejenigen, welche danach handeln, haben eben den Erfolg auf ihrer Seite.

Bei einem Flachrennen, in welchem alle Pferde mehr oder minder gleich schnell und gleichwertig sind, d. h. also wenn sich in dem Feld nicht ein Pferd von ganz besonderer Klasse befindet, wird ganz sicherlich das die meisten Gewinnchancen für sich haben, welches führt; demnach wird auch der Erfolg von dem Jockey abhängen, welcher die richtige Vorstellung von den Fähigkeiten seines Pferdes hat. Er wird ihm genau die Zügelanlehnung gewähren, welche ihm bequem ist, und wird es in dem Tempo laufen lassen, an welches man das Tier am Schlüsse seines Trainings gewöhnt hat. Hierin wird er es während des Rennens erhalten und das Höchste an Schnelligkeit für den Endkampf aufsparen.

Ein Pferd, aus welchem während des Rennens nicht zu viel herausgenommen wurde, wird mit Leichtigkeit kurz vor dem Ziel noch den letzten Anlauf hergeben können, welcher in der Regel den Sieg entscheidet.

Ich entsinne mich, dass ich diese Tatsache sehr leicht vor einigen Jahren bei „Archiduc“, dessen sich wohl noch jedermann erinnert, feststellen konnte. Dreimal hintereinander nahm „Archiduc“ die Spitze und führte das Rennen in derjenigen Pace, welche ihm zusagte; keines von den anderen Pferden konnte an ihn herankommen. Im Derby zu Chantilly dagegen wollte ein anderes Pferd, „Fra Diavolo“, die Führung nehmen. Natürlich suchte „Archiduc“ sie ihm streitig zu machen, und da in einem solchen Falle das einzige Mittel, um die Spitze zu behalten, in Zunahme der Geschwindigkeit besteht, so legte jeder der beiden

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Jockey zu, was zur Folge hatte, dass sie vor dem ersten Viertel des Rennens bereits ihre grösste Schnelligkeit erreicht hatten. „Little Duc“ war hinten; ohne sich um die anderen zu bekümmern, behielt dessen Jockey während drei Viertel der Bahn das im Training angewöhnte Tempo bei, indem er sich so das Äusserste für den letzten Augenblick aufsparte. Dann mit einem Male spornte er sein Tier zur grösstmöglichsten Schnelligkeit an, überholte die anderen, welche fertig waren, und siegte spielend. „Little Ducs“ Jockey hatte nichts anderes getan, als das System, welches ich als förmliche Regel hingestellt habe, in der Praxis zu verwerten. Mit einem Worte, er hatte verstanden, noch einen Tropfen gegen den Durst zu reservieren, d. h. einen letzten Rest von Energie und Kraft für den Einlauf aufzusparen.

Die grösste Schwierigkeit für den Jockey, welcher in einem Rennen führt, besteht darin, die Schnelligkeit des Laufes zu beurteilen und genau in dem Tempo zu reiten, welches den Fähigkeiten des Pferdes entspricht.[1] Überschreitet er diese Grenze, so pumpt er sein Pferd aus und verliert die Möglichkeit, von demselben den letzten Anlauf zu verlangen. Erreicht er aber diese Grenze nicht, so kommt es daher, weil er ganz gewiss mit aller Macht mit den Zügeln von vorne nach hinten zieht und somit die Nieren und die Sprunggelenke ermüdet; gerade diese sind es aber, welche die Möglichkeit geben, das Rennen im letzten Augenblick zu gewinnen.

Man braucht übrigens bloss zu sehen, was die besten Jockeys machen, sie reissen den Sieg gerade


  1. Eine ausserordentlich schwierige Beurteilung bei einer Schnelligkeit von ungefähr tausend Metern in der Minute. ↩︎

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im letzten Moment, möglichst dicht vor dem Ziel, an sich. Das genau richtige Schätzen der Schnelligkeit ist es, was dieselben zu dem Urteil berechtigt, dass ihre Gegner die von ihnen gleichfalls aufgenommene Schnelligkeit nicht durchhalten können, und welches ihnen ebenso das Bewusstsein gibt, dass sie selbst noch zulegen können.

Zu Chantilly habe ich Watts auf „Louis d'Or“ dieses Prinzip sehr geschickt und erfolgreich anwenden sehen. Es war ein Rennen mit schwerem Gewicht; alle trugen gleichmässig achtzig Kilogramm. „Atalante“ war Favorit und konnte nach ihrem Bau entschieden am besten schweres Gewicht vertragen.

Watts liess „Louis d'Or“ in seinem gewohnten Tempo laufen, ohne den Versuch zu machen, die anderen einzuholen; das Rennen ging über dreitausend Meter. Im Anfang war er um zweihundert Meter zurück, und trotz dieses Abstandes legte er nicht zu. Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, mussten die anderen, nachdem sie eine zu starke Schnelligkeit vorgelegt hatten, das Tempo allmählich verkürzen; er dagegen, welcher die Anfangsgeschwindigkeit beibehalten hatte und die Möglichkeit besass, sie noch zu vergrössern, schlug den Favoriten wenige Meter vor dem Ziel. Man kann dreist behaupten, dass er nur vermöge seiner richtigen Beurteilung des Tempos dieses Rennen gewonnen hat.

F. Archer, welcher den Grand Prix de Paris auf „Paradox“ gewann, hat uns das schönste Beispiel damit geliefert. In bezug auf Finessen im Reiten, auf Kaltblütigkeit und auf Talent hat er sich in keinem Augenblick verleugnet. Zuerst hielt er sich hinter dem Feld zurück; dann gegen Ende des Rennens legte er

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sich „Reluisant“ an die Gurten, welcher als Gewinner des Derbys von Chantilly sein einziger gefährlicher Nebenbuhler war. Er wich ihm nicht von der Seite. Als er sich darüber klar war, dass „Reluisant“ schon sein Letztes hergegeben hatte, ging er ihm trotzdem nicht vorbei, wohl wissend, dass er selbst noch zulegen könne; endlich, erst dicht am Ziel, gewann er mit einer Halslänge.

Dieser Sieg allein zeigt uns aber nur einen Teil von Archers Verdiensten. Was an ihm bewunderungswürdig war und was ihn zum wirklichen Meister stempelte, das war sein Sitz, welcher beim Rennen von Anfang bis zu Ende ein und derselbe war. Er sass tief im Sattel, die Beine lang ausgestreckt, mit lang geschnallten Bügeln. Wenn er sich zeitweise in die Bügel stellte, so berührte sein Gesäss immer noch ganz leicht den Sattel.

Er hatte nichts von diesem eigentümlichen, um nicht zu sagen lächerlichen Sitz an sich, welchen viele Jockeys einnehmen und welchen einzelne unter ihnen dermassen übertreiben, dass man zwischen Gesäss und Sattel bequem einen Hut hinstellen könnte.[1] Archer sass stets wie ein Stallmeister und hielt sein Pferd gut zwischen Zügel und Schenkel.

Man machte ihm zum Vorwurf, dass er bei kurzen Rennen nicht den Fall der Flagge abwartete, d. h. vor den anderen startete. Dieser Vorwurf ist ganz un-


  1. Die Jockeys, von denen die meisten eine so schlechte Haltung zeigen, reiten nicht mehr, wie man früher sagte, im Dreieck, d. h. mit den drei Stützpunkten: Zügel, Sattel und Steigbügel. Wenn diese Mode auch den Rennplatz verlassen hat, so ist sie unglücklicherweise noch nicht beim Spazierenreiten in Acht und Bann erklärt worden. ↩︎

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gerecht. In dem Augenblick, wo der Starter die Flagge senkt, begnügen sich die meisten Jockeys damit, den Pferden mit den Zügeln Luft zu geben, und so gehen dieselben mehr oder minder schnell ab, je nach ihrem Können oder Wollen. Archer überliess nichts dem Zufall, er war Herr über sein Pferd, wie ein wirklicher Reitkünstler, der er auch war. Da er die Schenkel stets angelegt hatte, so überrumpelte er im Start sein Pferd gewissermassen mit einem kräftigen Druck derselben und setzte es unverzüglich in Schwung, viel früher als die anderen. Er war immer schon in voller Pace, wenn die anderen kaum den Start überwunden hatten.

Diese Beispiele zeigen, dass alle Arten des Reitens mit einander Ähnlichkeit haben, dass der Jockey ebenso wie jeder andere die Kenntnisse der wahren Reitkunst beherrschen muss. Man kann letztere in drei Worte zusammenfassen: Beurteilungsgabe, Hände, Schenkel.

XXVII. Das Jagdpferd.

Muss das Jagdpferd einer besonderen Rasse angehören? Nein; jedoch bin ich der Ansicht, dass es den allerbesten Pferden entnommen werden muss. Ich rate jedem, welcher sich für das Jagdreiten beritten machen will, ein Pferd auszusuchen, welches in demselben Lande geboren, aufgezogen und in Arbeit genommen worden ist, wo es Jagd geritten werden soll. Es ist bei den Pferden wie bei den Menschen, sie haben angeborene Fähigkeiten, welche mit dem Klima und mit dem Gelände ihrer Heimat im engsten

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Zusammenhang stehen. Versetzt man sie an einen anderen Ort, so verlieren sie diese angeborenen Talente, ohne diejenigen anzunehmen, welche die einheimischen Tiere aufweisen.

Nehmen wir z. B. das kleine Pferd der Pyrenäen, welches bewunderungswürdige Eigenschaften besitzt. In seinem Lande ist es geschickt, behende, von erprobter Sicherheit und überdies noch ausserordentlich genügsam. In Pau und der ganzen Umgebung gibt es ein vorzügliches und sehr bequemes Jagdpferd ab. Bringt man es dagegen nach Rom oder in die Vendée, so wird es sehr bald einen Teil seiner Vorzüge verlieren. Ebenso verhält es sich mit den Pferden anderer Rassen. Man nehme also zum Jagdreiten ein Pferd des Landes. Ich kenne nur eine Sorte Pferde, welche sich in jedem Lande gleich gut bewähren und ihre Vorzüge behalten, gleichgültig welche Art Jagd von ihnen verlangt wird. Es ist dies dasjenige englische Pferd, welches man „hunter“ nennt. Es vereinigt in sich so ziemlich alle gewünschten Eigenschaften. Beinahe Vollblut, ist sein Bau doch durchaus nicht ein solcher, wie man ihn bei dem Vollblutpferde sucht, welches für die Rennbahn bestimmt ist. Man zieht dieses hoch und lang, während der Hunter dicht über dem Boden stehen soll; den Hauptwert legt man auf die guten Eigenschaften von Rücken und Sprunggelenken.[1]


  1. Es ist dieses das einzige Pferd, dessen Züchtung man in Frankreich nicht versucht hat. Nichts ist bedauerlicher, da der Versuch, ebenso wie bei der Züchtung aller anderen Pferdearten, gewiss gelungen wäre. Der Franzose will aber für sein Jagdpferd nicht viel anlegen, und daran tut er sehr unrecht. ↩︎

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Die Dressur des Hunters beginnt später als die des Vollblutpferdes. Wenn er ungefähr drei und ein halbes Jahr alt ist, nimmt man ihn in Arbeit und braucht ein bis anderthalb Jahre zu seiner Ausbildung.[1] Um ihn zu beurteilen und seine Fähigkeiten nach Gebühr zu schätzen, legt man besonderes Gewicht auf die Art und Weise, wie er springt, auf seinen Gang und auf die besondere Art, wie er das Hindernis überwindet. Handelt es sich um eine Hecke, so muss er sie in aller Ruhe nehmen, mit Rücksicht auf die geringe Anstrengung, welche ein solcher Sprung erfordert.

Bei einem hohen und festen Hindernis muss er sich sozusagen in sich zusammenschieben, alle Muskeln anspannen, indem er seine Kräfte für eine gewaltige Leistung konzentriert und nichtsdestoweniger in gerader Haltung, ohne Überstürzung und ohne Stürmen an das Hindernis herangeht. Soll er endlich einen ziemlich breiten Wasserlauf nehmen, so muss die Art seines Laufens wieder eine ganz andere sein. Kopf und Hals, welche durch die Hand nicht gehindert werden dürfen, strecken sich; auch das Pferd streckt sich, sucht sich eine leichte, aber doch dreiste Anlehnung an die Hand und geht dahin in vollem Lauf, keck, fast freudig, als ob ihm das Springen besonderes Vergnügen machte.


  1. Seine ausschliessliche Bestimmung ist, als Springpferd zu dienen. Man zahlt für ihn nur dann einen sehr hohen Preis, wenn er sehr gängig, ausserordentlich sicher und ein hervorragender Springer ist. Seine Erziehung ist das Resultat einer langwierigen Arbeit, welche sich durch den hohen Preis, den er einst erzielen wird, bezahlt macht. Die gewöhnlichen Springer sind schon im Alter von drei und einem halben bis vier Jahren fertig. ↩︎

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Dieses Pferd hat nur einen Fehler: es kostet viel Geld. Für einen guten Hunter bezahlt man gern sieben- bis achttausend Franken; besitzt er ganz aussergewöhnliche Vorzüge, so steigt sein Preis bis zu zwölf- und fünfzehntausend Franken.

Dieses ist das einzige Pferd, wiederhole ich nochmals, welches befähigt ist, überall Jagd zu gehen.

Mit Ausnahme von England pflegt man der Ansicht zu sein, dass man für ein Jagdpferd, welches man von vornherein geopfert und das im Hinblick auf die Unglücksfälle, denen es ausgesetzt ist, häufig gewechselt werden muss, nicht viel anlegen darf, d. h. also, dass man sich zum Jagdreiten nur verhältnismässig minderwertiger Pferde bedienen darf. Unter meinen Lesern befindet sich aber wohl nicht einer, welcher nicht aus eigener Erfahrung wüsste, dass er beim Ankauf eines Pferdes weit davon entfernt ist, sicher zu wissen, was er für sein Geld erworben hat. Meiner Ansicht nach ist es ein grober Fehler, bei einem für das Jagdreiten bestimmten Pferde am Einkaufspreis sparen zu wollen. Der durchaus praktische Engländer, welcher den Wert des Geldes wohl zu schätzen weiss, spart gern an seinen Wagenpferden; bei dem Jagdpferd dagegen, welchem er sein Leben anvertraut, und dessen Tüchtigkeit die einzige Garantie leistet, stösst er sich nicht am Preise, indem er dabei von der Ansicht ausgeht, dass er seine eigene Sicherheit nicht zu teuer bezahlen kann.

Häufig hört man die Redensart: „Herr X. hat Glück, alle Pferde schlagen bei ihm ein; Herr Y. wird vom Unglück verfolgt, es gelingt ihm nie, ein gutes Pferd zu bekommen.“ Man darf aber überzeugt sein, dass hierbei der Zufall wirklich keine übermässig grosse

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Rolle spielt. Wenn Herr X. häufig gute Pferde hat, so kommt es vielleicht daher, weil er dieselben vernünftig gebraucht, weil er ihr Können richtig würdigt und sie nicht überanstrengt, was jedoch nicht ausschliesst, dass sie fest herangenommen werden, erst recht sogar. Wenn Herr Y. immer nur schlechte Pferde hat, trotz aller gebrachten Geldopfer, so liegt der Grund vielleicht darin, dass er ein ungenügender Reiter ist, dass er zu wenig Verständnis für das Pferd besitzt und sich nicht bewusst ist, was man von einem Pferde verlangen kann und in welcher Weise dies zu geschehen hat.

Wer meiner unmassgeblichen Ansicht vertrauen will, dem zögere ich nicht, den Rat zu geben, für die Jagd nur das beste und solideste Pferd zu wählen.

Die Engländer sagen: „Hacking is art[1], hunting is pluck“. Meinem Dafürhalten nach ist dieses Sprichwort nicht ganz zutreffend. Es ist ja zweifellos, dass man auf der Jagd beherzter sein muss, als beim Spazierenreiten, weil dort das Tempo ein viel schnelleres ist, und die Hindernisse plötzlich erscheinen. Nichtsdestoweniger kann aber die Kühnheit niemals das ersetzen, was die Engländer mit Kunst bezeichnen, also das völlige Beherrschen der Reitkunst. Ich möchte sogar behaupten, dass diese Kenntnis für die Jagd notwendiger ist, als für das Spazierenreiten, weil bei ersterer die Gefahr häufiger eintritt, und auch grösser ist.

Um Jagd zu reiten, muss man ebensogut zu reiten verstehen, wie beim Spazierenreiten oder beim Wettrennen.


  1. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich in Rottenrow immer mehr „hacking“ als „Kunst“ gesehen. ↩︎

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XXVIII. Das Truppenpferd.[1]

Ich habe mir die Aufgabe gestellt, in diesem Werk sämtliche Arten des Reitens zu behandeln. Bis jetzt habe ich nur von dem Luxus der Reitkunst, dem Sport, und von der Dressur, welcher man das hierzu bestimmte Pferd unterwerfen muss, gesprochen.

Das Reitpferd dient aber nicht ausschliesslich dem Sport, und die Reitkunst ist nicht nur eine Sache des Luxus. In jetziger Zeit macht das Pferd einen wichtigen Bestandteil der Militärmacht eines Landes aus; das Pferd ist ein Werkzeug, eine Kriegswaffe, welche man mit Verständnis aussuchen, vorbereiten und gebrauchen muss. — Die letzten Kriege haben bewiesen, dass die Kavallerie berufen ist, eine entscheidende Rolle zu spielen. Überall wird mit Macht daran gearbeitet, sie zahlreicher und widerstandsfähiger zu gestalten. Neuerdings erst haben Broschüren, sowie Zeitungsartikel und Zeitschriften darauf hingewiesen, welchen Grad von Aufmerksamkeit man diesem Gegenstände schenken muss.


  1. Im voraus bitte ich, dass man mir die Offenheit und sogar die Lebhaftigkeit meiner Kritik mit Rücksicht auf meine felsenfeste Überzeugung davon, dass sie nur zu begründet ist, verzeihe. Im übrigen glaube ich, dass viele, sogar die meisten Kenner, deren Stellung für das Massgebende ihrer Ansicht bürgt, meine Bemerkungen gern unterschreiben würden, wenn sie nur in der Lage wären, es tun zu dürfen. ↩︎

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Man gestatte mir — oder verzeihe mir wenigstens, dass ich einige Worte dem Soldatenpferde widme.[1]

Das Element, auf dem die Kavallerie basiert, ist das Truppenpferd, das Soldaten-Dienstpferd, welches ganz besondere Eigenschaften besitzen muss, vornehmlich Zähigkeit und Widerstandskraft. Bei ihm ist keine Rede von feinem Gefühl, von höheren Kunststücken, ebensowenig von besonderen Gangarten. Von ihm verlangt man, dass es seinen Reiter trägt, und zwar sicher und lange, und dass die Kraft seiner Konsti-


  1. Für den Krieg eignet sich meiner Ansicht nach am besten das Halbblutpferd.

    In meinem Buche sagte ich gleich zu Anfang, dass ich dem Vollblutpferde bei weitem den Vorzug gebe. Hierin liegt kein Widerspruch. Das Vollblutpferd hat Eigenschaften, welche man selten in demselben Grade bei den anderen Pferden antrifft: Kraft, Energie, Scharfsinn. Dieses sind aber nicht die einzigen wünschenswerten Eigenschaften für ein Pferd, welches bei der Truppe verwendet werden soll. Das Vollblutpferd wird vielleicht besser wie jedes andere Pferd Strapazen ertragen. Bei einer Attacke wird es einen wunderbaren, unvergleichlichen Schneid beweisen. Wie wird es aber alle Entbehrungen und Beschwerlichkeiten des Krieges ertragen?

    In der Krim haben die Engländer die meisten ihrer Vollblutpferde verloren. Dagegen haben die Pferde aus der Normandie, aus der Perche, aus der Bretagne, aus der Auvergne eine wunderbare Widerstandsfähigkeit bewiesen.

    Das Truppen-Pferd muss gröberer Art sein. Es muss seinen Dienst tun, und doch dabei Hunger, Kälte, Regen, Schnee, die Nächte ohne Dach und ohne Decke ertragen können. Wird das das Vollblutpferd auch vermögen? Ich glaube es kaum! Solange man die Rasse nicht abgehärtet haben wird, wird sie zwar bewundernswürdige Pferde hervorbringen; sie wird aber kein widerstandsfähiges und dauerhaftes Pferd, wie man es für den Krieg braucht, liefern.

    Ich füge noch hinzu, dass ein Vollblutpferd eine bei weitem gründlichere Kenntnis der Reitkunst verlangt, als man sie den Soldaten gewöhnlich zuteil werden lässt. ↩︎

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tution den Strapazen und allen Entbehrungen des Krieges widersteht.

Ausserdem darf es nicht zu teuer sein, weil der Geldpunkt trotz aller Fortschritte und Neuerungen für die Kriegsbereitschaft immer den Hauptfaktor bildet.

Ein Pferd kostet nicht nur die Summe allein, für welche sein Besitzer es abgetreten hat. Zu diesem Anlagekapital muss man noch alle Unkosten hinzurechnen, welche vom Tage des Ankaufs bis zu dem Tage, wo es wirklich für den Gebrauch fertig ist, entstanden sind. Ein mit tausend Franken bezahltes Pferd, welches man in einem Depot unterbringen, pflegen und füttern muss, und zwar während des ganzen Jahres, das seiner Einreihung in die Truppe vorangeht, kostet an dem Tage, wo es in Reih und Glied steht, in Wirklichkeit zweitausend Franken.

Ich masse mir nicht an, hier solche finanziellen oder militärischen Fragen zu berühren, welche ausserhalb meiner Beurteilung liegen; ich spreche einfach als ein Mensch, welcher etwas von Pferden versteht. Ich behaupte, wenn es sich um das Truppenpferd handelt, muss man gleichzeitig die unumgänglich notwendigen Eigenschaften und den dafür angelegten Preis in Betracht ziehen. Wollte ich mich nur mit den Eigenschaften beschäftigen und dabei den Geldpunkt aus dem Spiele lassen, so könnte meine Theorie unnütz erscheinen. Mein einziger, aber ausgesprochener Ehrgeiz besteht hingegen darin, nur Tatsachen anzuführen und nur mögliche Dinge anzuraten.

Jedermann weiss, in welcher Weise die Pferde für die Armee ausgehoben werden. Remonte-Kommissionen begeben sich nach den verschiedenen Züchtungs-Zentralstellen, mustern die drei- bis vierjährigen Pferde

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und machen ihre Ankäufe. Natürlich ist man von diesem Besuch im voraus unterrichtet. Was die vierjährigen Pferde anbelangt, so setzen die Händler von allerwärts her, insbesondere aus dem Auslande, alles daran, früher als die Remonte-Kommission zu erscheinen, um das beste Material, das am Platze ist, aufzukaufen, was ihnen leicht gemacht wird, da sie ja einen höheren Preis bieten. Die Remonte-Kommission sucht nun von dem, was jetzt noch übrig ist, für sich das Beste aus.

Diese Pferde, welche mit Rücksicht auf ihr Alter als für jeden Dienst unbrauchbar angesehen werden, schickt man nun nach den Depots, wo sie bis zum Alter von fünf Jahren verpflegt werden. Manchmal gibt man sie gegen Entschädigung zu Landleuten in Pflege.

Ich übergehe alle Einzelheiten, um zum Hauptpunkt zu gelangen, welcher der ist, dass man, ohne Rücksicht zu nehmen, wie alt das Pferd beim Ankauf war, allgemein der Ansicht ist, man dürfe von ihm bis zum vollendeten fünften Jahre nichts verlangen. Erst mit Beginn des fünften Lebensjahres[1] fängt man mit


  1. In den Listen der Verwaltung haben die Pferde das fünfte Jahr vollendet, weil man ihr Alter vom ersten Januar an berechnet. In Wirklichkeit sind sie nur vier und dreiviertel Jahre alt, da sie ja im Frühjahr geboren werden. Die Pferde kommen zu den Regimentern im Laufe der ersten Hälfte des Oktobers desjenigen Jahres, in welchem sie ihr viertes Lebensjahr vollendet haben. Mithin sind sie viereinhalb Jahr alt.

    Zunächst steckt man sie in die Ersatz-Schwadron, wo sie das Allernotwendigste erlernen. Dort gewöhnen sie sich an den Anblick äusserer fremder Gegenstände. In der ersten Hälfte des Januar, folglich mit vier und dreiviertel Jahren, werden sie ihren betreffenden Schwadronen zugewiesen, wo die eigentliche Dressur beginnt. ↩︎

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seiner Ausbildung an; man unterzieht es einer mehr oder minder rationellen Arbeit, beginnt mit einem Worte die Dressur. Dies beruht auf Tradition und ist Prinzip geworden.

Auf das Risiko hin, alle überkommenen Ideen über den Haufen zu werfen, behaupte ich nun, dass diese Tradition auf einer irrigen Anschauung beruht, dass dieses Prinzip falsch und das System schlecht ist.

Will man beim Pferde bis zu seinem vollendeten fünften Lebensjahre warten, um es dann erst auszubilden und zu dressieren, um es im Hinblick auf seine künftige Kriegstüchtigkeit zu trainieren, so heisst das eine kostbare Zeit verlieren. Man häuft dadurch die Ausgaben, welche den Ankaufspreis mindestens verdoppeln und setzt die angeborenen Eigenschaften des Pferdes aufs Spiel, die aus Mangel an genügender Nahrung und nötiger Arbeit verkümmern.

Mit drei und einem halben Jahre ist ein Pferd,[1] welches gut gebaut ist und welches genügend Futter und Arbeit bekommen hat, hinreichend entwickelt und kräftig genug, um die stufenweise Ausbildung, welche der Dressur vorangeht und diese erleichtert, auszuhalten. Mit vier Jahren kann es vollkommen dressiert und für den Truppenteil tauglich sein. Hat es hier einige weitere Monate Dienst getan, so ist es gekräftigt und besitzt diejenige Zähigkeit und Widerstandskraft, welche die Haupteigenschaften des Soldatenpferdes ausmachen.

Will man mit dem alten Schlendrian brechen und zu einem neuen System übergehen, welches auf genügendem Futter und rationeller Arbeit beruht, so wird


  1. Ich meine das französische Pferd, gleichviel aus welcher Gegend es stammt. ↩︎

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man ein Truppenpferd erzielen, das mit vier und einem halben Jahr in seiner Gesamtheit ebensoviel und sogar noch mehr taugen wird, als heutzutage das sechsjährige Pferd nach erfolgter Dressur.

Woher kommt denn diese tief eingewurzelte Ansicht, dass das Pferd vor vollendetem fünften Jahre in der Armee nicht benutzt werden kann? Woher kommt es, dass so viele hervorragende Männer, welche sich mit dem Remontewesen beschäftigt haben, dieses Prinzip zugelassen und gebilligt haben? Ich bilde mir ein, dass man ganz einfach zur Überzeugung gelangt ist, dass die fünfjährigen Pferde in dem Zustande, wie man sie erhält, noch recht schwächlich und nicht völlig ausgewachsen sind. Von dieser Ansicht ausgehend, hat man daraus den Schluss gezogen, dass es unmöglich wäre, sich ihrer früher zu bedienen. Man hat mit der Tatsache gerechnet, ohne dabei nach den Ursachen zu forschen.

Nichtsdestoweniger ist der Beweis schon lange geliefert worden und wird immer aufs neue wiederholt, dass dasjenige Pferd, welches genügend Futter und Arbeit bekommen hat, mit drei Jahren sich den grössten Anstrengungen unterziehen und die schnellsten Gangarten aushalten kann.[1] Sehen wir uns bei-


  1. Wendet man mir dagegen ein, dass einige Tiere darunter leiden könnten, so erwidere ich darauf, dass mein Vorschlag nur dahin geht, Pferde von dreieinhalb und sogar drei-dreiviertel Jahren in Dressur zu geben, da ja die Vorbereitung allein schon drei Monate in Anspruch nimmt. Endlich verlange ich von ihnen auch keine solchen Leistungen, wie Pferde derselben Abstammung ausführen, welche mit drei Jahren auf den Rennplätzen laufen und spätestens mit zweieinhalb Jahren in Training genommen worden sind.

    Man führt noch den Gewichtsunterschied, welchen das ↩︎

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spielsweise die Halbblutpferde der Normandie an. Dieselben stehen in dem Rufe, dass sie von allen Pferde-Arten, welche in Frankreich gezogen werden, am spätesten ausgewachsen sind, und ganz allgemein besteht die Ansicht, dass sie erst um das sechste Jahr herum fertig sind und sich im Besitz aller nötigen Eigenschaften befinden. Die Normandie bringt Halbblutpferde im Überfluss hervor.

Der Züchter klassifiziert selbstredend die Fohlen zunächst nach ihrer Abstammung, dann aber hauptsächlich auch nach ihrer Form und den Hoffnungen, welche sie erwecken. Bei den anzulernenden Fohlen unterscheidet man somit drei scharf getrennte Haupt-Gruppen:

Rennpferd dem Truppenpferd gegenüber tragen muss, dagegen an. Dieser Unterschied ist allerdings ganz bedeutend. Das Truppenpferd ist aber bereits ein Jahr älter als das Rennpferd. Seine volle Bepackung trägt es nur in Ausnahmefällen und man verlangt von ihm Leistungen, welche eine weit geringere Kraftanstrengung beanspruchen. Geht man bei ihm schrittweise mit der Ausbildung vor, so wie es bei den Rennpferden geschieht, so wird man auch ohne jede Schwierigkeit erreichen, den Rücken zu kräftigen.

Was nun die reinen Theoretiker anbelangt, welche die völlige Umbildung der Knorpel zu Knochen abwarten wollen, ehe sie das Pferd in Arbeit nehmen, so gebe ich ihnen als Antwort den Rat, die Pferde im Alter von fünfeinhalb Jahren zu kaufen, damit sie dann mit sechs Jahren fertig sind. Solche findet man nicht, werden sie sagen. Weshalb nicht? Weil der Händler sie früher an den Mann bringt. Somit stimmt also alle Welt in der Praxis darin überein, dass man die Pferde viel früher in den Gebrauch nimmt: das wollte ich gerade beweisen. Selbstredend empfehle ich, das vierjährige Pferd zu schonen. Die Hauptsache ist aber, festzustellen, dass es in diesem Alter in der Lage ist, angemessenen Dienst zu verrichten, und dass man dieses auch erreichen kann, wenn man nur die Sache richtig anfängt.

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  1. Die Traber, welche für die Rennbahn besimmt sind;

  2. die Luxus-[1] und Handels-Pferde;

  3. die Remonten.

Die Traber werden mit zwei oder spätestens mit zweieinhalb Jahren in progressive Arbeit genommen und trainiert. Mit drei Jahren sind sie in der Regel ganz entwickelt. Sie sind gut in Form, voller Kraft und können laufen. Die besten und wichtigsten Trabrennen in bezug auf Distanz und Preise sind für die dreijährigen Pferde reserviert. Ein mittleres Rennen von viertausend Metern wird heute im Trab in ungefähr sechs und einer halben Minute zurückgelegt. Häufig ist die Distanz sechstausend Meter. Der Traber, welcher diese Strecke laufen soll, muss schnell und ausdauernd sein. Während der Training-Periode und während des Rennens selbst gibt er das Höchste an Anspannung her, was man nur von einem Pferde verlangen kann.[2]

Das Luxuspferd, welches für den Händler bestimmt ist, der einen ordentlichen Preis bezahlen kann, ist mit drei Jahren beinahe noch ein Fohlen. Seine Figur ist nicht entwickelt, seine Formen sind dürftig und treten kaum genügend hervor. Es ist weichlich,


  1. Zu dieser Kategorie zählen die Pferde, welche als Beschäler in Aussicht genommen werden und die, nachdem sie die gewünschten Eigenschaften in sich nicht vereinigt haben, gelegt und dann dem Pferdehändler übergeben werden. ↩︎

  2. Es ist interessant, bei dieser Gelegenheit zu erwähnen, dass die Halbblutpferde besser und länger als die Vollblutpferde den Anstrengungen auf der Trab-Rennbahn widerstehen, ohne Schaden zu nehmen.

    Die Zahl der Vollblutpferde, welche beim Trab-Rennen oder gar während des Trainings niederbrechen, ist gross; während dies bei den Halbblutpferden selten vorkommt. ↩︎

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und jede Anstrengung muss ihm erspart bleiben. Erst mit vier oder viereinhalb Jahren ist es in der Figur annähernd fertig, erscheint muskulös und ist imstande, beschränkte Arbeit zu verrichten. Dieses ist die Zeit, in welcher man es beim Händler antrifft; rund, glänzend und fertig — für den Liebhaber nämlich, der weder pressiert ist, noch grosse Ansprüche macht. Dieselben Gesichtspunkte gelten für das Handelspferd, welches sich vom vorigen nur durch Minderwertigkeit unterscheidet.

Die Remonten taugen mit drei Jahren absolut nichts. Stellt man sie zwischen dem dritten und vierten Jahre der Remonte-Kommission vor, so sind sie in der Regel dicker geworden. Einige im letzten Moment verabreichte Metzen Hafer, die Peitsche und eine Portion Ingwer geben ihnen einen Anstrich von Kraft. In Wirklichkeit besitzen sie weder Muskulatur, noch Gang, noch inneren Gehalt. Sich selbst überlassen, fallen sie zusammen und tragen sich auf der Vorhand. Sie taugen für keinerlei Arbeit.

Hier sehen wir also Pferde, welche so ziemlich aus derselben Zucht hervorgegangen sind und auf dieselbe Weise aufgezogen wurden; die einen sind mit drei Jahren fertig und widerstehen der Anstrengung des Trainings und des Wettrennens, d. h. also der härtesten Arbeit. Die anderen sind mit viereinhalb Jahren kaum reif für eine sehr beschränkte Arbeit. Die letzten endlich taugen mit viereinhalb Jahren zu keinerlei Dienst. Man muss sie sorgfältig pflegen, sie zu Kräften kommen lassen und ihnen die fehlende Muskulatur verschaffen.

Woher kommt dieser Unterschied? Ist es die Natur, welche die einen frühzeitiger reifen lässt, als

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die anderen, obwohl sie dieselbe Abstammung haben und in gleicher Weise aufgezogen wurden? Oder sollte dasjenige Pferd später zur Reife gelangen, welches weniger elegante Formen zeigt und dessen Gang langsamer ist? Keineswegs! Dieser so bedeutende Unterschied hat seinen Grund einzig und allein in der Art der Ernährung und der Erziehung, welche den Pferden je nach den verschiedenen Kategorien zuteil wird. Wollte man dasselbe Verfahren bei allen Pferden anwenden, so würde man auch bei allen dieselbe Frühreife, dieselbe Vollendung der Form, dieselbe Kraft antreffen. Die Formen, die Gänge, die Fähigkeiten würden bei den einzelnen Tieren verschiedene sein; alle aber würden eins gemein haben: die nötige Widerstandskraft, um mit drei Jahren jede Arbeit verrichten zu können.

Den Beweis hierfür liefert der trainierte Halbbluttraber, der mit drei Jahren Rennen läuft. Die Leistung, welche man ihm zumutet, ist enorm und kann gar nicht mit derjenigen Arbeit, welche man vom Luxus- oder Truppenpferd verlangt, verglichen werden. Er verträgt diese so gut, dass er es ohne Niederbruch oder vorzeitige Abnutzung ebensolange, wenn nicht länger aushält, als jene.

Allerdings hat er von frühester Jugend an kräftiges Futter bekommen und ist frühzeitig an eine geregelte Arbeit gewöhnt worden. Im grossen ganzen wurde er ebenso wie ein Vollblutpferd aufgezogen.

Alle Vollblutpferde geben schliesslich nicht immer Rennpferde ab; aber alle werden von vornherein im Hinblick auf ihre dereinstige Renntätigkeit aufgezogen. Von ihrer Geburt an erhalten sie neben der sorgfältigsten Pflege diejenige Nahrung, welche allein den

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einst zu leistenden Anstrengungen entspricht. Schon in den ersten Tagen bekommen sie etwas Hafer zu kauen. Mit sechs oder acht Monaten beträgt ihre tägliche Ration bereits sechs Liter. Mit achtzehn Monaten kommen sie in den Stall, werden kräftig gefüttert und dem Training unterworfen. Mit zwei Jahren nehmen sie bereits am Rennen für Zweijährige teil.

Dasselbe Verfahren wendet man bei den für Trabrennen bestimmten Halbblut-Pferden an, nur geht man bei diesen etwas langsamer vor, da sie ja erst mit drei Jahren laufen. Bei den einen wie bei den anderen hilft man der Natur durch Futter nach; man unterstützt ihre Tätigkeit, indem man den Organismus durch eine allmähliche und beständige Arbeit entwickelt.

Es steht fest, dass bei den anderen Pferden der Züchter die natürliche Entwicklung nicht nur nicht unterstützt, sondern ihr geradezu entgegenarbeitet und sie durch unzureichendes Futter aufhält. Das Pferd wächst schnell, sein Knochengerüst, sein Muskelsystem, sein Gesamtgewicht ist ganz bedeutend. Damit dieser mächtige Organismus rasch zunehmen kann, und das Tier wachsen kann, ohne blutarm zu werden, sondern im Gegenteil dabei noch die nötige Kraft gewinnt, ist es notwendig, dass seine Nahrung eine reichliche ist, und dass eine rationelle Arbeit des Muskelsystems die Gesamtentwicklung unterstützt und beschleunigt. Mit Ausnahme derjenigen Pferde nämlich, welche für die Rennen oder zur Zucht bestimmt sind, bekommen die Fohlen und die jungen Pferde weder reichliches Futter, noch Arbeit.

Sie werden mit Grünfutter in völligem Nichtstun aufgezogen, d. h. also möglichst billig; denn das Aufziehen ist eben ein Geschäft, wie jedes andere.

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Unter dem Einfluss dieses wasserhaltigen, wenig nahrhaften Futters und infolge des gänzlichen Mangels an Arbeit, bleibt das Pferd in jeder Beziehung zurück. Es wächst langsamer, seine Knochen werden später fest, seine Muskulatur ist nicht ausgebildet. Ja noch mehr, es nimmt mit dem Alter nicht etwa an Kraft zu, sondern wird im Gegenteil schwächer und kommt immer mehr und mehr herunter. Mit drei Jahren ist es nur zurück, mit vier und besonders fünf Jahren befindet es sich in völliger Kraftlosigkeit, dann ist es sozusagen ein „Kranker“, welchen man gesund machen und wiederherstellen muss. Durch eine sachgemässe Behandlung, welche in einer richtigen Kur besteht, oder doch wenigstens bestehen sollte, muss man diese unangebrachte Sparsamkeit verbessern und wieder gut machen. Ich bin davon überzeugt, dass dieses nur bis zu einem gewissen Grade erreicht wird, und dass ein solches im späteren Lebensalter wieder heraufgebrachte Pferd niemals so gut einschlägt, als es bei einer anderen Aufzucht der Fall gewesen wäre. Je länger man ausserdem mit der Wiederherstellung, mit dem sogenannten „in guten Futterzustand Bringen“, eines jungen Pferdes zögert, desto länger dauert die Behandlung und desto zweifelhafter ist der Erfolg. Für ein dreijähriges Pferd genügen in der Regel einige Monate. Für ein vierjähriges und gar für ein fünfjähriges muss man ein volles Jahr und noch mehr rechnen. Diese unleugbare Tatsache erklärt sich nur zu leicht; das Tier hat länger zu leiden gehabt, die Blutarmut zeigt einen ausgesprochenen Charakter und die allgemeine Schwäche ist sozusagen ein organischer Fehler geworden.

Diesem Zustande der Kraftlosigkeit und der Blut-

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armut muss man die grosse Sterblichkeit unter den jungen Pferden zuschreiben. Die Schwäche, welche die ungenügende Nahrung während der Periode des Wachsens hervorruft, der Mangel an jeder Lebenskraft macht sie gänzlich widerstandslos gegen die geringste Krankheit und gegen den geringfügigsten Unfall. Denselben Ursachen muss man auch die zahlreichen Krankheiten zuschreiben, wie Druse und andere, sowie dieses ewige Lahmgehen ohne ersichtlichen Grund, woran das jugendliche Alter die Schuld tragen soll. Das unter günstigsten Verhältnissen aufgewachsene junge Pferd ist kräftig und gesund. Schwach und kränklich wird es nur deshalb, weil Mangel an genügender Nahrung und Arbeit es lymphatisch und anämisch gemacht haben.

Die normannischen Pferde sind in der Regel lymphatisch, weichlich und spät reif. Das kommt daher, weil die Normandie weniger Hafer erzeugt, als die anderen pferdezüchtenden Länder, und weil mit Ausnahme der Traber die jungen Pferde keinen zu fressen bekommen.

Dieser Umstand macht sich bei dieser Rasse geltend und sie würde mit Macht degenerieren, entnähme man nicht die Zuchthengste den besten Trabern, welche unter günstigen Verhältnissen aufgezogen sind und darin erhalten werden, so dass sie glücklicherweise zum Teil wenigstens den lymphatischen Zustand der Mutterstute ausgleichen, welche ihrerseits in den ersten Jahren unter Entbehrungen zu leiden hatte.

Man behaupte nicht, dass die Traber nur Ausnahmen sind, dass sie nur deshalb mit drei Jahren sich so prachtvoll entwickeln und so kräftig werden können, weil sie eben ganz besondere Subjekte sind.

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Nein, die Traber sind keine Ausnahmegeschöpfe. Neben den hervorragendsten dieser Klasse, welche allein genannt werden, gibt es noch unzählige Traber, die in den kleinen lokalen Rennen laufen und noch ganz vortreffliche Dienste auf kurzen Strecken leisten können. Häufig haben sie ausser ihrem Gang nichts Besonderes an sich. In ihrem Gesamteindruck, in ihren Formen lenken sie durch nichts die Aufmerkkeit auf sich.

Von Natur aus sind diese nicht früher fertig, als die anderen; die Pflege, das Futter, die Erziehung haben sie frühzeitiger reifen lassen, während die anderen in ihrer Entwicklung zurückblieben.

Mit dreieinhalb Jahren kann das normannische Traber-Pferd annähernd im Besitz seiner richtigen Form, seiner vollen Kraft und so weit fertig sein, dass es in Dressur genommen werden kann. Sollte es anders sein, so hat es eben unter Entbehrungen zu leiden gehabt, und der Stand seiner Entwicklung befindet sich im direkten Verhältnis zur rationellen Ernährung und Arbeit, welche ihm zuteil geworden sind.

Früher galt für die Bereiter als Regel, dass man mit einem Pferde, um es in der hohen Schule zu dressieren, mindestens bis zur Vollendung seines siebenten Lebensjahres warten müsse.

Während langer Jahre habe ich ebenso wie die anderen gedacht und gehandelt; zur Ausbildung meiner Schulpferde nahm ich sieben- bis achtjährige Tiere. Allmählich machte mich aber das, was ich auf den Rennplätzen sah, stutzig.

In Epsom, Chantilly, Auteuil, Longchamp liefen in den längsten und gefürchtetsten Versuchsrennen

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ausschliesslich die dreijährigen Pferde.[1] Ich machte dabei die Beobachtung, dass ich bei der Dressur eines Schulpferdes demselben nicht den zehnten Teil der Kraftanstrengung zumutete, welche der Training und die Rennen erfordern. Von dem Prinzip ausgehend, „wer das Höhere leistet, kann auch das Geringere leisten“, kam ich zur Schlussfolgerung, dass ein Pferd, welches mit drei Jahren solchen Anstrengungen gewachsen ist, ebenso leicht und sogar noch bedeutend leichter die Schul-Dressur aushalten könnte.

Heute erscheint mir diese Schlussfolgerung ganz natürlich; wenn sie aber auch damals ebenso natürlich war, so gelangte ich doch zu derselben nur mit der grössten Reserve; eine Folge der Macht überkommener Ansichten.

Jedesmal, wenn ich meine Ansicht Pferdeverständigen, und zwar damaligen Autoritäten, auseinandersetzte, hörten sie mich mit Achselzucken an und hielten mich für verrückt. Seitdem bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass jeder Versuch, etwas Neues einzuführen, viel Aussicht hat, ebenso beurteilt zu werden.

Trotz alledem entschloss ich mich, wenn auch mit grosser Besorgnis, zu einem Versuch, und wählte dazu ein vierjähriges, gut gepflegtes und genährtes Pferd. Ich fand bei demselben ebensoviel Kraft und


  1. Man wird mir ohne Zweifel dagegen einwenden, dass ein sehr grosser Teil im Laufe des Trainings niederbricht. Ich kann darauf antworten, dass sie mit achtzehn Monaten in Training genommen werden, was sehr gefährlich ist. Ausserdem schlage ich auch vor, die Dressur mit dreieinhalb Jahren zu beginnen, und ebenso stehen die Leistungen, welche ich beanspruche, in gar keinem Verhältnis zu denjenigen, welche der Rennbahn-Training erfordert. ↩︎

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bedeutend mehr Geschmeidigkeit, als bei meinen siebenjährigen Zöglingen.

Durch diesen gelungenen Versuch ermutigt, nahm ich ein dreijähriges Pferd vor, und hatte denselben Erfolg. Seit dieser Zeit nun habe ich einige zwanzig Vollblutpferde dieses Alters in der hohen Schule zugeritten und stets habe ich bessere Resultate erzielt, als früher mit älteren Pferden.

Endlich bin ich mit meinen Versuchen noch einen Schritt weiter gegangen, um mir über die Höhe der Leistungsfähigkeit, welche man einem sehr jungen Pferde ohne Nachteil zumuten kann, klar zu werden.

Ich habe „Viscope“, eine Vollblutstute von Vermouth aus der Vinaigrette,[1] als sie zwei Jahre alt war dressiert. Mit drei Jahren war ihre Ausbildung als Reit-, Hindernis- und Schulpferd beendet; beim Preisreiten hatte sie eine Medaille erhalten. Heute ist sie siebenjährig, völlig gesund und frisch und hatte, als ich sie abgab, die denkbar klarsten Sehnen.

Ich könnte noch unzählige andere Beispiele anführen. Ich wollte aber nur erklären, wie mich der Erfolg zu der absoluten Überzeugung geführt hat, dass ein dreieinhalbjähriges Pferd sehr wohl in Dressur oder Training genommen werden darf, wenn es in diesem Alter richtig erzogen und kräftig genug ernährt ist, um solche Arbeit leisten zu können. Ja noch mehr, in diesem Alter ist den jungen Pferden eine von Tag zu Tag gesteigerte Muskelarbeit absolut unent-


  1. Man wird mir natürlich die Frühreife der Vollblutpferde vorhalten. Es handelt sich hier aber auch um ein zweijähriges Pferd. Übrigens habe ich die durch richtiges Futter und Arbeit erzielte Frühreife stets für erfolgreicher gehalten, als die Frühreife der Rasse. ↩︎

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behrlich. Weit entfernt davon, Schäden oder vorzeitige Abnutzung zur Folge zu haben, kräftigt diese Arbeit die Gliedmassen und den ganzen Organismus und bringt das Tier sehr bald in den vollen Besitz seiner Mittel.

Mit dreieinhalb Jahren ist ein Pferd nachgiebiger und leichter auszubilden, als mit fünf Jahren. Es hat noch keinen Charakterfehler annehmen können, wie man solche später bei ihm antrifft, und welche fast immer eine Folge der ungeschickten und rohen Behandlung der Leute sind, die mit ihm zu tun haben. Noch ist bei ihm die schlechte Angewohnheit nicht eingewurzelt, welche alle sich selbst überlassenen Pferde annehmen, und die darin besteht, dass sie sich fast völlig auf der Vorhand tragen, wodurch natürlich die Hinterhand zurückbleiben muss und weniger entwickelt ist, als jene. Man kann somit ganz leicht das Tier dahin bringen, dass es von selbst die gewünschte und notwendige Stellung annimmt und beibehält, d. h. dass es sich daran gewöhnt, gleichmässig auf allen vier Beinen zu ruhen.

Dieser letzte Punkt ist von der allergrössten Wichtigkeit, denn während der Zeit der Dressur und überhaupt beim Reiten muss man vor allen Dingen eine gute Gewichtsverteilung zu erreichen suchen.

Das Pferd darf sich weder auf der Vorhand, noch auf der Hinterhand tragen. Sein ganzes Gewicht und ebenso auch dasjenige des Reiters muss auf beiden gleichmässig ruhen. Nur unter dieser Bedingung geht das Pferd leicht, lebendig und sicher; ebenso wird es auch nur unter dieser Vorbedingung einen langen und anstrengenden Dienst tun können, ohne darunter zu leiden. Hat ein Pferd erst die Angewohnheit an-

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genommen und längere Zeit beibehalten, im schlechten Gleichgewicht zu stehen und sich zu bewegen, so spricht sich das in seiner Figur aus; sie verändert sich, wird fehlerhaft und eine Abhilfe wird beinahe zur Unmöglichkeit. Wenn sich z. B., wie es am häufigsten vorkommt, das Pferd auf den Schultern trägt, so bleibt die Hinterhand aus Mangel an Arbeit und Entwicklung schlaff und schleppend, während die Vorhand, welcher die Haupttätigkeit zufällt, überlastet wird. Die übermässig belastete und schwere Vorhand kann nur mit Mühe die Wendungen ausführen; der geringste Fehltritt, der kleinste Schwächezustand kann ein Stürzen zur Folge haben. Alle Glieder, welche übermässig angestrengt werden, leiden darunter und nutzen sich sehr schnell ab. Dieses ist der einzige Grund für die vorzeitigen Ausrangierungen, welche jedes Jahr den Sollbestand der Kavallerie-Schwadronen bedeutend vermindern und so viele Pferde in einem Alter dem Dienst entziehen, in welchem sie sich in voller Gebrauchsfähigkeit befinden sollten.

Das Pferd in das richtige Gleichgewicht zu stellen, ist der wichtigste Teil der Dressur. Niemand wird dem widersprechen, dass dies bei einem dreieinhalbjährigen Pferd leichter zu erzielen ist, als bei einem fünfjährigen. Schon allein von diesem Gesichtspunkte aus, welcher so hochwichtig ist, muss man das grösste Interesse daran haben, das Pferd mit dreieinhalb Jahren in Arbeit zu nehmen.

Es kommt einzig und allein darauf an, zu wissen, ob ein Pferd mit dreieinhalb Jahr schon genügend entwickelt und hinreichend kräftig ist, um dressiert und benutzt werden zu können — oder ob es das

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nicht ist. In dieser Beziehung ist jede Theorie, jedes Streiten ganz überflüssig; Tatsachen allein haben Bedeutung und Wert, sie lassen sich nicht ableugnen und sind nicht zu bezweifeln. Die Halbblutpferde können von zweieinhalb Jahren an sowohl dressiert, als auch für die Rennen trainiert werden, und gelangen in einen prachtvollen Zustand der Entwicklung und der Kraft, welcher ihnen mit drei Jahren zu laufen gestattet. Die Arbeit und Anstrengung, die man ihnen während des sechsmonatlichen Trainings und beim Wettrennen zumutet, ist zwanzig-, ja sogar hundertmal bedeutender, als diejenige, welche die sehr geringe und beschränkte Dressur, die das Truppenpferd haben muss, erfordert, Man ist demnach berechtigt, den Schluss zu ziehen, und zwar geschieht das meinerseits aus vollster Überzeugung, dass man die Remonten mit drei Jahren ankaufen muss, wobei man, dieses mittlere Alter als Norm angenommen, noch grosse Rücksicht auf die sich am spätesten entwickelnden Rassen nimmt, sowie auf die übliche Art und Weise der Aufzucht, welche nach dem Prinzip, sie so ökonomisch als nur irgend möglich zu gestalten, immerhin die Entwicklung beeinträchtigt. Die Remonten sehen, wie es der Beweis heute liefert, nur deshalb mit viereinhalb und fünf Jahren so schlecht aus, weil sie weder genügend ernährt, noch genügend in Arbeit genommen worden sind. Ich scheue mich auch nicht, hinzuzufügen, dass sie mit drei Jahren weit mehr taugten, weil sie weniger lange unter Entbehrungen zu leiden hatten, und weil das wasserhaltige, schwächende Futter, welches ihnen der Züchter verabreicht, während des vierten und fünften Jahres sogar eine ganz entsetzliche Wirkung ausübt, namentlich da das Futter schon während der ersten

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drei Jahre unzureichend war. Bei der Ernährungsweise des Züchters nimmt das junge Pferd vom dritten bis fünften Jahre nicht zu; es nimmt im Gegenteil ab.

Man mag tun, was man will, man mag dem Züchter das Pferd noch so teuer bezahlen oder ihm eine Prämie geben, nie wird er seine Pfleglinge von drei bis fünf Jahren ordentlich und genügend füttern, weil er keinen Vorteil davon hat.

Ohne Schwierigkeit würde man aber von ihm erreichen, dass er dreijährige Pferde in gutem Futterzustande vorführt. Gerade weil der Züchter ein Geschäft betreibt, hat er ein erhöhtes Interesse daran, seine Produkte sobald als möglich an den Mann zu bringen. Wenn er aber weiss, dass ihm jedes normal zur Welt gekommene und gut entwickelte Pferd mit drei Jahren abgenommen wird, so wird er auch das Erforderliche tun, um die Entwicklung des Tieres zu begünstigen. Für ein Pferd, welches er mit drei Jahren verkaufen wird — sollte es selbst zu verhältnismässig geringerem Preise sein, als er für vier- oder fünfjährige erzielt — kann er für Futterkosten so viel anlegen, als ihm über dieses Alter hinaus nicht mehr möglich sein würde. Und zwar wird er zu diesen Ausgaben gezwungen sein, wenn er nicht Gefahr laufen will, dass ihm seine Ware nicht abgenommen wird. Beim dreijährigen Pferd wird man nämlich den Leuten keinen Sand in die Augen streuen können, da in erstei Linie eine gute Statur vorhanden sein muss, und diese bekommt das Pferd nur dann, wenn es gut gepflegt und genährt worden ist. Endlich wird auch der Staat beim Ankauf von jungen Pferden nicht mehr auf die Konkurrenz von Händlern

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aus aller Herren Ländern stossen, weil diese nicht dasselbe tun können, was er tun wird.

Der Händler kaufte nämlich nur mit der Absicht, sofort oder doch sehr bald wieder weiter zu verkaufen. Nun ist aber das dreijährige Pferd, wie es vom Züchter kommt, als Arbeitspferd, ja sogar als Luxuspferd untauglich. Es muss Kornfutter erhalten und eine geraume Zeit, etwa ein Jahr lang, zugeritten werden.

Wenn die Remonte-Kommission heute ein drei- oder vierjähriges Pferd kauft, so gibt sie es zu einem Bauern in Pflege, welcher übrigens alles Interesse daran hat, es nur massig zu füttern, oder aber sie lässt es nach einem ihrer Depots abführen. Hier wie dort gestalten sich für das Pferd die Verhältnisse günstiger, als beim Züchter; immerhin sind sie aber noch unzureichend. Es kommt nicht soweit vorwärts, als es der Fall sein sollte, und dieser Zustand währt achtzehn Monate lang.

Meiner Ansicht nach müsste gerade umgekehrt bei diesen jungen Pferden die Arbeit sofort begonnen werden; von den ersten Tagen an müssten sie an jene Lebensweise gewöhnt werden, welche ihre Entwicklung zu vollenden, ihnen die gewünschte Kraft und Folgsamkeit zu geben und sie in sechs Monaten so weit zu bringen vermag, dass sie für den Dienst tauglich sind. Kurzum man soll vom ersten Tage an mit dem Kornfutter und der Dressur beginnen.

Mit diesen beiden gleichzeitig vorgenommenen Massregeln muss man aber nach einer gewissen Methode schrittweise vorgehen.

Das Depot darf nicht mehr einem Lämmerstall gleichen, wie sich neulich ein General ausdrückte; es

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muss eine wirkliche Reitschule sein, unter strenger Kontrolle stehen, und an seiner Spitze einen sachverständigen Mann haben, dessen Untergebene ausschliesslich völlig ausgebildete Reiter sind.

Man bringt nicht junge Pferde in einen guten Futterstand, indem man sie mit Hafer vollstopft, ebensowenig wie man sie dressiert, indem man sie einfach viel bewegt und sie in ihren Gangarten fördert.

Das Pferd ist drei bis vier Jahre alt.[1] Es kommt vom Züchter und ist in den Stall gestellt worden. Hierunter gebe ich nun an, nach welchen Gesichtspunkten und in welcher Steigerung ihm meiner Ansicht nach während der ersten drei Monate sowohl Futter, wie Arbeit zugemessen werden müssten.

Erster Monat.

Die ersten 14 Tage: Täglich sechs Liter Hafer.[2] Zwei morgens, zwei mittags und zwei abends. Eine Stunde Bewegung an der Hand, entweder in der Bahn oder besser noch im Freien, sobald die Witterung es erlaubt.

Zweite 14 Tage: Sieben Liter Hafer. Zwei


  1. Die Kastration muss mindestens sechs Monate vor Beginn einer jeden Arbeit erfolgt sein, jedenfalls spätestens mit zweieinhalb Jahren. Diejenigen Pferde, welche nach erfolgter Operation zu früh bestiegen werden, behalten ihr Leben lang einen schwachen Rücken. Es macht sich bei ihnen eine wiegende Bewegung der Kruppe bemerkbar, welche charakteristisch ist. ↩︎

  2. Ich spreche hier von einem Pferde, welches noch nie Hafer gefressen hat. Ist es mit Hafer aufgezogen worden, so wird man ihm sofort acht Liter geben müssen: zwei morgens, drei mittags, drei abends.

    Wenn ich von Hafer rede, so meine ich damit den einheimischen Hafer und nicht das nichtsnutzige Zeug, welches den Truppenteilen unter dem Namen „weisser russischer Hafer“ geliefert wird. ↩︎

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morgens, zwei mittags, drei abends. Dieselbe Bewegung an der Hand. Die Pferde täglich fünf Minuten lang an die Longe nehmen, zur Hälfte im Schritt, zur Hälfte im kleinen Trab.

Zweiter Monat.

Die ersten 14 Tage: Täglich acht Liter Hafer. Zwei morgens, drei mittags und drei abends.

Das Bewegen an der Hand wird um eine halbe Stunde verlängert. Allmähliches Zulegen der Arbeit an der Longe und zwar um so viel, dass fünf Minuten lang hintereinander auf jeder Hand getrabt wird. Bevor man auf die andere Hand geht, wird einige Minuten pausiert.

Zweite 14 Tage: Täglich neun Liter Hafer. Drei morgens, drei mittags und drei abends. Dasselbe Bewegen und dieselbe Arbeit an der Longe.

In der Regel gibt man dem Pferde von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends drei Mahlzeiten, mithin innerhalb zwölf Stunden, die übrigen zwölf Stunden bekommt es nichts zu fressen. Meiner Ansicht nach ist diese Einteilung schlecht gewählt; das Morgenfutter müsste um fünf Uhr und das Abendfutter um acht Uhr verabfolgt werden.

Dritter Monat.

Die ersten 14 Tage: Täglich zehn Liter Hafer. Drei morgens, drei mittags und vier abends. Für die schwere Kavallerie muss man bis zu zwölf Liter steigern. Dieses Mass muss nun fernerhin innegehalten werden. Dasselbe Bewegen. Gegen Ende der Arbeit an der Longe ist anzustreben, das Trabtempo eine Minute lang auf jeder Hand zu verstärken. Die Pferde fünf Minuten lang auf Decke und einfacher

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Trense im Schritt reiten lassen; die Reiter haben dabei weder Peitsche noch Sporen. Die Pferde im Stall satteln lassen, wobei die Gurten nur ganz allmählich und massig angezogen werden dürfen. Den Sattel nur einige Minuten liegen lassen, aber diese Zeit allmählich verlängern.

Zweite 14 Tage: Dieselben Übungen, satteln und zäumen der Pferde im Stall, und im Stand umdrehen. Nach dem Longieren, Anlegen des Zaumes, und direktes Abbiegen. Die gesattelten und gezäumten Pferde an der Longe tragen und die Steigbügel lang herunterhängen lassen. Niemals dulden, dass das Pferd an der Longe galoppiert, so lange es noch nicht dressiert ist und im richtigen Gleichgewicht steht, dies bringt die Pferde zu sehr auf die Schultern. Beim Benutzen der Longe kein Anlegen des Kappzaumes; die gewöhnliche Trense genügt, sowie jeder beliebige andere Strick, beispielsweise kann die Fouragierleine dazu benutzt werden.

Lässt man die Pferde reiten, so müssen einige Leute zur Hand sein, um den Zügel bei denjenigen Pferden zu erfassen, welche etwa nicht auf dem Hufschlag bleiben wollen. Hier handelt es sich nicht um Dressur, sondern einfach darum, die Nieren des Pferdes zu kräftigen und es daran zu gewöhnen, einen Reiter zu tragen.

Hat man drei Monate lang die oben angegebene Lebensweise durchgeführt, so befinden sich die Pferde in genügend gutem Futterzustand, um mehr Arbeit zu vertragen. Sie haben sich im Traben ausgebildet, dulden den Reiter, lassen sich satteln und zäumen und haben infolge des Abbiegens gelernt, sich etwas loszulassen; sie sind soweit fertig, dass nunmehr die

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Dressur beginnen kann. Doch nein, ihre Dressur befindet sich bereits auf dem besten Wege. Vom Truppenpferd verlangt man doch nur das Abc der Dressur, keine Künsteleien, es ist sogar günstiger, wenn es auf etwas kräftige Hilfen reagiert, da man mit den schweren Händen und dem plötzlichen Schenkeldruck rechnen muss. Sobald nun das Pferd auf den Druck der Schenkel dreist vorwärts geht und dabei die Trense ordentlich annimmt, sobald es Schritt geht, trabt oder rechts und links galoppiert, sobald es springt und auf Wunsch Kehrt macht oder zurücktritt, ist seine Dressur beendet. Hier verlangen wir nur das horizontale Gleichgewicht. Zweifelsohne wird man auch anstreben, das Pferd in die Hand zu stellen; jedoch muss man es nicht durchaus zur Bedingung machen. Es wird genügen, wenn der Reiter erforderlichenfalls in der Lage ist, den Kopf seines Pferdes in diejenige Stellung zu bringen, von welcher das Gleichgewicht abhängt.

Es erübrigt noch, die Pferde daran zu gewöhnen, dass sie nicht vor jedem Gegenstande und vor jedem Geräusch erschrecken. Das Truppenpferd muss dreist sein, auf alles los- und an allem vorbeigehen. Um es vertraut zu machen, wird man ihm in der Bahn die mannigfaltigsten Sachen vor die Beine legen. In der Zeit, da es sich im Stall befindet und man im Begriff steht, ihm den Hafer zu geben, wird man es an alle Arten von Lärm gewöhnen: Trommelwirbel, Signale, Waffengeklirr, Schüsse usw. usw.

Ich glaube, dass drei Monate genügen werden, diese vorbereitende und besondere Dressur-Methode zum guten Ende zu führen, wie auch das Individuum beschaffen sein mag.

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Nach diesen drei der Vorbereitung gewidmeten Monaten muss man nunmehr zur eigentlichen Dressur übergehen.

Erster Monat.

Die ersten 14 Tage: Es ist mit dem Trabe an der Longe zu beginnen, wobei die Pferde gesattelt und gezäumt sind. Die Schnelligkeit der Gangart ist immer mehr und mehr zu verstärken, wobei die Bahnpeitsche zu Hilfe genommen wird, damit sie lernen, die Hinterhand zu gebrauchen. Während einiger Augenblicke sind die Tiere beinahe bis zum äussersten Tempo anzutreiben, wobei aber wohl zu beachten ist, dass sie nicht über ihr Vermögen hinausgehen, weil man sonst dazu gelangen würde, dass sie zu sehr auf die Schultern gebracht und aus dem Gang herauskommen würden. Diese Arbeit muss auf jeder Hand fünf Minuten lang dauern.

Die Pferde sind während einer Viertelstunde Schritt zu reiten, ohne irgend etwas anderes von ihnen zu verlangen, als dass sie ihren Rücken unter dem Sattel hergeben, wobei sie nicht gedrückt werden dürfen.

Während zehn Minuten Arbeit an der Hand: direktes Abbiegen, Wendungen der Hinterhand um die Vorhand und Zurücktretenlassen.

Die Pferde sind eine Stunde lang in der Bahn an der Hand zu führen, und womöglich im Freien, wenn es die Witterung nur irgend erlaubt.[1]

Zweite 14 Tage: Dieselbe Arbeit an der Longe. Beginn der Wendungen durch Dublieren, Volten und durch Handwechsel durch die Bahn.

Das Pferd ist anzulernen, dem Schenkel zu weichen. Zuerst begnüge man sich mit zwei bis drei


  1. Letztere Vorschrift gilt für die ganze Dauer der Dressur. ↩︎

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Schritten in der Drehung um die Vorhand. Zum Schluss die Arbeit an der Hand.

Zweiter Monat.

Die ersten 14 Tage: Zwei Minuten lang Trab an der Longe auf jeder Hand. Aufsitzenlassen. Fortsetzung der vorangegangenen Übungen, um Sicherheit hineinzubringen. Die Pferde zu zweien und zu vieren nebeneinander stellen. Dieselben daran gewöhnen, sich in allen Richtungen zu kreuzen. Häufiges Haltenlassen, um die Pferde daran zu gewöhnen, auf einem Fleck stillzustehen. Dieselben Bewegungen, welche man soeben im Schritt gelehrt hat, im kleinen Trab ausführen.

Die Zahl der Seitwärtstritte im Wenden um die Vorhand vermehren. Zurücktreten unter dem Reiter. Arbeit an der Hand.

Zweite 14 Tage: Dieselbe Arbeit an der Longe. Befestigung der vorhergehenden Arbeit. Ausführen von Wendungen im gewöhnlichen Trab zu zweien und vieren gemeinsam. Durcheinanderreiten. Halbe Volten mit anschliessendem kurzem Seitwärtstreten. Fortsetzung der Arbeit an der Hand, wobei die direkte Biegung mit hochgenommenem Kopf verlangt werden muss.[1] Beginn der seitlichen Biegungen. Seitwärtstreten.[2] Renvers.

Dritter Monat.

Die ersten 14 Tage: Dieselbe Arbeit an der Longe. Verstärken des Trabes bei verschiedenen Wendungen und bei allen Ensemble-Bewegungen. Den


  1. Bisher hat man sich mit der blossen Aufforderung dazu begnügt. ↩︎

  2. Travers, welcher viel leichter ist, darf nur unter dem Reiter geübt werden. ↩︎

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Trab auf der geraden Linie nach Möglichkeit verstärken. Seitengänge. Beginn des Anspringens zum Rechtsgalopp. Sobald der Rechtsgalopp keine Schwierigkeiten mehr bereitet, ist zum Linksgalopp überzugehen. Wenn die Pferde leicht Rechts- und Links-Galopp anspringen, so sind in dieser Gangart zunächst sämtliche im Schritt und dann die im Trab erlernten Bewegungen auszuführen. Die Biegungen an der Hand vermehren und verbessern.

Am Schluss der Stunde ist das Pferd im Springen zu unterweisen.[1]

Die zweiten 14 Tage: Dieselben Übungen. Die bisherigen sind fester einzuprägen und genauer auszuführen. Die Pferde sind an die Standarte, an den Säbel, an die Lanze, an die Feuerwaffen, an den Schuss, an das Vorbeigehen beim Feuern, an das Schwimmen[2] usw. zu gewöhnen.

Dieser Teil der Dressur wird wiederum drei Monate gewährt haben. Das Pferd kann nun alles, was es für den Dienst der Kavallerie braucht. Es erübrigt nur noch, diese gesamte Arbeit draussen beim Ma-


  1. Vgl. die allmähliche Steigerung beim Kapitel „Der Sprung“. ↩︎

  2. Wie soll sich der Reiter benehmen, wenn er sich ins Wasser begibt, um etwa einen Fluss oder einen Bach zu überschreiten?

    Man soll durchaus nicht glauben, dass das Pferd, welches doch an Wasser nicht gewöhnt ist, von Natur schon mit Leichtigkeit schwimmen könnte, sobald es den Grund verliert. Das Tier hat nur den einen Gedanken, den Kopf über Wasser und den Hals so hoch als möglich zu halten. Infolgedessen sinkt die Kruppe unter, und das Pferd befindet sich in der Stellung, als ob es steigen wollte, d. h. dreiviertel stehend. (Tafel XXIIIa, Figur 1.) Diese Stellung verhindert es am Vorwärtskommen, und daher kann man in neun von zehn Fällen annehmen, dass Pferd und Reiter ertrinken, wenn letzterer ungeschickt ist und nicht ver- ↩︎

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növrieren in feste Form zu bringen und die Pferde so weit zu stählen, dass sie imstande sind, langandauernden Märschen und den Unbilden der Witterung genügenden Widerstand entgegenzusetzen.

Rekapitulieren wir nun: Das Pferd ist im Frühjahr drei Jahre alt geworden. Macht die Remonte-Kommission ihre Ankäufe in der Zeit vom April bis zum September, so ist das Pferd durchschnittlich dreieinhalb Jahre alt, wenn es ins Depot kommt. Dreimonatliche Vorbereitung zur Dressur. Drei Monate der wirklichen Dressur. Mit vier Jahren ist das Pferd vollkommen zugeritten und durchaus zu jedem Dienst fähig. Man sage nicht, dass die Arbeit, welcher es während seines vierten Jahres unterworfen wurde, es

steht, ein Pferd schwimmen zu lassen. Ist das Pferd erst in die von mir soeben beschriebene Stellung geraten, und zieht der Reiter, sei es auch noch so wenig, an der Trense, oder neigt er seinen Oberkörper nur ein wenig nach hinten, so sinkt die Hinterhand mehr und mehr unter, das Pferd befindet sich bald in aufrechter, senkrechter Stellung, dreht sich, da es nicht nach vorwärts kann, um sich selbst, schlägt noch einmal mit dem Vorderbein das Wasser und geht dann unter. Der Reiter muss, sobald das Pferd festen Fuss verliert, im Gegenteil eine grosse Handvoll Mähne erfassen und seinen Oberkörper nach vorn auf den Hals legen, ohne dabei den Kopf des Pferdes jemals zu berühren. Mit den Knieen muss er festen Schluss fassen; tut er das nicht, so wird er bald abgespült. Nur in solcher Stellung kann der Reiter schwimmend im Sattel und auf dem Pferde bleiben. Der Reiter muss in jeder Hand einen Trensenzügel behalten und kann auf Augenblicke die Arme seitwärts führen, wenn er auf das Pferdemaul rechts oder links einwirken will, um dem Pferde die einzuschlagende Richtung anzugeben. Wie ich schon oben ausgeführt, ist es aber von der allergrössten Wichtigkeit, die Zügel nicht von vorn nach hinten wirken zu lassen. (Tafel XXIIIa, Figur 2.) Ich darf annehmen, dass man der Kavallerie aller Armeen Hinweise in diesem Sinne gibt.

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Tafel XXIIIa. Pferd und sein Reiter ertrinkend Der Reiter rettet sich auf seinem Pferd durch Schwimmen nach der Methode von J. Fillis.

Tafel XXIIIa.

Pferd und sein Reiter ertrinkend

Der Reiter rettet sich auf seinem Pferd durch Schwimmen nach der Methode von J. Fillis.

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abnützen wird. Ich versichere im Gegenteil, und die Erfahrung gibt mir darin Recht, dass die unter den von mir angeführten Gesichtspunkten vorgenommene Arbeit zur Entwicklung und Kräftigung der Pferde beitragen wird.

Wenn man heutzutage das Truppenpferd mit fünf Jahren einstellt, so verwendet man ein volles Jahr zu seiner Dressur und die Sachverständigen sind die ersten, die zugeben, dass diese Dressur eine höchst unvollkommene ist. Das kommt daher, weil man damit beginnt, die Pferde, so wie sie gerade sind, in Bewegung zu setzen, ohne sie zuvor ins Gleichgewicht gebracht zu haben, aus dem der Schwung in seiner vollen verbessernden und in jeder Beziehung nutzbringenden Wirkung hervorgehen würde. Dieses war der Fehler, welchen Baucher mit Recht der früheren Reitkunst zum Vorwurf machte, und welcher die Pferde durch diese unverständige Bewegung herunterbrachte. Man suchte, so gut es eben ging, das Gleichgewicht herzustellen, indem man die Pferde in der von ihnen selbst gewählten Art der Bewegung vorwärtstrieb. Die von Baucher eingeführte Umwälzung hat darin bestanden, zunächst das Pferd im Gleichgewicht zu befestigen, um in diesem die Bedingungen für eine richtige und nutzbringende Bewegung zu suchen. Der Fehler des grossen Reitkünstlers lag aber nur darin, dass er, als er dieses Gleichgewicht vervollkommnen und verfeinern wollte, es gerade dadurch aufhob, dass er nicht zunächst das Vorwärtsgehen verlangte. Wenn ich in diesem Punkt von seiner Ansicht abweiche, indem ich sage, dass ich meine Pferde im Schwünge arbeite, so habe ich doch nicht wie er, damit begonnen, mein Pferd ins Gleichgewicht setzen

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zu wollen, bevor ich es in Bewegung setzte.[1] Von Baucher unterscheide ich mich besonders dadurch, dass ich vom Pferde von vornherein Gehorsam auf die Hilfen, sowie Gleichgewicht und Versammlung im aufrechterhaltenen Schwunge verlange, anstatt eine zusammengeschrobene Versammlung auf der Stelle, also ohne Bewegung[2] und hinter dem Zügel.

Fährt man fort, die Pferde in Trab und Galopp zu setzen, bevor man sie gelehrt hat, ihr Gewicht gleichmässig auf alle vier Beine zu verteilen, so folgt man damit veralteten Überlieferungen, welche die Dressur von Grund aus verderben.

Nicht dadurch, dass man das Pferd in den lebhafteren Gängen erhält oder es in diese hineintreibt, wird man auf sein Gleichgewicht vorteilhaft einwirken, man wird im Gegenteil neue Fehler beim Pferde hervorrufen und es nur so durchschleppen, ohne ihm etwas beigebracht zu haben.

Die meisten Pferde verlegen ihr Gewicht auf die Schultern, ganz besonders dann, wenn man sie zu reiten beginnt. Treibt man sie zu lebhaften Gangarten an, ohne sie vorher in das Gleichgewicht gesetzt zu haben, so erreicht man dadurch nichts weiter, als dass sie ihr Gewicht nur noch mehr auf die Schultern werfen und sich vorzeitig abnutzen. Der Kopf hängt nach unten, der Hals in Höhe des Widerristes. Sie gewähren einen hässlichen Anblick. Alles


  1. Vergleiche die vorhergehende Steigerung. ↩︎

  2. Ein Pferd, welches sein Gewicht auf die Schultern verlegt, kann sich zwar mit schleppender Hinterhand nach vorwärts bewegen, hat aber keinen Schwung, welcher nur dadurch hervorgebracht werden kann, dass sich die Hinterhand gehörig unter den Schwerpunkt schiebt, was notwendigerweise das Gleichgewicht voraussetzt. ↩︎

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Wenden und Haltmachen ist ihnen peinlich; dafür fallen sie aber leicht hin. Da den Pferden die Haltung des Kopfes und des Halses nach Belieben freisteht, so können sie mit Erfolg den Reiterhilfen entgegenwirken; denn es ist Tatsache, dass die Kandare nur dann ihre volle Wirkung ausüben kann, wenn der Hals aufgerichtet ist und der Kopf beinahe senkrecht steht.

Bei tief hängendem Kopfe verliert die Kandare einen grossen Teil ihrer Wirkung auf die Kinnladen; sie wirkt nur noch als Trense, und das Pferd entzieht sich auf diese Weise der Hand. Man gibt wohl zu, dass ein grosser Prozentsatz gut geschulter Truppen-Pferde es verweigert, allein aus dem Gliede herauszugehen. Beweist dieser Umstand nicht am deutlichsten, dass die Dressur eine unvollkommene ist? Ein Pferd, welches nicht gehorcht, ist eben nicht dressiert.

Das sind die Resultate einjähriger und noch längerer unvernünftiger Vorarbeiten!

Bestimmungsmässig muss die Dressur derart betrieben werden, dass die jungen Pferde im Mobilmachungsfalle am 1. April in Reih und Glied gestellt werden können. Das wäre demnach die dreimonatliche Dressur. In Friedenszeiten dehnt man aber diese Dressur absichtlich auf ein ganzes Jahr aus und stellt das Pferd endgültig erst im nächsten Jahre in Reih und Glied ein.

Um dieses Verfahren zu rechtfertigen, führt man an, dass die Regimenter, bei welchen mit der Dressur zu rasch vorgegangen würde, oder welche, richtiger gesagt, Pferde nach den ersten drei Monaten der Dressur in Reih und Glied stellten, diejenigen wären, welche den meisten Verbrauch an Pferden hätten. Das ist wohl möglich, obgleich ich in dieser Hinsicht einige Zweifel hege.

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Wahr ist hieran nur, dass die unzureichend ernährten und schlecht durchgebildeten Pferde durch die in Rede stehende Dressur vorzeitig verbraucht werden. Die sachgemässe Dressur dagegen, selbst noch schneller ausgeführt, würde sie nicht nur nicht stumpf machen, sondern besser entwickeln und ihnen die beste Gewähr für ihre Dauerhaftigkeit sichern. Dies habe ich weiter oben durch unumstössliche Tatsachen bewiesen.

Was nun die Mannschaften anbelangt, so behaupte ich, dass sie sich viel leichter an die von mir angeführte Art der Dressur gewöhnen würden, als an die angreifenden Übungen, welche man von ihnen verlangt und die ihnen oft alle Lust benehmen, weil sie den Grund dafür nicht einsehen. Anstatt ihr Interesse für das Reiten zu wecken, ihnen Liebe für das Pferd, eine Haupttugend des Reiters, einzuflössen, gelangt man häufig nur dazu, dass der Mann durch das Pferd und das Pferd durch den Mann zu leiden hat.

Es ist bald gesagt, dass die Dressur in der Weise, wie ich sie verlange, zu fein ist; warum finden sie denn die Deutschen nicht zu fein? Warum wird bei ihnen die Ausbildung des Truppenpferdes viel eingehender betrieben, als es in Frankreich der Fall ist? Warum beginnen sie damit, das richtige Gleichgewicht zu erstreben? Warum betreiben sie rationelle Dressur, anstatt ihre Pferde bloss abzuhetzen? Warum halten ihre Pferde länger aus? Mit anderen Worten: Warum dressieren sie vernünftig, anstatt ihre Pferde zu schinden? Einfach deshalb, weil sie aus Anschauungen, welche ihnen aus Frankreich überkommen sind, Nutzen gezogen haben, während man im klassischen Lande der wahren Reitkunst am alten Schlendrian festhält.

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DRITTER TEIL.

Die hohe Schule.

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I. Die hohe Schule.

Die Übungen, mit denen wir uns jetzt beschäftigen wollen, sind nichts anderes, als die Fortsetzung, die natürliche Folge und die Vervollkommnung der vorausgegangenen. Sie sind schwieriger und weniger gebräuchlich; man nennt sie Übungen oder Kunstgänge der hohen Schule. Einige davon sind natürlicher, andere künstlicher Art. Alles, was den Galopp angeht, gehört z. B. den natürlichen Gängen an. Andererseits bringt der „Spanische Schritt“ das Wesen der künstlichen Gänge zum Ausdruck.

Ich habe oft sagen hören, dass die Arbeit der hohen Schule die Pferde zu Grunde richte, sie vor der Zeit abnutze und ihnen eine Unzahl von Fehlern einbrächte.

Man sagt und wiederholt es oft: „Wie ist es möglich, dass ein Pferd alle diese so viel Kraft erfordernden, anstrengenden Übungen ertragen kann, ohne seine Dauerhaftigkeit aufs Spiel zu setzen?“ Die Antwort ist einfach. Sehe man sich doch die Tonkünstler an; auch sie setzen sich den grössten Anstrengungen aus, auch sie entwickeln die grösste körperliche Energie. Sind deren Arme, Beine und Schultern etwa schlechter geworden, verbraucht? Nein, im Gegenteil, sie sind in der kräf-

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tigsten Verfassung, welche sie vor allen anderen auszeichnet; ihre Muskeln sind stark entwickelt und hart wie Stahl; und endlich ihr Allgemeinbefinden ist vortrefflich. Ganz anders wäre es ohne Zweifel, wenn man die Arbeit, welcher sie sich unterwerfen, ganz unvermittelt von ihnen fordern wollte — und ich spreche hier ebensowohl von den Pferden, wie von den Menschen — sie würden das nicht aushalten, sie würden erliegen. Bereitet man sie indessen bei sich steigernden Anforderungen allmählich dazu vor durch wohlbemessene Übungen, deren Kraftaufwand der stetig zunehmenden Muskelkraft entspricht, so wird ihnen die Arbeit, wenn auch energisch gehandhabt, verhältnismässig leicht, sogar zuträglich.[1]

Gewiss sind schon viele Pferde durch die Arbeit der hohen Schule geschädigt worden, aber nur deshalb, weil diese Arbeit schlecht eingeleitet war, weil keine vorgängige und ausreichende Erziehung stattgefunden hatte. Die Reitkunst hat, wie alle anderen Wissenschaften ihre Scharlatane und ihre durch Erfahrung gereiften Meister. Wird das Pferd methodisch dressiert, so schädigt die praktische Ausführung aller Schulübungen es nicht im geringsten, sondern es wird dadurch geradezu gekräftigt.

Bezüglich aller, die die hohe Schule unter ihrer Würde halten und verächtlich von ihr sprechen, beschränke ich mich darauf, ihnen die Fabel vom Fuchs und den Trauben ins Gedächtnis zurückzurufen.


  1. Ich dressiere meine Pferde, ohne dass sie je dadurch Fehler bekommen hätten; jedoch nehme ich sie schon in viel jüngerem Alter in Dressur, als andere vor mir. ↩︎

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II. Der Spanische Schritt.

Man sagt, das Pferd geht Spanischen Schritt,[1] wenn es die Vorderbeine, eins nach dem anderen, hochgehoben und gestreckt nach vorwärts bringt. Worauf es ankommt, ist die Art und Weise, wie das Pferd sein Bein zur Erde setzt; denn so leicht es auch ist, dem Pferde das Heben des Beines beizubringen, so schwer ist es andererseits, es zu lehren, das Bein richtig zur Erde zu setzen.

Man muss diese Arbeit zunächst zu Fuss vornehmen, indem man sich selbst an die linke Schulter des Pferdes und dieses mit der rechten Schulter an die Bande stellt; die Bande soll das Pferd verhindern, nach rechts auszuweichen. Man hält den Kopf des Tieres etwas hoch und schiebt es dabei nach rechts, um den grösseren Teil des Gewichts der Vorhand auf das rechte Vorderbein zu verlegen, und um so dem linken Vorderbein zu gestatten, sich mit Leichtigkeit zu erheben.

Darauf muss man das linke Vorderbein des Pferdes ganz leicht mit dem Reitpeitschenende berühren. Es


  1. Es ist nie recht bekannt geworden, weswegen diese Gangart mit „Spanischer Schritt“ bezeichnet wird; sie hat vom Spanischen nur den Namen und ähnelt durchaus nicht der Gangart des Andalusischen Pferdes. Das spanische Pferd geht mit gebogenen Knien und wirft das untere Bein von aussen nach innen; man nennt das jenseits der Pyrenäen „paso de campana“ (pendelartigen Gang — pas de la cloche —). Eigentlich müsste man den Spanischen Schritt „pas du conscrit“ (Rekruten-Schritt) nennen; denn es besteht zwischen beiden eine grosse Ähnlichkeit. ↩︎

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ist ziemlich schwer, genau zu bestimmen, an welcher Stelle des Beines dies geschehen soll: die empfindlichste Stelle ist bei jedem Pferde verschieden; sie liegt zwischen Ellenbogen und Fessel.

Der erste Eindruck, welchen das Pferd von dieser Berührung empfängt, ist Überraschung; denn es versteht noch nicht, was man von ihm verlangt, und versucht gewöhnlich, seinem Peiniger auszuweichen. Jedenfalls kann es sich nicht nach rechts werfen; die Bande verhindert es daran; wenn es sich also nach links wirft, muss man es alsbald mit der Peitsche zurücktreiben. Es kann auch zurücktreten; in diesem Falle muss man es sogleich mit der Peitsche hinter den Gurten treffen, um es wieder vorzutreiben. Fast immer wird das Pferd nach einer Weile seine Ungeduld durch Scharren mit dem Hufe desjenigen Beines zu erkennen geben, welches man berührt hat. Sobald es aber dieses Bein gehoben hat, soll man es streicheln, um ihm anzudeuten, dass es getan hat, was man von ihm wollte. Wenn man diese Übungen während mehrerer Tage wiederholt hat, wird das Pferd, um die Berührung mit der Peitsche zu vermeiden, das Bein schon heben, sobald es sie nur kommen sieht. Hat das Pferd die Arbeit des linken Vorderbeines richtig verstanden und ausgeführt, so unterwirft man auch das rechte Vorderbein derselben Übung, indem man auf die rechte Hand geht und achtgibt, dass der Kopf aufgerichtet und nach links gebracht wird.

Da das wiederholte Berühren mit der Peitsche das Pferd stumpf macht, so muss man sich anfangs mit dem geringsten Anzeichen des guten Willens begnügen. Das ist das beste Mittel, um das Tier nicht abzuschrecken. In der Regel erreicht man schon in der

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ersten Unterrichtsstunde, dass es die Beine hebt; aber die Art und Weise, wie es sie hebt, ist nichts weniger als ausreichend; denn es streckt sie nicht aus und begnügt sich damit, das Zeichen der Ungeduld, das Scharren im Erdboden oder dergleichen zu machen. Nichtsdestoweniger muss man sich, wie schon gesagt, anfangs mit dem unscheinbarsten Versuch zum Beinheben zufrieden geben; auf einem Mehr zu bestehen, es gar mit der Peitsche zu schlagen, nützt nichts und würde das Pferd nur verwirren.

Indessen muss man nach und nach doch bis zum Strecken gelangen, und das ist nur dann als ausreichend zu betrachten, wenn die völlig ausgestreckten Beine in Schulterhöhe und wagerecht stehen.

Nach meinem Dafürhalten kann man dann erst sagen, das Pferd geht Spanischen Schritt, wenn man diese Höhe und diese Streckung der Beine erzielt hat.

Sobald das Pferd verstanden hat, was man von ihm verlangt und dieses tadellos ausführt, d. h. die Beine wagerecht ausgestreckt hält, muss man es lehren, sie so zur Erde zu setzen, wie man will. Die Beine sollen zur Erde gesetzt werden, ohne die geringste Kniebiegung. Davon hängt die gute Ausführung der Bewegung ganz allein ab.

Um dahin zu gelangen, ist es notwendig, das Pferd, sobald es das Bein gut ausgestreckt hält, mit der Trense nach vorwärts zu ziehen, und zwar so, dass es mit dem Bein weit vortritt. Würde es das Knie beugen, so könnte es nur einen kleinen Schritt machen, und da sich die Knie einmal mehr, einmal weniger biegen, so würde sich daraus ergeben, dass die Schritte nicht gleich wären. Endlich ist es unmöglich, das Pferd am Scharren zu verhindern, wenn

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man ihm erlauben würde, die Knie zu biegen, was wiederum notwendigerweise zu ungleichen Schritten führen würde. Also muss man mit der grössten Sorgfalt so lange auf vollständige Streckung des Gliedes halten, bis der Huf zur Erde zurückgekommen ist.

Setzt das Pferd den Huf richtig zur Erde, hält es ebenso die Beine gestreckt, so sind die Schritte gezwungenermassen auch gleich lang.

Sobald man auch nur einen einzigen, ganz tadellosen Schritt von jedem Bein erzielt hat, soll man diese Arbeit zu Fuss nicht länger fortsetzen, damit die Fortschritte in der Dressur keinen Aufschub erleiden.

Der Spanische Schritt nimmt sich in der Tat immer viel hübscher, glänzender und regelmässiger aus, wenn ihn der Reiter zu Pferde vollführt. Tatsächlich muss man zu Fuss das Pferd nach vorwärts ziehen, da man es sich doch nicht in die Hand stellen kann; denn durch das Ziehen wird der Hals gestreckt. Der Kopf befindet sich in einer schlechten Haltung, wodurch das ganze Pferd unschön erscheint.

Anstatt das Pferd nach vorwärts zu ziehen, ist es aber bei weitem besser, es mit den Schenkeln vorzutreiben; deshalb soll man den Spanischen Schritt auch nur zeigen, wenn man aufgesessen ist.

Hat man zu Fuss die beiden ersten richtigen Tritte erzielt, so sitzt man auf und versucht die Übung folgendermassen auszuführen.

Ich nehme die Kandarenzügel und den linken Trensenzügel in die linke Hand, den rechten Trensenzügel und die Peitsche in die rechte Hand.

Nachdem ich mein Pferd pariert habe, nehme ich die Trensenzügel straff an, um Kopf und Hals auf-

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zurichten. Ich bin auf der linken Hand und verlange den ersten Tritt vom rechten Bein. Da ich die Bande zu meiner Rechten habe, bin ich sicher, dass das Pferd nicht die Querstellung annehmen kann, wenn ich unter der Einwirkung meines linken Schenkels das Heben des rechten Beineh verlange; während durch die Einwirkung meines rechten Schenkels die Hinterhand nach links ausfallen würde, wenn ich das Heben des linken Beines verlange.

Ich bringe beide Hände nach links und gebrauche meinen linken Schenkel recht nachdrücklich; später unterstütze ich ihn noch durch den Sporn.

Der rechte Trensenzügel ist straffer als der linke; beide Schenkel liegen fest hinter den Gurten, um ein Zurückkriechen zu verhüten, der linke Schenkel noch fester als der rechte. Die Wirkung der Zügel wird beinahe das ganze Gewicht der Vorhand auf die linke Schulter verlegen. Nun ist es Sache des linken Schenkels, das rechte Vorderbein des Pferdes zum Heben zu veranlassen. Dazu gebe ich dem Pferde mit der ganz tief gehaltenen Peitsche leichte, kleine Schläge auf die rechte Schulter, indem ich dabei fortwährend Hals und Kopf mit dem rechten Trensenzügel aufrichte.

Im Unklaren darüber, was ich denn eigentlich von ihm will, wird das Pferd anfangs immer ungeduldig sein; deshalb darf man nur in sehr gelindem Masse bei diesen Hilfen verharren. Jedoch muss man dieses so lange tun, bis es sein Bein hebt. Sobald das Pferd die geringste Bewegung dazu macht, muss man nachgeben, es streicheln, einmal in der Bahn herumreiten und dann erst wieder anfangen.

Nach kaum acht Tagen schon wird das Pferd

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gelernt haben, beide Beine gestreckt zu halten; denn es ist selbstverständlich, dass ich, allerdings im umgekehrten Verhältnis, dieselben Übungen auch vom linken Bein ausführen lasse.

Von jetzt ab bringe ich die Peitschenhilfen mit meinen Schenkelhilfen in Verbindung, und je nachdem das Pferd auf die Absicht meiner Hilfen willig oder weniger willig eingeht, schränke ich den Gebrauch der Peitsche ein und vermehre die Wirkung des Schenkels, bis ich schliesslich durch letzteren allein den Gehorsam erziele.

Sobald das Pferd meinen Schenkelhilfen, im Bedarfsfalle den Sporen, ohne weiteres Folge gibt, bediene ich mich der Peitsche überhaupt nicht mehr und es ist mir dann ein leichtes, es vorwärts auf die Hand zu treiben, was mir zu Fuss nicht möglich war.

Zergliedern wir uns nun die Tätigkeit aller Hilfen während des ganzen Vorganges.

Die Tätigkeit des linken Schenkels und rechten Zügels veranlasst das Pferd, das rechte Bein zu heben. In dem Augenblick, da es im Begriff ist, das Bein wieder niederzusetzen, treibe ich es mit beiden Schenkeln vorwärts, deren doppelte Aufgabe es ist, das Pferd in gerader Richtung zu erhalten, und alsdann das vollkommen ausgestreckte rechte Bein nun wirklich zur Erde zu bringen, und zwar vor das linke Bein. Während des Vorwärtsschreitens bis zu dem Moment des Niedersetzens stehen beide Zügel gleichmässig an. Dann aber bewirken mein rechter Schenkel und linker Zügel das Erheben des linken Beines. In dieser Weise reiht sich Tritt an Tritt, in harmonischer Verbindung. Die Arbeit muss mit viel Sorgfalt ausgeführt werden, um die Regelmässigkeit der Bewegung zu sichern.

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Kann man doch hier, wie immer, auf die diagonalen Hilfen zurückgreifen.

Man ist auch imstande, den Spanischen Schritt beim Rückwärtstreten auszuführen. Das bewirken die Zügel, die das Pferd in dem Augenblick zurücknehmen, da es das Bein nach vorwärts ausgestreckt hat. Die Schwierigkeit dieser Rückwärtsbewegung liegt darin, die Hinterhand, sei es rechts oder links, dann zu verwahren, wenn man das erhobene Bein bei dem ruhenden Bein vorbei nach rückwärts führen will.

Hierbei kommt es oft vor, dass das Pferd, indem es das Zurücktreten übereilt, sich insofern den Reiterhilfen entzieht, als es das Vorderbein nur halb ausstreckt. In diesem Falle muss man das Pferd in demselben Moment wieder vorbringen und die vollkommene Streckung des Beins verlangen.

Man soll durchaus nicht glauben, dass man immer mit unfehlbarer Sicherheit zum Ziel kommt, selbst dann nicht, wenn man die Vorschriften, welche ich hierüber soeben gegeben habe, buchstäblich befolgt. Es gehört hierzu vielmehr die ganze Geschicklichkeit des Reiters, alle vorteilhaften Umstände, die sich ihm bieten, zu benutzen, um dem Pferde begreiflich zu machen, was man von ihm verlangt.

Das ist rein Sache des Taktes. Sehr erklärlich ist es ja auch, dass ein Reiter sich nicht sicher fühlt und im Unsicheren tappt, wenn er sein erstes Pferd dressiert. Erst nach Dressur von drei oder vier Pferden wird er erkennen lernen, ob er es richtig macht oder ob er der Vorschrift zuwiderhandelt.

Der Spanische Schritt darf vom Pferde nicht früher verlangt werden, als bis es schon völlig durchgebogen und ausserordentlich gehorsam auf alle Hilfen ist.

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Man muss sich tatsächlich darüber ganz sicher sein, das Pferd jederzeit vortreiben zu können; denn gerade bei dieser Arbeit verlangt man von ihm, den Sporn anzunehmen, ohne darauf vorgehen zu dürfen.

Da man zumeist auch gezwungen ist, mit hoher Hand zu reiten, um den Hals aufzurichten, so wird dadurch noch ein grosser Teil des Körpergewichts auf die Hinterhand übertragen, und man setzt sich der Gefahr aus, dass das Pferd hinter den Zügel kriecht. Die Folge davon kann sein, dass das Pferd statt eins, beide Beine zugleich erhebt. So entsteht dann ein Sprung nach vorwärts, eine Widersetzlichkeit ohne Bedeutung, da sie eben nach vorwärts ausgeführt wird; oder es wird daraus ein Steigen, was schon gefährlicher ist, besonders wenn man die Zügel festhält.

Um die Widersetzlichkeiten zu vermeiden, ist es notwendig, dass das Pferd, bevor es vor diese Aufgabe der Dressur gestellt wird, gelernt hat, unter allen Umständen und immer am Sporn frisch und frei vorwärts zu gehen. Tritt diese Widersetzlichkeit dennoch in Erscheinung, und gebraucht man genau in dem Moment, in welchem das Pferd beide Vorderbeine hebt, beide Schenkel recht kräftig, indem man die Zügel ganz nachgibt, so wird aus dem beabsichtigten Steigen ein Sprung nach vorwärts entstehen, welchen man durch diese Hilfe wohlweislich herausforderte.

Es kommt im Verlauf der Dressur häufig vor, dass man zum Zweck des Vorwärtstreibens genötigt ist, auf eine schon angefangene Bewegung zeitweise zu verzichten. Liesse man gelegentlich dem Pferde das Zurückkriechen auch nur in geringem Masse durchgehen, so würde man nicht einmal mit Gewalt imstande sein, es vorwärts zu treiben. Es

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würde schnell verstehen lernen, dass es sich durch Zurückkriechen der Versammlung entziehen könnte, und würde alle Augenblicke hierauf wieder zurückkommen.

Jede Arbeit auf der Stelle, welche den Zweck verfolgt, das Pferd zu lehren, die Sporen anzunehmen, ohne so gut wie gar nicht vorwärts zu gehen, ist immer gefährlich; sie führt dazu, das Pferd stätisch zu machen. In diesem Falle gibt man immer der Dressurmethode Schuld, während man viel eher die Art und Weise, wie diese Methode angewandt wurde, beschuldigen sollte. Es ist übrigens für einen Reiter, welcher seine ersten Pferde dressiert, recht schwer, das Zurückkriechen zu verhindern. Sehr oft ist das Pferd schon hinter dem Zügel, wenn der Reiter selbst es noch gar nicht bemerkt hat. Merke man sich also die Generalregel: Geht das Pferd nicht auf den Zügel, so ist es hinter demselben. — Meine Devise dabei ist „Vorwärts, immer vorwärts und nochmals vorwärts!“

Ich gebe übrigens zu, dass von seiten des Pferdes auf Nachgiebigkeit ohne mehr oder minder heftige Kämpfe nicht zu rechnen ist; aber man vergesse nicht, dass von diesem Kampf die Herrschaft des Menschen über das Tier abhängt.[1] Wenn man vom Pferde eine schwierige Sache fordert, ohne es genügend darauf vorbereitet zu haben, so würde ein Kampf nicht viel zu bedeuten haben; aber dass das Pferd aus dem-


  1. Man tut gut, zu beachten, dass nach jeder stürmisch verlaufenen Unterrichtsstunde, in welcher der Reiter Sieger im Kampfe geblieben ist, sich das Pferd in den folgenden Unterrichtsstunden musterhaft folgsam zeigt. Ausnahmen gibt es von dieser Regel nicht. ↩︎

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selben als Sieger hervorginge, ist viel schlimmer. Man muss sich also über den genauen Zeitpunkt klar sein, in welchem diese oder jene Anforderung gestellt werden kann. Das ist abermals Gefühlssache.

Wenn man von einem schlecht vorbereiteten Pferd zu früh eine neue Arbeit fordert, so kann man sicher sein, nicht durchzudringen. Unzureichende Vorbereitung erzeugt sicher Widerstand beim Pferde.

Anderseits kann dieselbe Arbeit ohne Unzuträglichkeiten sehr wohl später gefordert werden. Es ist besser, den Versuch zu machen, sein Pferd in einem Jahre, als in sechs Monaten zu dressieren. Je mehr Schwierigkeiten ein Pferd zeigt, desto mehr Zeit muss man für seine Unterweisung opfern. Man verwende, wenn es sein muss, sechs Monate auf die Herstellung des Gleichgewichts, auf die drei natürlichen Gangarten und auf die Erlernung des korrekten Zurücktretens, bevor man ihm die Arbeit der hohen Schule und die künstlichen Gänge beibringt.

Ich würde dem Spanischen Schritt keinerlei Bedeutung beimessen, wenn man ihn das Pferd nicht deshalb lehren müsste, um dadurch später seine Ausbildung in der hohen Schule vervollkommnen zu können; der Spanische Schritt oder vielmehr das Strecken der Vorderbeine dient zur Entwicklung der Pirouetten auf drei Beinen, des Spanischen Trabes und des Galopps auf drei Beinen. Deshalb ist es durchaus nötig, dass der Reiter ganz nach seinem Belieben die Streckung des Beins vom Pferde verlangen, und zwar vermittels des Sporns verlangen kann, weil dies das einzige Mittel ist, das Pferd im Gleichgewicht zu erhalten, es auf und in die Hand zu treiben

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und es zu veranlassen, die Vorderbeine so hoch und so gestreckt zu halten, als es nötig ist.

Es gibt, leider noch ein anderes Mittel, dem Pferde den Spanischen Schritt beizubringen; ein Mittel, ich beeile mich es zu sagen, welches ich niemals anwende, über welches zu sprechen ich aber dennoch verpflichtet bin, weil es bei der „neuen Schule“ sehr gebräuchlich ist. Ich bezeichne hiermit diejenige Generation von Stallmeistern, welche sich nach Bauchers Tode heranbildete und welche an Stelle der von diesem so hervorragend ausgeführten Kunstleistungen in der hohen Schule, eine Reihe von unnatürlichen, seltsamen Verrenkungen gesetzt hat, die mit Aufwand von Hilfsapparaten erzielt werden und deren Anwendung die Hilfe einer Anzahl mehr oder weniger starker Männer erfordert.

Um den Spanischen Schritt nach der Methode der „neuen Schule“ zu lehren, bedarf es einer ganzen Rotte von Stallmeistern: vier Mann und ein Korporal, nicht einen weniger, oft aber mehr.

Man beginnt damit, um die beiden Vorderbeine Fesselriemen zu legen, an welchen Stricke befestigt sind und jeder von diesen wird von einem Mann gehalten. Eine dritte Persönlichkeit hält das Pferd am Zügel und ist gleichzeitig damit beauftragt, die Reitpeitsche zu führen. Der Korporal setzt sich aufs Pferd, während dem fünften Henkersknecht die erhabene Aufgabe zufällt, die lange Bahnpeitsche bereitzuhalten.

Sehen wir uns jetzt die Gesamtarbeit an, wie sich diese Rotte über das unglückliche Tier hermacht.

Der Mann Nr. 3, der die Reitpeitsche führt, schlägt auf das linke Bein des Pferdes; Nr. 1, welcher den Strick des linken Beins hält, zieht an und streckt

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das Bein, während der Korporal, der auf dem Rücken des Tieres sitzt, einen Druck mit dem rechten Schenkel gibt, um das Pferd zu gewöhnen, sein Bein bei Annäherung des Sporns auszustrecken; in demselben Augenblick berührt Nr. 5, welcher die Bahnpeitsche hält, das Pferd auf der Kruppe, um das Vortreten des Pferdes zu erzwingen.

Damit wäre ein Tritt mit dem linken Bein vollendet.

Der Mann Nr. 2, welcher den Strick am Fesselgelenk des rechten Beins hält, tritt natürlich erst dann in Tätigkeit, wenn die Rotte am rechten Bein dieselbe Arbeit ausführt, welche soeben bezüglich des linken Beins beschrieben wurde. Und dieses Doppelspiel wird so lange fortgesetzt, bis dem Tier der Spanische Schritt zur Gewohnheit geworden ist.

Was mich betrifft, so suche ich in der Tat vergeblich nach dem Wort, womit ich dieses Verfahren bezeichnen könnte. Das ist wahrlich keine Dressur und hat mit der Reitkunst nichts gemein.

III. Pirouette auf drei Beinen.

Die Pirouette auf drei Beinen, wobei das vierte Bein ausgestreckt in der Luft bleibt, während die Hinterhand um die Vorhand wendet, ist eine dem Pferde am leichtesten beizubringende Bewegung. Ich spreche, wohlverstanden, von einem Pferde, welches bereits ins Gleichgewicht gesetzt ist; denn es handelt sich darum, dass die Wendung der Hinterhand und das Ausstrecken des Beins zugleich ausgeführt werden.

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Man fängt damit an, vom Pferde, welches sich inmitten der Reitbahn auf der Stelle befindet, einige um die Vorhand wendende Tritte der Hinterhand zu verlangen, hält es aber alle drei oder vier Tritte an, um das eine Vorderbein hoch ausstrecken zu lassen.

Da man sich zu diesen beiden Ausführungen ein und desselben Schenkels bedient, darf dieser seinen Platz hinter den Gurten nicht aufgeben; jedoch bewirkt der entgegengesetzte Schenkel, dass die drehende Bewegung unterbrochen wird.

Hier ein Beispiel. Ich beabsichtige die Wendung der Hinterhand um die Vorhand von links nach rechts. Da ist es also mein linker Schenkel, welcher sowohl die Wendung, als auch das Ausstrecken des rechten Vorderbeins bewirkt. Sobald das Pferd fast den vierten Teil der Wendung ausgeführt hat, halte ich es vermittels des rechten Schenkels an, während mein linker Schenkel, welcher dicht hinter den Gurten liegen bleibt und den Sporn fühlen lässt, unter einer gleichzeitigen leichten Einwirkung des rechten Trensenzügels das Tier dazu zwingt, sein rechtes Vorderbein hoch auszustrecken.

Wenn man dies öfter wiederholt, erreicht man schnell, dass das Pferd schon während der Wendung oder doch während eines oder zweier Tritte das Bein gestreckt hält, ohne es niederzusetzen, und gelangt so nach und nach dahin, dass eine regelrechte Pirouette auf drei Beinen ausgeführt wird.

Man muss während der ganzen Dauer dieser Ausführungen bestrebt sein, mit dem entgegengesetzten, ziemlich stark eingreifenden Schenkel das Pferd auf die Hand zu treiben und es am Zurückweichen zu verhindern. Ein richtig gestelltes Pferd soll Kopf und

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Hals hochtragen mit einer leichten Biegung des letzteren nach rechts. Die Einwirkung des rechten Trensenzügels ist schon zur Erhaltung dieser Biegung und des Gestrecktbleibens des rechten Beins notwendig.

Um die Pirouette von rechts nach links mit erhobenem und gestrecktem linken Vorderbein ausführen zu lassen, bedient man sich derselben Hilfen im entgegengesetzten Sinne.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass, wenn beispielsweise das rechte Vorderbein gestreckt bleiben soll, das Gleichgewicht auch in der Stellung auf drei Beinen und die Bewegungsfreiheit der Hinterhand um das linke Vorderbein aufrecht erhalten wird. Dieses bildet den Drehpunkt und darf sich nicht von der Stelle rühren.

In der Pirouette von links nach rechts gehen die Hände nach links, und die rechten Zügel stehen leicht an, um das Gewicht der Vorhand auf die linke Schulter zu übertragen. In der Pirouette von rechts nach links bildet das rechte Vorderbein den Drehpunkt und muss man alsdann die Hände nach rechts bringen und den linken Zügel mehr anstehen lassen, damit nun das rechte Vorderbein die Last der Vorhand übernimmt, um so dem linken zu erlauben, sich frei zu erheben.

IV. Pirouetten auf der Vor- und auf der Hinterhand mit gekreuzten Beinen.

Die Pirouette auf der Vorhand mit gekreuzten Vorderbeinen wird wie diejenige auf drei Beinen ausgeführt, mit dem einzigen Unterschiede, dass die Vor-

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derbeine, anstatt abwechselnd in der Luft ausgestreckt zu werden, auf der Erde bleiben und sich kreuzen, während das Pferd mit der Hinterhand herumtritt.

Bei der Pirouette auf der Hinterhand mit gekreuzten Beinen ist es die Vorhand, welche sich dreht, während die Hinterbeine sich kreuzen.

Die erste Art ist sehr einfach; hingegen ist die Ausführung der zweiten sehr schwierig.

V. Das Zurücktreten ohne Benutzung der Zügel.

Diese Bewegung ist nicht schwer zu lehren, aber sie ist nicht ohne Nachteil für das Pferd und nicht ohne Gefahr für den Reiter, insofern als die Schenkel und Sporen allein tätig sind, um das Pferd zurücktreten zu lassen; es kann daraus also leicht ein Zurückkriechen und hieraus das Steigen entstehen.

Ich rate jungen und unerfahrenen Reitern, diese Übung nicht früher zu versuchen, als bis sie ein oder mehrere Pferde dressiert haben. Erst dann werden sie ein richtiges Urteil darüber haben, wann diese Übung angebracht ist.

Man wird diese Übung von ungestümen und von solchen Pferden, die Drang nach vorwärts haben, ohne Unzuträglichkeiten verlangen können; jedoch würde es ein Fehler sein, sie ein träges oder temperamentloses Pferd lehren zu wollen, welches nur durch kräftige Einwirkung der Schenkel auf die Hand getrieben werden kann.

Jedenfalls darf man dies ein Pferd nicht früher lehren, bevor man sicher ist, dass es gegen den Willen

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des Reiters aus Widersetzlichkeit keinen falschen Gebrauch vom Rückwärtstreten macht, kurz, nicht stätisch wird. Ich beginne diese Übung erst dann, wenn ich das Pferd meinem Willen völlig unterworfen habe und man beachte wohl, wenn ich sicher bin, dass ich es unter allen Umständen vorwärts treiben kann.

Um das zu erreichen, bringe ich anfangs diejenigen Hilfen in Anwendung, welche ich im Kapitel „Rückwärtstreten“ angegeben habe, d. h. ich bediene mich der Schenkel und der Zügel; dann vermindere ich nach und nach die Zügelhilfen und endlich unterlasse ich diese ganz, indem ich dem Pferde mit den Schenkeln allein — und darin liegt gerade die Schwierigkeit — zu verstehen gebe, dass die Hinterhand mit der Bewegung den Anfang machen soll. Das Pferd soll gewissermassen mit Oberschenkel und Gesäss nach rückwärts gezogen werden und einen Schwung von vorn nach hinten empfangen.

Zu Anfang begegne ich dabei wohl einem zögernden Verhalten des Pferdes, umsomehr, als ich mein Pferd daran gewöhnt habe, auf den geringsten Schenkeldruck vorwärts zu gehen. Man muss also seine ganze Ruhe bewahren und nicht zuviel verlangen; denn das Pferd wird erregt, wenn es uns nicht versteht. Man begnüge sich mit zwei oder drei Tritten rückwärts und lasse alsbald die gleiche Schrittzahl nach vorwärts machen, indem man die Einwirkung der Oberschenkel aufhebt und mit der des Hackens oder Sporns einsetzt. Man verhindere vor allem, dass das Pferd schneller zurücktritt, als man beabsichtigt.

Ich fasse das oben Gesagte kurz noch einmal dahin zusammen, dass ich zu Anfang, um das Zurücktreten herbeizuführen, die Schenkel herannehme und

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auch die Zügel ein wenig annehme. Erziele ich dadurch die Rückwärtsbewegung, so beeile ich mich, das Pferd zu beloben, und beginne dann wieder, indem ich jedesmal den Schenkeldruck verstärke, die Zügel aber in geringerem Masse wirken lasse. Wenn das Pferd dann nach und nach mich endlich verstanden hat, lasse ich die Zügel ganz beiseite.

VI. Der Schaukeltritt (Balancer) der Vorhand.

Im Schaukeltritt auf der Vorhand hebt das Pferd die Vorderbeine, ohne sie ganz zu strecken, schaukelt sich sozusagen beim Vortreten von einem Vorderbein aufs andere und spreizt diese nach Möglichkeit im Moment des Niedersetzens.

Da ich über die früher erlernte Beinstreckung verfüge, ist es mir ein leichtes, daraus den Schaukeltritt der Vorhand zu entwickeln. Kopf und Hals darf man nicht zu sehr aufrichten und keine zu ausgesprochene Beinstreckung verlangen; die halben Streckungen genügen. Diese erhält man auf folgende Weise. Nachdem ich mein Pferd angehalten habe, lasse ich es das rechte Bein wie zum Strecken heben; aber in dem Augenblick, in welchem es sich hebt und bevor es vollständig gestreckt ist, bringe ich meine Hände nach rechts. Das ganze Gewicht der Vorhand, welches bisher auf dem linken Vorderbein ruhte, wird infolgedessen ganz plötzlich nach rechts verlegt und das Pferd fällt natürlich nach dieser Seite hin und entfernt dabei das rechte Vorderbein von dem linken.

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Nachdem ich diesen ersten Schritt erzielt habe, verlange ich den zweiten vom linken Bein, indem ich dieselben Hilfen zur Anwendung bringe. Ich habe jetzt ein Tempo mit jedem Bein gesondert ausführen lassen; es erübrigt mithin nur noch, beide miteinander zu verbinden und taktmässig abzumessen. Je ausgiebiger die Zügelhilfen sind, desto grösser wird die Spreizung der Beine ausfallen.

Die Schenkelhilfen sind gleich denen, die zur Beinstreckung in Anwendung kamen; aber sie müssen gleichzeitig von beiden Seiten derart wirken, dass ein Schaukeltritt der Hinterhand verhindert wird.

Nach kurzer Zeit wird man den Schaukeltritt der Vorhand von rechts nach links und umgekehrt erreichen.

Erst wenn er gut geregelt ist, soll man eine grössere Spreizung der Vorderbeine fordern. Je grösser die Spreizung, desto langsamer, weicher und angenehmer fürs Auge ist der Schaukeltritt. Man kann leicht bis zu einem Meter Spreizung, bisweilen sogar bis zu anderthalb Metern gelangen.

Der Schaukeltritt der Vorhand wird auf der Stelle ausgeführt, kann aber auch im Vorrücken gemacht werden.

Dieser ist hübscher fürs Auge und gewährt ausserdem den Vorzug, dass das Pferd niemals hinter den Zügel kommt. Aber es ist sehr viel schwerer; denn zu den Hilfen, welche wir soeben erwähnt haben, treten noch diejenigen hinzu, welche den Schwung nach vorwärts bewirken.

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VII. Der Schaukeltritt der Hinterhand.

Diese Bewegung erfordert eine geschicktere Einwirkung mit dem Gesäss, als die vorhergehende. Um sie zu erzielen, darf die Hand nur ganz leicht eingreifen und man muss dem Pferde eine leichte Anlehnung an die Trense verschaffen, indem man es an diese derart herantreibt, dass die Körperlast mehr auf die Schultern kommt. Die Hinterhand wird dadurch entlastet, ihre Tätigkeit erleichtert.

Man muss ausserdem darauf Bedacht nehmen, dass das Pferd auf der Stelle ganz ruhig bleibt; denn diesmal verlangen wir von ihm zwei Tempos kurz hintereinander. Ein einziges Tempo hätte als Schulbewegung keinen Zweck und würde für das Pferd keinerlei Belehrung enthalten.

Zunächst vollführe man einen ganz leichten Druck mit dem rechten Schenkel; sofort wird das Pferd sein rechtes Hinterbein heben, als ob es einen Tritt nach links machen wollte. Sobald dieses sich aber dem linken Hinterbein nähert, wird es, bevor es zur Erde kommt, durch einen Druck des linken Schenkels auf seinen Platz zurückgebracht, wodurch gleichzeitig das linke Hinterbein, auf dem Wege zum rechten Hinterbein, sich erhebt, als ob es einen Tritt nach rechts machen wollte.

Erfasst der Reiter den Moment, in welchem das Pferd sein rechtes Hinterbein fussen lassen will, nicht sofort, so wird dieses eben die Erde berühren, ohne dass der Reiter imstande gewesen wäre,

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es durch den Eingriff seines linken Schenkels nach rechts zurückzutreiben.

Hierdurch ist es dann bedingt, dass das rechte Hinterbein dicht neben dem linken zu stehen kommt, nur dass nicht soviel Spreizung gewonnen wird, um auch nur eine kleine Schaukeltritt-Bewegung auszuführen.

Man muss sich mit diesen beiden ersten Tritten begnügen, bis das Pferd sie ganz gelassen zur Ausführung bringt, um sie ihm dann in der entgegengesetzten Folge abzuverlangen, d. h. von links nach rechts. Erst später wird man das Pferd vier Tritte und so steigernd eine grössere Anzahl machen lassen.

Ich empfehle dem Reiter, auf einer grossen Spreizung nicht früher zu bestehen, als bis der Schaukeltritt äusserst geregelt ist. Um die grösstmögliche Spreizung zu erzielen, lässt man hin und wieder die Sporen wirken, wodurch der Bewegung mehr Kraft verliehen wird.

Bei dem Schaukeltritt der Hinterhand hat das Pferd eine natürliche Neigung, den Kopf tief zu tragen. Anfangs dulde ich das in gewissem Masse, weil dadurch die Hinterhand entlastet wird. Aber sobald diese Arbeit richtig verstanden wird, verlange ich ganze Aufrichtung des Halses und diejenige Haltung, von der ein Schulpferd sich niemals lossagen darf.[1]


  1. Mit tiefer Kopfhaltung sieht das Pferd niemals vorteilhaft und gefällig aus, indessen nehmen alle mit der Peitsche dressierten Pferde diese fehlerhafte Haltung mit hoher Kruppe leicht an.

    Das ist erklärlich. Schlägt man mit der Peitsche auf die Kruppe, so führt man dadurch gezwungenermassen ein Erheben dieses Körperteils herbei. ↩︎

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Wenn man die Schenkel noch mehr herannimmt und den Sporn noch etwas bestimmter gebraucht, gelangt man spielend zum Piaffieren der Vorhand als Begleiterscheinung zum Schaukeltritt der Hinterhand.

Treibt man nun auch noch das Pferd in kleinen Tritten vorwärts, so erzielt man einen Schaukeltritt der Hinterhand in Verbindung mit der Passage der Vorhand.

Auf der Stelle nimmt sich diese Bewegung weniger vorteilhaft aus, als im Vorwärtsreiten, weil der Abschwung fehlt; auch ist es schwieriger, die Aufrichtung des Halses beizubehalten.

Endlich wird man, da eine gewisse Erhebung aller vier Beine erzielt werden soll, vermeiden müssen, das Gewicht des Pferdes mehr nach vorn als nach hinten zu verlegen; man wird im Gegenteil bemüht sein müssen, das Gleichgewicht peinlich aufrecht zu erhalten.[1]

Deshalb verwerfe ich den Gebrauch der Peitsche bei der Arbeit in der hohen Schule.

Die mit Hilfe der Peitsche abgerichteten — ich kann nicht sagen dressierten — Pferde sind immer hässlich und schlecht ins Gleichgewicht gesetzt. Da sie den Hals nur in gleicher Höhe mit dem Widerrist und die Kruppe hoch haben, sind sie gewissermassen mit der Vorhand eingegraben und folglich in einer Stellung, welche derjenigen des wirklichen Schulpferdes gerade zuwiderläuft (siehe Tafel XXX), welches sich beständig mit Aufrichtung und mit biegsamen Sprunggelenken unter dem Schwerpunkt tragen soll.


  1. Ich glaube mit „Amour“, einem Vollblutpferde, im Jahre 1880 zu Paris der erste gewesen zu sein, der den Schaukeltritt der Hinterhand mit gleichzeitiger Passage der Vorhand ausgeführt hat. ↩︎

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VIII. Der Spanische Trab.

Von allen künstlichen Gängen ist der Spanische Trab der leichteste und augenfälligste. Da das Pferd bereits den Spanischen Schritt bis zur Vollkommenheit erlernt hat, gibt es kaum etwas Einfacheres, als diesen in Trab zu übertragen. Vermehrte Hilfen allein genügen schon, um dem Pferde mehr Schwung zu geben. Man setze zunächst das Pferd zum Spanischen Schritt in Gang und wenn man dann einige Tritte gemacht hat, muss man in dem Moment den Sporn kräftiger fühlen lassen, in welchem das Pferd sein Vorderbein erhebt.

Ich habe nie ein Pferd besessen, welches lange gezögert hätte, diese Gangart anzunehmen. Ich begnüge mich aber auch zu Anfang jeder neuen Arbeit mit wenigem. Nehmen wir z. B. an, dass ich in dem Augenblick, da das rechte Bein sich streckt, mit dem Sporn von links nachdrücklich eingreife, so macht das Pferd einen kleinen Sprung nach vorwärts. Das wäre das erste Tempo. Ich begnüge mich damit, liebkose mein Pferd und fange wieder von vorn an.

Bin ich zum ersten Tempo vorgedrungen, so verlange ich nicht etwa deren zwei, sondern nun wieder von dem linken Vorderbein das, was ich vorher vom rechten machen liess. Habe ich von meinem Pferde einen einzigen Trabtritt auf jedem Bein erreicht, so verlange ich alsdann von ihm deren zwei, aber nur dann, wenn jedes einzelne Tempo tadellos in Bezug

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auf Länge und Höhe war und mit Leichtigkeit ausgeführt wurde.

Sollte ein Bein weniger flink als das andere sein, was fast immer geschieht, so bearbeite ich einzig und allein dieses. Es ist dies das beste Mittel, dem Gedächtnis des Pferdes zu Hilfe zu kommen und ihm vermittels der Sporen begreiflich zu machen, dass es dieses Bein zu nachlässig gebraucht.

Ist die Beintätigkeit in Übereinstimmung gebracht, dann ziehe ich beide Tempos in eins zusammen; erst dann verlange ich vier, aber nicht mehr während längerer Zeit, und dieses auch dann nicht einmal, wenn das Pferd aus sich selbst versuchen sollte, mehr zu machen.

Es ist viel besser, sich mit vier gut durchgeführten Tempos zu begnügen, als eine grössere Anzahl schlechter zu erzielen.

Im Spanischen Trab muss das Pferd eine grosse Energie entwickeln.[1] Deshalb darf man nicht zuviel


  1. Siehe Tafel XXIV, Figur 1. „Markir“ (Vollblut von Cyrus, anglo-arabisch Vollblut, aus der Thérésine, Vollblut) im Spanischen Trab, rechte Diagonale in der Luft, vollständig in die Hand gestellt, Kopf vor der Senkrechten, losgelassene Kinnladen. Auf derselben Tafel, Figur 2. „Germinal“ im Spanischen Trab, linke Diagonale in der Luft, weniger in die Hand gestellt. Niemals würde die Peitsche eine Beinstreckung wie diese auf den beiden Photographien dargestellten hervorbringen können. Das ist einzig und allein das Verdienst des Sporns.

    Man wolle bemerken, wie in beiden Fällen das in der Luft befindliche Sprunggelenk im Begriff steht, sich unter den Schwerpunkt zu schieben. Darin liegt das ganze Geheimnis für die Aufrichtung der Vorhand. Hier sieht man das gute Gleichgewicht in der ganzen Kraft des Schwunges. Der Kraftaufwand, wie er sich in Figur 1 darstellt, ist so gross, dass die Fesselköpfe fast die Erde berühren. ↩︎

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verlangen; denn wollte man in wenig Zeit zwanzig oder dreissig Tempos erzielen, so kann man sicher sein, dass die letzten nicht so vorzüglich ausfallen würden, als die ersten. Die Folge davon würde sein, dass das Pferd die üble Gewohnheit annähme, seine Vorderbeine nicht mit der sonstigen Energie zu strecken.

Wenn man sich aber im Gegenteil mit wenigem begnügt, so kann man auch mehr Energie fordern.

Man muss abwarten, bis das Pferd den Spanischen Trab ohne jede Anstrengung vollführen kann, bevor man von ihm verlangt, denselben längere Zeit hindurch auszuführen. Wenn dem Pferde diese Gangart geläufig geworden ist, wird es dabei auch keinerlei Ermattung verspüren und man kann sie zwei- oder dreimal in der Bahn herum fordern. Darüber gehe man aber nie hinaus.

Ich habe schon erwähnt, dass man dem Pferde während der Dressur zu keiner Bewegung den ersten Anstoss einräumen darf. Erlaubt man ihm das, so würde es bald Missbrauch damit treiben und die Aufforderung dazu nicht erst abwarten. Es würde geläufig das ausführen, was ihm leicht fällt oder Spass macht, aber nicht das, was dem Reiter zu tun gefällt.

Angenommen der Reiter verlangt Beinwechsel im Galopp, so wird das Pferd sehr oft dessen Hilfen zuvorkommen. Liesse man das geschehen, so erreichte man einen regelrechten Galoppwechsel niemals, weil das Pferd es ganz nach seinem Belieben einrichtete, ohne dass es dem Reiter möglich würde, verbessernd einzugreifen.

Wenn das Pferd zu einer bereits erlernten Bewegung die Initiative ergreifen sollte, so muss man es strafen, aber wohlverstanden, nur gelinde strafen. Zü-

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Tafel XXIV Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXIV

Fig. 1

Fig. 2

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gelte man diese Initiative nicht, so würde das Pferd nicht säumen, sie zu missbrauchen, und die Autorität des Reiters wäre verloren. Ich betone, dass die Strafe in diesem Falle niemals sehr hart sein darf, weil doch das Pferd, indem es zu der erlernten Bewegung die Initiative ergriff, den Beweis seines guten Willens gibt. Nichtsdestoweniger darf man, ich wiederhole es, derartiges dulden. Jedesmal, wenn das Pferd aus sich selbst heraus eine Bewegung ausführt, muss man es in diejenige Stellung zurückbringen, die es vorher inne hatte, und es darin lassen, bis es freiwillig darin verharrt, ohne ein Herausgehen zu versuchen.

Ich habe oft Pferde gesehen, welche sich des Spanischen Schrittes als Verteidigungsmittel bedienten. Auf alles, was man von ihm verlangte, erwiderten sie alsbald mit Ausstrecken des einen oder des anderen Vorderbeines auf der Stelle. Das kommt davon, wenn man ihnen diese Kunstfertigkeiten zu früh beigebracht hat. Erst muss man dahin kommen, dass das Pferd eine grosse Durchlässigkeit gewinnt und in allen natürlichen Gängen von einem tadellosen Gehorsam beseelt ist.

Junge Reiter wollen gewöhnlich zu schnell vorgehen, sie freuen sich schon, das Pferd die Beine ausstrecken zu sehen, und sobald es dies tut — selbst aus eigenem Antrieb — beloben sie es und wundern sich dann später, wenn sie ganz etwas anderes verlangen, dass sie nicht damit durchdringen.

Es ist sehr erklärlich, dass das Pferd sich des Spanischen Schrittes als Verteidigungsmittel bedient, wenn die weiter vorgeschrittene Dressur lückenhaft gewesen ist. Fordert man doch gerade bei der An-

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leitung zu dieser Bewegung vom Pferde den Spornstich anzunehmen, ohne von der Stelle zu gehen. Darin liegt die Gefahr für die ganze Dressur; denn wenn das Pferd nicht gleich zuerst daran gewöhnt wurde, auf die Spornhilfen frei vorwärts zu gehen, so wird es nun ein Bein ausstrecken oder sich auf den Sporn zusammenziehen. Bevor man also das Pferd anleitet, den Sporn anzunehmen, ohne sich von der Stelle zu rühren, muss man immer zuerst sicher sein, dass es auf den Sporn vorwärts geht, wenn man dies will. Es kommt übrigens oft vor, und zwar aus Schlaffheit, dass das Pferd sich einer erlernten und ihm geläufigen anderen Übung zur Verteidigung bedient; es wird sich aber nie einer solchen bedienen, die viel Energie erfordert. Man muss das Pferd also, wie schon gesagt, selbstverständlich in die ursprüngliche Stellung zurücknehmen und verhindern, dass es unaufgefordert aus dieser heraustritt.[1]


  1. Wenn aber ein Pferd, welches eine Übung oft und schnell gut ausführt, sich eines guten Tages plötzlich in den Kopf setzt, nicht mehr gehorchen zu wollen, so muss man sehr energisch vorgehen und muss es mit allen erdenklichen Mitteln zum Gehorsam zurückführen. Ich empfehle sogar, niemals nachzugeben, denn sonst würde das Pferd schnell lernen, dass es sich nur zu sträuben brauche, um Herr über den Reiter zu werden und als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehen. Nichtsdestoweniger soll der Reiter immer seine Kaltblütigkeit bewahren, niemals heftig werden oder diesem Gefühl doch nur so weit nachgeben, als gerade nötig ist, um die Energie zu bewahren und um die Gefahren des Kampfes zu überwinden. Durch diesen Fehler entwöhnt sich selbst ein schon dressiertes Pferd, und verliert an Wert, wenn es nicht in Zucht gehalten wird. Der geringste Fehler, den man ihm heute durchlässt, verschlimmert sich schon morgen, wird zur fehlerhaften Angewohnheit und kann später nur um den Preis energischen Kampfes beseitigt werden. Ein dressiertes Pferd ist keine Maschine, ↩︎

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Mehr noch; das Pferd soll sich während der ganzen Dauer der Unterrichtsstunde so ausschliesslich mit seinem Reiter beschäftigen, dass es alles andere um sich her unbeachtet lässt. Desgleichen muss aber auch der Reiter alle Nebendinge, welche sich nicht auf das Pferd beziehen, aus seinen Gedanken verbannen.

Der Mensch muss sich des ganzen Tieres bemächtigen und es so aufmerksam auf seine Anforderungen erhalten, dass es an gar keine anderen Dinge denken kann, als an die, welche man gerade von ihm verlangt. Was mich betrifft, so bemächtige ich mich des Pferdes derartig, dass es sich nur mit dem einen Gedanken trägt: „Was wird er denn nun von dir verlangen?“

Es gibt gewisse Autoren, welche sagen: „Das kostet so und so viel Zeit, um das, und so und so viel, um jenes zu erreichen; nach Verlauf von so viel Unterrichtsstunden muss man schon das oder das erzielen können“ und dergleichen mehr. Das ist ein grober Irrtum. Man weiss niemals im voraus, wie viel Zeit man wird anwenden müssen, um dahin zu gelangen, diese oder jene Arbeit tadellos ausführen zu lassen.

Es gibt Pferde, welche die oder die Biegsamkeit, diese oder jene Bewegung sehr viel schneller lernen, als andere, welche das sehr viel schwerer erfassen. Und umgekehrt, erstere zeigen sich oft widerspenstig, wenn es sich darum handelt, Bewegungen zu erlernen, welche letztere sofort begreifen. Daraus ergibt sich,

die man nur in Gang zu setzen braucht, es ist vielmehr ein lebendes Wesen, welches sich unaufhörlich den Hilfen des Reiters zu entziehen sucht, und welches man deshalb ununterbrochen mit allen Korrektionsmitteln im Gehorsam erhalten muss.

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dass man die besonderen Fähigkeiten jedes Pferdes berücksichtigen und sich dadurch nicht entmutigen lassen soll, dass man in dem hier angegebenen Zeitabschnitt kein nennenswertes Resultat erzielt. Gegen diese Mutlosigkeit kämpfe ich besonders an.

So habe ich unter anderen solche Pferde besessen, welche den Spanischen Tritt in acht Tagen erlernten, während es mich drei Monate Arbeit und Anstrengung kostete, ihn anderen beizubringen, obgleich ich mich in beiden Fällen ganz gleichmässig benahm.

Mit einzelnen Pferden, welche leicht und wohlgebaut waren, habe ich zum Beispiel das Wechseln im Galopp fast sofort erreicht, während ich bei der grösseren Mehrzahl, um sie dies ordnungsmässig ausführen zu lassen, sechs Monate brauchte. So ist es mit allem in der Reitkunst.

IX. Renvers-Galopp.[1]

Ich habe die halben Volten im Galopp schon gelegentlich der Besprechung der einfachen Reitkunst behandelt, weil sie schon beim Spazierenreiten und bei dem mehr oder weniger korrekt ausgeführten Galopp auf zwei Hufschlägen nötig werden können, um sich selbst im Galopp zu rangieren. Ich lasse mich jetzt über die Übungen des Galopps in der hohen Schule aus.

Sobald das Pferd die halben Volten im Galopp richtig ausführt, suche ich zu der Renvers-Arbeit mit


  1. Fillis bezeichnet diesen Galopp auf zwei Hufschlägen fälschlich mit „Schulterhereingalopp“ (Epaule en dedans au galop). Siehe Seite 169 und 339. Der Übersetzer. ↩︎

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Tafel XXV Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXV

Fig. 1

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der Vorhand von der Bande abzukommen, bleibe dabei aber immer im Galopp. Hierzu ist das Pferd übrigens durch die Arbeit auf zwei Hufschlägen im Schultritt und noch mehr durch die halben Volten im Galopp vortrefflich vorbereitet.

Ich befinde mich auf der rechten Hand im Linksgalopp und lasse einige Galoppsprünge geradeaus machen, darauf nehme ich meine Hände nach rechts um die Vorhand ein wenig, etwa einen Meter, von der Bande abzubringen. Gleichzeitig tritt mein rechter Schenkel aufs kräftigste in Wirkung, um die Hinterhand von rechts nach links zu bringen, während der linke Schenkel die Hinterhand, welche ihm vom rechten soeben zugeschickt wurde, in Empfang nimmt und den Schwung zur Hand weitergibt. Es ist tatsächlich der linke Schenkel, welcher das Pferd vortreibt und es so verhindert, hinter den Zügel zu kriechen. Auch ist es wiederum der linke Schenkel, der die Gangart regelt und verhindert, dass das Pferd nach links ausweicht; denn wenn die schnell ausgeführte Seitwärtsbewegung, sei es im Schritt, Trab oder Galopp, durch nichts aufgehalten würde, so nähme zum Nachteil das Pferd selbst die Regelung dieser Gangart in die Hand und ginge noch mehr seitwärts, um der Versammlung zu entgehen, d. h. es würde nicht mehr auf zwei Hufschlägen gehen. Der Reiter muss deshalb die Schenkel stets in Bereitschaft haben, damit er das Tempo in allen Gangarten bestimmen und die Bewegung regeln kann; ferner um das Pferd in der Hand zu behalten und es fortwährend zum Vorwärtsgehen nötigen zu können.[1]


  1. Siehe die Abbildungen auf Tafel XXV und XXVI. Tafel XXV, Figur 1. „Germinal“ im Renvers-Galopp, von ↩︎

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Ich sagte, dass ich, um die Vorhand von der Bande abzustellen, die Hände nach rechts brächte; es ist jedoch nur der Druck des linken Zügels am Pferdehalse, welcher die Schultern nach rechts hereinschiebt. Kaum dass diese aber die Bande verlassen haben, muss schon der Druck des linken Zügels von links nach rechts sofort aufhören, oder man liefe Gefahr, die Vorhand dadurch zu verhalten. Man muss also sogleich wieder die Hände nach links nehmen, wobei der linke Zügel direkt nach dieser Seite zieht, und der rechte seinerseits einen schiebenden Druck auf den Hals ausübt, um die Vorhand wieder von rechts nach links zu treiben. Das ist also eine Wirkung der linken Diagonale. Indem der linke Zügel die Vorhand ganz

rechts nach links gehend. Dies ist das zweite Tempo des Galopps. Die rechte Diagonale ist im Stütz, das rechte Sprunggelenk ist im Begriff, sich abzuschwingen, und das linke Vorderbein hat noch nicht aufgefusst.

Dieselbe Tafel, Figur 2. „Germinal“ im Renvers-Galopp, von links nach rechts gehend. Die linke Diagonale ruht.

Tafel XXVI. „Germinal“ im Renvers-Galopp, von links nach rechts in vollständiger Versammlung gehend. Man wird bemerken, dass das Pferd natürlich nicht so viel Terrain gewinnt. Man wird besonders auch bemerken, dass der versammelte Galopp vier Tempos markiert: Linkes Hinterbein, rechtes Hinterbein, linkes Vorderbein, rechtes Vorderbein.

In Tafel XXVI wird das rechte Hinterbein nach dem linken Hinterbein zur Erde gebracht und das linke Vorderbein, welches mit dem rechten Hinterbein gleichzeitig den Boden berühren müsste, um die linke Diagonale in der Stütze zu bilden, hat noch nicht aufgefusst. Der Galopp hat also vier Tempos. Es ist zu beachten, dass es scheinbar einen Moment gibt, in dem das rechte Hinterbein und das linke Vorderbein, welche zusammen die linke Diagonale abgeben, gleichzeitig im Stützen sind; aber trotzdem werden vier Tempos gebildet, weil das rechte Hinterbein um ganz wenig dem Auffussen des linken Vorderbeines vorausgeht.

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Tafel XXVI

Tafel XXVI

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leicht nach links[1] zieht, verhindert er die Hinterhand der Vorhand zuvorzukommen. Bei den Seitengängen und besonders bei den halben Volten ist die Hinterhand immer geneigt, der Vorhand zuvorzukommen und das ist ein Fehler, den man aufs sorgfältigste zurückdrängen muss; denn in dem Augenblick, in dem die Hinterhand der Vorhand auf der schrägen Linie vorauskommt, ist das Pferd schon hinter dem Zügel.

Nun lasse ich dieselbe Renvers-Arbeit im Galopp von links nach rechts folgen.

Vom „Traversgalopp“ (Epaule au mur au galop) spreche ich hier gar nicht; denn ich halte diese Arbeit für eine schlechte Übung. Wird das Pferd doch ohnehin schon durch die Bande geleitet, so dass es der Reiter gar nicht mehr zu dirigieren braucht.

X. Wendung auf der Hinterhand im Galopp. Pirouetten.

Bei der Pirouette im Galopp sollen die Hinterbeine des Pferdes den Galopp sozusagen auf der Stelle ausführen, indem sie sich fast auf ein und dem-


  1. Längere Zeit habe auch ich, wie alle Reiter seit Bauchers Erscheinen den Pferdehals nach der Seite hin gebogen, wohin das Pferd tritt. Ich habe eingesehen, dass dies ein Fehler war, denn nichts ist geeigneter, den Schwung aufzuheben. Ich beschränke mich darauf, nur den Kopf des Pferdes ganz wenig nach derjenigen Seite zu stellen, wohin es tritt, und gestatte dem Halse eine nur ganz geringe Biegung. Der auswendige Zügel kann also, um die Vorhand vorzutreiben, seine volle Wirkung ausüben und kann das Pferd auf gerader Linie halten und in Verbindung mit dem anderen Zügel und Schenkel das Maximum des Schwunges sichern. ↩︎

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selben Platz heben und senken und dabei drehen, so dass die Hanken mit den Schultern, welche einen Zirkel um den Mittelpunkt beschreiben, in gerader Richtung bleiben. Niemals darf das Pferd, wie es wohl andere Autoren verlangen, auf einer seiner hinteren Gliedmassen längere Zeit ruhen, denn in diesem Falle würde es kein Galopp mehr sein.

Bevor man die Pirouetten im Galopp verlangt, muss man sie im Schritt lehren, wobei das Pferd sehr versammelt werden muss.

Dazu stelle ich mein Pferd mitten in die Bahn. Wenn ich pirouettieren will, so dass sich die Vorhand um die Hinterhand von links nach rechts dreht, bringe ich die Zügel nach rechts; während der rechte Zügel den Kopf nach rechts zieht, schiebt der linke Zügel Hals und Schultern gleichermassen nach rechts, beide Schenkel halten gut gegen; der linke Schenkel liegt etwas weiter nach hinten, um die Hinterhand festzuhalten und um das Ausfallen derselben zu verhüten, während der rechte Schenkel das Pferd auf die Hand treibt, um das Zurückkriechen zu verhindern. Diese Arbeit erfordert viel feines Gefühl und eine leichte Hand. Wenn die Hände von links nach rechts mit Gewalt wirken wollten, so entstünde ein Herumreissen der Vorhand, wenn sie aber mit Gewalt von vorn nach hinten wirkte, so würde dies zum Zurückweichen führen.

Wenn das Pferd diese Arbeit verstanden hat und sie mit Leichtigkeit im Schritt ausführt, so setze ich es auf einem etwas grösseren Kreise in Galopp und verkleinere dann diesen nach und nach, nicht etwa von vorn nach hinten, sondern indem ich mit der Vor-

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hand nach seitwärts Boden zu gewinnen suche. Mit den Schenkeln wirke ich vermehrt ein, um den Gang aufrechtzuerhalten. Die Hinterbeine müssen den Galopp sozusagen auf der Stelle vollbringen, indem sie fast auf derselben Stelle dazu gehoben und wieder niedergesetzt werden; aber das Pferd darf sich, wie gesagt, im Drehen niemals auf einer seiner hinteren Gliedmassen längere Zeit stützen. Das Pirouettieren soll so langsam als möglich ausgeführt werden. Die grosse Schwierigkeit besteht eben darin, einen sehr langsamen Galopp zu erzielen, der nicht abstirbt. Zum Pirouettieren von rechts nach links bediene ich mich derselben Hilfen im umgekehrten Verhältnis.

Man kann auch im Galopp pirouettieren, indem sich die Hinterhand um die Vorhand dreht. Das ist eine ausgezeichnete Übung im Schritt, sie aber im Galopp auszuführen, lehre ich meine Pferde niemals; denn die grosse Schwierigkeit bei jeder Arbeit liegt doch gerade darin, die Schultern in der Vorwärtsbewegung zu belassen. Bei dieser Art des Pirouettierens lehrt man aber das Pferd das Gegenteil, d. h. die Schultern auf der Stelle zu belassen, was ich in der Reitkunst für ein Unding halte. Ausserdem ist diese Bewegung geschmacklos; denn die Vorderbeine, welche kein Terrain gewinnen können, bleiben steif, indem sie auf dem Platz hin und her treten.

Dagegen sind die Travers- und Renvers-Volten im Galopp als schön und nützlich zu bezeichnen. Man erzielt sie mit denselben Hilfen, welche man zum Pirouettieren anwendet, nur lässt man das Pferd, anstatt es auf der Stelle herumtreten zu lassen, einen etwas grösseren Zirkel beschreiben. Wenn man eine Volte anfängt, ist es schwer, den Durchmesser des zu

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beschreibenden Zirkels im voraus zu bestimmen, und dennoch ist dies für den Reiter das einzige Mittel, um zu wissen, ob sein Pferd alles richtig macht. Um sich hiervon zu überzeugen, lege man inmitten der Reitbahn einen Zirkel an. Folgt das Pferd dieser Zirkellinie genau, so ist es in guter Haltung und auch im Gleichgewicht bei vollem Schwünge.

Wenn das Pferd im Galopp alle diese soeben beschriebenen Übungen regelrecht ausführt, so kann man ihm auch alle nur denkbaren anderen Bewegungen im Galopp abverlangen. Ist es durch alle diese vorausgegangenen Übungen geschmeidig und gehorsam gemacht, so wird sich das Pferd niemals weigern, die Anforderungen des Reiters auszuführen, vorausgesetzt, dass dieser geduldig bleibt und bestrebt ist, sich ihm verständlich zu machen.

XI. Das Wechseln im Galopp nach Tempos.

Bei Besprechung des Promenadengalopps haben wir den Galoppwechsel von aussen nach innen und auf gerader Linie behandelt. Nun wollen wir vom Wechseln im Schulgalopp sprechen.

Erst wenn der Galoppwechsel von aussen nach innen dem Pferde sehr leicht wird, verlange ich von ihm das Wechseln von innen nach aussen. Ich bringe hierbei natürlich ein und dasselbe Verfahren in Anwendung. Dieses aber schon anfangs in den Ecken auszuführen, muss man sorgfältig vermeiden, da die äussere Seite des Pferdes während der Wendung den grösseren Weg zu machen hat, und weil dies wiederum eine viel energischere Einwirkung des gegenüberlie-

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genden[1] Schenkels erfordert, um zu verhüten, dass das Pferd sich schief stellt und dass das ganze Körpergewicht nach vorwärts auf die Hand geworfen wird. Man soll erst dann das Wechseln von innen nach aussen in den Ecken der Reitbahn verlangen, wenn man es auf gerader Linie[2] mit sehr grosser Leichtigkeit erzielt hat.

Ich verlange niemals Travers-Galopp[3] bevor ich nicht das Wechseln in der Luft, d. h. ohne Anhalten, erzielt habe; denn wenn man das Wechseln von aussen nach innen verlangt, wird das Pferd fast immer seine Hinterhand ebenso nach innen werfen, wie beim Travers, weil die Hilfen dieselben sind. Nähme nämlich der innere Schenkel den ihm vom äusseren Schenkel zugeschickten Fusswechsel nicht sofort auf, so würde das Pferd sich notgedrungen schiefstellen. Unter diesen Umständen würde das Wechseln niemals gut geregelt, und auch nicht gut ausgeführt werden. Da man aber


  1. Unter „gegenüberliegendem“ Schenkel verstehe ich den, welcher demjenigen gegenüberliegt, der den Galoppwechsel bewirkt.

    Bin ich z. B. auf der rechten Hand im Rechtsgalopp, dann lasse ich den rechten Schenkel wirken, um zu wechseln, und den linken Schenkel, um das Pferd gerade zu halten; würde ich das Pferd mit dem linken Schenkel nicht in Empfang nehmen, so würde die Hinterhand unvermeidlich gegen die Bande hin ausweichen. ↩︎

  2. Es bleibt immer sehr schwer, in der Wendung einen tadellosen Galoppwechsel auszuführen. ↩︎

  3. Ich habe schon weiter oben auseinandergesetzt, dass ich den Travers (epaule au mur) niemals an der Bande ausführe, damit das Pferd nicht durch diese geleitet wird. Ich bediene mich des Ausdrucks „epaule au mur“, weil er gebräuchlich ist; da ich diese Arbeit aber weit ab von der Bande in den Volten ausführe, würde es richtiger sein, sie „epaule en dehors" (Schulterheraus) zu nennen. ↩︎

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immer zwei oder drei Galoppsprünge nötig hat, um das Pferd wieder gerade zu stellen, so wäre das Wechseln mit kurzen Zwischenpausen zunächst ganz unmöglich.

Nach aussen hin ist das Übel weniger gross, denn die Bande verhindert, dass die Hinterhand zu viel nach dorthin ausweicht.

Erst wenn das Wechseln auf beiden Beinen auf der rechten und linken Hand und besonders in den Ecken der Reitbahn gleichmässig korrekt ausgeführt wird, beginne ich damit, es in bestimmten Zwischenräumen ausführen zu lassen, was unmöglich zu erreichen ist, wenn man sich vorher nicht versichert hat, dass das Pferd jedesmal auch wirklich wechselt, sobald man es dazu auffordert.

Zunächst begnüge ich mich damit, vom Pferde nach je acht bis zehn Galoppsprüngen einen einmaligen Wechsel auf jedem Beine zu erreichen. Sollte das Pferd sich dabei erregen, so muss man anhalten und dann wieder angaloppieren.

Um mit seinem Pferde in Übereinstimmung zu sein, muss man die Galoppsprünge zählen; bin ich z. B. auf der rechten Hand im Rechtsgalopp, so zähle ich: ein! zwei! drei! vier; fünf! sechs! Jede Zahl bezeichnet einen Galoppsprung. Beim sechsten wechsele ich und lasse dieselbe Übung im Linksgalopp ausführen. Wenn das Pferd diese beiden Galoppwechsel gut gemacht hat, halte ich an und liebkose es. Dann beginne ich aufs neue, verlange aber nur einen einzigen Wechsel auf jedem Bein.

Nach Verlauf einiger Tage, wenn ich fühle, dass das Pferd diese Arbeit willig vollführt, verlange ich vier- bis sechsmal den Fusswechsel immer beim sechsten Sprung. Solange das Pferd diese Arbeit mit

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Ruhe hinnimmt, verlange ich denselben Wechsel nach und nach in grösserer Anzahl bei jedem sechsten Galoppsprung. Es ist selbstverständlich, dass dies nicht im Übermass geschehen darf.

Sollte sich das Pferd dabei erregen, so halte ich an, lobe es aber nicht, denn sonst könnte es glauben, dass ich es zu dieser Erregung ermuntern wolle. Ich reite Schritt, stelle mir das Pferd in die Hand, fange dann von vorn an und beendige die Übung nicht früher, als bis die Galoppwechsel in aller Ruhe ausgeführt werden.

Die Klippe, an der die Galoppwechsel oft leicht scheitern, liegt einzig und allein in den vorbereitenden Hilfen, welche von den Reitern zur Erreichung des Zweckes für gewöhnlich gegeben werden. Ich spreche wohlverstanden nicht von der Gesamtvorbereitung des Pferdes, welche natürlich unerlässlich ist, sondern einfach von der speziell vorbereitenden Hilfe des Reiters, die er kurz vor dem Moment gibt, in welchem er den Wechsel ausführen will. Es ist äusserst wichtig, dass er während derjenigen Galoppsprünge, bei welchen das Pferd nicht wechseln soll, recht still sitzt. So darf er während der ersten fünf Galoppsprünge nicht die leiseste Bewegung machen. Erst zum sechsten Galoppsprung darf er seine Hilfen ändern, dann aber auf einmal und mit grosser Entschiedenheit. Wenn man schon beim vierten oder fünften Tempo das Wechseln vorbereiten wollte, würde man sicherlich einen falschen Weg einschlagen; denn das für die Reiterhilfen schon sehr empfindliche und auf die Aufforderungen sehr aufmerksame Pferd würde durch die Einwirkung der vorbereitenden Hilfen verwirrt werden; rührt man die Zügel, so ist es die Vorhand, bewegt

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man die Schenkel, so ist es die Hinterhand, die sich verändert. Weil aber keine Übereinstimmung zwischen den Hilfen herrscht, wird das Pferd den Galoppwechsel nicht ausführen können.

Oft misst man dem Pferde, welches verwirrt wird, die Schuld bei. Man tut unrecht daran; denn es ist fast immer der Reiter, der es dazu veranlasst, weil er sich bis zu dem entscheidenden Augenblick nicht ruhig verhält.

Es kommt auch vor, dass das Pferd, im Glauben es recht gut zu machen, die Aufforderung des Reiters nicht erst abwartet. Es kommt unserem Wunsche oder dem, was es für unsern Wunsch hält, zuvor, deshalb kann man eigentlich dem Reiter nicht genug einschärfen, während der ersten fünf Galoppsprünge in absoluter Ruhe zu verharren.

Sobald den Pferden das Wechseln leicht fällt, führen sie es häufig selbständig aus, ohne hierzu auch nur im geringsten aufgefordert zu sein.

In diesem Falle muss man das Pferd strafen, denn wenn man ihm erlaubt, aus eigenem Antrieb eine Bewegung zu machen, welche man nicht von ihm gefordert hat, so kann man keine Regelmässigkeit der Galoppwechsel erzielen.

Wenn ich sage, man müsse strafen, so meine ich damit, dass man den Fehler zurückdrängen soll. Angenommen, das Pferd wäre im Rechtsgalopp und wechselte früher, als man verlangt, so muss man einfach mit dem linken Sporn kräftiger als gewöhnlich eingreifen, um es zu veranlassen, im Rechtsgalopp zu bleiben. Dasselbe würde man natürlich mit dem rechten Sporn machen, wenn das Pferd aus dem Linksgalopp unaufgefordert nach rechts gewechselt hätte.

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Ist der Fehler in der von mir angedeuteten Weise ausgeglichen, so verlange man den Galoppwechsel in der Luft nicht so bald wieder und nicht in derselben Unterrichtsstunde; das könnte in der Auffassung des Pferdes zum Irrtum führen. Vielmehr lasse man das Pferd zwar anspringen, bleibe aber längere Zeit auf demselben Fuss.

Hat man denselben Fehler mehrere Male unterdrückt, und das Tier jedesmal dafür belobt, dass es nur aufgefordert wechselt, so wird es schnell verstehen lernen, dass es unaufgefordert nichts tun darf. Aber ich wiederhole es, man nehme nur dann den Wechsel vor, wenn man vorher nicht gezwungen war, zu strafen. Es ist besser, zum Zweck der Beseitigung des Fehlers mehrere Unterrichtsstunden zu opfern. Das Pferd lernt besser verstehen, wird ruhiger und wird um so schnellere Fortschritte machen.

Erst wenn das Pferd gut versteht, dass es meine Aufforderung abzuwarten hat, lasse ich es in kürzeren Zwischenräumen wechseln. Anstatt mit dem sechsten Sprung wechsele ich schon mit dem vierten, indem ich immer wieder dieselben Hilfen anwende. Das erste Mal begnüge ich mich, wenn das Pferd dies auf jedem Bein einmal richtig macht; dann verlange ich es in den folgenden Tagen nach und nach öfter.

Man wolle bemerken, dass die Kraftaufwendung des Pferdes in dam Masse zunimmt, als die Zeiträume zwischen den einzelnen Wechselungen abnehmen. Dies kann zur Folge haben, dass das Pferd in Aufregung und Verwirrung gebracht wird; in diesem Falle muss man es anhalten, einige Zeit Schritt gehen lassen, aber nicht beloben. Man wird dann wieder mit dem Anspringen auf jedem Bein an-

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fangen, sich das Pferd dabei in die Hand stellen müssen, und den Unterricht erst dann wieder aufnehmen dürfen, wenn das Pferd ganz ruhig geworden ist.

Jedesmal, wenn ich bei den Galoppwechseln auf Schwierigkeiten stosse, kehre ich zu dem einfachen Anspringen zurück und ziehe daraus Vorteil. Diese Übungen im Anspringen sind für das Pferd das, was die Tonleiter für den Pianisten oder was für den Tänzer das Pendeln mit den Beinen ist.

Von den vier Tempos gehe ich zu dreien über, dann zu zweien und schliesslich zu einem Tempo, wobei die Galoppsprünge von einem zum andern Bein ununterbrochen nacheinander folgen. Ich lasse übrigens eine ziemlich lange Zeit zwischen meinen einzelnen Anforderungen, vom vierten zum dritten, vom dritten zum zweiten oder vom zweiten zu einem einzigen Tempo verstreichen.

Wenn man zu schnell vorgehen wollte, käme man zu nichts. Das Pferd wird sich leicht irren, denn man macht es ihm unmöglich, den Unterschied zwischen den verlangten Wechselungen und den ververschiedenen Tempos zu verstehen. Nur das langsame Vorgehen in der Reitkunst leistet sichere Gewähr, schnell ans Ziel zu kommen. Das Pferd zeigt übrigens selbst den Moment an, zu welchem man, ohne sein Gleichgewicht, seine Kräfte und seine ungezwungene Haltung zu beeinträchtigen, die Zahl der Tempos vermindern kann.

Erst wenn das Pferd ruhig und ungezwungen ist, wenn es die Galoppwechsel mit Leichtigkeit so ausführt, dass ich sie in zwei Tempos, dann in einem einzigen Tempo während zwei- oder dreimaligen Her-

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umreitens in der Bahn, und zwar auf beiden Händen erziele, verlange ich dieselbe Arbeit in zwei Tempos auf der Volte und beim Handwechsel. Bin ich mit den erzielten Resultaten zufrieden, alsdann verlange ich auch bei denselben Bewegungen das Wechseln in einem Tempo.

Ein Reiter, der die Kunstfertigkeit erreicht hat, tadellose Galoppwechsel zu einem Tempo auf Volten und beim Wechseln der Hand auszuführen, kann mit sich selbst und mit seinem Pferde zufrieden sein; er hat die grössten Schwierigkeiten in der Reitkunst überwunden.

XII. Wechseln des Galopps auf der Stelle.

Um die Galoppwechsel auf der Stelle auszuführen, muss man sich wie beim Wechseln nach Tempos verhalten, mit dem einzigen Unterschiede, dass die Versammlung noch vollkommener sein muss.

Es könnte scheinen, als ob es hier einer grösseren Anspannung der Zügel und einer Herabminderung der Schenkeltätigkeit bedürfe, da doch die Gangart langsamer wird. Das ist ein Irrtum; denn dann würde die Hand die Sprunggelenke hinter den Schwerpunkt zurückwerfen. Man muss im Gegenteil mit beiden Schenkeln kräftig einwirken, um den Schwung aufrecht zu erhalten, ohne welchen das Pferd erlahmen würde, die Hand muss sich mit sehr grosser Nachgiebigkeit des Schwunges bemächtigen und muss diesen nach dem Schwerpunkt zurückschicken, welcher

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sich, wenn das Pferd gut im Gleichgewicht ist, immer in der Nähe der Schenkel des Reiters befindet.

Galoppwechsel, welche tatsächlich auf der Stelle ausgeführt werden, sind für das Auge kaum bemerkbar. Das hat einen sehr natürlichen Grund. Da das Pferd nach vorwärts kein Terrain gewinnt, ist das Aufheben und Niedersetzen der Vorderbeine wie der Hinterbeine wenig sichtbar; daraus ergibt sich, dass der Beschauer, um die Wechselungen mit dem Blick erfassen zu können, sich sehr dicht neben dem Pferde aufstellen muss.

Die Erfindung dieser schwierigen und verwickelten Übung verdanken wir Baucher. Er hat sie in der Vollendung mit „Turban“ ausgeführt, nicht mit „Partisan“, wie viele behaupten.

XIII. Piaffieren und Passagieren.

Die Passage ist ein kurzer, sehr versammelter Trab mit sehr hohen und von einer Diagonale zur anderen taktmässig geregelten Tritten. Das ist aber noch nicht alles. Um sagen zu können, das Pferd passagiert, ist noch erforderlich, dass die Vorderbeine mit Macht und doch bedächtig herausgebracht werden, einen Augenblick in der Luft schweben, und dass die Knie und das ganze Bein gekrümmt werden. Ebenso erheben sich die Hinterbeine, die Sprung- und Fesselgelenke treten gebogen unter den Schwerpunkt, kurz alle vier Beine sollen hoch und taktmässig derart erhoben werden, dass das Pferd bald in der einen, bald

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in der anderen Diagonale völlig in der Luft schwebt; die Bewegung soll so hoch und so langsam als möglich sein. Dieser Schulgang ist anmutig und prächtig; man nennt ihn „natürliche Passage“.[1]

Man muss übrigens wissen, dass es kein Pferd gibt, welches aus sich selbst passagiert. Die Passage wird nur durch Dressur erlernt. Gewisse Pferde haben grosse Anlage dazu, besonders diejenigen, welche bedächtigen Gang und hohe Knieaktion haben, d. h. die bei hohen Tritten die Vorderknie tüchtig biegen und bei sehr geschmeidigen Sprunggelenken auch mit den Hinterbeinen hoch treten.

Ein Pferd, welches mit steifen Beinen geht, ohne die Knie oder die Sprunggelenke zu biegen, ist zu dieser Gangart untauglich. Ich gehe nicht so weit, zu behaupten, dass man sie überhaupt von ihm nicht erreichen könnte; aber angenommen, man erreichte sie, so wäre dies fürs Auge dennoch wenig angenehm, denn das untere Ende der Beine würde fast auf der Erde nachschleppen und gäbe dem Pferde ein seifes Aussehen.


  1. Siehe die Abbildungen Tafel XXVII, Figur 2: „Germinal“ passagierend, rechte Diagonale in der Luft. Tafel XXVII, Figur 1: „Markir“ passagierend, linke Diagonale in der Luft. Auf beiden Figuren wird man die Höhe des Erhebens der Beine bemerken, die Vorderbeine treten höher als die Hinterbeine. Dieses Resultat ist nur durch die Arbeit mit den Schenkeln zu erreichen. Bei Pferden, welche hierzu an der Hand dressiert sind, findet das Gegenteil statt: die dem Pferde auf die Kruppe versetzte Peitsche bringt unvermeidlich ein Heben der Hinterhand hervor.

    In der Figur 1 bereitet die fast den Erdboden berührende Fessel den energischen Abstoss vor, welcher dem Tritt die Höhe gibt, während in Figur 2 die Vorwärtsbewegung sich mehr ausspricht. ↩︎

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Es ist ausserordentlich schwer, in einem Buche auseinanderzusetzen, wie man die „natürliche Passage“ erreicht.

Zunächst muss man das Pferd in Versammlung bringen, weil das Passagieren ohne diese nicht möglich ist. Die Versammlung allein genügt aber auch noch nicht; denn wäre das Pferd in einer noch so guten Versammlung, so bliebe doch noch übrig, dass es auch wirklich passagiert. Wenn das Pferd vollkommen in die Hand gestellt und versammelt ist, so muss man den Sporn gebrauchen, damit es die Beine so hebt, dass die Passage entsteht.

Nachdem ich mein Pferd im Schritt versammelt habe, fordere ich es zum Trab auf, indem ich mit den Schenkeln kräftig vorwärts treibe, während ich es gleichzeitig mit der Hand verhalte, um die Tritte zu verkürzen. Da das Pferd dann die Beine nicht lang ausstrecken kann, wird es sie alsbald erheben, wobei die Tritte an Höhe gewinnen, was sie an Länge einbüssen. Zugleich gelangt es mit Hilfe des Sporns dahin, von einer Diagonale zur anderen kleine, sprungartige Bewegungen zu machen. Das ist dann der Anfang zum Passagieren. Aber der taktmässige Tritt ist damit noch nicht erreicht; denn das Pferd erregt sich anfangs immer dabei, weil es noch nicht weiss, was ich von ihm will. Wenn man Widersetzlichkeiten vermeiden will, hüte man sich in den ersten Tagen wohl davor, diese Übungen zu lange auszudehnen.

Zuweilen gerät das Pferd in eine verzweifelte Stimmung, weil es sich beunruhigt, dass es angegriffen wird, ohne den Grund dazu einzusehen und weil ihm diese Arbeit ganz neu ist und auch aus Furcht vor

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Tafel XXVII Fig. 1 Fig. 2

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den immer bereiten Sporen.[1] Besteht man in diesem Moment auf seinem Willen, so tut man unrecht und wird wahrscheinlich nicht als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen, denn selbst das geduldigste Pferd entwickelt plötzlich wie närrisch geworden, eine ganz ausserordentliche Kraft und verteidigt sich mit einer unglaublichen Gewalt.

Man muss also immer viel Geduld bewahren und bei dem geringsten Erfolge sofort, d. h. beim ersten, spätestens beim zweiten Tempo mit den Hilfen aufhören, sein Pferd liebkosen, ihm Zeit geben, sich zu beruhigen, und dann erst wieder anfangen.

Der Reiter, welcher ein gutes Taktgefühl besitzt, hält schon beim ersten Tempo an und schmeichelt dem Pferde. Je weniger aber sein Taktgefühl entwickelt ist, desto weniger wird er imstande sein, zu erkennen, ob das Tempo taktmässig ist. In diesem Falle setzt er die Übung fort in dem Glauben, die Taktmässigkeit der Tritte zu fühlen, und beendet sie nicht früher, als bis das Pferd ganz entkräftet ist.

Dies zeigt, dass ein geschickter und sehr feinfühliger Reiter von seinem Pferde alles erreicht, ohne es tückisch zu machen und ohne ihm Schaden zuzufügen. Da er den geringsten Erfolg sofort merkt, unterbricht er die Arbeit sogleich, um seinem Pferde


  1. Es tritt im Verlauf der Dressur gewöhnlich ein Tag oder eine Periode von mehreren Tagen ein, wo das aufgeregte Pferd einen grossen Entschluss fasst und alles aufs Spiel setzt. Es greift zu den übermässigsten Verteidigungsmitteln. Wenn dann der Reiter mit viel Takt und Energie diesen letzten Widerstand überwunden hat, unterwirft sich das Pferd zwar, aber es ist trotzdem noch nicht genügend dressiert. ↩︎

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durch Liebkosungen zu zeigen, dass es seine Sache gut gemacht hat. Die ausserordentliche Schnelligkeit, mit welcher er die kleinsten Verschiedenheiten erfasst, lässt ihn vermeiden, dass er sein Pferd überanstrengt, es zurückschreckt, und dass er es zu Zwistigkeiten kommen lässt, in welchen sich beide schwächen.

Ein Reiter aber, welcher zu ungeschickt ist, die Verschiedenheiten zu bemerken, und nicht sogleich den im Entstehen begriffenen erhabenen Tritt fühlt, fährt leicht fort, den Sporn wirken zu lassen, um mehrere erhabene Tritte zu erzielen, und um sich zu vergewissern, dass er sich nicht geirrt hat. Das ist schon eine Strafe für das Pferd, aber das schlimmste ist, dass es sich, in Unkenntnis darüber, wofür es bestraft wird, verteidigt, sobald der Reiter seinen Angriff fortsetzt. Daraus ergibt sich dann bei der erneuten Anforderung zum Passagieren, dass das Pferd, im Glauben, die Quälerei nehme wieder ihren Anfang, von neuem sich verteidigt und schon aufgeregt wird, sobald die Schenkel sich nur nähern; und das tut es aus dem einzigen Grunde, weil es bestraft worden ist, ohne zu wissen, warum.

Es ist also wichtig, das geringste Anzeichen von gutem Willen zu erkennen, und auch zu verstehen, sich mit wenigem zu begnügen. Wenn das Pferd die Annäherung des Schenkels nicht mehr fürchtet, und wenn der Reiter nicht zu viel verlangt, so wird immer ein Moment kommen, wo es mit der grössten Leichtigkeit und selbst mit Vergnügen auf erhabene Tritte eingeht. Dann kann man mehr verlangen; denn da das Pferd nun begriffen hat, ist nicht mehr zu befürchten, dass seine Nerven überreizt werden.

Die ganze Arbeit auf zwei Hufschlägen kann man

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Tafel XXVIII Fig. 1 Fig. 2

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passagierend ausführen; es aber richtig zu machen ist schwierig.[1]

Es gibt noch eine andere Art Passage, die „künstliche“ genannt, welche folgerichtig nur aus dem Spanischen Schritt hervorgehen kann. Das ist eine Passage ohne Versammlung und deshalb der angewandten Reitkunst zuwider. Ich habe diese Art in meiner Jugend wohl unternommen, als ich noch nicht genug Takt besass, um zu der natürlichen Passage zu gelangen. Heutigen Tages lehre ich sie nie.[2]

Das „Piaffieren“ ist nichts anderes, als die natürliche Passage auf der Stelle ausgeführt. Es gibt


  1. Siehe die Abbildungen der Tafel XXVIII, Figur 1: „Markir“ in der Passage auf zwei Hufschlägen von links nach rechts. Diagonale links in der Luft. Die Stellung zeigt diejenige auf zwei Hufschlägen. Die Tätigkeit der Beine ist die der Passage.

    Tafel XXVIII, Figur 2: wieder „Markir“ in der Passage auf zwei Hufschlägen, von rechts nach links. Rechte Diagonale in der Luft. Hier in diesem Moment ist die Bewegung auf zwei Hufschlägen besonders erkennbar. Das linke Hinterbein, welches wenig Terrain gewinnt, erhält sich in der Schwebe. Das rechte Vorderbein lässt, nachdem es erhoben ist, wie das linke in Figur 1, seine Bewegung von links nach rechts erkennen und entfernt sich vom linken Vorderbein, um nach rechts hin Terrain zu gewinnen. ↩︎

  2. Ich könnte eine dementsprechende Untersuchung noch bei einer gewissen Anzahl künstlicher Schulgänge anstellen, auf welche ich, wenn es sich nur um ein für mich zu dressierendes Pferd handelt, schon seit recht langer Zeit Verzicht geleistet habe; nicht etwa, weil sie nicht in Übereinstimmung mit den Überlieferungen der höheren Reitkunst zu bringen wären, sondern weil ich sie nicht für kunstvoll genug halte. Dahin rechne ich: den Spanischen Schritt, das Pirouettieren auf drei Beinen, das gewöhnliche Pirouettieren mit Kreuzen der Beine, das Zurücktreten ohne Zügel, der Schaukeltritt der Vor- und Hinterhand. ↩︎

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zwei Arten des Piaffierens, die eine langsam mit hohen Tritten, welche schwer zu erzielen ist und welche nicht von allen Pferden ertragen wird; die andere, sehr beschleunigt und dicht auf der Erde, welche man bei fast allen Pferden erreichen kann.

Das hohe und langsame Piaffieren unterscheidet sich von der natürlichen Passage nur insofern, als es genau auf der Stelle auszuführen ist. Man gelangt dahin, indem man die Passage Schritt für Schritt verkürzt, bis sie sich auf der Stelle vollführt. Das Piaffieren erfordert also mehr Versammlung und folglich mehr Schenkel und grössere Geschicklichkeit der Hand.[1]

Hat man zur Erlernung des Piaffierens nicht die Passage zu seiner Verfügung gehabt, so kann das Piaffieren auch aus dem Schritt hervorgehen. Bei einem heftigen und ungeduldigen Pferde erreicht man das beschleunigte Piaffieren leicht, aber auch das wird niemals richtig sein, wenn es nicht nach allen Regeln der Reitkunst gelehrt ist.

Es genügt in der Tat nicht, dass das Pferd lebhaft und heftig sei, um es durch Anwendung von Peitsche, Schenkel und Zungenschlag zum Piaffieren zu veranlassen. Durch diese Kraftmittel wird man unzweifelhaft dahin gelangen, bei dem Pferde Ungeduld hervorzurufen, aber nicht dahin, es zu lehren, wie


  1. Siehe die Abbildung Tafel XXIX, Figur 1: „Markir“ piaffierend. Rechte Diagonale in der Luft.

    Tafel XXIX, Figur 2: „Markir“ piaffierend. Diagonale links in der Luft. Man bemerkt in beiden Figuren die Energie der Aktion an den hocherhobenen Vorderbeinen, welche immer höher als die Hinterbeine erhoben werden, im Gegensatz zu dem durch die Peitsche erlernten Piaffieren. ↩︎

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Tafel XXIX Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXIX

Fig. 1

Fig. 2

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es die Beine zur Erde setzen soll; und wenn es sie dennoch richtig hinsetzt, so kann man sicher sein, dass es aus reinem Zufall geschieht.

Die Hinterbeine werden fast gleichzeitig gehoben und niedergesetzt, was man aber doch nicht als eine korrekte Gangart bezeichnen kann.

Man muss das Pferd das Piaffieren in aller Ruhe lehren; nur wenn es beruhigt ist, kann es verstehen, was man von ihm verlangt.

Um das Piaffieren zu erzielen, muss man das Pferd in Versammlung bringen, indem man es mit beiden Schenkeln bis zum Sporn fest umfasst. Es ist schwierig, hier auseinanderzusetzen, genau in welchem Moment der Sporn eingreifen muss, um dem Schenkel Vorschub zu leisten; das ist offenbar eine Frage des Reitertaktes. In der Praxis ist das viel leichter zu lehren, denn man sieht dann, ob der Reiter sich des Sporns zu viel oder zu wenig bedient. Wie schon gesagt, muss der Sporn eingreifen, um das Pferd zum Nachgeben zu bestimmen, wenn die Schenkelhilfe als solche unzureichend erscheint. Ausserdem muss das Pferd notwendigerweise die Sporen fühlen, um in der Versammlung zu bleiben.[1] Endlich muss man das Pferd, um es piaffieren zu lassen, am


  1. Man hat oft darüber gestritten, ob der Sporn zur Hilfeleistung oder zur Strafe da sei; in Wirklichkeit ist er, wie schon gesagt, ganz nach Bedarf das eine, bald das andere. Während der Dressur soll er immer ein Hilfsmittel sein, und nur dann ein Strafmittel werden, wenn das Pferd sich offenkundig widersetzt. Man muss auch untersuchen, ob das Tier aus reiner Launenhaftigkeit oder zufolge der fehlerhaften Einwirkung des Reiters störrisch wurde; aber in allen Fällen erinnere man sich daran, dass die Engländer dem Sporn mit vielem Recht den Namen „Überreder“ beilegen. ↩︎

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Vorwärtsgehen hindern, und bediente man sich des Sporns nicht, so würde sich das Pferd unfehlbar nach rechts oder nach links mit Gewalt gegen den Schenkel werfen. Man soll die Schenkel gebrauchen, solange sie genügen, um das Pferd in der Gewalt zu behalten, aber nichtsdestoweniger muss der Sporn die Haare immer leicht berühren, um das Pferd in Gehorsam zu halten.

Um bis zum Piaffieren zu gelangen,[1] muss man kleine Spornstiche[2] in Anwendung bringen und sich anfangs, wie immer, mit zwei Tritten begnügen.

Ich berühre mein Pferd mit dem Sporn rechts und links, aber fast gleichzeitig.[3] Mein rechter Sporn holt sich das rechte Hinterbein unter den Schwerpunkt, wodurch das linke Vorderbein gezwungen wird, sich zu heben, während der linke Sporn genau in dem Augenblick, da der linke Diagonaltritt in der Luft ist, eine ähnliche Wirkung auf den rechten Diagonaltritt hervorbringt. Hiermit habe ich also meine beiden ersten Piaff-Tritte erzielt; aber beide müssen so nahe aneinandergerückt sein, dass sie sozusagen ein einziges Tempo bilden,[4] genau wie beim


  1. Das beschleunigte, wie das langsame Piaffieren erreicht man mit den nämlichen Hilfsmitteln. Ich halte mich nur an das langsame Piaffieren. ↩︎

  2. La Guérinière nannte dies sehr bezeichnend „das zarte Spornkneifen“. ↩︎

  3. Wenn ich mein Pferd ausschliesslich von einer Seite angreife, ohne es unmittelbar darauf mit dem entgegengesetzten Schenkel in Empfang zu nehmen, so erreiche ich nur, dass die Hinterhand zur Seite geworfen wird. ↩︎

  4. Wenn man die einzelnen Tempos in grösseren Zwischenräumen machen würde, so würde man, nach Art des Schaukeltritts abwechselnd einen Seitensprung der Hinterhand nach rechts einen nach links erhalten. ↩︎

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Fechten, wenn der Fechtmeister schnell hintereinander „eins, zwei!“ zählt.[1]

Es kommt oft vor, dass das Pferd bei den ersten beschleunigten Spornhilfen springt. Wenn es dabei vorwärts springt, so ist das nicht schlimm; das zeigt uns nur an, dass wir die Sporen zu nachdrücklich gebraucht haben. Man muss also vorsichtiger zu Werke gehen, wenn man wieder anfängt.

Wenn man die beiden ersten Tritte des Piaf-


  1. Aus dem, was ich gesagt habe, geht hervor, dass diese beiden ersten Piafftritte notwendigerweise sehr beschleunigt sind. Wenn man das Piaffieren anfängt, kann man nicht im voraus sagen, wie es sein wird. Gewöhnlich versucht das Pferd, es immer zu beschleunigen, infolge der Ungeduld, welche ihm die Spornattacken verursachen. — Ausserdem erfordert das beschleunigte Piaffieren, welches nicht so hoch ausgeführt zu werden braucht, geringere Anstrengung, als das Piaffieren mit hoher Aktion. Ist das Piaffieren — schlecht oder recht — erst einmal erreicht, so erübrigt nur noch, es zu regulieren, und dabei zeigt sich der Reitertakt. Die Schwierigkeit liegt darin, das beschleunigte Piaffieren zu vermeiden, oder vielmehr darin, dieses in ein langsames Piaffieren umzuwandeln, indem man höhere Aktion fordert, welche durch die Versammlung entsteht. Je vollkommener die Versammlung, desto höher wird die Aktion sein. Energische Schenkel, leichte Hand und besonders feiner Takt für das Zusammenwirken der Hilfen — damit erzielt man das langsame, erhabene Piaffieren. Beim beschleunigten Piaff bleiben die Beine des Pferdes, da sie sich nur wenig über den Erdboden erheben, fast steif. Bei dem erhabenen Piaff biegt sich das in der Luft befindliche Fußpaar stark und gewinnt dabei an Höhe, während die Fesseln des auftretenden diagonalen Fusspaares so durchgebogen sind, dass sie die Erde fast berühren (siehe Tafel XXIX, Figur 2), um nun ihrerseits die Körpermasse durch die nachfolgende Streckung in die Höhe zu schnellen. Geht man von der Passage zum Piaffieren über, indem man erstere verkürzt, so regeln sich die Piaff-Tempos leichter, weil der erhabene Tritt bereits vorhanden ist; aber der Reitertakt ist darum nicht weniger notwendig. ↩︎

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fierens wiederholt, versteht das Pferd in dieser so weit vorgeschrittenen Dressurperiode sehr schnell, was man von ihm verlangt. Sobald es also die beiden ersten Piaff-Tritte gut ausführt, ohne dabei die Absicht zu zeigen, unseren Spornattacken auszuweichen, kann man dem Pferde deren vier, dann sechs Tritte usw. abverlangen, und fortfahren, deren Zahl so lange zu vermehren, bis man imstande ist, es leicht in dieser Gangart zu erhalten. Man treibe das aber nicht zu weit!

Man muss natürlich aufhören und das Pferd nach vorwärts in die Hand treiben, sobald man fühlt, dass es sich uns entziehen möchte; sei es, dass das Pferd die Hinterhand verwirft, sei es, dass es zum Steigen ansetzt oder sei es schliesslich, was noch schlimmer ist, dass es zurückkriecht.

Im ersten Falle muss man dem Pferde einen kräftigen Spornstich versetzen, den man ihm von derjenigen Seite gibt, nach welcher es sich wirft. Das ist ein Strafmittel.

Wenn das Pferd zum Steigen ansetzt, ist man gezwungen, mit der Hand nachzugeben, um einen Unfall zu verhindern; aber die Sporen müssen bereit liegen bleiben.[1] (Siehe Tafel XXXII.) Sie müssen sogar vermehrt wirken, vermittels vieler kleiner Stiche, bis das Pferd ruhig in der Hand bleibt.[2]

Es bleibt noch das Zurückkriechen zu besprechen, was schwerer und nicht ohne Gefahr zu bekämpfen ist.

Wenn das Pferd schon auf leichte Spornhilfen hin lebhaft zurückkriecht, muss man überall nachgeben


  1. Ohne das würde das Pferd alle Augenblicke steigen. ↩︎

  2. Dann hat es sich hergegeben und hat sich in Wirklichkeit unterworfen. ↩︎

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und seine Zuflucht zu noch stärkeren Spornhilfen nehmen. Der wiederholte Spornangriff dicht hinter den Gurten ist ein Strafmittel, dem kein Pferd widersteht, zumal wenn es energisch fortgesetzt wird. Übrigens habe ich schon gesagt, dass man sein Pferd auf der Stelle niemals früher mit den Sporen angreifen soll, bevor man es nicht gelehrt hat, auf den Sporn dreist vorwärts zu gehen; man ist dann nicht der Gefahr ausgesetzt, gegen den Widerstand ankämpfen zu müssen, welchen ich vorstehend beschrieben habe. Wenn mir dies trotzdem begegnet, so mache ich dem leicht durch schnell aufeinanderfolgende Sporenhilfen[1] ein Ende.

Befindet man sich aber zufolge mangelhafter Dressur dieser Widersetzlichkeit einmal gegenüber und ist man nicht fähig, die vom Sporn hinter den Gurten wiederholt ausgeteilten Stiche ausreichend lange durchzuhalten, dann greife man zur Reitpeitsche, zum Stock, zur Heugabel, nehme einen mit der Bahnpeitsche bewaffneten Mann zu Hilfe, greife zum Feuer, wenn es sein muss, lasse aber das Pferd um jeden Preis vorwärts gehen. — Sind wir doch hier in vollem Kampf, und kommt es doch nur darauf an, zu wissen, ob der Reiter oder das Pferd Herr bleiben wird. Ersterer darf also unter keinerlei Vorwand nachgeben. Alle Mittel sind erlaubt, denn der Reiter muss als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen; wenn nicht, so ist das Pferd stätisch.[2]


  1. Die Sporen müssen wie ein Trommelwirbel arbeiten. ↩︎

  2. Ich rate selbstverständlich nicht, zu diesen groben Attacken und zu diesen Gewaltmitteln seine Zuflucht zu nehmen, es sei denn, dass das Pferd zurückkriecht. Dann allerdings gibt es für den Reiter nur das eine Ziel: nicht besiegt zu werden. ↩︎

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Wenn das Pferd fühlt, dass es sich durch Zurückkriechen der Arbeit entziehen kann, so ist man tatsächlich verloren; nicht nur, dass der Reiter nicht mehr Herr ist, sondern mehr noch, das Pferd ist Herr über den Reiter geworden. Jedesmal, wenn man sich zu irgend einer Bewegung der Sporen bedienen will, wird das Pferd zurückkriechen; und wenn man dann nicht noch während dieses Zurückkriechens über das Pferd eine abschreckende Strafe verhängt, muss man auf die Dressur verzichten oder — aufs Pferd, und das würde noch weiser sein.

Obgleich man sehr energisch werden darf, muss man nichtsdestoweniger seine Kaltblütigkeit immer bewahren; lässt man sich von seinem Zorn hinreissen, so wird man früher ermattet sein, als das Pferd. Unter der Wohltat dieser Zurückhaltung strafe man kalten Blutes, aber nachdrücklich bis zu dem Augenblick, in welchem das Pferd — im Gefühl, dass seine Schmerzen zunehmen, je mehr es zurückweicht — sich zum Vorgehen entschliesst.

In diesem Falle muss man das Pferd sogleich beloben, absitzen und von dem Zugeständnis, welches es uns soeben gemacht hat, insofern Nutzen ziehen, als man die Unterrichtsstunde schliesst.

Es ist unwesentlich, ob der Kampf zu Anfang oder inmitten der Unterrichtsstunde sich herausstellt. Sobald das Pferd nachgegeben hat, muss man das auch anerkennend berücksichtigen; denn wenn man die Arbeit wieder aufnimmt, ist man nicht sicher, ob eine zweite Nachgiebigkeit noch in derselben Unterrichtsstunde erzielt wird; besonders dann nicht, wenn das Pferd sich schon lange Zeit hindurch gesträubt hatte. Ausserdem ist man selbst matt und das Pferd auch;

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es kann uns also nur noch passiven Widerstand entgegensetzen und das ist der schrecklichste von allen. Man könnte das Pferd totschlagen, es würde nicht zucken, weil man seine Kräfte überanstrengt hat. Liesse man dennoch nicht nach, so würde man das Pferd für immer verderben.

Man muss von dem kleinsten Zugeständnis Vorteil ziehen und besonders vermeiden, das strenge Zuchtmittel noch länger anzuwenden, wenn das Pferd wieder vorwärts geht; sonst weiss das Pferd nicht mehr, in welchem Moment es gut oder schlecht gehandelt hat; erhielt es doch, gleichgültig, ob es vorwärts ging oder zurückkroch, unaufhörlich seine Prügel.

Ich empfehle also dem Reiter und lege ihm dies ganz besonders ans Herz, niemals und auch dann nicht seine Kaltblütigkeit zu verlieren, wenn seine Kraft zu Ende geht.

Ich habe ein sehr schönes, schwarzes Vollblutpferd, „Negro“, besessen, welches ich vier oder fünf Jahre hindurch vor der Öffentlichkeit geritten habe. Niemals hat mich dieses Pferd mit einer Arbeit im Stich gelassen, und doch war es launisch, schrie und harnte, wenn man den Sporn gebrauchte. Als ich seine Dressur anfing, begann es sofort zurückzukriechen, sobald es die Annäherung meiner Schenkel fühlte. Während der Dauer von zwei Monaten hat es nicht aufgehört, unter mir zurückzukriechen, wohl zwanzig Minuten lang täglich. Ich war in Verzweiflung. Alle Reiter meinten, ich würde es niemals zum Vorwärtsgehen bringen, und dennoch hat es schliesslich nachgeben müssen, es ist sogar ein ausgezeichnetes Damenpferd geworden und ist nie wieder in seine üble

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Gewohnheit zurückgefallen, welche ihm abzugewöhnen mich so viele Mühe gekostet hatte.

Um das zu erreichen, habe ich nur kurze Sporenstiche angewandt. Niemals darf der Sporn fest und etwa bohrend in den Flanken liegen bleiben.[1] Die Sporen, von denen ich damals Gebrauch machte, waren sehr scharf, und ich versetzte sie dem Pferde, wie immer, so dicht als möglich hinter den Gurten.[2]

Ich nahm natürlich Bedacht darauf, das Tier zu liebkosen, sobald es vorwärts ging. Ich gestehe übrigens zu, dass ich ebenso wie mein Pferd nach zwanzig Minuten des ernsten ununterbrochenen Kampfes jedesmal vollständig ermattet war. Um so ein Tier zu dressieren, muss man jung und nach jeder Richtung hin sattelfest sein, und auch ein gutes Kreuz haben, denn das ist es, welches am meisten erlahmt.

Wenn ich sage, dass man aufhören muss, das Pferd auf der Stelle festzuhalten, wenn es in eine der drei von mir angeführten Verteidigungsarten verfällt, so geschieht das, um immer Herr über dasselbe zu bleiben.


  1. Das Pferd flieht tatsächlich nur deshalb den Sporn, weil der Schmerz mit jedem Stoss erneut wiederkehrt; bliebe aber der Sporn in den Flanken bohrend festliegen, so würde sich das Pferd förmlich auf das Eisen legen und würde unvermeidlich stätisch werden. ↩︎

  2. Nur an dieser Stelle gibt der Sporn dem Pferde den Schwung. Ein Spornstich mehr nach hinten kann wohl eine Art Vorwärtsbewegung hervorbringen, aber ohne den Schwung; zum Überfluss macht er das Pferd auch noch kitzlig, weil es gerade an dieser Stelle eine grosse Empfindlichkeit besitzt. Nur allein der Spornstich, welcher so dicht als möglich hinter den Gurten gegeben wird, holt die Sprunggelenke unter den Schwerpunkt, und so entsteht der Schwung. Was mich betrifft, so zersteche ich meine Sattelgurten oft derartig, dass sie in Fetzen herabhängen. ↩︎

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Wenn es auf der Stelle meinen Anforderungen Widerstand entgegensetzt, so treibe ich es um jeden Preis vorwärts. Dann nehme ich es zwischen Schenkel und Zügel und fange wieder von vorn an, bis es nachgibt. Man muss unbedingt darauf bestehen, dass man wenigstens immer so weit Herr des Pferdes bleibt, dass man es jederzeit vorwärtstreiben kann.

Es ist einleuchtend, dass alle diese Auseinandersetzungen sich nicht ausschliesslich auf das Piaffieren und Passagieren beziehen. Wenn ich sie ziemlich weitläufig entwickelt habe, so musste das geschehen, weil es immer wieder die nämlichen Hilfsmittel sind, die man anwendet, um den Widerstand zu bekämpfen, und denen sich das Pferd stets unterwerfen muss, wenn man es unter Festhalten auf der Stelle mit dem Sporn angreift.[1]

Die Männer der neuen Schule, von denen zu sprechen ich schon im vorigen Kapitel Gelegenheit hatte, wenden, um das Piaffieren zu lehren, ein Mittel an, welches nicht weniger wunderlich ist, als dasjenige, dessen sie sich bedienten, um den Spanischen Schritt zu lehren. Es ist nur noch abscheulicher.

Man öffnet die Ausgangstür der Reitbahn, stellt


  1. Viele Reiter, deren Pferde nicht mehr gehorchen wollen, sagen zu ihrer Entschuldigung, dass man nichts anfangen könne mit Tieren, welche jedesmal hinten ausschlagen, zu steigen versuchen oder zurückkriechen, wenn man sie den Sporn fühlen lässt. Wahr ist daran nur, dass ihre Dressurmethode fehlerhaft ist. Bisweilen rühmen sie sich gar, ihre Pferde derartig gestraft zu haben, dass diese mehrere Tage wie tot auf der Streu liegen geblieben wären. Das beweist nur ihre persönliche Roheit. Bei dem schlimmsten Widerstand habe ich ein Pferd niemals so gepeinigt, dass es auf seiner Streu hätte liegen bleiben müssen; ich habe es selbst nie so weit ermüdet, dass es am andern Tage seine Arbeit nicht hätte wieder aufnehmen können. ↩︎

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das Pferd dicht davor, mit dem Kopf in die Richtung nach dem Stalle, um die Ungeduld zu reizen.

Ein Mann sitzt auf dem Pferderücken, ein anderer hält das Tier am Kappzaum, ein dritter stellt sich, mit der Bahnpeitsche in der Hand, hinter das Pferd.[1]

Darauf schnallt man um jedes Fesselbein einen Lederriemen, an welchem ein Stück Holz in Eiform befestigt ist. Sobald das Pferd ein Bein bewegt oder vielmehr, sobald es auffusst, schlägt das Holzei auf die Hufkrone und veranlasst das Pferd, sein Bein wieder aufzuheben. Der Mann, welcher auf dem Pferde sitzt, bringt die Sporen in Tätigkeit; der andere, welcher hinten aufgestellt ist, treibt es mit der Peitsche an, während der Mann, welcher den Kappzaum hält und sich vor dem Pferdekopf befindet, das Tier am Vorgehen verhindert, indem er mit dem Kappzaum ruckweise auf das Nasenbein einwirkt. Das so eingekeilte Pferd gibt sehr lebhaft seinen Unwillen zu erkennen, und da beim Niedersetzen eines Beines das Holzei jedesmal auf die Hufkrone schlägt und dadurch das Wiedererheben desselben veranlasst, so entsteht eine Art beschleunigten Piaffierens, was weder anmutig, noch regelmässig ist. Zum Überfluss gewöhnt man das Pferd in dieser Weise noch daran, vor der Stalltüre zu piaffieren, was zweifellos sehr sinnreich ist, aber keine grosse Kunst erfordert. Aber eine Unzulänglichkeit hat sich bei Anwendung dieses Verfahrens


  1. Diese Herren arbeiten nur truppweise. Immer mehrere Henker für ein Opfer. Sie alle sind übrigens so tief davon überzeugt, dass man sich dabei nicht anders benehmen könne, dass sie glauben, man wolle sich über sie lustig machen, wenn man ihnen sagt, ein Bereiter müsse sich auf sein Pferd setzen und es ohne fremde Hilfe dressieren. Das erscheint ihnen geradezu unmöglich. ↩︎

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denn doch herausgestellt, nämlich das Pferd zeigt keinerlei Ungeduld mehr und hört auf zu piaffieren, sobald man es mit dem Kopf nach der dem Stalle abgewandten Seite aufstellt.

Da haben wir ein mechanisch dressiertes Pferd. Ich höre hiermit auf, da ich nichts weiter beabsichtigte, als eine kurze Darstellung des neuen Systems der Pferdedressur wiederzugeben. Für jede Art Arbeit bringen die Anhänger dieser Schule ähnliche Mittel zur Anwendung. Ich unterlasse es, diese zu beschreiben.

Ein Pferd, welches mit alleiniger Hilfe von Schenkel und Zügel und nur durch deren Gesamtwirkung das Piaffieren gelernt hat, führt dies nach dem Belieben seines Reiters in jedem Moment und an jedem Ort aus.

Es ist trotz alledem nicht weniger wahr, dass das System der neuen Schule fast überall zur Anwendung kommt. Man dressiert Pferde, ohne sie zu besteigen, und zwar mit Hilfsmitteln, die denen nicht unähnlich sind, welche man bei der Dressur von Affen und Ziegenböcken in Anwendung bringt. Das ist, was man in Wien ironisch „Pudeldressur“[1] nennt.

Es ist übrigens leicht zu verstehen, welche Ursachen es zuwege bringen, dass das in dieser Weise gelehrte Piaffieren immer schlecht sein wird. Ent-


  1. In dieselbe Kategorie muss man das von gewissen Autoren empfohlene Verfahren zählen, das Pferd, das Piaffieren oder Passagieren zu lehren, indem man ihm eine Arie in zwei Takten vorsingt.

    Ich habe niemals ein Pferd vermittels irgend einer Musik dressiert; mein ganzes Orchester steckt in meinen Sporen. Wenn meine Pferde zum ersten Male Musik hören, kommen sie zunächst aus dem Takt, aber sie finden sich leicht darein. ↩︎

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scheidend dafür ist nämlich zunächst, dass jeder Fortschritt unmöglich ist, sodann wird die Einwirkung der Reit- oder Bahnpeitsche zur Folge haben, dass die Kruppe gehoben wird, dass die Tritte der Hinterbeine diejenigen der Vorderbeine an Höhe überragen und dass der Hals notwendigerweise herabgesenkt wird. Nun aber müssen beim Piaffieren wie beim Passagieren die Tritte der Vorderbeine an Höhe immer diejenigen der Hinterbeine überragen. Dies erreicht man nur, wenn man diese Bewegungen unter alleiniger Einwirkung von Zügel und Schenkel lehrt; denn dann allein werden die Sprunggelenke unter den Schwerpunkt des Körpers geschoben, wodurch die Aufrichtung des Halses und infolgedessen bedeutend höhere Tritte der Vorhand hervorgerufen werden.[1]

Man wird begreiflich finden, dass die Pferde der neuen Schule niemals im wahren Sinne des Wortes dressiert sind. Es sind höchstens Maschinen, Automaten, die der erste beste in Bewegung setzen und von denen er die oder jene Arbeit gut oder schlecht erzielen kann, wenn man ihn nur lehrt, wie, wann und wo er drücken muss.


  1. Man vergleiche die Figuren 1 und 2 der Tafel XXIX mit Tafel XXX, hergestellt nach einer Photogravure, welche in einem kürzlich erschienenen Werke, in dem vom Piaffieren vermittels der Reitpeitsche die Rede war, veröffentlicht ist. Auf Tafel XXX sind Kopf- und Halshaltung so fehlerhaft, die Vorhand ist so überlastet, dass das rechte Vorderbein, welches in der Luft sein müsste (wie in Figur 1 und 2 der Tafel XXIX), sich überhaupt nicht erheben kann. Auf Tafel XXX (im Gegensatz zu Tafel XXIX) biegt das Tier einfach das Knie, der Huf schleppt auf der Erde. Nur die Hinterhand piaffiert und ist höher als die Vorhand. Gegen die Absicht des Autors sind alle Mängel des Piaffierens vermittels der Peitsche in dieser Figur zutreffend zur Darstellung gekommen. ↩︎

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Tafel XXX
Tafel XXX
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Die Reiter der neuen Schule werden sich übrigens wohl hüten, jemals den Versuch zu machen, ein Vollblutpferd zu dressieren, weil sie sehr gut aus der Erfahrung wissen, dass nervöse, energische und mächtige Pferde sich nicht mit Stricken festbinden lassen. Diese Herren unterstützen, um sich zu rechtfertigen, die Anschauung, dass dem Vollblutpferde die Biegsamkeit fehle. Wahr ist aber, dass das Vollblutpferd biegsamer, wenn auch weniger duldsam ist, als andere Pferde.

Übrigens verdankt man dieser neuen Schule alle jene Reiterinnen, welche nicht reiten lernen können oder nicht wollen und es für einfacher halten, ein mechanisch abgerichtetes Tier vermittels Peitschenhiebe auf Beine, Kopf, Kruppe und überall ein wenig auf diese wiederwärtige Art arbeiten zu lassen.

Die wahren Freunde der Reitkunst sind weit entfernt davon, diese Art Reiterei gutzuheissen, welche sich ganz aus Verdrehungen zusammensetzt; sei es, das Pferd auf den Knien rutschen zu lassen, sei es, den Kopf auf dem Erdboden auszustrecken wie ein Kalb, welches seine Abschlachtung erwartet, oder sei es ein Spaziergang auf der Zirkuspiste und dgl. mehr.

Ohne Zweifel spendet das grosse, über die Reitkunst wenig unterrichtete Publikum trotzdem Beifall; aber es ist traurig, dass die Kunst in der Reiterei so tief gesunken ist.

Um zu wissen, ob ein Reiter die Reitkunst wirklich in jeder Beziehung beherrscht, genügt es, das Pferd anzusehen. Wenn dieses durchlässig, immer gut gestellt, immer im Schwünge ist, und wenn es alle Bewegungen mit so viel Eifer ausführt, dass es augenscheinlich mit Lust arbeitet, dann kann man sicher sein, dass man es nicht mit einem Anhänger der neuen Schule

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und noch weniger mit einem mechanisch abgerichteten Pferde zu tun hat, wovon ich eben gesprochen habe.

Ich füge noch hinzu, dass der Reiter immer ohne Peitsche reiten soll, die Reiterin diese aber nur als Ersatz für den fehlenden rechten Schenkel gebrauchen darf, d. h. auf der rechten Seite und zwar nur dicht hinter den Gurten.

Es ist nicht zweifelhaft, dass die von der neuen Schule anerkannte Methode mit Vorliebe von denjenigen befolgt werden wird, welchen alle Arbeit ein Greuel ist; diese Art Reitkunst ist jedermann zugänglich, wenn sie ihm nur während mehrerer Tage praktisch gezeigt wird; dagegen kann man einem wahrhaften Reitmeister jahrelang bei der Arbeit zusehen und wird doch nur wenig lernen. Ein solcher Reitmeister bedient sich aber auch tatsächlich nur der Hände und Schenkel, und das auch noch mit solcher Geschicklichkeit, mit so geringen Bewegungen, dass das Auge des Beschauers kaum etwas davon wahrnimmt.

Im ganzen dressiert die neue Schule das Pferd vermittels Kunstgriffen. Deshalb kann der erste beste, sobald er im Besitz dieser Kniffe ist, gewisse Erfolge erzielen. Die alte Schule ist im Vergleich zur neuen das, was das Klavier im Vergleich zum Leierkasten ist. Um sich als ein wirkliches Talent auf dem erstgenannten dieser Instrumente zu zeigen, bedarf es langer Studien und grosser Ausdauer, und dennoch kommt nicht jeder, der es wohl möchte, so weit. Hingegen genügt es, um den Leierkasten zu spielen, dass man mässig starke Arme hat, um den Handgriff herumzudrehen. Im ersten Falle kann man durch Übung und Geduld ein Künstler werden, im zweiten macht man nur Lärm, und das ist alles.

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XIV. Unterschied zwischen Passagieren und Spanischem Trab.

Selbst Leute, die gut reiten, können oft die Passage vom Spanischen Trab nicht unterscheiden.

Bei der Passage sind Kniee und Fesselgelenke gebogen, beim Spanischen Trab sind sie gestreckt.

Je weniger Raum man beim Passagieren gewinnt, desto besser ist es; das Tempo in der Luft prägt sich deutlicher aus und das Pferd scheint sich von unten heraus zu heben.

Im Spanischen Trab dagegen soll man mit jedem Tritt so viel Raum als möglich zu gewinnen suchen, Um glänzend und auffallend zu erscheinen, muss der Gang hoch und gestreckt sein, doch ohne Übereilung; denn bei sehr schnellen Tritten können die Vorderbeine das Schweben nicht genügend zur Geltung bringen.

Es gibt noch einen anderen Trab, den sogenannten „Schwimmtrab“, in welchem das Pferd mit seiner ganzen Schnelligkeit trabt und dabei jedesmal mit den ausschreitenden Beinen ein Tempo in der Luft schwebend verharrt; da der Gang aber sehr schnell gezeigt werden soll, so ergibt sich von selbst, dass das Schweben in der Luft sich hierbei viel weniger hervorhebt, als im Spanischen Trab.

Ich bin übrigens der Meinung, dass dies kein Schulgang ist. Ein Pferd, welches im Trab mit Schulter und Knie schön herauskommt, führt diesen schwimmenden Trab am natürlichsten aus. Ich begnüge mich mit der blossen Erwähnung dieser Trabart.

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XV. Schlangenlinie im Trab.

Diese Übung besteht darin, dass das Pferd im versammelten Trab vier Tritte nach links und vier Tritte nach rechts macht. Das Pferd muss ununterbrochen auf zwei Hufschlägen gehen, wobei die Vorhand immer nach derjenigen Seite hin, nach welcher man gerade reitet, etwas mehr Boden gewinnen soll, damit die Hinterhand der Vorhand nicht vorauskommt.

Diese Gangart scheint einfach zu sein; sie ist aber im Gegenteil sehr schwer richtig auszuführen. Man wird sich in der Tat sehr schnell davon überzeugen, dass einem nur eine ausserordentlich kurze Zeit verbleibt, um das Pferd von einer Diagonale zur anderen weich und ohne Erschütterung hinüberzuleiten.

Der ganze Wert und auch die ganze Schwierigkeit dieser Übung liegt darin, genau vier Tritte nach jeder Seite hin auszuführen. Wenn das Pferd einmal drei, und das andere Mal fünf Tritte macht, dann kann allerdings weder von Schwierigkeiten, noch von Verdiensten und Interesse mehr die Rede sein.

XVI. Galopp auf drei Beinen.

Man kann ein Pferd auch auf drei Beinen galoppieren lassen. In diesem Falle entwickeln sich die drei ersten Tempos wie beim versammelten Galopp (zu vier Tempos), nur bleibt das vierte Tempo in der

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Luft. Wenn man z. B. rechts galoppiert, so bleibt das rechte Vorderbein in der Luft, ohne jemals die Erde zu berühren.

Nur wenige Pferde führen den Galopp auf drei Beinen in glänzender Weise aus. Zwar erlernen viele diesen Gang in unvollkommener Weise, aber nur ein sehr energisches Pferd ist imstande, ohne dabei jemals die Erde zu berühren, sein Vorderbein während der ganzen Dauer der Bewegung gut ausgestreckt in der Luft zu erhalten. Aber nur unter dieser Voraussetzung bietet die Übung Interesse und erregt Aufsehen.

Wenn der Leser meinen Auseinandersetzungen aufmerksam gefolgt ist, weiss er, dass ein dressiertes Pferd zu dieser Kunstleistung eine gewisse Vorbereitung insofern genossen hat, als es bereits an das Ausstrecken der Vorderbeine gewöhnt wurde. Trotzdem ist es sehr schwer, dem Pferde die Ausführung dieses Schulganges begreiflich zu machen. Es hat allerdings nur gelernt, die Vorderbeine eins nach dem anderen zu heben, zu strecken und dann zur Erde niederzusetzen, während es sich jetzt darum handelt, nur ein Bein ausstrecken zu lassen und es in dieser Stellung zu erhalten.

Wenn ich z. B. auf dem rechten, in der Luft bleibenden Beine Galopp wünsche, so wird dieser vier Tempos zählende Galopp nur drei Tempos auf der Erde vollführen: das erste Tempo gibt das linke Hinterbein, das zweite das rechte Hinterbein, das dritte das linke Vorderbein ab. Beim vierten Tempo bleibt das rechte Vorderbein in seiner ganzen Länge so hoch als möglich ausgestreckt in der Luft.

Bevor man diese Arbeit vom Pferde verlangt, muss abgewartet werden, bis das Pferd vollständig durchgearbeitet ist und keinerlei Widerstand mehr leistet.

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Zu dieser Übung werde ich dann tatsächlich über zwei Kunstleistungen zu verfügen haben, wovon jede einzelne besonders erlernt ist: der gewöhnliche Rechtsgalopp und ferner das Ausstrecken des rechten Vorderbeines.

Aus der Verbindung dieser beiden Einzelleistungen ergibt sich dann der Rechtsgalopp auf drei Beinen.

Bei beiden ist mein linker Schenkel mein hauptsächlichster Helfershelfer.

Theoretisch könnte es scheinen, als ob man den Rechtsgalopp auf drei Beinen ganz leicht durch kräftigen Gebrauch des linken Schenkels erzielen könne. In der Praxis ist das aber nicht so einfach; denn hat man auch sein Pferd in den Rechtsgalopp gesetzt, so könnte man es lange von links her angreifen und würde dadurch doch nur die Hinterhand nach rechts treiben, oder erreichen, dass das Pferd forteilte, nicht aber, dass es sein rechtes Bein streckte. Man muss es also in den Rechtsgalopp setzen und nach einem kurzen Halt das rechte Bein ausstrecken lassen. Ist das erreicht, höre man damit auf, belobe das Pferd, fange wieder an und wiederhole dies recht oft.

Wenn das Pferd im Augenblick des Anhaltens sein Bein willig streckt, lasse man es die gleiche Übung wiederholen, mache dazu aber eine noch kürzere Pause.

Da hierbei nicht der ganze Schwung verloren geht, weil es sich nur um ein halbes Anhalten handelt, wird das Pferd in der Erwartung, das Bein heben zu müssen, dem Halt zuvorkommen und fast immer einen Galoppsprung mit einem in der Luft schwebenden Bein machen. Man halte an, belobe das Pferd und beendige die Unterrichtsstunde.

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Tafel XXXI Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXXI

Fig. 1

Fig. 2

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Man sieht also, dass aus diesen beiden zuerst getrennten Übungen sich eine einzige zu bilden anfängt. Das ist aber noch nicht ausreichend.

Wenn das Pferd diese Arbeit ohne Schwierigkeit und ohne Steifheit ausgeführt hat, muss man die Streckung des Beines ohne die halbe Pause verlangen, indem man darauf Bedacht nimmt, die Gangart durch Aufrichten der Vorhand zu verlangsamen. Man muss recht behutsam zu Werke gehen und sich lange Zeit hindurch mit zwei oder drei Galoppsprüngen begnügen, wobei allerdings das Bein vollständig ausgestreckt und besonders noch eine Weile in der Streckung erhalten werden muss.

Wer auf sein Pferd genügenden Zwang ausüben will, dass es sein Bein hoch in der Luft behält, der spanne selbst seine ganze Energie an, denn die Tätigkeit des linken Schenkels hat nicht nur den Zweck, das rechte Bein des Pferdes in der Luft ausgestreckt zu erhalten, sondern er soll auch mit Unterstützung des rechten Schenkels fortfahren, die Hinterhand unter den Schwerpunkt zu holen, um dadurch den Galopp zu erhalten. Mit anderen Worten, man kann sich nur durch einen energischen Gebrauch beider Schenkel im Galopp behaupten und gleichzeitig nur durch kleine, wiederholte Hilfen des linken Sporns, das rechte Bein des Pferdes in der Luft erhalten.

Es bedarf ebenso grosser Anstrengung des rechten, wie des linken Schenkels, um das Ausfallen der Hinterhand nach rechts zu verhindern. Nimmt das Pferd Querstellung an, so muss man es anhalten und gerade stellen, bevor man wieder anfängt; denn in der Querstellung fehlt dem Pferde der Schwung, und man kann in dieser Stellung nur ein Strecken

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des Beines oder den Galopp erzielen, niemals aber beide vereint.

Es ist unerlässlich, das Pferd sehr gerade zu erhalten und ihm Anlehnung an dem rechten Trensenzügel zu gewähren, um ihm hierdurch das Ausstrecken des rechten Beines zu erleichtern.

Der Galopp auf drei Beinen lässt sich ebensowohl rechts wie links ausführen.[1]


  1. Siehe die Abbildungen: Tafel XXXI, Figur 1: „Germinal“ im Links-Galopp auf drei Beinen; in die Hand gestellt ohne Versammlung. Weil diese nicht vorhanden ist, zeigt der Galopp vier Tempos, auch deshalb, weil die energische Aufrichtung der Vorhand das andere nicht gestreckte Bein in der Luft zurückhält.

    Tafel XXXI, Figur 2: „Germinal“ im Rechts-Galopp auf drei Beinen in Versammlung. Man beachte, wie sehr die energische Spornhilfe, welche für die Versammlung notwendig wurde, die Streckung des in der Luft bleibenden Beins vermehrt und wie sie, indem sie die Hinterhand unter den Schwerpunkt bringt, die Höhe der Aktion steigert.

    Die Tafel XXXII zeigt „Germinal“, wie er, zum Erheben ansetzend, einen Sprung nach vorwärts macht und das rechte Vorderbein ausgestreckt hält, und zwar in dem Augenblick, in welchem ich ihm den Rechts-Galopp auf drei Beinen in Versammlung abverlangte. Das Pferd hatte angefangen, das Bein ganz nachlässig auszustrecken; als aber der Sporn energisch eingriff, entstand dieser Sprung in demselben Augenblick, da das rechte Bein sich in vollkommenster Streckung befand. Dies bewies den absoluten Gehorsam. Sofort nach diesem Sprung setzte sich das Pferd bei Versammlung in den Rechts-Galopp auf drei Beinen. Die auf Tafel XXXI, Figur 2 wiedergegebene Abbildung ist unmittelbar danach aufgenommen worden.

    Man beachte ferner in Übereinstimmung mit dem, was ich schon empfohlen habe, dass die Sporen beim Erheben hinter den Gurten bleiben, während die Hand nachgibt.

    Es ist allerdings richtig, dass auf Tafel XXXII die Zügel viel weniger straff sind, als in Figur 2 der Tafel XXXI, wo die Hände einwirken, während sie auf Tafel XXXII bis zum Halse vorgeschoben sind. ↩︎

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Tafel XXXII
Tafel XXXII
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Ich weiss nicht, ob schon andere vor mir einen derartigen Galopp ausgeführt haben. Jedenfalls habe ich ihn von niemand ausführen sehen und in keiner Abhandlung über Reitkunst eine Beschreibung gefunden.

XVII. Passagieren rückwärts.[1]

Dies ist eine Gangart, deren Ausführung mit sehr grossen Schwierigkeiten verknüpft ist; denn es handelt sich darum, nach rückwärts Raum zu gewinnen und dabei doch die wohlabgemessenen Diagonaltritte beizubehalten und ein gleiches Hochheben der hinteren Gliedmassen zu erhalten, wie in den Bewegungen nach vorwärts. Bei allen Rückwärtsbewegungen neigen die Hinterbeine dazu, den Erdboden so wenig als möglich zu verlassen. Wenn man seiner Sache nicht ganz sicher ist, wie man es sein müsste, um derartige Schwierigkeiten vorzunehmen, wirkt man oft, ohne es zu wollen, zu viel von vorn nach hinten ein, wodurch das Gewicht von der Vorhand auf die Hinterhand verlegt wird, welche infolgedessen an Erhebung einbüsst. Um diesen Unzuträglichkeiten vorzubeugen, muss man das Zurücktreten in der Weise, wie ich schon früher angegeben habe, mehr mit dem Gesäss bewirken und nicht mit den Zügeln.

Es wäre ein Irrtum, zu glauben, dass man von der Passage nach vorwärts so ohne weiteres zu der Passage nach rückwärts übergehen könne. Um letztere


  1. Richtiger wäre die Bezeichnung „Piaffieren rückwärts“, tatsächlich ist es auch nur ein langsames Piaffieren nach rückwärts. Der Übersetzer. ↩︎

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zu erzielen, ist es nötig, zunächst ein natürliches, langsames und erhabenes Piaffieren durchzumachen, welches im Grunde genommen doch nichts weiter, als eine auf der Stelle ausgeführte Passage ist.

Erst wenn das Pferd richtig auf der Stelle piaffiert, muss man versuchen, mit jedem Tritt einige Zentimeter Terrain nach rückwärts zu gewinnen.

Zu dem Zweck nehme ich die Schenkel mehr heran, fordere mehr Versammlung, ohne von vorn nach hinten zu ziehen, und verlege mein Gewicht mehr nach hinten in den Sattel, indem ich mit jedem Tritt mich fest hineinsetze.

Zufolge der bis aufs höchste gesteigerten Versammlung sind Gleichgewicht und Beweglichkeit des Pferdes derartig beeinflusst, dass die geringste Verschiebung des Reitergewichts tatsächlich das ganze Pferd in jeder Beziehung mitzieht; in dem uns hier beschäftigenden Falle also nach rückwärts.

Dieses Mittel, um das Rückwärts-Passagieren zu erreichen, ist ein langwieriges und schwieriges, aber es ist das einzige, welches zum Ziele führt.

XVIII. Das Piaffieren im Schaukeltritt. (Piaffer balloté.)

Beim Piaffieren im Schaukeltritt sollen z. B. die rechtsseitigen Beine sich heben und auf denselben Platz niedergesetzt werden, während die linksseitigen ein Tempo vorwärts, ein Tempo rückwärts machen und ebenso immer wieder auf ihre alte Stelle zurückkehren müssen.

Die linken Beine sollen dieses Vor- und Zurückgehen von hinten nach vorn nicht allein ausführen,

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sondern auch die linke Schulter und Hanke sollen diese Bewegung mitmachen, ohne dass die rechten Beine auch nur den geringsten Anteil daran nehmen. Diese sollen nur regelmässig auf der Stelle piaffieren.

Baucher hat unter grossem Aufsehen diese Art des Piaffierens mit der Stute „Stades“ ausgeführt. Was mich betrifft, so habe ich in diesem Schulgang vier Pferde dressiert, welche denselben je nach dem Grade ihrer Energie mehr oder minder glänzend vollführt haben.

Es ist sehr schwer auseinanderzusetzen, wie man dieses Piaffieren im Schaukeltritt lehrt, indes will ich es doch versuchen. Zunächst wird man beachten müssen, dass man dies nur von einem Pferde verlangen kann, welches hoch und langsam piaffiert. Da dieser Schulgang ausserordentlich beweglich ist, genügt schon der geringste Zügelanzug, um einen Körperteil ein wenig zurückzuschieben, ebenso wie auch die kleinste Vermehrung des Sporngebrauchs einen Körperteil etwas mehr vortreiben wird.

Ist man im Piaffieren begriffen, so muss man mit Hilfe der Schenkel das linke Hinterbein unter den Schwerpunkt treiben, wo es niedergesetzt wird. Während die rechte Diagonale im Stütz ist, bleibt das linke Vorderbein, welches unter dem nämlichen Einfluss der Schenkel des Reiters, in demjenigen Augenblick vorgebracht wurde, in welchem das linke Hinterbein unter den Schwerpunkt tritt, in der Luft schwebend erhalten und im Knie gekrümmt, wobei das rechte Hinterbein in der Luft ist.[1] Nun muss sofort die Hand in Tätigkeit treten, um das linke


  1. Abbildung Tafel XXXIII, Figur 1. ↩︎

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Vorderbein zurückzuführen, welches hinter das rechte Vorderbein zu stehen kommt und so mit dem rechten Hinterbein die linke Diagonale bildet, während nunmehr das linke Hinterbein zu dem Tempo in der Luft an der Reihe ist und gleichzeitig das rechte Vorderbein seine piaffierende Bewegung ausführt.[1]

Man sieht, dass zur Vorwärtsbewegung das linke Hinterbein sich vor das rechte setzt (Tafel XXXIII, Figur 1), und dass zur rückschreitenden Bewegung hingegen das linke Vorderbein sich hinter das rechte setzt (Figur 2), wodurch dieses Kommen und Gehen von hinten nach vorn zur Darstellung gelangt.

Wenn man meine Ausführungen verstanden hat, wird man bemerkt haben, dass diese Art des Piaffierens sich wie das gewöhnliche Piaffieren durch den diagonalen Zweitritt darstellt, trotz seines einseitigen Kommens und Gehens. Es ist recht schwer, mit mathematischer Sicherheit genau den Moment anzugeben, zu welchem der Reiter den oder den Zügel oder Schenkel in Anwendung bringen soll. Die Tätigkeit beider Zügel und beider Schenkel macht sich durch eine Reihe einander so nahe liegender Bewegungen bemerkbar, dass sie beinahe eine ununterbrochene zu sein scheint. Hier zeigt sich so recht in vollem Glanz die erste aller Eigenschaften des Reiters: der Reitertakt. So viel will ich noch sagen, dass ich den rechten Sporn vermehrt wirken lasse, um das Vortreten des linken Hinterbeins hervor-


  1. Abbildung Tafel XXXIII, Figur 2.

    Man beachte hier im Vergleich mit Figur 1, dass zu der Rückwärtsbewegung nur die Trense etwas mehr ansteht. Der Winkel der Gebissstangen ist kaum mehr geöffnet, nur das Gesäss des Reiters treibt zurück. ↩︎

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Tafel XXXIII Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXXIII

Fig. 1

Fig. 2

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zurufen und um das Aushalten des linken Vorderbeins in der Luft zu unterstützen; gleichzeitig aber gebrauche ich tüchtig meinen linken Schenkel, um das Ausfallen des linken Hinterbeins nach links zu verhindern, welches doch durch meinen rechten Schenkel dorthin getrieben wurde.

Zu der rückwärtigen Bewegung stehen meine Zügel an, aber der linke in dem Augenblick, in welchem ich das linke Vorderbein zurücktreten lasse, etwas mehr als der rechte.

Der Reiter muss unausgesetzt viel Schenkel und selbst den Sporn gebrauchen, den rechten Zügel aber fast gar nicht und den linken nur sehr wenig anwenden.

XIX. Galopp auf der Stelle und Galopp rückwärts.

Der Galopp auf der Stelle ist ein bis zum höchsten Grade verkürzter Galopp. Er ist dem Vorwärts-Galopp in jeder Beziehung ähnlich, nur dass die Beine dabei keinen Raum nach vorwärts gewinnen dürfen. Ist man so weit gekommen, so fehlt nicht mehr viel zum Rückwärts-Galopp. Der Rückwärts-Galopp ist eine ganz regelmässige Gangart, bei welcher sich, ebenso wie beim versammelten Vorwärts-Galopp, die vier Tempos wohl unterscheiden lassen. Es ist der schwierigste und verwickeltste aller Schulgänge. Ich rate, ihn nur an allerletzter Stelle zu versuchen und ihn besonders nur von auserlesenen Pferden zu verlangen. Es bedarf wirklich eines ausnehmend guten Kreuzes und besonders guter Sprunggelenke, um die bis aufs äusserste getriebene Ver-

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sammlung zu ertragen, ohne welche es unmöglich ist, diesen Schulgang zu erzielen.

„Gant“, Vollblut von „Gantelet“ aus der „Mademoiselle de la Romanerie“, vollführte diesen Rückwärts-Galopp spielend und war, nachdem er diese Gangart sogar den ganzen Hufschlag herum durchgeführt hatte, so frisch wie zuvor.

Baucher hat den Rückwärts-Galopp entweder nicht zu beschreiben gewusst oder ihn nicht anders ausführen können. Nachstehend die Erklärung, die er in der 14. Ausgabe seiner „Méthode d’équitation“ auf Seite 155 hierüber gibt, eine Erklärung, die augenscheinlich mit dem übereinstimmt, was er in der Praxis ausführte:

„Beim Rückwärts-Galopp sind die Tempos dieselben wie beim gewöhnlichen Galopp, aber die Vorderbeine treten, nachdem sie erhoben sind, anstatt nach vorwärts Boden zu gewinnen, nach rückwärts, damit die Hinterhand die gleiche rückwärtige Bewegung ausführt, sobald die Vorderbeine auf den Erdboden niedergesetzt werden.“

Wie ist es möglich, dass Baucher eine solche Beschreibung vom Rückwärts-Galopp machen kann, nachdem er gesagt hat, er liesse sich wie der Vorwärts-Galopp ausführen? Zweifellos ist doch der Rückwärts-Galopp, wie der gewöhnliche versammelte Galopp, eine Gangart zu vier Tempos, aber gerade aus diesem Grunde kann man bei einer Gangart nicht von Galopp sprechen, in welcher die Hinterbeine erst ihre rückwärtige Bewegung antreten, wenn die Vorderbeine auffussen.

Was ist denn das für eine Gangart, in welcher die beiden Vorderbeine zu gleicher Zeit den Boden

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berühren wie die beiden Hinterbeine? Wo ist in diesem Falle der Galopp?

Man braucht kein grosser Reiter zu sein, um zu verstehen, dass Baucher eine Gangart zu zwei Tempos beschrieben hat, das erste Tempo auf der Hinterhand, das zweite auf der Vorhand. Das ist aber kein Galopp mehr, das sind ganz einfach kleine Sprünge nach rückwärts. Man kann nur dann von Galopp sprechen, wenn sowohl die Vorderbeine wie die Hinterbeine eins nach dem anderen zur Erde gesetzt werden, und wenn ferner eines der Hinterbeine sich zu derselben Zeit auf der Erde befindet, als das entgegengesetzte Vorderbein, woraus sich die linke Diagonale ergibt, wenn das Pferd rechts, hingegen die rechte Diagonale, wenn das Pferd links galoppiert.

Baucher hat den Ausdruck „Rückwärts-Galopp“ erfunden, aber er hat diese Gangart durchaus missverstanden. Beweis hierfür ist, dass er niemals angibt, auf welchem Bein das Pferd galoppiert oder galoppieren soll.

Da ich „Gant“ für eine Dame dressierte, habe ich ihn den Rückwärts-Galopp auf dem rechten Bein gelehrt, damit die Reiterin ihn in dieser Gangart mit Hilfe ihres Sporns, den sie doch nur auf der linken Seite führt, erhalten könne.

Ich habe noch mehr erreicht. Ich bin dahin gelangt, mein Pferd ganz nach meinem Belieben bald auf dem einen, bald auf dem anderen Bein in Rückwärts-Galopp zu setzen und es darin zu erhalten. „Germinal“, Vollblut von „Flavio“ aus der „Pascale“, den ich für mich dressierte, galoppierte rückwärts auf einem Bein so gut, wie auf dem anderen. Ich nehme als mein Eigentum die Ehre in Anspruch, als erster

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dieses Resultat erzielt zu haben. Wenn ein Pferd rückwärts galoppiert, muss man ebensogut, als wenn es vorwärts galoppiert, immer angeben können, auf welchem Bein es ist.

Der Rückwärts-Galopp muss genau dieselbe Fussfolge zeigen, wie der Galopp zu drei Tempos nach vorwärts.[1] Erstes Tempo: rechtes Hinterbein; zweites Tempo: rechte Diagonale; drittes Tempo: linkes Vorderbein. Die grosse Schwierigkeit liegt darin, zu verhüten, dass die Hinterbeine nebeneinander niedergesetzt werden. Dasselbe gilt von den Vorderbeinen. Das rechte Hinterbein soll weiter nach hinten zu stehen kommen, als das linke Hinterbein; und zwar so, dass der Abstand von vorn nach hinten zwischen diesen beiden Beinen fast ebenso gross bleibt, als im gewöhnlichen Galopp. Ich sage fast denselben Abstand, denn da die Rückwärtsgaloppsprünge als solche schon kürzer sind, kann der Abstand auch nur weniger gross sein. Ich habe kaum nötig hinzuzufügen, dass das rechte Vorderbein hinter dem linken Vorderbein sein muss, wie im Vorwärts-Galopp. Gerade die Aufrechterhaltung der gegenseitigen Stellung der Hinterbeine zueinander, und der Vorderbeine zueinander bereitet die grosse Schwierigkeit im Rückwärts-Galopp.

Wir haben gesehen, dass ein Galoppsprung sich aus drei Tempos auf der Erde zusammensetzt: durch Auffussen des einen Hinterbeins, des diagonalen Fusspaares und des einen Vorderbeins.


  1. Wir wissen jedoch, dass dieser Galopp in Wirklichkeit vier Tempos hat. ↩︎

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Das ist genau richtig im guten Jagd-Galopp, oder wie wir sagen, im munteren Mittel-Galopp.

Aber im Renn-Galopp einerseits und im Galopp auf der Stelle und im Rückwärts-Galopp anderseits, also in den beiden Extremen, lassen sich in jedem Sprung wirklich vier Tempos unterscheiden. Im Linksgalopp z. B. kommen die beiden Beine, welche die rechte Diagonale bilden, anstatt den Erdboden zugleich zu berühren, in folgender Ordnung zur Erde: rechtes Hinterbein, linkes Hinterbein, rechtes Vorderbein, linkes Vorderbein.

Im Renn-Galopp ist diese Tatsache sehr ausgesprochen, aber die Schnelligkeit der Gangart verhindert es, dass sie augenscheinlich wird. Im Galopp auf der Stelle und mehr noch im Rückwärts-Galopp ist diese Tatsache noch viel undeutlicher, und aus diesem Grunde ist sie fürs Auge fast nicht wahrnehmbar. Bei dieser Gangart streifen die Hufe tatsächlich den Erdboden und erheben sich nur einige Zentimeter über demselben. Um dies in beiden Fällen festzustellen, bedarf es der Präzisionsapparate und der Augenblicksphotographie. Wie dem nun auch sei, die Tatsache besteht. Man kann also mit Recht sagen, im Renn-Galopp, im Galopp auf der Stelle und im Rückwärts-Galopp machen sich vier aufeinanderfolgende Abschwünge bemerkbar.

Beachten müssen wir indes, dass im Galopp auf der Stelle und nach rückwärts die Diagonale ihre Tätigkeit wie im gewöhnlichen Galopp entwickelt, mit dem alleinigen Unterschiede — ein Punkt, den ich besonders hervorheben möchte — dass das Hinterbein um einen kaum bemerkbaren Moment früher als das

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Vorderbein, welches zugleich mit dem ersteren die Diagonale bildet, den Boden berührt.[1]

Um den Galopp auf der Stelle zu erzielen, beginne ich damit, den gewöhnlichen Galopp täglich um etwas zu verkürzen, aber durch Verkürzung im Schwunge, d. h. indem man das Pferd mit den Schenkeln auf die Hand treibt, was aber um so feiner sein muss, je grösser man die Versammlung haben will. Dadurch, dass ich nach und nach alle Tage die Galoppsprünge noch immer mehr verkürze, gelange ich endlich zum Galopp auf der Stelle, aber zu einem solchen mit Schwung und nicht hinter dem Zügel. Im Galopp hinter dem Zügel ist es unmöglich, sein Pferd in der Hand zu behalten; es wird notwendigerweise damit enden, sich seinem Reiter zu entziehen, indem es zurückkriecht.

Jetzt handelt es sich darum, vom Galopp auf der Stelle zum Galopp nach rückwärts überzugehen. Wenn mein Pferd auf dem Platz mit solcher Leichtigkeit und Durchlässigkeit galoppiert, dass ich durchaus keinen Zügel mehr nötig habe, suche ich durch Ein-


  1. Siehe die Abbildung:

    Tafel XXXIV: „Germinal“ im Galopp nach rückwärts, zweites Tempo. Die Photographie ist in dem Moment aufgenommen, wo die rechte Diagonale im Begriff steht, Fuss zu fassen: der linke Hinterfuss hat das schon vollführt, jedoch ist das rechte Vorderbein noch nicht so weit. Daher die vier Tempos, die rechte Diagonale macht zwei Tempos, anstatt ein einziges zu machen.

    Es ist bemerkenswert, dass der Pferdekopf selbst bei dieser äussersten Versammlung eher etwas vor, als hinter der Senkrechten bleibt. Das kommt daher, wie man sehen kann, dass das Zurückgehen durch das Gesäss bewirkt wird, nicht durch die Zügel, welche gar nicht anstehen. ↩︎

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Tafel XXXIV
Tafel XXXIV
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wirkung meines Gesässes und der Schenkel, nicht der Hände, einen oder zwei Zentimeter nach rückwärts Boden zu gewinnen. Die Schenkel erheben das Pferd, und ich benutze den Moment, da es in der Luft ist, um mein Gesäss mehr nach rückwärts zu schieben. Ich mache das nur mit dem Gesäss, nicht mit dem Oberkörper, lasse beinahe den Bügel los, um mein ganzes Gewicht auf das Gesäss zu bringen. In dem Moment, in dem das Pferd keine Stütze[1] hat, ist dessen Beweglichkeit eine solche, dass eine einzige Bewegung des Reiters ausreicht, um es ein wenig Raum nach rückwärts gewinnen zu lassen; dies genügt, um den Rückwärts-Galopp zu beginnen. Wenn man alle Tage nach und nach diese Hilfen wiederholt und vermehrt, erzielt man den Rückwärts-Galopp, so wie ich ihn beschrieben habe. Wollte man das Zurückgehen durch Zügelhilfen versuchen, so würde die Versammlung sofort verloren gehen, weil die Hand die Sprunggelenke weit nach hinten zurückwerfen würde, welche doch unter dem Schwerpunkt bleiben müssen. Ist man erst in dieser Stellung, so würde die überlastete Hinterhand alle Beweglichkeit verloren haben, welche ihr gerade erlauben soll, Boden nach rückwärts zu gewinnen.


  1. Gerade diesen Moment benutze ich auch zum Galoppwechsel, d. h. zwischen dem letzten Tempo eines Sprungs und dem ersten Tempo des folgenden. Dies ist der kaum zu erfassende Moment, in dem man von seinem Pferde alles verlangen kann, weil es in der Luft schwebt. Ein Hauch bringt es von der Stelle. ↩︎

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XX. Neue Schulgänge.

Ich habe eine gewisse Anzahl künstlicher Gangarten der hohen Schule ins Leben gerufen. Ich begnüge mich damit, sie aufzuzählen. Sie lassen sich nach denselben Grundsätzen und mit denselben Hilfen ausführen, von welchen wir schon steten Gebrauch gemacht haben, um das Vorausgegangene zu lehren.

  1. Neuer Spanischer Schritt, welcher darin besteht, einen Schritt vor und einen zurück zu machen. Das linke Vorderbein z. B. streckt sich und macht einen Schritt vorwärts, sodann streckt sich das rechte Vorderbein ebenso nach vorn aus, kommt aber zurück, um diesen Schritt nach rückwärts zu machen. Die linke Diagonale rückt vor, die rechte tritt zurück. Ich setze diese Bewegung so lange fort, als es mir gefällt. Dann wechsle ich die Diagonale, und nun ist es das rechte Vorderbein, welches an der Reihe ist, einen Schritt vorwärts zu machen, und das linke Vorderbein, welches, nachdem es nach vorwärts ausgestreckt war, zurückkommt, um einen Schritt nach rückwärts zu vollenden; hier tritt dann die linke Diagonale zurück. Man wechselt mit den Diagonalen nach Belieben ab.[1]

  2. Schlangenlinien im Passagieren. Das ist dieselbe Bewegung wie die Schlangenlinie im Trab, aber offenbar viel schwerer auszuführen.

  3. Galopp auf drei Beinen rechts und links.


  1. Das Schwierigste hierbei ist, zu verhindern, dass die Vorderbeine nicht schon während des Zurückkommens zur Erde gesetzt werden. ↩︎

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Tafel XXXV Fig. 1 Fig. 2

Tafel XXXV

Fig. 1

Fig. 2

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  1. Galopp auf drei Beinen und auf zwei Hufschlägen; ebenfalls auf beiden Seiten.

  2. Volten und Pirouetten im Galopp auf drei Beinen; rechts und links.

  3. Spanischer Trab, zu zwei Tempos auf jedem Bein. Der Spanische Trab ist bis zum heutigen Tage nur zu einem Tempo auf jedem Bein, d. h. ein Tempo rechts, ein Tempo links, ausgeführt worden. Im Spanischen Trab zu zwei Tempos lasse ich hintereinander zwei Tempos auf dem rechten Bein machen, wobei das linke Bein gestreckt bleibt, und unmittelbar darauf zwei Tempos auf dem linken Bein, während das rechte Bein gestreckt bleibt. Diese Bewegung kann man nach Belieben fortsetzen. Beim zweiten Tempo tritt das Pferd natürlich etwas weniger vor, als beim ersten.

  4. Spanischer Trab zu einem und zu zwei Tempos abwechselnd, d. h.: (das Wort Bein hinzugefügt) rechtes linkes; rechtes rechtes; linkes rechtes; linkes linkes.

Ich setze diese Übungen nach Belieben während ein- bis zweimaligen Herumreitens in der Bahn fort. Ich glaube, behaupten zu können, dass dieser Schulgang der verwickeltste ist, den man je in der Reitkunst erzielt hat.

  1. Galopp auf der Stelle und rückwärts auf drei Beinen. Die grosse Schwierigkeit dieses Schulgangs liegt in der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Schwunges nach vorwärts, um das eine Vorderbein ausgestreckt zu erhalten, während die drei anderen Beine im Zurückgehen begriffen sind.[1]

  1. Siehe die Abbildungen:

    Tafel XXXV, Figur 1 und 2: „Germinal“ im Rechtsgalopp ↩︎

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XXI. Das Damenschulpferd.

Wenn ein für die hohe Schule dressiertes Pferd für eine Dame bestimmt ist, muss es noch mehr durchgeritten sein als sonst, und von rechts nach links mit noch mehr Ungezwungenheit arbeiten können, als von links nach rechts. Der Grund dafür ist einfach. Die Reiterin kann die Bewegungen von links nach rechts ebensoleicht ausführen, wie der Reiter, weil sie von dieser Seite die nämlichen Hilfen, Schenkel und Sporn geben kann. Ganz anders ist es mit den Bewegungen von rechts nach links, zu deren Ausführung die Peitsche den fehlenden Schenkel ersetzen soll. Nun übt aber die Peitsche bei weitem nicht die Gewalt aus, als der mit dem Sporn ausgerüstete

rückwärts auf drei Beinen. Figur 1, zweites Tempo. Das rechte Hinterbein ist soeben, etwas später als das linke Hinterbein, niedergesetzt worden. Um die Streckung des rechten Vorderbeins hervorzubringen, gibt der Sporn den Schwung, welchen das zum Zurückgehen treibende Gesäss wieder zurückhält. Man wird bemerken, dass der Kopf des Pferdes ein wenig vor der Senkrechten steht und dass beide Zügel schlaff sind.

Figur 2, drittes Tempo. Das linke Vorderbein ist ebenso nach rückwärts (von dem Ausgangspunkt gerechnet), niedergesetzt, und das rechte Vorderbein, welches dem vierten Tempo demnächst zur Unterstützung dienen soll, bleibt noch in der Luft.

Die stattgehabte Annäherung der drei im Stütz befindlichen Beine zeigt uns an, wie viel Raum nach rückwärts gewonnen ist; das Gesäss treibt immer nach rückwärts. Die Zügel, besonders der rechte Trensenzügel, sind ein wenig straffer, um das rechte Vorderbein in der Luft zu erhalten.

Diese beiden Figuren sind ganz geeignet, die Feinheit der Hilfen richtig zu würdigen.

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Schenkel, und wenn das Pferd auf dieser Seite auch noch Schwierigkeiten hat, ist die Peitsche ausser Stande, die Bewegungen von rechts nach links ausführen zu lassen. Dies gilt für die gesamte Arbeit. Besonders bei den Gängen auf zwei Hufschlägen trägt sich das Pferd nicht so gut und ist auch von rechts nach links nicht so vollständig in der Hand der Reiterin, als von links nach rechts. Auch der Beinwechsel ist von rechts nach links schwieriger. Im Spanischen Tritt wird das linke Vorderbein weniger hoch herausgebracht und dessen Streckung ist weniger kraftvoll. Gebraucht man die Peitsche mit mehr Gewalt, so führt man einen plötzlichen, unerwarteten Satz des Pferdes herbei. Ausserdem ist es, wenn die Reiterin den rechten Arm energisch handhabt, um mit der Peitsche einen Schlag zu versetzen, sehr selten, dass die linke Hand dabei unbeeinflusst bleibt und dem Pferde nicht etwa einen Ruck ins Maul gibt, welcher dieses eine falsche Stellung einnehmen lässt.

Beinahe alle Reiterinnen stellen ihre Pferde nach rechts hin schief. Das kommt daher, weil sie das auf der linken Seite liegende, mächtigere Hilfsmittel missbrauchen und weil die rechte Hilfe sich zu schwach erweist, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Um diesen Unzuträglichkeiten abzuhelfen, muss das für Damen bestimmte Schulpferd von rechts nach links williger sein.

Was das für Damen bestimmte Promenadenpferd anlangt, so genügt es, dass es in gerader Haltung bleibt.

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VIERTER TEIL.

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I. Erklärende Bemerkungen über Baucher.

Baucher ist sicherlich der grösste und geschickteste Reitmeister gewesen, den wir gehabt haben, wenn man nur die hohe Schule der Reitkunst in Betracht zieht.[1]

Er ist es zweifellos nicht, der die hohe Schule erfunden hat, welche vielmehr die Frucht fleissiger


  1. Was mich betrifft, so berufe ich mich stolz auf Baucher. François Caron, mein Lehrer, war sein Schüler. Ich habe Bauchers Methode in allen Teilen gründlich studiert. Ohne Baucher würde ich in der Reitkunst niemals so weit gekommen sein, als ich es bin.

    Es würde eine Undankbarkeit meinerseits sein, den Namen Bauchers zu erwähnen, ohne gleichzeitig seinem Rivalen, Viktor Franconi, die gebührende Hochachtung zu bezeigen, von dem ich so viele ausgezeichnete Lehren empfangen habe. Viktor Franconi näherte sich bezüglich seines beherzten Auftretens und seiner Gründlichkeit, als auch bezüglich des Schwunges, den er seinen Pferden zu geben verstand, mehr der vom Grafen d'Aure angewandten Reitkunst. Es gäbe eine lange Liste, wenn man alle diejenigen Meister aufführen wollte, welchen die heutigen Reiter noch etwas schulden. Frankreich kann sich einer bewunderungswürdigen Reihe von Meistern rühmen. Wenn Italien einen Pignatelli anführen kann, England einen Newcastle, Deutschland einen Schweppe, so kann Frankreich Hunderte von berühmten Namen vorführen, unter denen, um nur von den älteren zu sprechen, Reiter hervorleuchten wie Dupaty de Clam, La Guérinière, der Chevalier d'Abzac, der Marquis de Bigne usw. Die hannoversche Schule, die berühmteste der ausländischen Schulen, war direkt der grossen Schule von Versailles nachgebildet. Frankreich ist ohne Widerspruch das klassische Land der Reitkunst. ↩︎

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Arbeit zahlreicher Generationen von Reitmeistern ist; aber er hat es verstanden, eine neue und wahrhaft überraschende Methode zu finden und den anderen anzureihen. Vor ihm hatte kein Reiter so bewundernswürdige Resultate erzielt. Er hat viele Schwierigkeiten überwunden und hat eine grosse Anzahl von Hindernissen beseitigt, welchen derjenige Reiter immer auf seinem Wege begegnen wird, der ein Schulpferd dressieren will.

Kurz, er hat neue Schulgänge eingeführt, welche er mit einer bemerkenswerten Sicherheit ausführte. Seine Methode ist besonders bewundernswert, so weit sie sich auf die Konservierung des Pferdes stützt, beruhend auf dem Gleichgewicht, auf einer sachgemässen Gymnastik, auf dem Biegsammachen und auf einer richtigen Verteilung der Kräfte.[1] Sie hat ausserdem auch noch den ungeheuren Vorzug vor den alten Methoden, dass sie sehr schnell Resultate liefert. Deshalb kann man mit der Baucherschen Methode ein Promenadenpferd in zwei, ein Schulpferd in acht bis zehn Monaten dressieren, während man früher zwei oder drei Jahre brauchte, um dieses Resultat zu erzielen; und dennoch befassten sich die älteren Reit-


  1. Ich habe davon in meiner Arbeit dasjenige aufgenommen, was ich „die drei goldenen Schlüssel“ der Baucherschen Methode nennen möchte. Das sind: 1. Die vollkommene Biegsamkeit (allerdings mit mehr Aufrichtung von Kopf und Hals). 2. Seine Angriffsmethode zur Zusammenstellung des Pferdes. 3. Seine Methode zur Versammlung des Pferdes, die ich vervollkommnet habe.

    Abgesehen von diesen drei Dingen, nähere ich mich mehr der alten Versailler Schule in dem Sinne, dass ich immer auf grosse Gänge und auf die Notwendigkeit halte, dass das Pferd sich streckt. ↩︎

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meister niemals mit solchen Schwierigkeiten, welche Baucher überwunden hat.[1] Ich gehe noch weiter; sie hatten selbst keine Ahnung davon.

Wir müssen uns also mit Anerkennung vor diesem Meister der Reitkunst beugen.

Soll das etwa sagen, dass Baucher über jede Kritik erhaben wäre? Nein, gewiss nicht. Und ich für meinen Teil bin weit entfernt davon, alle seine Ansichten gutzuheissen. Ich glaube sogar, dass es meine Pflicht ist, dasjenige seines Verfahrens zu bekämpfen, was ich für falsch halte. Ich habe schon öfter in diesem Werke Gelegenheit genommen, gewisse Irrtümer des grossen Meisters hervorzuheben. Es bleibt mir nur noch übrig, einige seiner Anschauungen zu kritisieren. In erster Linie muss ich sagen, dass die „Methode Baucher“ für Leute, welche in der Reitkunst erst wenig Fortschritte gemacht haben, oder


  1. Ich habe bis zum heutigen Tage 35 Schulpferde dressiert. Noch niemand ist in der Dressur von Schulpferden bis zu dieser Anzahl gekommen. Baucher, welcher mit 74 Jahren gestorben ist, hatte 26 dressiert. Da ich erst 58 Jahre zähle, hoffe ich, diese Zahl zu verdoppeln, wenn ich das Alter dieses grossen Meisters erreiche. Was die von mir dressierten Promenadenpferde anlangt, so zähle ich diese nach Hunderten.

    Ich erhebe sicherlich nicht den Anspruch, mich für klüger zu halten, als einige meiner berühmten Vorgänger; ich weiss, dass andere vor mir es ebensogut, vielleicht besser gemacht haben; wenn ich diese Tatsachen anführe, so geschieht das einfach, um die Resultate meiner Methode zu zeigen. Ich bin überzeugt, dass jeder Reiter, der diese Methode befolgt, die nämlichen Resultate erzielen können wird, vorausgesetzt, dass er dazu von der Natur ausgestattet ist und Liebe zum Pferde hat. Nur wenige Autoren haben eine im eigentlichen Sinne des Wortes wirklich richtige Dressurmethode angegeben. Ich habe nicht unterlassen, alle Werke, welche sich auf die Reitkunst beziehen, durchzustöbern: kein einziges gibt davon ein wirklich vollkommenes Gesamtbild. ↩︎

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welche ihre ersten Pferde ohne Aufsicht eines Lehrers[1] bearbeiten oder dressieren, gefährlich ist, weil sie darin besteht, das Pferd vollständig und andauernd zwischen Hand und Schenkel des Reiters zu versammeln. Diese Methode ist doch nicht jedem geläufig und kann daher ohne Unzuträglichkeit nur von denjenigen ausgeübt werden, welche durch ernste Studien dazu vorbereitet sind.

Baucher sagt, alle Pferde hätten ein gleiches Maul und wären gleich empfindsam in den Flanken. Diese Anschauung ist eine der falschesten. Ich behaupte, dass es im Gegenteil unmöglich ist, zwei Mäuler und zwei Flanken zu finden, welche genau den gleichen Grad von Empfindsamkeit besitzen. Zweifellos wird der Unterschied, ähnlich wie bei den Blättern ein und desselben Baumes, nicht sehr auffällig sein, aber nichtsdestoweniger besteht er und wird nicht geleugnet werden können.

Dass man es erreicht, sich alle Pferde leicht in die Hand zu stellen und alle Flanken empfindsam für den Sporn zu machen, ist möglich und sogar gewiss; ich muss aber in Abrede stellen, dass man allen die gleiche Weichheit und den gleichen Grad von Empfindsamkeit beibringen kann.

Baucher fügt auch noch hinzu, dass das Maul nicht daran schuld sei, wenn ein Pferd auf die Hand drückt, und dass es genüge, das Gleichgewicht zu verlegen. Prüfen wir einmal diese Meinung, nehmen wir z. B. Vollblutpferde im Training an und lassen wir allen die ihnen im Rennen eigentümliche Gleichgewichtshaltung: tiefgestellter Kopf, ausgestreckter


  1. Daher kommt es vielleicht, dass die reinen Baucheristen oft damit enden, dass ihre Pferde statisch geworden sind. ↩︎

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Hals und hohe Kruppe. Was wird eintreten? Einige werden sich nicht genug auf die Hand stützen und laufen schlecht; andere stützen sich gerade genug, um gut zu laufen, und noch andere legen sich zu stark auf die Hand; einige schliesslich gehen durch, trotz der soliden Arme und der Kraft ihres Reiters.

Das beweist doch nur, dass nicht alle, obgleich sie sämtlich in der gleichen Haltung sind, den gleichen Grad von Empfindsamkeit im Maul haben. Bemerke man doch, dass alle Pferde im Training ein und dasselbe Gebiss haben: eine einfache Trense. Also kann man ihre verschiedene Art, sich auf die Hand zu legen, nicht etwa auf die Rechnung des Gebisses setzen.

Ich besitze hierüber Erfahrungen, die keinen Zweifel zulassen können. Auch fürchte ich mich nicht, folgende Grundsätze aufzustellen: 1. Jedes Pferd besitzt eine ihm eigene Empfindsamkeit, welche niemals derjenigen eines anderen Pferdes genau gleich ist. 2. Diese Verschiedenheit im Maul ist unabhängig von Arbeit und Gleichgewicht; gleichviel in welcher Gangart.

So habe ich z. B. zwei Vollblutpferde besessen und für die hohe Schule dressiert, die schon vorher Erfolge auf der Rennbahn gehabt hatten: „Redoubt“ von „Parmesan“ und „Gant“ von „Gantelet“ aus der „Mademoiselle de Romanerie“. Ich bekam sie erst, als sie schon fünf Jahre alt waren und habe bemerkenswerte Schulpferde aus ihnen gemacht.

„Redoubt“ hatte ein feinfühliges und empfindsames Maul; er nahm die vollkommene Versammlung an und erhielt sich darin fast ohne Einwirkung der Zügel. „Gant“ hingegen hatte ein härteres Maul;

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um bei ihm einen gleichen Grad von Versammlung zu erzielen, musste man die Zügel viel straffer anspannen.

Ich ritt die Pferde abwechselnd, begab mich im Schritt, Trab oder Galopp mit ihnen auf die Trainierbahn zu Bagatelle, und beobachtete während des Rittes dahin bei diesen verschiedenen Gangarten denselben Unterschied im Maul, wie ich ihn in der Reitbahn bei der feinsten Arbeit in der hohen Schule festgestellt hatte.

Auf dem Rennplatze angekommen und nachdem ich die Kinnkette ausgehakt und die Kandarenzügel über dem Pferdehalse zusammengeknotet hatte, liess ich meine Pferde einen kurzen Versuchsgalopp gehen. Auffallend schnell fanden beide Pferde ihre alte Haltung und den gestreckten Galopp wieder. Ich liess sie dann etwa tausend Meter im schnellsten Lauf zurücklegen. Man würde nicht geglaubt haben, dass die Pferde in den letzten 18 Monaten nicht gelaufen waren; aber beide zeigten im Renngalopp den gleichen Unterschied im Maul, den sie früher bei der Arbeit in der hohen Schule und während des Spazierenreitens gezeigt hatten.

„Redoubt“ legte sich gerade genug auf die Hand, um gut zu laufen; „Gant“ hingegen nahm sehr starke Anlehnung, zog mit aller Macht an den Zügeln und ging durch. Ersteren konnte ich schon nach einigen Galoppsprüngen abstoppen, wie ich wollte, während mir das bei letzterem erst nach 150 bis 200 Metern gelang; und das auch mehr mit der Stimme als mit der Hand.

Nach diesen Rennversuchen kehrte ich im Schritt zum Stall zurück, um meine Pferde zu Atem kommen

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zu lassen und liess sie dann aber noch, ohne abzuzäumen, ihre Arbeit in der hohen Schule durchmachen. Hierbei fand ich ohne die geringste Veränderung genau diejenigen Eigenschaften des Maules wieder, welche die Pferde früher gezeigt hatten.

Während des Spazierrittes waren meine Pferde leicht in der Hand, ohne auf die Hinterhand gesetzt zu sein;[1] im Rennen legten sie sich so stark auf die Hand, als ob sie niemals in der hohen Schule dressiert wären; aber in die Reitbahn zurückgebracht und auf die Hinterhand gesetzt, waren sie so leicht am Zügel, als ob sie nie gelaufen wären.

Es ist bemerkenswert, dass die Pferde während des Versuches, über welchen ich soeben berichtet habe, nach und nach in drei durchaus voneinander verschiedenen Gleichgewichtshaltungen sich befunden hatten:

  1. Auf dem Wege zur Rennbahn waren sie im horizontalen Gleichgewicht, welches man beim Spazierenreiten immer haben müsste. Sie behielten dieses aus dem einfachen Indiehandstellen hervorgegangene Gleichgewicht auch bei.

  2. Während des Rennens hatten sie das Gewicht auf der Vorhand.

  3. In der Reitbahn, bei Wiederaufnahme der hohen Schule, nahmen sie ihr Schulgleichgewicht an, d. h. sie waren wieder auf die Hanken gesetzt, mit anderen Worten, sie waren wieder auf der Hinterhand versammelt. Das Gleichgewicht war also dreimal geändert worden. Desgleichen waren die angewandten Hilfen jedesmal ganz verschieden, je nach der Arbeit,


  1. Das ist das gewöhnliche Gleichgewicht, das horizontale. ↩︎

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die verlangt wurde. Die Hauptsache, welche ich Baucher entgegenhalte, ist aber, dass die guten oder schlechten Eigenschaften des Maules unbedingt fortbestehen blieben, ganz gleich wie die Arbeit, wie die Anwendung der Hilfen und besonders wie das Gleichgewicht war. In den drei Gleichgewichtsarten fand ich stets die gleichen Unterschiede im Maul wieder.

Ich habe diesen Versuch wohl mit zwanzig in der hohen Schule dressierten Vollblutpferden wiederholt und immer bin ich wieder zu derselben Schlussfolgerung gekommen: man kann die Gewichtsverteilung ändern, aber das Maul ändert sich deshalb nicht.

Jedenfalls steht so viel fest, dass ein Pferd, welches Kopf und Hals tief trägt, dem Reiter diese aufbürdet, während sie nicht mehr auf die Hand drücken werden, wenn man das Gleichgewicht durch Aufrichten von Kopf und Hals herstellt.

Baucher verwechselte Empfindsamkeit des Maules mit Leichtigkeit, die sich ergibt, wenn man eine Veränderung der Kopf- und Halsstellung vornimmt.

Sprechen wir jetzt von den Flanken. Wer wird glauben, dass ein schweres, gemeines, kaltes Pferd die gleiche Empfindsamkeit in den Flanken hat, wie ein kraftvolles, nervöses und mutiges?[1]

Dass man es so weit bringen kann, dass jenes fast die gleiche Übung ausführt, wie dieses, gebe ich zu: aber um welchen Preis? Man müsste ihm die Flanken mit dem Sporn blutig bearbeiten, um auch nur eine Spur von Energie zu erzielen. Bei einem Pferde der zweiten Art wird schon die blosse


  1. Ebensogut könnte man sagen, alle Menschen wären in gleichem Grade kitzlig. ↩︎

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Annäherung des Hackens genügen, um eine energische Aktion hervorzubringen.

Niemals wird ein kitzliges, eigensinniges oder spornstätisches Pferd den Sporn mit der gleichen Gelassenheit ertragen, wie ein gutartiges und wenig reizbares. Es gelingt in keinem Falle, etwas, was die Natur geschaffen hat, völlig umzuwandeln; und mehr noch, ein von Natur kitzliges Pferd wird noch kitzliger, wenn es dem ununterbrochenen Einfluss der Sporen unterworfen ist. Es kommt sogar vor, dass ein Pferd, welches nicht kitzlig ist, bisweilen infolge der Ansprüche, welche die Dressur stellt, kitzlig wird.

Ebenso wird ein Pferd, welches einen schlechten Rücken, schwache Sprunggelenke oder andere Gebrechen hat, dadurch nicht besser, dass es durch die Bauchersche Schule gegangen ist; die Mängel des Pferdes nehmen oft sogar noch zu infolge der Schmerzen, welche es erduldet, wenn man diese oder jene Stellung von ihm verlangt; sei es z. B. das einfache Beizäumen ohne Schenkel[1] oder die vollkommene Versammlung. Bauchers Behauptung, seine Methode heile alle Leiden, war also nicht richtig.

Generalregel bleibt: Je schwächer und notleidender ein Pferd ist, desto weniger Anstrengung darf man von ihm verlangen, wenn man es nicht etwa zu jedem Dienst untauglich machen will. Bei einem solchen Tier kann von feiner Reiterei keine Rede sein; es ist eben unfähig, Versammlung zu ertragen. Man lässt es einfach geradeaus gehen und kann sich glück-


  1. Ich habe übrigens schon gesagt, dass man das einfache Beizäumen nur mit einem Pferde vornehmen soll, welches von Natur willig und kräftig in die Hand geht. ↩︎

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lich schätzen, wenn man aus ihm noch ein leidlich gutes Truppenpferd macht.

Auch bezüglich eines anderen Punktes scheint mir Baucher ausserhalb der Wirklichkeit zu stehen, nämlich, wenn er behauptet, alle instinktiven Kräfte des Pferdes einfach zu vernichten und nur durch die vom Reiter übertragenen Kräfte einzuwirken.

Diese Theorie ist so wunderlich und der Natur der Sache so widersprechend, dass ich nicht umhin kann, zu glauben, dass der von Baucher gebrauchte Ausdruck seinen Gedanken schlecht wiedergibt.

Was sind denn eigentlich instinktive Kräfte? Das sind augenscheinlich die natürlichen Kräfte, also die Muskelkräfte!

Wenn diese Kräfte vernichtet sind, was bleibt dann? Was sind ferner die übertragnen Kräfte, von denen Baucher spricht? Woher kommen sie? Man überträgt wohl einen elektrischen Strom oder einen moralischen Eindruck, aber um eine Kraft übertragen zu können, muss man sie doch erst erzeugt haben, und wir wissen doch erstens, dass der Reiter keine Kräfte entwickeln soll, weil er immer weich bleiben muss; zweitens, dass, selbst wenn der Reiter Kraft entwickeln würde, diese im Vergleich mit derjenigen des Pferdes ganz bedeutungslos ist.

Über welche Kraftmittel verfügt denn der Reiter? Er hat nur deren zwei: die Schenkel und die Hände.[1]

Die Schenkel erwecken ohne Zweifel, wenn sie ordentlich gebraucht werden, die ganze Kraft des Pferdes, aber sie bringen keine Kraft hinzu. Sie


  1. Die Schenkel als Kraftmittel zum Schwung, die Hände als Kraftmittel zum Verhalten und zum Angeben der Richtung. ↩︎

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fordern das Pferd einfach auf, seine Energie, zu der es fähig ist, zu entwickeln. Was die Hände anlangt, so sollen diese keine Kraft entwickeln; tun sie das ausnahmsweise dennoch einmal, so hat diese Kraftanstrengung nur den Zweck, derjenigen des Pferdes entgegenzuwirken. Sie übertragen ihm keine Kraft, sondern sie halten diejenige des Pferdes teilweise auf.

Zwei Jockeys kommen beinahe zusammen beim Einlaufspfosten an; das Pferd des einen ist ebenso ausgepumpt, wie das des andern. Wenn einer der beiden Jockeys sehr kräftig ist, so könnte die bedeutende und energische Einwirkung seiner Hände, Schenkel und Peitsche den Anschein erwecken, als ob er einen starken Schwung auf sein Pferd übertrüge, und so zwei oder drei mächtige Galoppsprünge erzielte, welche ihm zum Siege genügten. Das wäre nun eine Kraft, die übertragen zu sein scheint, aber in Wirklichkeit hat der Jockey durch kraftvollste Einwirkung nur einfach den ganzen Rest von Energie, dessen das Pferd noch mächtig ist, angespornt und hat es bis zur grössten Kraftentwicklung während zwei oder drei Sekunden angeregt.

Ein anderer Fall: Pferde, die von einer langen Jagd nach Hause geritten werden, sind sehr erschöpft. Sie klettern einen steilen Abhang hinab, an dessen Fuss sich ein kleiner Graben befindet. Einige Pferde, die nicht gehalten werden, stolpern und fallen. Ein Reiter hingegen muntert sein Pferd kräftig auf und verhindert es dadurch am Fallen.

Da hätten wir wieder eine Kraft, die anscheinend für Augenblicke übertragen ist, in Wirklichkeit hat aber auch hier der Reiter nichts weiter getan, als die Kraft und Energie seines Pferdes neu belebt und es

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ist die natürliche Kraft des letzteren, welche alles gemacht hat.

Nehmen wir ein Schulpferd zum Ende seiner Arbeit an; oft wird es matt, d. h. es hat kein Feuer mehr in seinen Bewegungen. Nichtsdestoweniger will ich es noch einige Übungen ausführen lassen, und zwar solche, die noch mehr Energie erfordern. In diesem Falle bin ich gezwungen, auf die Sporen zurückzugreifen und mich ihrer mit einer gewissen Energie zu bedienen, um das Pferd unter der Spornattacke aufzumuntern. Ist das etwa eine Kraft, die ich auf das Pferd übertragen habe? Nein, das ist ein Rest von Energie, den ich erweckt habe und den das Pferd gezwungen hergibt.

Noch einmal alles kurz zusammengefasst: Der Reiter überträgt keine Kraft auf sein Pferd, er macht sich vielmehr die natürlichen Kräfte desselben nutzbar, leitet sie, mildert sie ab oder fordert sie nach Belieben heraus.

Ich glaube, Baucher hat einfach sagen wollen, dass jedesmal, wenn das Pferd seine eigenen, instinktiven Kräfte selbständig gebraucht, der Reiter sie aufhält oder leitet, besonders dann, wenn sie eine Gewalttätigkeit, wie z. B. einen Satz, eine Lançade oder ein Kurzkehrt zum Zweck haben. Wenn aber das Pferd seine ganze Energie hergibt, die doch sichtlich auch instinktiv ist, um einen guten Schritt, flotten Trab und festen Galopp auszuführen, so bilde ich mir ein, dass man nicht versuchen sollte, sie zu vernichten. Baucher zerstörte weder, noch übertrug er die Kräfte; er leitete sie. Er bemächtigte sich der Kraft durch Biegsammachen und durch eine wohlüberlegte Ausbildung des Pferdes, und da er es daran hinderte,

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von den eigenen Kräften nach Belieben Gebrauch zu machen, beherrschte er folglich das Pferd.

Übrigens kann sich das Pferd immer der Kraft mit Gewalt entziehen, und in diesem Falle wird der Reiter schnell am Ende seiner Macht sein. Deshalb muss der Reiter das Pferd nicht zum Bewusstsein seiner eigenen Kräfte kommen lassen, damit es dieselben nicht gegen ihn ausnutzen kann.

Man erreicht das, indem man die Absichten des Pferdes im voraus zu fühlen und zu erraten sucht. Der Reiter, welcher Takt hat, sieht den Widerstand voraus, fühlt ihn kommen und wendet ihn ab, bevor das Pferd Zeit findet ihn auszuführen.

Baucher beklagte sich, nachdem er sich sein Leben lang mit der Dressur von Pferden, wie „Partisan“, „Buridan“, „Capitaine“, „Stades“ und anderen beschäftigt hatte, dass seine Pferde in den Wendungen nicht immer leicht blieben. Er gab hierfür als Grund an, dass er mit seiner Dressurmethode nur ein „Gleichgewicht zweiter Ordnung“ erzielt habe, was ich „unvollkommenes Gleichgewicht“ oder „unvollendete Versammlung“ nenne. Nach ihm müsste sich das „Gleichgewicht erster Ordnung“, was ich „vollkommenes Gleichgewicht“ oder „vollständige Versammlung“ nennen würde, durch Einwirkung der Hand ohne die Schenkel, und der Schenkel ohne die Hand erreichen lassen. Hier irrt Baucher aber ganz gewaltig, denn wenn er damit endete, das Gleichgewicht erster Ordnung zu finden, so geschah das nur dank der Aufrichtung von Kopf und Hals, welche er erst gegen Ende seiner Laufbahn guthiess, als er schon nicht mehr reiten konnte. So wie er Kopf und Hals seiner Pferde stellte, konnte er eine vollkommene Versamm-

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lung nicht erreichen. Der Kopf stand zu tief, der Hals bog sich in der Mitte, und so musste es gezwungenermassen geschehen, dass ihm die Leichtigkeit bei seinen Pferden auf Augenblicke verloren ging.

Was die „vollkommene Versammlung“ durch Hilfen der Hand ohne Schenkel und durch Schenkelhilfen ohne die Hand anlangt, so ist das einfach widersinnig.

Man liest in der 14. und letzten Ausgabe des Baucherschen Werkes, Seite 82: „Meine Methode setzt das Pferd derartig in Abhängigkeit vom Reiter, dass durch die Verbindung der Schenkel- und Zügel-Hilfen unsere geringsten Bewegungen ausreichen, um die Triebfedern dieses mächtigen Tieres nach unserm Gefallen zu leiten.“ Es gibt nichts Richtigeres! Aber warum behauptet er in derselben Ausgabe, Seite 178, dass die einzig wahre Reitkunst nur im Gebrauch der „Schenkel ohne Hände“ und „Hände ohne Schenkel“ beruhe? Wie hat er übersehen können, dass diese beiden Behauptungen sich widersprechen? Die Schenkel des Reiters haben die Bestimmung, die Hanken des Pferdes lebhaft, die Hände, sein Maul nachgiebig zu machen; ohne das gleichzeitige Zusammenwirken dieser beiden Hilfen ist selbst durch Gewaltmittel keine gute Reitkunst möglich.

Der Beweis dafür, dass Baucher irrte, als er glaubte, das vollkommene Gleichgewicht durch den Gebrauch „der Schenkel ohne Hände“ und „der Hände ohne Schenkel“ erzielt zu haben, wird übrigens dadurch geliefert, dass er das Pferd tatsächlich mit beiden Hilfen dressierte und dass er erst später dazu kam, sich nur der einen oder der anderen zu bedienen. Da man gezwungen ist, sich der Schenkel zu bedienen, um den Schwung zu geben, und der

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Hand, um zu lenken, so beeilte sich Baucher schliesslich doch, auf beide Hilfen wieder zurückzukommen.

Warum also unter diesen Umständen einer Hilfe entsagen, auf welche man jeden Augenblick doch wieder zurückkommen muss? Bedarf es eines Beispiels? Versuche man doch die Arbeit auf zwei Hufschlägen ohne Schenkel! Nichts deutet dem Pferde an, dass die Hinterhand weichen soll, besonders dann nicht, wenn man zwei Hufschläge im Galopp oder im Passagieren verlangt. Versuche man doch einmal den Spanischen Trab ganz ohne Schenkel zu erlangen: das Pferd wird zwar die Vorderbeine auf der Stelle ein wenig heben, aber nichts wird ihm den zum Antraben nötigen Schwung geben. Man wechsle doch einmal die Hilfen und verlange dieselbe Arbeit, ohne die Hand zu gebrauchen: die Schenkeltätigkeit wird, um das Herausheben und die Streckung der vorderen Gliedmassen zu erzielen, zu dem Resultat führen, dass das Pferd sich ungestüm nach vorwärts wirft; denn nichts hält es zurück und richtet die Vorhand auf; und ebenso würde es in allen anderen Gangarten sein.

Ich gebe jedoch zu, dass ein Schulpferd, dessen Ausbildung bis zum letzten Grad von Feinheit durchgeführt ist, alle Bewegungen aus Gewohnheit ohne Beistand der Hilfen ausführt; um das Pferd dahin zu bringen, genügt es, ihm die Hilfen mit losen Zügeln und durch einfaches Berühren mit den Hosen anzudeuten. Das ist schliesslich nichts anderes als eine Frage der feinen Unterschiede; aber alle Kunst besteht eben nur aus feinen Unterschieden.

Weil Baucher eingesteht, immer nur ein „Gleichgewicht zweiter Ordnung“ (unvollkommene Versammlung) gehabt zu haben, bin ich zu glauben berechtigt,

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dass meine Schulpferde den seinigen überlegen sind; denn ich erziele seit zehn Jahren schon das, was er „Gleichgewicht erster Ordnung“ (vollkommene Versammlung) nennt. Ich beeile mich übrigens hinzuzufügen, dass ich Baucher verdanke, bei meinen Versuchen diese vollkommene Versammlung gefunden zu haben, die nur bei bedeutend höherer Aufrichtung von Kopf und Hals möglich ist. Wenn ich sage, dass meine Schulpferde denjenigen des berühmten Meisters überlegen sind, so bin ich doch nicht so anmassend, zu glauben, dass sie schulgerechter als diejenigen Bauchers seien, da diese es tatsächlich bis zur Vollkommenheit gewesen sind. Ich will einfach sagen, dass ich die nämlichen Schulgänge ganz ebenso regelrecht, als mein verehrter Vorgänger erziele, aber mit viel mehr Aufrichtung des Kopfes und Halses und mit höheren Gängen, d. h. mit einem vollkommenerem Gleichgewicht, das natürlich eine viel geringere Anstrengung erfordert, und besonders mit viel mehr Schwung.

In seinen Werken über die Reitkunst hält Baucher nur wenig auf das, was zur moralischen Erziehung des Pferdes im Freien gehört. Offenbar ist das eine Lücke.

Es kommt daher, dass Baucher niemals im Freien ritt. Ohne sein Schüler gewesen zu sein, bin ich ihm doch gefolgt und habe ihn studiert während seiner Reisen in Österreich, Italien, in der Schweiz usw. von 1847—1850. In diesen drei Jahren habe ich ihn niemals ausreiten sehen. Man hat sehr mit Unrecht behauptet, dass er nicht sattelfest sei, und deshalb nicht wage, sich auf der Promenade oder der Jagd zu zeigen. Das darf man nicht gelten lassen. Zu-

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geben will ich wohl, dass er kein so erstklassiger Springer und hervorragender Reiter war, wie der Graf d'Aure, und dass er vielleicht nicht die vielfach erprobte Sicherheit des letzteren besass; aber das beweist nicht, dass er sich etwa fürchtete, im Freien zu reiten. Die Tatsache, dass er viele Pferde dressiert hat, beweist ganz klar, dass er sattelfest war, denn es gibt doch auch während der Dressur mehr oder weniger heftige Kämpfe zu bestehen. Man muss also die Gründe, welche Baucher vom Ausreiten abhielten, anderswo suchen. Baucher, der ein Neuerer und Forscher war, machte es durchaus kein Vergnügen, wenn er sein Pferd sich selbst überlassen musste, wie man es auf dem Spazierritt oft tut. Um so weit zu kommen, uns die Wege zu ebnen, musste er sein ganzes Leben seinem Werke widmen. Dieses allein interessierte ihn. Reiten, ohne sein Pferd zu bearbeiten, war für ihn nur Verdruss. Deshalb hat sich Baucher niemals mit dem Promenaden- oder Jagdpferde beschäftigt, nie mit dessen Charakter oder der Art und Weise, es zu reiten und zu führen, nie mit dem gewaltigen Unterschiede sich beschäftigt, welcher zwischen einem nach seiner Methode zusammengenommenen Schulpferde und einem im Freien gerittenen Pferde liegt, dem man mehr Spielraum lässt.

Da Baucher nie draussen ritt, setzte er seine Pferde auch nie recht in freie Gänge. Das ist ein Fehler; denn das Pferd ist mit grosser Leichtigkeit aus der losgelassenen Haltung in die Versammlung wieder zurückzubringen. Ein gestreckter Galopp, vorausgesetzt, dass er nicht zu lange ausgedehnt wird, hat den Vorteil, dass das Pferd sich einmal loslassen und infolge anderer Gewichtsverteilung erholen kann.

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ihm aber gleichzeitig auch die Lungen entwickelt und stärkt.

Der Hauptfehler Bauchers war, sein Pferd ununterbrochen zusammenzuschrauben. Was mich betrifft, so halte ich es für ein Grundprinzip, das Pferd im Verlauf der Unterrichtsstunde sich jedesmal strecken zu lassen, nachdem es nachgegeben hat. Ich bin der Ansicht, dass es zur allgemeinen Regel gemacht werden muss, seinem Pferde während der Dressur Gelegenheit zu geben, dass es sich von Zeit zu Zeit in allen drei Gangarten strecken kann. Es gibt keine Gleichgewichtsstellung, keine Haltung, welche nicht schliesslich zur Ermattung führte. Man wechsle also ab damit und man wird dann mit um so grösserem Vergnügen wieder darauf zurückkommen können.

Zum Schluss noch eine Beobachtung, die ich über Bauchers Methode gemacht habe. Auf Seite 103 der 14. Ausgabe seines Werkes berichtet Baucher über eine Unterhaltung, welche er in Berlin mit einigen deutschen Offizieren geführt hatte, die dafür galten, gute Kenntnisse über das Pferd zu besitzen.

Sie sagten: ‚Wir wollen, dass unsere Pferde „vor der Hand sind.‘ Baucher erwiderte: ‚Ich will, dass die meinigen „hinter der Hand“ und „vor den Schenkeln“ sind‘.

Nun, ich teile weder die Meinung der deutschen Offiziere, noch diejenige Bauchers. Das Pferd muss „vor den Schenkeln“ und leicht „auf der Hand“ sein. Das ist immer eine Frage der feinen Gefühlsabstufungen. Wenn es sich aber um Armee-Dienstpferde handelt, kann von feinen Gefühlsabstufungen keine Rede sein, vielmehr von ganz anderen Dingen, und

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in diesem Falle stimme ich mit Baucher durchaus nicht überein. Ich wage sogar zu sagen, dass die alleinige Tatsache, zu behaupten, dass die Pferde „hinter der Hand“ sein müssen, genügt, um die Methode Baucher ein für allemal aus der Armee zu verbannen. Eine derartige Anschauung in die Praxis zu übertragen, könnte nur dahin führen, das Pferd unschlüssig und zaghaft zu machen; denn gerade die Hand ist es, welche das Pferd lenken soll. Das Pferd geht immer zögernd, wenn es nicht die Hand fühlt. Also, wenn es „hinter der Hand“ ist, fühlt es die Zügel nicht. Gerade das Gegenteil muss man mit dem Soldatenpferd machen, welches immer dreist „auf der Hand“ sein soll.

Das waren die Hauptpunkte der Baucherschen Methode, in denen ich mit diesem berühmten Meister nicht übereinstimme.

Nichtsdestoweniger wiederhole ich, dass ich für ihn die aufrichtigste Bewunderung hege.

Baucher ist ein schöpferischer Geist gewesen, und alle diejenigen, welche sich mit der Reitkunst befassen, schulden ihm, als einem Meister vom Fach, Ehrerbietung. Er hatte auch zugleich die grosse Eigenschaft, nichts zu beschreiben, was er nicht selbst ausführen konnte. Viele andere nach ihm haben auch des langen und breiten über Reitkunst geschrieben, und zwar oft über grossartige Bewegungen, die sie selbst aber mit ihren Pferden nicht machen konnten.

Baucher jedoch bewies die Überlegenheit seiner Theorie, indem er sie in die Praxis übertrug.

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Schlusssatz.

Um ein vollendeter Reiter zu sein, oder um sich der Vollendung so viel als möglich zu nähern, muss man die fünf folgenden Proben bestehen können: 1. einen Verbrecher von Pferd zu reiten, 2. ein Hürdenrennen zu laufen, 3. ein Trabrennen zu reiten, 4. ein Flachrennen zu laufen, 5. ein Schulpferd zu dressieren und zu reiten verstehen.

Einen Verbrecher von Pferd zu reiten, wenn es sich nur darum handelt, auf seinem Rücken zu bleiben, ist einfach Sache der Körperkraft und des Mutes. Dazu genügt es, ein guter Reiter und ein wenig Wagehals zu sein. Wenn man aber so weit kommt, vermöge seines Taktes die Widersetzlichkeiten vorauszusehen und ihnen zuvorzukommen, dann vollführt man allerdings schon angewandte Reitkunst.

Ich setze das Hindernisrennen in zweite Linie. Es erfordert mehr körperliches Geschick und Dreistigkeit, man muss vor allem mehr guter Reiter, als Stallmeister sein; indessen erheischt das Hindernis-Reiten weniger Feingefühl und Takt, als die folgenden Proben. Das Trabrennen kommt nach meiner Ansicht in dritte Reihe, hinsichtlich des richtigen Urteils und Könnens, welches man dabei entwickeln muss. Es ist offenbar, dass, wenn der Jockey nicht richtig

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beurteilen kann, wann sein Pferd bei der höchsten Leistung angekommen ist, er fortfahren wird, es vorzutreiben, wodurch das Pferd leicht in den Galopp fallen wird.

Allerdings ist diese Beurteilung viel leichter, als die des Flachrennens, bei welchem der Jockey die höchste Leistung seines Pferdes kennen, immer dicht bis an diese herangehen muss, sie aber nicht früher als bis zum gewollten Moment herausgeben darf.

Das Flachrennen setze ich an vierte Stelle, in Berücksichtigung dessen, dass es wirklich schon Kunst ist, sich Talenten wie F. Archer, Watts, Cannon, Webb usw. nur zu nähern. Um ein Flachrennen zu laufen, muss der Jockey überhaupt Gefühl für einen sehr entwickelten Galoppsprung haben. Derjenige Jockey, der nicht sofort den Schnelligkeitsgrad richtig erfasst, den ein Pferd, ohne sich reissend schnell auszupumpen, durchhalten kann, wird über den gewöhnlichen Durchschnitt nicht hinauskommen. Wenn man bedenkt, dass die höchste Leistung eines Rennpferdes beinahe einen Kilometer in der Minute ergibt, so versteht man, wie schwer es ist, in einer oder kaum zwei Sekunden das klare Bewusstsein von der Geschwindigkeit zu erhalten, mit welcher man reitet.

Wenn es sich in einem Rennen einfach darum handelte, dass einer nach dem anderen abliefe, so könnte das der erste beste leisten. Die Schwierigkeit liegt darin, dasjenige Tempo einzuleiten und beizubehalten, welches dem Pferde am meisten zusagt. Wenn man nicht versteht, wo und wie man vorgehen muss, ohne gegen sein Pferd ankämpfen zu müssen, bleibt man immer nur ein mittelmässiges Talent.

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Wenn der Jockey zu stark an den Zügeln zieht, so pumpt sich das Pferd durch die Anstrengungen aus, welche es gegen die Hand macht. In diesem Falle leidet weniger das Maul, als vielmehr der Rücken und die Sprunggelenke des Pferdes. Es entwickelt sich daraus eine Ermüdung der Hinterhand, welche das Pferd unfähig macht, zum Einlauf sein Bestes herzugeben. Wenn der Jockey hingegen sein Pferd nicht genügend zurückhält, so gibt es zu früh sein Höchstes an Schnelligkeit her und ist vor dem entscheidenden Moment ebenfalls ausgepumpt.

Man muss daher genügend Takt besitzen, um nicht in den einen oder anderen dieser äussersten Gegensätze zu geraten.

Die Schlussprobe besteht also darin, ein Schulpferd dressieren zu können. Um das zu erreichen, muss man in der Tat positives Wissen, Feingefühl und Takt im höchsten Grade besitzen, ausserdem muss man auch noch genaue Kenntnis von den Kräften seines Pferdes haben, wodurch man allein in den Stand gesetzt ist, es zu dressieren, ohne es abzunutzen.

Bei der Dressur des Schulpferdes ist es nicht nur das Gefühl für die Hilfen der Hände und Schenkel, welches bis zur äussersten Grenze gefordert wird, sondern auch das Gesäss selbst muss die geringsten Bewegungen der Hinterhand vorausfühlen. Im Gesäss muss der Reiter fühlen, was unter ihm vorgeht. Dadurch kann er die kleinsten begangenen Fehler unterdrücken und das kleinste Anzeichen von gutem Willen seitens des Pferdes alsbald belohnen. Das ist das ganze Geheimnis der Dressur. Ja, noch mehr: der Reiter, welcher ein Schulpferd dressiert, handelt selbstständig und hängt nur von sich allein ab. Jeder be-

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gangene Fehler muss ihm zur Last fallen, wie auch jede gut ausgeführte Bewegung sein Werk ist. Dies ist nur für die hohe Schule gültig. Das Rennpferd, um nur dies eine anzuführen, geht durch viele Hände von Trainern, Jockeys usw., und jeder kann, wenn ein Fehler gemacht wurde, seinem Vorgänger die Schuld beimessen. Nur das Schulpferd allein ist das ausschliessliche Werk desjenigen, der es dressiert hat. Auf eine Kritik Bauchers antwortete Graf d'Aure eines Tages: „Ich bin kein Pferdedresseur!“ Was dressierte er denn? Ist es vielleicht das Wort Dresseur, welches sein Ohr unangenehm berührte? Was mich betrifft, so kenne ich kein anderes.

Natürlich darf man einen Reitmeister, welcher ein Pferd aufs feinste dressiert, nicht mit einem Reitknecht verwechseln, der ihm das Gröbste vorarbeitet; aber ich wage zu sagen, dass man nur ein Meister ist, wenn man ein Pferd dressieren kann. Die Dressur ist der Stein des Anstosses für den Reiter. Das dressierte Pferd ist es, welches Zeugnis ablegt für den Dresseur.

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Anhang.

Nachdem ich mich in Brüssel öffentlich gezeigt hatte, bat mich der Graf d'Oultremont, mit meinen Pferden im „Cercle Royal“, dessen Präsident der Graf war, eine Vorstellung zu geben. Er drückte mir auch den Wunsch aus, dass diese Vorstellung von mündlichen Auseinandersetzungen begleitet sein möchte. „Ihre Hilfen sind so fein,“ sagte er mir, „dass wir nicht immer festhalten können, welche genaue Hilfe Sie eigentlich in Anwendung bringen, um das Endresultat zu erzielen, welches wir allerdings jedesmal als vorhanden bestätigen müssen. Wir möchten gern wissen, wie Sie mit so geringen Anstrengungen so Bedeutendes erzielen können. Geben Sie uns die Erklärung dafür!“

Die Vorstellung fand eines Nachmittags im Monat Dezember 1890 statt. Viele höhere Offiziere, Mitglieder des Cercle, waren zugegen. Ich liess meine Pferde arbeiten, aber nicht so, wie etwa bei einer Vorstellung. Bald gab ich meinem Pferde eine Haltung, durch welche ich von ihm, in richtiger Stellung, das gewünschte Resultat erzielte; bald gab ich ihm eine falsche Stellung, um das Unzutreffende zu zeigen, kam schliesslich zu den begangenen Fehlern selbst und begleitete jeden einzelnen Teil der Arbeit mit theoretischen Auseinandersetzungen, welche unmittelbar darauf in der praktischen Ausführung ihre Bestätigung fanden.

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Nach der Vorstellung liessen mich die Offiziere des zweiten Guides-Regiments durch ihren Kommandanten Fivé bitten, zu ihrer Übung einen besonderen Kursus einzurichten.

Ich nahm das mit besonderem Vergnügen an. Die Reitbahn des zweiten Guides-Regiments wurde täglich von zehneinhalb bis zwölf Uhr zu meiner Verfügung gestellt. Der Kursus setzte sich aus dreissig Unterrichtsstunden zusammen.[1]

Ich lasse hier nun den von mir vorgeschriebenen, allmählich sich steigernden Unterrichtsplan folgen, der aufs genaueste durchgeführt wurde:

Zweites Guides-Regiment Sr. Majestät des Königs der Belgier.

Stufenweise Dressur-Arbeit

ausgeführt unter der Leitung von M. JAMES FILLIS.

1. Unterrichtsstunde.

Das Pferd wird einige Tage auf der rechten und linken Hand longiert, um es gehorsam zu machen.

  1. Indiehandstellen: Nachgeben der Kinnladen auf der Stelle und im Gange. (Die rechte Hand erfasst beide Kandarenzügel etwa fünf Zentimeter vom Gebiss entfernt und wird hochgehalten, um Kopf und Hals aufzurichten; der linke, mit der linken Hand erfasste Trensenzügel zieht nach vorn, um der rechten Hand nötigenfalls entgegenwirken zu können.) Sobald das Pferd nachgibt, loben und wieder anfangen.

  2. Rechts und links Schenkel weichen lassen; d. h. die Hinterhand einige Schritte nach rechts und links treten lassen.


  1. Dasselbe geschah seitens des ersten Garde-Regiments, welches seine Reitbahn täglich von neun bis zehneinhalb Uhr zu meiner Verfügung stellte. ↩︎

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2. Unterrichtsstunde.

  1. Arbeit an der Hand: Nachgebenlassen des Unterkiefers. (Direkte Biegung.)

  2. Zu Pferde: dasselbe, dann abgekürzter Trab auf beiden Händen. Mitteltrab.

  3. Versammelter Trab: Renvers rechts und links.

  4. Renversvolte.

3. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung des in der 2. Unterrichtsstunde Erlernten.

  2. Wechseln durch die ganze Bahn. Nachdem zwei Drittel der Diagonale zurückgelegt: Schenkelweichen, so dass das Pferd auf zwei Hufschlägen geht. Dasselbe auf der anderen Hand.

  3. Renvers rechts und links im versammelten Trabe.

4. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der 3. Unterrichtsstunde.

  2. Abgekürzter Trab und Wechseln durch die Bahn.

  3. Galopp anspringen aus dem abgekürzten Trabe auf der rechten und der linken Hand.

  4. Schritt: Indiehandstellen.

5. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der 4. Unterrichtsstunde.

  2. Wechseln durch die ganze Bahn im Galopp. An der anderen Wand Schritt und anderen Galopp anspringen.

  3. Galopp auf dem Zirkel, Schritt, Kehrt, und auf der anderen Hand Galopp anspringen.

  4. Wechseln durch die Bahn und an der entgegengesetzten Bande zum Trab übergehen.

  5. Schritt: Indiehandstellen.

6. Unterrichtsstunde.

  1. Seitliche Biegung des Kopfes und Halses. (Die Zügelhaltung wie bei der direkten Biegung.)

  2. Galopp: Wechseln durch die Bahn, auf dem anderen Hufschlag zum Trab übergehen.

  3. Galopp auf dem Zirkel. Wechseln durch die ganze Bahn, Schritt und anderen Galopp auf dem Zirkel.

  4. Renvers im Galopp. Auf beiden Händen.

  5. Galopp geradeaus und Wechseln durch die Bahn.

  6. Schritt: Indiehandstellen.

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7. Unterrichtsstunde.

  1. Trab: Indiehandstellen, leicht versammeln.

  2. An der Hand: Direkte und seitliche Biegungen im fleissigen Schritt.

  3. Wiederholung dieser Biegungen unter dem Reiter.

  4. Abgekürzter Trab: Indiehandstellen.

  5. Galopp und Kontergalopp.

  6. Renversgalopp.

  7. Traversgalopp auf dem Zirkel.

  8. Im Schritt: versammeln.

8. Unterrichtsstunde.

Wiederholung der 7. Unterrichtsstunde.

9. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der 7. Unterrichtsstunde.

  2. Kadenzierter Trab in beständiger Versammlung.

  3. Vermehrtes Indiehandstellen, um die Versammlung zu verbessern.

10. Unterrichtsstunde.

  1. Dieselbe Arbeit in gesteigertem Masse.

  2. Versammelter Trab und Bewegungen auf zwei Hufschlägen.

  3. Halbe Wendungen auf der Hinterhand im Schritt.

11. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der vorigen Unterrichtsstunde.

  2. Galopp und Kontergalopp geradeaus.

12., 13. und 14. Unterrichtsstunde.

Wiederholung der Arbeit der 11. Unterrichtsstunde.

15. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der vorhergehenden Arbeit.

  2. Vermehrtes Indiehandstellen und vermehrte Versammlung.

  3. Versammelter Trab: Renvers auf dem Zirkel.

  4. Travers auf dem Zirkel.

  5. Versammeln und von der Stelle Galopp anspringen. Auf beiden Händen.

517

16. Unterrichtsstunde.

  1. Abgekürzter Trab: In die Hand stellen.

  2. An der Hand: Direkte und seitliche Biegungen.

  3. Schultrab: Renvers, Travers, Wechseln durch die ganze Bahn im Travers.

  4. Auf dem Zirkel: Dieselben Bewegungen.

  5. Galopp und Kontergalopp.

  6. Wechseln durch die Bahn mit Übergang zum Trabe.

  7. Vervollkommnetes Indiehandstellen im versammelten Trabe.

17. Unterrichtsstunde.

  1. Dieselbe Arbeit in gesteigertem Masse.

  2. Vermehrtes Indiehandstellen im versammelten Trabe.

  3. Halbe Wendungen auf der Hinterhand.

18. Unterrichtsstunde.

Wiederholung derselben Arbeit, immer verbessernd.

19. Unterrichtsstunde.

  1. Versammelter Trab: Indiehandstellen.

  2. An der Hand: Direkte und seitliche Biegungen.

  3. Schultrab: Renvers und Travers.

  4. Halbe Wendungen auf der Vorhand rechts und links.

  5. Galopp und Kontergalopp.

  6. Wechseln durch die ganze Bahn im Galopp, auf dem neuen Hufschlage Schritt und anderen Galopp anspringen.

  7. Rechtsgalopp geradeaus, nach einigen Sprüngen Schritt und Linksgalopp anspringen. Mehrmalige Wiederholung dieser Übung auf beiden Händen.

  8. Renvers- und Traversgalopp auf dem Zirkel.

  9. Renversgalopp geradeaus. (Niemals Traversgalopp an der Wand, um dem Pferde nicht die eigenwillige Schiefstellung anzugewöhnen.)

  10. Im Schritt: Vervollkommnetes Indiehandstellen.

20. Unterrichtsstunde.

  1. Versammelter Trab: Indiehandstellen.

  2. An der Hand: Direkte und seitliche Biegungen.

  3. Schultrab: Renvers und Travers. Wechseln durch die Bahn im Travers. Dasselbe auf der anderen Hand.

518
  1. Auf dem Zirkel: Dieselben Bewegungen.

  2. Galopp, Wechseln durch die Bahn, Kontergalopp und Übergang zum Trab. Dasselbe auf der anderen Hand.

  3. Vollkommenes Indiehandstellen im Schritt.

21. Unterrichtsstunde.

  1. Direkte und seitliche Biegungen mit der Kandare bei erhöhter Kopfstellung.

  2. Stark versammelter Schultrab: Renvers und Travers.

  3. Anhalten. Rückwärtsrichten. Vorwärtstreten. Auf beiden Händen mehrmals wiederholen.

  4. Schultrab: Halbe Volte und im Renvers weiter. Auf beiden Händen.

  5. Galopp und Kontergalopp geradeaus.

Wechseln durch die ganze Bahn, auf dem neuen Hufschlage Schritt und anderen Galopp anspringen.

  1. Halbe Volte im Galopp und beim Ankommen an der Bande einen fliegenden Galoppwechsel, d. h. ohne Anhalten.

  2. Renvers im Galopp. (Auf beiden Händen.)

  3. Galopp und Kontergalopp auf dem Zirkel.

  4. Im Schritt: Vollkommenes Indiehandstellen.

22. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der vorigen Unterrichtsstunde.

  2. Galopp: Halbe Bahn (doubler), einigemal wiederholen. Halbe Volte im Galopp, den letzten Teil auf zwei Hufschlägen (volte renverse), beim Ankommen an der Bande einige Sprünge im Kontergalopp, dann einen fliegenden Galoppwechsel nach innen. (Auf beiden Händen.)

  3. Volten im Traversgalopp auf beiden Händen.

  4. Schritt.

  5. Abwechselnd Rechts- und Linksgalopp, 3 Sprünge auf jedem Fuss öfter wiederholen. Auf beiden Händen.

  6. Schritt: Vervollkommnetes Indiehandstellen.

  7. Vorbereitung zum Passagieren durch sehr versammelten Schultrab.

23. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der Übungen in der vorigen Stunde.

  2. Vervollkommnetes Indiehandstellen und Versammeln im Schritt und Schultrab, als Vorbereitung zum:

  3. Passagieren.

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24. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung des in der 22. Unterrichtsstunde Erlernten.

  2. Vermehrte Versammlung, um das Passagieren zu verbessern.

25. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung des in der 22. Unterrichtsstunde Erlernten.

  2. Zum Schluss das vollkommenste Indiehandstellen.

26., 27., 28., 29. und 30. Unterrichtsstunde.

  1. Wiederholung der Arbeit aus der 22. Unterrichtsstunde; mehr und mehr verschärftes Indiehandstellen.

  2. Passagieren; einige Tritte; beloben; wieder anfangen.

Brüssel, 5. Januar 1891.

Der Kommandant Adjutant-Major F. de Hase.

Die Resultate waren ausgezeichnet, wie der nachstehende Brief bezeugt; auf Grund desselben richte ich an die unterzeichneten Herren hierdurch meinen verbindlichsten Dank.

Werter Herr Fillis!

In dem Augenblick, da Sie eine neue Ausgabe ihrer Abhandlung über die „Grundsätze der Dressur und Reitkunst“ erscheinen lassen, halten wir es für angezeigt, Ihnen unsere Bewunderung zu bezeugen für die ausgezeichneten Grundzüge, welche Sie uns gelehrt haben.

Sie haben uns gelehrt, dass bei der Dressur des Pferdes vernünftige Energie und siegreiche Geduld sich sehr wohl vereinigen lassen.

Je mehr man sich von seiner Heftigkeit hinreissen liess, desto unzeitgemässer waren die für die Erfolge verhängnisvollen Strafen.

520

Dank Ihrer Methode und Leitung haben wir es in dreissig Unterrichtsstunden erreicht, unsere von Charakter ganz verschiedenen Pferde vollkommen brauchbar zu machen, ohne dass auch nur eines derselben dadurch beschädigt worden wäre. Auch müssen wir anerkennen, dass die Grundsätze, welche von uns bisher befolgt wurden, weit entfernt waren, uns so schnelle und befriedigende Resultate zu liefern.

Wir haben uns, verehrter Herr Fillis, für verbunden gehalten, den Ihnen schuldenden Lobeserhebungen noch die zahlreichen Beweise von Bewunderung hinzuzufügen, die Ihnen überall entgegengebracht sind, und wir bitten Sie, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Gesinnungen entgegenzunehmen.

Der Kommandant Adjutant-Major F. de Hase.

Der Kapitän Kommandant: Lambert.

Kommandant Fivé.

Leutnant Cec. Herg.

Kapitän de Formanoi.

Pr.-Leutnant P. Biourge.

Leutnant Le Grand.

Leutnant Jeidelo.

Kapitän Leclerq.

Leutnant F. Docq.

Pr.-Leutnant Comte Jean de Merod.

Pr.-Leutnant M. d'Hespel.

Pr.-Leutnant R. Pycke.

Pr.-Leutnant Vanloquere.

Kapitän Bia.

Ich will noch bemerken, dass in Belgien niemand auf die Idee gekommen ist, mir einen Vorwurf daraus zu machen, dass ich meine Pferde in einem öffentlichen Zirkus zeigte. Man erkennt im Gegenteil gerade in diesem Lande an, dass ein Zirkus der einzige Ort ist, wo die mit der Reitkunst verbundene Arbeit vorgenommen werden kann und für einen Reitmeister, im Zirkus zu reiten ebenso natürlich ist, als für einen

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lyrischen Künstler, sich in der Oper hören zu lassen, für einen Akademiker, das grüne Gewand anzulegen, um so unter der Kuppel der Académie française seine Rede zu stammeln. Ich kann zugleich hervorheben, dass ich als Nichtmilitär in Brüssel keinem Misstrauen in militärischen Kreisen begegnet bin. Von einem Reitmeister muss man verlangen, dass er dasjenige gründlich versteht, was lehren zu können er Anspruch erhebt. Die Offiziere der Kavallerie aber sollen nicht nur die Reitkunst verstehen, sondern auch noch eine unendliche Anzahl anderer Dinge wissen, die ihnen nur sehr knappe Zeit lassen, die Wissenschaft der Reiterei bis zu den äussersten Grenzen zu betreiben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass selbst bei der Kavallerie Spezialisten für die Reitkunst vorhanden sein müssen. Ich glaube, dass ich in dieser Beziehung mit den Kavallerie-Offizieren der belgischen Armee, mit welchen ich die Ehre hatte, in Verbindung zu treten, getreulich eine und dieselbe Meinung vertrete.

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Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) in Stuttgart

Im Anschluss an die „Grundsätze der Dressur und Reitkunst“ ist erschienen:

Tagebuch der Dressur

Aus dem Französischen übersetzt von Gustav Goebel, Lehrer der höh. Reitkunst. 436 Seiten gr. 8° mit dem Porträt des Verfassers und 32 Abbildungen auf 28 Tafeln. Preis geheftet Mk. 12.–, in hochfeinem Halbfranz geb. Mk. 16.50

Die Logik in der Reitkunst

von Oberst a. D. Spohr

I. Teil: Über die Beziehungen der Reit- und Dressurhilfen zu der anatomischen Mechanik des Pferdes. 8°. 112 Seiten. Geheftet Mk. 2.80, gebunden Mk. 3.85

II. Teil: Die elementare Reitdressur auf Grund der mit der Mechanik des Pferd. übereinstimmend. Hilfen. 8°. 84 Seiten m. 6 Abbildungen. Geheftet Mk. 1.50, gebunden Mk. 2.45

III. Teil: Die rationelle Korrektur schwieriger, verdorbener und bösartiger Pferde. 8°. 164 Seiten. Geheftet Mk. 3.50, gebunden Mk. 4.65

IV. Teil: Die hohe Schule und ihre Beziehungen z. Kampagnereiterei. 8°. 211 Seiten mit einem Titelbild und 12 Textabbildungen. Geheftet Mk. 4.80, gebunden Mk. 6.05

Gesamtausgabe. Vier Teile in einem Band. 8°. In Leinen eleg. geb. Mk. 15.40

Das Buch vom Pferde

Ein Handbuch für jeden Besitzer und Liebhaber von Pferden von Graf C. G. Wrangel

Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. 2 Bände mit 960 Abbild. im Text, 20 Vollbildern und dem Porträt des Verfassers

Preis brosch. Mk. 20.–, in zwei eleg. Original-Halbfranzbänden Mk. 27.50

Inhalt: Die Fütterungslehre. — Die Putzpflege. — Die Bewegung. — Der Stall. — Die Stall-untugenden des Pferdes. — Die Behandlung der Wagen, der Geschirre, der Reitzeuge usw. — Die Reitkunst. — Die Fahrkunst. — Das Hauptsächlichste der Anatomie und Physiologie des Pferdes. — Die Zahnlehre. — Das Exterieur des Pferdes. — Der Hufbeschlag. — Die gewöhnlichsten inneren und äusseren Krankheiten des Pferdes. — Die Pferderassen. — Die Zucht.

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Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) in Stuttgart

Die Rassen des Pferdes

ihre Entstehung, geschichtliche Entwicklung und charakteristischen Kennzeichen

von Graf C. G. Wrangel

Zwei stattliche Bände mit 168 Abbildungen, vielen Tabellen und Stammbäumen, sowie zwei Kunstbeilagen

Preis elegant geb. Mk. 24.–, in hochfeinem Halblederband geb. Mk. 33.–

Taschenbuch des Kavalleristen

Enthaltend: die Grundlagen der Pferdekunde zum Selbststudium und zum Gebrauch an militärischen Unterrichtsanstalten.

von Graf C. G. Wrangel

Mit 206 Abbildungen in Holzschnitt. 3. Auflage. — Preis gebunden Mk. 3.30

Ungarns Pferdezucht

in Wort und Bild

von Graf C. G. Wrangel.

Zusammen 4 Bände mit 148 Vollbildern und vielen Abbildungen im Text. I. und II. Band: Die Kgl. Ungarischen Staatsgestüte. III. und IV. Band: Die ungarische Landespferdezucht und die Privatgestüte.

Preis:

Band I. und II. geheftet Mk. 28.–, in Original-Halbfranz gebunden Mk. 35.20

Band III. und IV. geheftet Mk. 28.–, in Original-Halbfranz gebunden Mk. 35.20

Das Luxusfuhrwerk

Ein Handbuch für Equipagenbesitzer von Graf C. G. Wrangel.

Mit 134 Abbildungen.

Preis: Elegant brosch. Mk. 10.–, in eleg. Originalleinwandband mit farb. Reliefpressung Mk. 13.20

Inhalts-Verzeichnis: Historisches. — Die Gala-Equipage. — Die vierspännigen Luxus-Equipagen. — Die zweispännigen Luxus-Equipagen. — Das Tandem. — Die einspännigen Luxus-Equipagen. — Praktische Winke: I. Für die Behandlung der Wagen. II. Für Behandlung der Geschirre. III. Für den Kutscher.

525

Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) in Stuttgart

Die Konkurrenzen zu Pferde an den Olympischen Spielen zu Stockholm

Mit einem Anhang: Die Kavallerie-Reitschulen zu Saumur, Pinerolo und Tor di Quinto

von Gustav Rau

203 Seiten 8°. Mit 51 Abbildungen. Preis geh. Mk. 4.50, eleg. geb. Mk. 5.95

Die deutschen Pferdezuchten

Studien über die Abstammung ihrer Vertreter und deren Typen auf Grund der Hamburger D.-L.-G.-Ausstellung 1910

Von Gustav Rau

Gr. 8°. 129 Seiten mit 52 Pferde-Porträts und 218 Stammtafeln. Preis: in Ganzleinen elegant gebunden M. 8.80

Die Not der deutschen Pferdezucht

Eine kritische Darstellung der bestehenden Verhältnisse und Vorschläge zu ihrer Verbesserung

Von Gustav Rau

256 Seiten 8°, mit vielen Tabellen und Stammbäumen. Preis geheftet Mk. 4.–

Inhalt: Die deutschen Edelzuchten: Die Ostpreussen. — Die Hannoveraner. — Die Holsteiner. — Die Oldenburger. — Die Kaltblutzucht in Deutschland. — Die deutsche Vollblutzucht. — Der Traber und seine Verwendung in der Landespferdezucht. — Das Hauptgestüt Graditz. — Die preussische Gestütsverwaltung. — Schlussfolgerungen. — Über Rennen der Halbblutbeschäler und Rennen für Halbblutpferde überhaupt. — Pferdeausstellungen und Concours hippiques. — Pferd und Automobil.

Aufgaben und Entwicklung der Deutschen Landespferdezucht

im Vergleich zur Landespferdezucht in Frankreich und Ungarn

Mit einem Anhang: Die Zucht des Anglo-Arabers in Frankreich und die Zucht des Arabers in dem ungarischen Staatsgestüt Bábolna

Von Gustav Rau

100 Seiten 8°. Preis geheftet Mark 2.50; elegant gebunden Mk. 3.30

526

Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) in Stuttgart

Hinter den Hunden

Jagd- und Reitskizzen aus England

von G. Crichton-Hamilton

238 Seiten mit 24 Vollbildern

Preis in Originalleinen elegant gebunden Mk. 8.25

Wie springt das Pferd über Hindernisse?

und der daraus resultierende Grundgedanke aller naturentsprechenden Reitsysteme.

Eine Kasino-Plauderei von Major z. D. v. d. Decken

Mit 15 Abbildungen. Preis geh. Mk. 1.80, elegant geb. Mk. 2.75

Das Privatgestüt Seiner Majestät des Königs Wilhelm II. von Württemberg

Weil, Kurze Beschreibung zusammengestellt von der Gestütsleitung, mit Abstammungstafeln, Stammbäumen, einem Lageplan des Gestüts und 8 Abbildungen

Preis elegant gebunden Mk. 3.30

Stutbuch von Weil

dem Privatgestüt Seiner Majestät des Königs Wilhelm II. von Württemberg

Bearbeitet von der Gestütsleitung. I. Band

Gr. 8°. 95 Seiten. Text mit einem Lageplan, 32 Stammbäumen und 12 Seiten Familientafeln. — Preis elegant gebunden Mk. 6.60

Ausführliches Verzeichnis hervorragender Sportwerke auf Verlangen kostenlos.